BGH · II ZR 138/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
setzung ißt aber, daß nach dem feststehenden Tatbestand objektiv die Möglichkeit einer Inanspruchnahme des Haftpflichtversicherten gegeben ist» Damit fallen solche Schäden nicht unter die Vereinbarung, bei denen es an einem adäquaten Kausalzusammenhang im Sinne des bürgerlichen Rechts zwischen Schaden und dem Handeln bzw0 Unterlassen des Inanspruchgenom-menen fehlt-, die also nur rein äußerlich und zufällig mit dem versicherten Wagnis Zusammenhängen <> Die kann von der nR®^~ Am 19» Juni 1959, gegen 18.30 Uhr, fuhr der bei der Klägerin versicherte Bergmann KaflBB mit seinem Fahrrad auf einer Landstraße I«, Ordnung«, Auf seiner linken Fahrbahnseite stieß er mit dem entgegenkommenden Bersonenkraftwagen des bei der Beklagten versicherten Vertreters Hoffrichter zusammen und starb an den erlittenen Verletzungen Die Beklagte hält sich nicht für erstattungspflichtig, weil KaflHIV den Unfall vorsätzlich herbeigeführt habe«, Außerdem bestehe zwischen dem Verhalten des Kraftfahrers und dem Unfallschaden kein adäquater Kausalzusammenhang* BGHZ 209 38$5 389; BGH VersR 1966, 817), ist die Beklagte nicht erstattungspflichtig, v/enn der Versicherte der Klägerin den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat. Den dafür der Beklagten obliegenden Beweis hält das Berufungsgericht nicht für erbrachte Es hat dazu ausgeführt: KaHB habe kurz vor dem Unfall in einer Gaststätte gegenüber den Zeugen B0HI und Riefle geäußert , daß er wegen familiärer und finanzieller Schwierigkeiten das Leben leid sei und damit Schluß machen wolle. Hingegen wirft die Revision dem Berufungsgericht vor, die Grundsätze über den Anscheinsbev/eis nicht angewendet und dadurch § 286 ZPO verletzt zu haben» Die Rüge ist unbegründet» Die Grundsätze über den Beweis des ersten Anscheins können keine Anwendung finden, wenn ein individueller Willensentschluß festzustellen ist» Hier fehlt es an dem typischen Geschehensablauf, der nach der Lebenserfahrung auf eine bestimmte Ursache hinweiot (BGH VersR 1965, 797 nuv/.N»). XI» Zu dem weiteren Streitpunkt, ob die Beklagte nicht erstattungspflichtig sei, weil es an einem adäquaten Kausalzusammenhang fehle, hat das Berufungsgericht ausgeführt Hach § 10 der Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrversicherung (AKB) umfasse die Kfz-Haftpflichtversicherung die Deckung aller Schäden, die durch den Gebrauch des versicherten Kraftfahrzeugs entständen» Es mache dabei keinen Unterschied, ob der Unfall vom Kraftfahrer verschuldet sei oder für ihn ein unabwendbares Ereignis im Sinne des § 7 Abs. 2 StVG darstelleo Auch hier habe der Betrieb des Kraftwagens den Zusammenstoß mit dem Radfahrer verursacht» Es liege ein Geschehen vor, das regelmäßig und erwartungsgemäß einzutreten pflege, wenn sich zwei Verkehrsteilnehmer auf der Straße begegnen und einer von ihnen oder beide sich nicht verkehrsgemäß verhalten» Die Revision hält dieses Ergebnis für unvereinbar mit dem Wortlaut des Teilungsabkommeno, das eine Erstattung für Schäden ausschließe, ’’bei denen es an einem adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Schaden und dem Handeln bzw. Unterlassen des Inanspruehgenommenen” fehle«, Es komme daher nicht auf den Gebrauch oder den Betrieb des Kraftfahrzeugs, sondern auf da3 Verhalten des Kraftfahrers an, der nicht damit zu rechnen brauche, daß ein ihm entgegenkommender Radfahrer auf kürzeste Entfernung unmotiviert in seine Fahrbahn gerate„ Hach ihren Auofüh-rungen verwechselt die Revision die Abgrenzung des unabwendbaren Ereignisses, das nach dem Tcilungsabkommen unter die Erstattungspflicht der Beklagten fällt, mit der von jeder subjektiven Wertung freien Frage des adäquaten Kausalzusammenhanges o Nach § 1 Nr«, 2 Satz 2 des Teilungsabkommens setzt die Erstattungspflicht der Beklagten voraus, daß objektiv die Möglichkeit einer Inanspruchnahme des Haftpflichtversicherten gegeben ist«, Was darunter zu verstehen ist, erläutert der folgende Satz» Die Erstattungspflicht der Beklagten entfällt danach bei ’’Schäden, die nur rein äußerlich und zufällig mit dem versicherten Wagnis Zusammenhängen”» Der Zusammenhang mit dem versicherten Wagnis entscheidet über die Grenzen der Erstattungspflicht« Die Beklagte ist immer erstattungspflichtig, wenn der Schadensfall als solcher in den Deckungsbereich der Haftpflichtversicherung fällt o Nicht anders ist der geforderte adäquate Kausalzusammenhang zwischen Schaden und dem Handeln des Inanspruchgenommenen zu bestimmen Die Kausalität geht von dem objektiven Verhalten des Haftpflichtversicherten auso Das kann nur das subjektiv wertfreie Ge- Hach dem Sinn und Zweck des leilungsabkoramens muß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem einzelnen Schadensfall und dem Gefahrenbereich bestehen9 für den der Haftpflichtversicherer Deckung zu gewähren hat.