BGH · II ZR 139/54 vom 22.12.1955
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$ 142 HGB, nachdem er zuvor durch eine Kündigung die Gesellschaft zur Auflösung gebracht hat, ae können die geltend gemachten Über- : nahmegründe nur unter dem Gesichtspunkt beurteilt werden, ob die Übernahme das äußerste Kittel darstellt, um dem klagenden Gesellschafter die Durchführung einer sachgemäßen . - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Frof.Dr. hat der II« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 19* Dezember 1955 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Canter und der Bundesrichter Dr. Delbrück, Dr« Haidinger, Dr« Fischer und Dr. Kuhn für Hecht erkannt 3 Seit vielen Jahren bestehen tiefgreifende Zerwürfnisse zwischen den Parteien* In einem Verfahren zwecks alleiniger Übernahme des Geschäfts (§ 142 HGB), das die Parteien während des Krieges in Form dor Klage und Wider-klage wechselseitig gegeneinander führten, vereinbarten sie vergleichsweise, daß die Liquidation der Gesellschaft bis zu dem 31* Dezember 1944 aufgeschoben werden solle. Es kann hier offen bleiben, ob diese Rügen gegenüber der vom Berufungsgericht vertretenen rechtlichen Beurteilung berechtigt sind oder nicht* Denn das Berufungsurteil erweist sich bereits aus einem anderen rechtlichen Grunde im Ergebnis als richtig* Für die Entscheidung Uber den gestellten Klagantrag ist es von wesentlicher Bedeutung, daß die Gesellschaft der Parteien nach den nicht angegriffenen und rechtlich einwandfreien Darlegungen des Berufungsgerichts im Zeitpunkt der Klagerhebung auf Gruxid der vom Kläger ausgesprochenen Kündigung bereits aufgelöst war. Dieser Umstand steht zwar nicht der Erhebung einer tlbernahmeklage nach § 142 HGB entgegen (BGHZ .1, 324), ist aber für die Beurteilung einer erst nach der Auflösung der Gesellschaft erhobenen Klage von einer ganz wesentlichen Bedeutung, und zwar vor allem dann, wenn die Auflösung durch eine zuvor ausgesprochene Kündigung des klagenden Gesellschafters herbeigeführt worden ist. Pieser Umstand ist, wie der erkennende Senat bereits in seiner Entscheidung in BGHZ 1, 324 näher dargelegt hat, für die Beurteilung einer übernähmeklage von entscheidender Bedeutung« In diesem Stadium sind die geltend gemachten Übernahmegründe nur noch;unter dem Gesichtspunkt zu beurteilen, ob die Gründe in der Person des anderen Gesellschafters der Purchführung einer sachgemäßen und gerechten Abwicklung entgegenstehen und ob sie in dieser Hinsicht so entscheidend sind, daß hei den gegebenen Verhältnissen auch andere Maßnahmen nicht die Gewähr für die Purchführung der Abwicklung in der gebotenen Form zu geben vermögen. So wie die übernähme nach § 142 HGB auch bei einer werbenden Gesellschaft niemals den Zweck einer Bestrafung des verklagten Gesellschafters verfolgt, sondern nur das äußerste Mittel darstellt, um dem Vertragstreuen Gesellschafter die Führung des Unternehmens zu ermöglichen, so müssen bei einer Übernahmeklage im Abwicklungsstadium der Gesellschaft - der Fall, in dem der andere Gesellschafter dem Übernahmeverlangen des Vertragstreuen Gesellschafters durch eine von ihm herbeige-fuhrte Auflösung der Gesellschaft zuvor gekommen ist, und zwar zu dem Zweck, dem übernahmeverlangen seine rechtliche Grundlage zu entziehen, kann hier außer. führung einer sachgemäßen und gerechten Abwicklung zu ermöglichen* Das gilt in einem Pall der vorliegenden Art, in dem der klagende Gesellschafter durch eine Kündigung bereits vor Erhebung der Klage die Auflösung der Gesellschaft herbeigeführt hat, auch dann, wenn die von ihm geltend gemachten Oberhahmegründe bereits vor Ausspruch seiner Kündigung vorliegen und bei einer werbenden Gesellschaft für die Zubilligung eines Überfahrnerechte ausgereicht haben würden* Denn derartige Übernahmegründe geben dem klagenden Gesellschafter in einem solchen Pall nicht ein unentziehbares Recht auf Übernahme des Unternehmens, das auch noch nach der von ihm herbeigeführten Auflösung förtbesteht* &ine solche Auffassung würde den Gesichtspunkt der Bestrafung des anderen Gesellschafters in einer unvertretbaren Weise hervorheben und nicht berücksichtigen, daß der Rechtsbehelf des §142 RGB nur das äußerste Mittel dafür ist, daß der Vertragstreue Gesellschafter bei den jeweils gegebenen tatsächlichen Verhältnissen den durch den Gesellschaftsvertrag festgelegten Gesellsehaftszweck in einer diesen Verhältnissen angepaßten Form verwirklichen kann* Hat er also vor Erhebung der Übernahmeklage die Gesellschaft durch Kündigung zur Auflösung gebracht, dann kann.d&r daß sie nicht geeignet sind, das vom Kläger geltend gemachte Übernahmerecht zu rechtfertigen* Der Kläger hat selbst in keiner Weise dar-gelegt, daß die geltend gemachten Obernahmegründe - vor allem unter Berücksichtigung des Rechtsbehelfs nach § 147, 2* Halbsatz HGB - in irgendeiner Weise eine ernstliche Gefährdung für eine sachgemäße und gerechte Abwicklung der