BGH · II ZR 138/62 vom 21.12.1964
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der am 8» Februar 1957 verstorbene Ehemann der Klägerin, Bruno B^J^, sowie die beiden Beklagten waren Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft« In § 10 des Gesellschaftsvertrages war vorgesehen, daß nach dem Tode von Bruno B^|^P die Klägerin jederzeit das Recht habe, zu dem Beginn eines Kalenderjahres als persönlich haftende Gesellschafterin in die Gesellschaft einzutreten. Nachdem die Ehe zwischen Bruno B^H^und der Klägerin am 26« Oktober 1951 geschieden worden war, hoben die Gesellschafter in einer schriftlichen ZusatzVereinbarung vom 10« November 1951 die Nachfolgebestimmung zugunsten der Klägerin auf und bestimmten, daß beim Tode von Bruno die Rechte des Rolf als Kommanditist in Kraft träten« Am 26« August 1952 wandte sich Bruno B^^P an die Beklagte zu 2 und teilte ihr mit, daß er die Klägerin nach einer gegenseitigen Prüfungszeit wieder heiraten werde« Er bat sie deshalb, die ursprüngliche Nachfolgeregelung im Pall seines Todes wieder in Kraft treten zu lassen« Bei dieser Gelegenheit schrieb er einen entsprechenden Vermerk auf die in seinem Besitz und auf die im Besitz der Beklagten zu 2 befindliche Urkunde der Zusatzvereinbarung vom 10»ä November 1951« Die Beklagte zu 2 nahm daraufhin ihre Urkunde wieder an sich. Bruno Brauns auf seine Urkunde der ZusatzVereinbarung den weiteren Vermerk, daß diese nach seiner V/iederverheira-tung erledigt sei und der alte Vertrag zur Geltung komme«. Die Beklagte zu 2 lehnte als die allein vertretungsberechtigte Gesellschafterin den Eintritt der Klägerin in die Gesellschaft ab und berief sich in einem weiteren Schreiben vom 12. Der Revision, die diese Darlegungen angreift, ist zuzugeben, daß die Meinung des Berufungsgerichts über das Vorliegen einer Veimutung aus Rechtsgründen nicht haltbar ist- Aber auf diesem Rechtsfehler beruht, wie die weiteren Ausführungen des Berufungsgerichts ergeben, das Berufungsurteil nicht- Denn wie das Berufungsgericht zutreffend erkannt hat, ist die Klägerin für die von ihr behauptete Aufhebung der ZusatzVereinbarung beweispflichtig, so daß es bei der Würdigung des Beweisergebnisses auf die vom Berufungsgericht angenommene Vermutung gar nicht ankam- Dem entspricht es, daß das Berufungsgericht bei seinen Ausführungen über das Beweisergebnis auch gar nicht mehr auf die von ihm zunächst angenommene Vermutung zurückgekommen isj, sondern vielmehr das Beweisergebnis unabhängig von dieser Vermutung gewürdigt hat- der vom Berufungsgericht getroffenen tatsächlichen Feststellungen nicht darin gefolgt werden, daß der Erblasser bei seiner Besprechung mit der Beklagten zu 2 dieser einen verbindlichen Vertragsantrag (§ 145 BGB) gemacht habe, den diese durch Stillschweigen angenommen und dem später auch der Beklagte zu 1 zugestimmt habe» Denn das Berufungsgericht ist in diesem Zusammenhang der von ihm als glaubhaft bezeichneten Aussage der Beklagten zu 2 gefolgt, wonach diese den Wunsch des Erblassers lediglich ent gegengenommen und den Erblasser an den Firmenanwalt verwiesen habe, damit zu gegebener Zeit, nämlich nach der erneuten Eheschließung, der Wunsch des Erblassers in einer Gesellschafterversammlung zur Sprache gebracht werde* Diese tatsächliche Feststellung schließt die Möglichkeit aus, in dem Verhalten der Beklagten zu 2 eine stillschweigende Annahme des Vertragsangebots zu erblicken* 3» In seinen weiteren Ausführungen legt das Berufungsgericht dar, die Beklagten hätten auch nicht nach dem Tode des Erblassers einer Aufhebung der Zusatzvereinbarung (stillschweigend) zugestimmt* Die hiergegen gerichteten Angriffe der Revision können auf sich beruhen. 4« Schließlich kann die Klägerin auch nicht unter dem rechtlichen Gesichtspunkt von Treu und Glauben ihren Eintritt in die Gesellschaft als persönlich haftende Gesellschafterin verlangen* Dabei mag es offenbleiben, ob der Erblasser nach seiner Wiederverheiratung unter diesem Gesichtspunkt von den Beklagten die Wiederherstellung der Nachfolgeklausel zugunsten der Klägerin hätte verlangen können oder ob nicht die Beklagten bereits mit der Zubilligung der Nachfolgeklausel zugunsten des Rolf den berechtigten Belangen des Erblassers in ausreichendem Maße Rechnung getragen haben* Denn jedenfalls kann sich die Klägerin nach dem Tode des Erblassers auf einen solchen etwa gegebenen Anspruch ihres Ehemannes nicht mehr berufen, weil mit seinem Tode die Nachfolgeklausel zugunsten des Rolf in Kraft getreten ist und weil diese von den Parteien nun nicht mehr beseitigt werden kann*