BGH · II ZR 140/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
2. den Oberschleusenmeister Gustav iflgp von der zu laden bei dem Wasser- und Schi^uihrtsamt Beklagte und Revisionsbeklagte - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Freiherr von Der II* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 1* April 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr» Fischer und der Bundesrichter Dr» Nörr, Liesecke, Dr» Bukow und Fleck für Recht erkannt: Die Kammer der Ruhr-Schleuse ist 350 m lango Als der Schleppzug "B 207” einfuhr, lagen bereits 3 Motorschiffe darin» Die beklagte Bundesrepublik hat das Personal der Schleuse nicht angewiesen, darauf zu achten, daß bei grünem Licht nur so viel Schiffe in die Kammer einfahren, als hineinpassen» Sie ist der Ansicht, die Schiffe müßten selbst beurteilen und abschätzen, ob ihr Schiff in der Kammer noch Platz finde» Bas Schleusenpersonal schreitet deshalb erst dann ein, wenn das Schleusentor geschlossen werden soll und ein nicht ganz in der Kammer liegendes Schilf dies unmöglich macht» Bas betreffende Schiff muß dann in den Schleusenvorhafen zurück» Bie Klägerin sieht in dieser Untätigkeit der Bundesrepublik einen für den Unfall ursächlichen Verstoß gegen die ihr obliegende Verkehrssicherungspflicht; diese gebiete, darauf zu achten, daß nur so viel Schiffe in die Kammer einführen, als hineinpaßten, und solche Einheiten anzuhalten, die nicht mehr einfahren konnten» Bie Klägerin hält auch den beklagten Schleusenmeister für verantwortlich, weil er den die Schleuse bedienenden Schleusenwärter nicht genug überwacht habe» Die der Bundesrepublik obliegende Verkehrssicherungspflicht gebiete es nicht, die an der Ruhrschleuse bei grünem Licht auf die Kammer zufahrenden Schiffe darauf-hin zu beobachten, ob alle geschleust v/erden könnten, und Einheiten zurückzuweisen, die erkennbar nicht mehr in die Kammer paßten» Es sei an dem Grundsatz festzuhalten, daß der Umfang der Verkehrssicherungspflicht sich nach der Notwendigkeit richte» Erforderlich seien nur solche Maßnahmen, die zur Gewährleistung eines sicheren und reibungslosen Verkehrs getroffen v/erden müßten» Schon die bisherige Entwicklung zeige, daß die von der Klägerin vermißten Maßnahmen der Beklagten zu 1 nicht erforderlich seien» Ihr Fehlen habe bis heute zu wesentlichen Unzuträglichkeiten nicht geführt» Das könne schon daraus entnommen werden, daß der vorliegende Fall der erste Unfall sei, über den wegen der fehlenden, nach der Behauptung der Klägerin aber erforderlichen Regelung zu entscheiden sei» Es bedeute auch keine Überforderung des einzelnen Schiffers, ihm die Prüfung der Frage zu überlassen, ob mit Rücksicht auf die anderen schon in die Schleusenkammer eingefahrenen oder einfährenden Schiffe das eigene noch hineinpasse» Er kenne die Maße der Schleusen-Kammer und seines eigenen Schilfes» Er könne weiter sehen, welche Schiffe vor ihm einfahren und deren Maße zu demindest ungefähr richtig schlitzen» Der Schluß, ob das eigene Schiff noch in die Kammer einfahren könne, sei von dieser Grundlage aus nicht 2» Der Verkehr in Schleusen ist im XII» Abschnitt BSchSO (§§ 101 bis 105) geregelt» Die Schleuseneinfahrt war dem Schleppzug 1!D 207" durch die beiden grünen Lichter freigegeben worden» Das bedeutete, daß der Schlepp-sug, und zwar auch sein letzter Anhang, solange nicht eine gegenteilige Weisung erfolgte, über das vor der Schleuse befindliche Haltezeichen hinausfahren (§ 101 Nr„ 2 BSchSO) und in die Schleuse einfahren durfte (§ 105 Nr» 1 c)» Das bedeutete aber entgegen der Meinung der Re-vision nicht, daß damit die Gewähr übernommen wurde, daß alle Fahrzeuge des Schleppzuges in der Kammer Platz finden würden» Die Übernahme einer solchen Gewähr verbietet sich schon aus praktischen Gründen; der Kammerraum muß soweit wie möglich ausgenutzt werden; ob ein Fahrzeug noch in der Kammer aufgenommen werden kann, kann unter Umständen erst entschieden werden, wenn es eingefahren ist» Denn die Aufnahmefähigkeit der Kammer hängt nicht nur von ihrer Länge und der Länge der aufzunehmenden Fahrzeuge, sondern auch von ihrer Breite und der Breite und Schiffsform der Fahrzeuge ab; durch entsprechende Verschachtelung der Fahrzeuge kann die Aufnahmefähigkeit der Kammer erhöht werden» Das Schleusenpersonal wird zwar pflichtgemäß die Einfahrt eines Fahrzeuges, das keinen Platz mehr hat, in die Kammer verhindern müssen, um unnötige Schiffsbewegung und den damit verbundenen Zeitverlust zu vermeiden» Der Revision kann aber nicht zugegeben werden, daß in solchen Fällen zur Sicherung des Verkehrs die Wegnahme der grünen Lichter oder eine entsprechende Wahrschau geboten ist» Das könnte nur der Fall sein, wenn durch das Unterlassen dieser Maßnahmen eine Gefahrenlage entstehen würde» Die Revision nimmt dies zu Unrecht an» Jedes Fahrzeug muß bei der Einfahrt in die Kammer mit ganz besonderer Sorgfalt navigieren» Dazu muß sich ein Schleppkahn der Pestmachevorrichtungen (Pollern und Haltekreuzen) bedienen» Dieses Anhaltemanöver ist weder besonders schwierig noch birgt es besondere Gefahren in sich, sondern hält sich im Rahmen der normalen Navigation, v/ie sie beim Schleusen üblich ist» Wären die Pestmachevorrichtungen nicht ordnungsgemäß, insbesondere nicht in den richtigen Abständen vorhanden gewesen, so könnte hierin eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht liegen; in dieser Richtung hat aber die Klägerin nichts vorgetragen» Der Unfall ist deshalb darauf zurückzuführen, daß die Besatzung von "Animo" auf das Anhaltesignal ihres Bootes diese Vorrichtungen im Gegensatz zu ihren Vordermännern nicht richtig benutzt hat» Die Kahnbeoatzung kann mit ihrem Schutzvorbringen, sie habe darauf vertraut, der Schleppzug werde seine Pahrt in der Kammer fortsetzen können, nicht gehört werden» Wie ausgeführt, geben ihr weder die grünen Lichter noch das Unterlassen der V/ahrschau eine Gewähr dafür, daß sie mit ihrem Kahn in der Kammer Platz finden werde; selbst wenn sie darin Platz gefunden hätte, hätte sich die Notwendigkeit, auf das Signal ihres Bootes vor der Erreichung ihres Platzes zu halten, aus anderen Gründen ergeben können, Zo B» weil die vorausliegenden Fahrzeuge sich noch nicht genügend aufgeschlossen hatten» Es kommt auch nicht darauf an, ob die Kahnbesatzung genügend Überblick über alle vor ihr eingefahrenen Schiffe habe» Sie hatte, um rechtzeitig anhalten zu können, auf das Verhalten ihres Vordermannes zu achten, das Anhaltesignal ihres Bootes sofort zu befolgen und dementsprechend sich der Pestmache-