BGH · II ZR 134/54 vom 30.10.1954
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Die Revision der Klägerin gegen das Urteil der Kammer für Handelssachen 91 des Landgerichts in Berlin-Charlottenburg vom 26, März 1953 wird auf ihre Kosten zurückgewiesen. Die Beklagten verweigern den Ver sicherungsschutz insbesondere mit der Begründung, daß es sich bei dem Speditionsvertrag um ein verbotenes, jedenfalls aber um ein im Speditionsgewerbe nicht allgemein übliches und deshalb nach § 5 Ziff 2 SVS von der Versicherung nicht gedecktes Geschäft gehandelt habe. Es meint, daß die von der Klägerin geltend gemachten Ansprüche nach § 5 Ziff 2 SVS schon deshalb von der Versicherung ausgeschlossen seien, weil sie aus Abreden herrührten, die im Speditionsgewerbe nicht allgemein üb^ lieh seien. Da das Landgericht also damit die Legalität des Geschäftes untere entgegen der Auffassung der Revision von vornherein keine Hede davon sein, daß es sich insoweit mit dem ebenfalls von der Legalität ausgehenden kämmergerichtlichen Urteil des Vorprozesses in Wider^ ‘ Spruch gesetzt habe, Eie Auffassung des Landgerichts, daß die Entschädi^-gungsansprüche der Klägerin nach § 5 Ziff 2 SVS von der Versicherung ausgeschlossen seien, ist zwar nicht in der Begründung, wohl aber im Ergebnis zutreffend, Nach dieser Bestimmung sind von der Speditionsversicherung diejenigen-Ansprüche ausgeschlossen, ’’welche aus im Speditionsgewerbe nicht allgemein üblichen Abreden zwischen Versicherten und Spediteur herrühren (z.B, Vertragsstrafen, Lieferfristgarantien usw)”o Wie der Wortlaut dieser Bestimmung klar ergibt, kommt es hiez*bei entgegen der Auffassung des Landgerichts nicht darauf an, ob der eingetretene Schaden mit den getroffenen Abreden in einem ursächlichen Zusammenhang steht; ’Vielmehr muß ein rechtlicher Zusammenhang zwischen den vom Versicherten geltend gemachten Schadensersätzen--Sprüchen und den genannten Abreden vorliegen* derart, daß die Ansprüche ihre rechtliche Grundlage in jenen Abreden haben» Es ist also zu prüfen , welche Abreden die rechtliche Grundlage für die geltend gemachten Schadensersatzansprüche bilden und ob es sich bei diesen Abreden um solche handelt, die im Speditionsgewerbe nicht allgemein üblich sind. Ob die Abreden nur einzelne Verpflichtungen des Spediteurs im Nahmen eines im übrigen üblichen Speditionsvertrages zu dem Gegenstand haben oder ob sie die Art der Aus- führung der Spedition selbst betreffen and diese als ganze als im Speditionsgewerbe nicht allgemein üblioh erscheinen lassen, ist nach Wortlaut und Sinn des § 5 Ziff 2 SVS unerheblich. Nach dem im Vorprozeß ergangenen rechtskräftigen Urteil des.Kammergerichts vom 17» Dezember 1952 sind die Schadensersatzansprüche der Klägerin gegen die Speditionsfirma darin begründet, daß diese ihre vertraglich übernommene Verpflichtung, das Speditionsgut auf Grund ihrer persönlichen Beziehungen zu Angehörigen der amerikanischen Militärbehörden selbst unmittelbar - also ohne Einschaltung von Hilfspersonen - den offiziellen Stellen 1 der BTO zur Beförderung in amerikanischen Militärzügen auszUhändigen, verletzt hat. Wie unter den Parteien auch nicht streitig ist, rühren also die der Klägerin zugesprochenen Schadensersatzansprüche aus diesen besonderen Abreden über die Art der Ausführung der Spedition her. Die Revision meint allerdings, daß der dahingehende, schon im Vorprozeß vorgebrachte Einwand der Beklagten damals in dem rechtskräftigen Urteil vom 17* Dezember 1952 keine Berücksichtigung gefunden habe und daß deswegen die Beklagte auch jetzt mit ihm nicht mehr gehört werden könne. Sie übersieht dabei aber, "daß dieser Einwand in jenem Urteil des Vorprozesses gar nicht zu dem Gegenstand, geschweige denn zur Grundlage der Entscheidung gemacht worden ist,, Pür die von der Revision geltend gemachte Interventionswirkung der Streitverkündung (§§ 74, 68 ZPO) ist also schon aus diesem Grunde auch insoweit gar kein Raum (BGHZ 5, 12 /T5/j 8, 72 /BZ/), Haben hiernach die von der Klägerin geltend' gemachten Ansprüche ihre rechtliche Grundlage in Abreden, die im Speditionsgewerbe nicht allgemein üblich sind, so greift § 5 Ziff 2 SVS ein, wonach solche Ansprüche dann von der Speditionsversicherung ausgeschlossen sind. Die Anwendbarkeit dieser Klausel wird* entgegen der Auffassung der Revision nicht etwa dadurch gehindert, daß der Schaden durch eine schuldhafte Vertragspflichtverletzung des Spediteurs ausgelost worden ist und möglicherweise, trotz- der unüblichen Speditionsabreden vermieden worden wäre, wenn sich der Spediteur vertragsmäßig verhalten hättei § 5 SVS setzt in allen dort geregelten Fällen voraus, daß der Scha- den durch eine schuldhafte Verletzung der vom Spediteur übernommenen Pflichten verursacht worden ist $ denn sonst haften die Versicherer nach § 2 SVS ohnehin nicht , so daß es für die. Auch die Bedeutung des § 5 Ziff 2 SVS liegt gerade darin, daß er die vom Spediteur zu verantwortenden Schäden, für die sonst die Versicherer nach § 2 SVS eintreten müßten, dann von der Versicherung ausnimmt, wenn die dadurch ausgelösten Schadensersatzansprüche ihre rechtliche Grundlage in Abreden haben, die im Speditionsgewerbe nicht allgemein üblich sind. Dieser Regelung liegt die Erwägung zugrunde, daß solche Abreden die gesteigerte Gefahr einer Inanspruchnahme wegen schuldhafter Pflichtverletzung des Spediteurs in sich bergen und daß ein solches erhöhtes Risiko zu den geringen Prämiensätzen der Speditionsversicherung nicht • durch sie gedeckt werden kann«. nach das Gut unter Ausnutzung persönlicher Beziehungen des Spediteurs auf Zügen einer Besatzungsmacht verladen werden sollte, in ganz erheblich erhöhtem Maße die Gefahr der Entstehung von Haftpflichtschäden wegen schuldhafter Pflichtverletzung des Spediteurs gegeben is-t> Es entspricht also ganz dem Sinn und -Zweck der Ausschlußklausel des § 5 Ziff 2 SVS, in solchen Fällen dann den Versicherungsschutz zu versagenc :