BGH · II ZR 144/67
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ja ja GmbHG §§ 5, 55» BGB § 366 Eine Zahlung, hei der dem leistenden nach Vereinbarung oder Übung der Beteiligten Vorbehalten bleibt zu bestimmen, auf welche von mehreren Verbindlichkeiten die Leistung angerechnet werden soll, kommt als Erfüllung einer in Geld bestehenden Einlagepflicht nur in Betracht, wenn er (oder der für ihn Leistende) eine entsprechende Zweckbestimmung trifft, und unter der Voraussetzung, daß der Einlagebetrag in diesem Zeitpunkt noch unverbraucht zur Verfügung der Gesellschaft steht» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 2» Dezember 1968 unter Mitwirkung des .Senatopräsidenten Dr= Kuhn und der Bundesrichter Dr» Dörr, Liesecke, Dr» Schulze und Pieck für Hecht erkannt: Die Werft schuldete ihrerseits der Beklagten zu 1 aus einem im November 1959 erhaltenen und mit einer Prist von drei Monaten kündbaren Darlehen den Betrag von November1 I960 bei der Überreichung des Schecks versehentlich unterlassen zu erwähnen, daß hieraus 125 000 DM für Rechnung der Beklagten zu 1 als deren Anteil an der Kapitalerhöhung zu verwenden seien; sie bitte, diesen Irrtum richtig zu stellen und der Beklagten zu 1 die erfolgte Kapitalerhöhung zu bestätigen. Der Kläger fordert mit seiner Klage auf Zahlung von 125 000 DM von den Beklagten die Erfüllung der Einlageschuld aus der Kapitalerhöhung« Er hat geltend gemacht, die Scheckzahlung vom 31° Oktober I960 habe diese erst später fällig gewordene Schuld nicht getilgt« Mit ihr habe vielmehr ein Teil der schon fällig gewesenen und dringend angemahnten Schiffsbauforderungen der Werft ab-godeckt werden sollen. hach den rechtlich einwandfreien Feststellungen des Berufungsgerichts haben die Beklagten nicht bewiesen', daß schon vor oder bei der am 31» Oktober I960 erfolgten Hergabe der beiden Schecks bestimmt worden ist, mit einem Teilbetrag von 125 000 DM solle die Einlageschuld der Beklagten zu 1 erfüllt werden» Vielmehr besteht die Möglichkeit, daß die Scheckzahlung ursprünglich in voller Höhe der Befriedigung von Schiffsbauforderurigen der Werft dienen sollte oder ihr Verwendungszweck, einer ständigen tjbung der Beteiligten entsprechend, zunächst offengeblieben ist, bis der Leistende eine endgültige Bestimmung traf» Hieraus folgert das Berufungsgericht, es sei nicht erwiesen, daß die Beklagte zu 1 ihre gemäß § 55 GmbHG auf das erhöhte Kapital zu leistende Stammeinlage bereits am 31» Oktober I960 eingezahlt habe» Eine nachträgliche Bestimmung, die Scheckbeträge sollten als auf die Stammeinläge geleistet gelten, lasse sich jedenfalls für die Zeit bis zu dem 9« November I960 nicht föstateilen«,' Zu einem späteren Zeitpunkt habe sie aber nicht mehr wirksam werden können, weil das Geld schon vorher ausgegeben worden sei und somit der Werft bei der endgültigen Zweckbestimmung nicht mehr unverbraucht zur Verfügung gestanden habe. angeblichen.Schreibens vom 9« November I960 ankäme, um eine Zahlung auf eine künftige Einlageschuld» Eine solche Zahlung wäre' als Einlagesahlung unwirksam, da die Verrechnung im voraus eingozahlter Beträge mit späteren Einlageschulden nur im Wege der Sacheinlagevereinbarung möglich ist (Wiedemann, ■ GmbHRdsch 1967, 146, 147) und die hierfür vorgeschriebene form (§ 56 Abs» 1 GmbHG) nicht eingehalten ist» Bio Beklagte zu 1 wäre daher durch die vorzeitige Zahlung nur unter der hier nicht gegebenen Voraussetzung von ihrer Einlageschuld frei geworden, daß der gezahlte Betrag der Werft noch im. Bor vorliegende Pall gibt keine Veranlassung, zu der Frage, wann bei einer Kapitalerhöhung die Einlageschuld entsteht und fällig wird, grundsätzlich Stellung zu nehmen und insbesondere zu erörtern, ob die Einlageverpflichtung auch dann erst mit der Eintragung ins Handelsregister wirksam wird und somit erfüllt werden kann, wenn Kapitalcrhöhun.gsbenchluß und Übernahmeerklärung, wie hier, einen früheren Zahlungstermin vorsehen (so EG JW 1938, 1400'; a.M» Boosebeck, ebenda, und für die Genossenschaft; BFB WH 1963, 624)» Denn, auch wenn man den im Kapitalerhöhungsbeschluß vom 13° Oktober I960 genannten Zeitpunkt zugrundelegt, hat die Beklagte zu 1 ihre Einlageverpflichtung nicht wirksam erfüllt» 1« Die Einlageschuld ist nicht schon dadurch erloschen, daß der Werft nach dem Kapitalerhöhungsbeschluß ein Geldbetrag in entsprechender Höhe zur Verfügung gestellt wurde« Nach § 362 BGB erlischt das Schuldverhält-nis, wenn der Schuldner oder für ihn ein Dritter (§ 267 BGB) die geschuldete Leistung an den Gläubiger bewirkt« Diese Wirkung kann aber nur eintroten, wenn die Schuld, auf die geleistet und die hierdurch getilgt werden soll, zwischen den; Beteiligten hinreichend bestimmt oder wenigstens bestimmbar ist« Die hiernach notwendige Bestimmung ist grundsätzlich vom Schuldner (oder dem für ihn leistenden Dritten) bei der Leistung zu treffen (§ 366 Abs» 1 BGB) o An einer solchen Bestimmung fehlt es hier, wenn man mit dem Berufungsgericht zugunsten der' Beklagten unterstellt, die Scheckzahlung vom 31» Oktober I960 sei nicht von vornherein auf die Schiffsbauforderungen der Werft erfolgt, sondern ihre Verwendung sei auf Grund einer stillschweigenden Übereinkunft der Beteiligten zunächst in der Schwebe geblieben« In diesem Pall war nicht nur die zu tilgende Schuld, sondern auch die Person des Schuldners unbestimmt, weil nach Lago der Sache verschiedene Schuldverhältnisse mit jeweils verschiedenen Schuldnern in Präge kamen» So richtete sich die Einlageforderung gegen die Beklagte zu 1, während für die Werklohnansprüche der Werft die Bartenreederei oder die J» A. Reinecke OHG dieselben Gesellschafter hatten (vgl» Hueck, Das Recht der OHG 3> Aufl« § 1 IV 2)« Aus diesem Grund und wegen der hier unterstellten Vereinbarung, wonach dem Leistenden die Zweckbestimmung Vorbehalten blieb, ist auch die gesetzliche Regel des § 366 Abs« 2 BGB unanwendbar» Die bloße Hergabe und Einlösung der beiden Schecks hatte daher keine schuldtilgende Wirkung,* Denn eine Zahlung, bei der abrede- oder übungsgemäß offengelassen wird, welche oder gar wessen Schuld getilgt wird, geht zwar endgültig in das Vermögen des Empfängers über; sie unterliegt nicht, Wie ein darlehensweise oder ohne Hechtsgrund hingegebener Betrag, der Rückforderung» Aber solange der Leistende nicht klargestellt hat, auf welche Schuld die Leistung anzurechnen ist, kann keine der in .Frage kommenden Verbindlichkeiten als erfüllt angesehen werden, weil dann immer noch die Möglichkeit einer abweichenden Tilgungsbestimmung offen ist» : 2» Das Berufungsgericht hat es daher mit"Recht daraufv abgostellt, ob und wann der Werft eine rechtsgeschäftlich verbindliche Erklärung sugegangen ist oder sich eindeutig aus den Umständen ergab, daß ein Teilbetrag der Scliecksum-mc in Höbe von 125 000 DM als Einlage der Beklagten zu 1 bestimmt seil Bo hat eine solche Bestimmung nicht schon in dem Schreiben der Beklagten zu 1 vom 1. November I960 gesehen» Hiergegen wendet sich die Revision erfolglos» Das Berufungsgericht hat jenen Brief rechtlich fehlerfrei dahin gewürdigt, sein Wortlaut spreche eher dafür, daß die Jo Ao ■mmmm, OHG die erbetene Zahlung für Rechnung der Beklagten zu 1 erst in Zukunft habe leisten sollen» Danach ließ der Brief nicht mit der im Rechtsverkehr gebotenen Klarheit erkennen, schon die am Vortag erfolgte Hergabe ider beiden Schecks solle als Leistung auf die Einlage behandelt worden» Sr konnte dieser Leistung daher nicht die bis dahin fehlende schuldtilgende Wirkung verleihen» Ob dies, wie das Berufungsgericht meint, auch deshalb ausgeschlossen ist, .weil das Schreiben von der Beklagten zu 1 und nicht von der Ausstellerin der beiden Schecks, der November I960 liegenden) Zeitpunkt erloschen, in dem die Scheckzahlung hierfür bestimmt wurde, so hat das Berufungsgericht auch darin Recht, daß mindestens noch in diesem Zeitpunkt der in Geld geschuldete Einlagebetrag unverbraucht zur Verfügung der ; Gesellschaft stehen mußte. 1 ichon Anrechnungsbe s11 mrrrung des SchuIdners eo angesehen werden soll, wie wenn diese Bestimmung schon bei der Leistung erfolgt wäre, wenigstens insoweit möglich sind, als ihre Wirkung auf die Parteien selbst beschränkt "bleibt und die Gefahr eines Mißbrauchs ausgeschlossen ist. BGH IM GmbHG § 57 Nr* 1)„ Die Gefahr, daß ein in die Gesellschaftskasse geflossener Geldbetrag nicht mehr als Einlage verwendet werden kann, weil er ausgegeben ist, trägt mithin der Einlageschuldner, der es versäumt oder bewußt unterlassen hat, eine solche Zweckbestimmung schon bei der Leistung zu treffen.