BGH · II ZR 121/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
D^iMitgesellschafter Max Georg GBi und Maria GflÜ(Beklagte zu 2) bestimmen im Einverständnis mit den übrigen Gesellschaftern bereits jetzt schon, daß Nachfolger des Dängstlebenden von ihnen ihr Sohn Will^G®® (Kläger) »»» sein soll» Sollte Herr Willi GBBdie Beteiligung an der Gesellschaft ablehncn, so sind die übrigen Gesellschafter berechtigt, die Gesellschaft mit allen Aktiven und Passiven zu übernehmen und unter Beibehaltung der Firma i^eiterzuführen» Io Die Revision beanstandet zunächst ohne durchgreifende Gründe, daß das Berufungsgericht die Klage gegen die Beklagte zu 4 als unzulässig abgev/iesen hato Der Kläger hatte die Klage erst im zweiten Rechtszuge auf sie erstreckte Sie hatte die hierzu grundsätzlich erforderliche Zustimmung nicht erteilt, sondern widersprochene Bo kam daher, wie das Berufungsgericht zu Recht angenommen hat, darauf an, ob sie sich rechtmißbräuchlich geweigert hat, dem Prozeß beizutreten (BGHZ 21, 285 9 289; BGH ITJW 1962, 653, 635)• Das hat das Berufungsgericht unter anderem deshalb verneint, weil sie an der Geschäftsführung und Vertretung der verklagten Kommanditgesellschaft nicht beteiligt sei und deshalb auf die Prozeßführung im ersten Rechtszuge keinen Einfluß gehabt habe; infolgedessen könne nicht von der Hand gewiesen v;erden, daß sie den Prozeß anders geführt und der Instanzverlust für sie eine Schlechterstellung bedeutet hätte„ Gegen diesen Gesichtspunkt läßt sich nichts einwenden, zu demal das Landgericht bereits Beweis erhoben hatte und die Beklagte das ohne ihre Beteiligung (§ 379 ZPO) zu-standegekommene, vom Landgericht mit zu Ungunsten der Zu Unrecht meint die Revision, das Berufungsgericht habe gegen § 139 ZPO verstoßen, weil es auf seine rechtlichen Bedenken gegen die Zulassung der erweiterten Klage nicht hingewiesen habe; damit habe es dem Kläger die Möglichkeit genommen, vorzutragen und unter Beweis zu stellen, daß die Beklagte zu 4 den Prozeßbevollmächtigten der Beklagten zu 1 bereits im ersten Rechtszuge laufend mit instruiert und deshalb durch den InstanzVerlust gar keinen Nachteil erlitten habe«. Jenen Hinweis noch zu geben, war das Berufungsgericht nicht genötigt, da die Beklagte zu 4 ihren Widerspruch bereits mit den rechtlichen Gesichtspunkten des Bundesgerichtshofes und dem Hinweis auf Baumbach-lauterbach, Ann, 4 A zu § 529 ZPO, wo diese Rechtsprechung wiedergegeben wird, begründet hatte (Schriftsatz vom 15° Februar 1965, S, 3, Bl«, 182 GA)«, Die weitere Ansicht, der Kläger habe nach einem Ausscheiden der Mutter durch Kündigung kein Eintrittsoder Abfindungsrecht, leitet das Berufungsgericht unmittelbar aus diesem Vertragswortlaut und dem Zusammenhang von Nr» 9 und 10 des Gesellschaftsvertrages her* Nr» 9 besagt, jedem Gesellschafter stehe ein Kündigungsrecht zu, und setzt im Anschluß daran den Abfindungsanspruch fest, ohne dabei einen Unterschied in der Person des Kündigenden zu machen» Daraus läßt sich folgern, das vorzeitige Ausscheiden der Eltern oder eines Elternteils sei in dieser Bestimmung selbständig geregelt, Nr» 10 Abs» 2 enthalte demnach eine Begünstigung des Klägers nur für den Pall, daß der längstlebende Elternteil bei seinem Tode der Gesellschaft noch angehöre» Ob dieser Schluß - wie das Berufungsgericht meint - so zwingend ist, daß eine Vertragsauslegung über den Wortlaut hinaus schlechthin unmöglich und deshalb auch ausgeschlossen ist, hierbei außerhalb der Vertragsurkunde liegende Umstände zu berücksichtigen, kann dahingestellt bleiben» Die Umstände, von denen die Revision annirnmt, das Berufungsgericht habe sie rechtsfehlerhaft bei der Vertragsauslegung nicht berücksichtigt, ergeben jedenfalls nichts anderes» Man kann sie dahin zusammenfassen, die Eltern hätten im Jahre 1956 praktisch ihr ganzes Vermögen in die Gesellschaft eingebracht und mit der Beteiligung an der Gesellschaft den Beklagten zu 3 und 4 bereits damals die ihnen zugedachten Anteile an ihrem Vermögen verschafft; um das auszugleichen, hätten sie mit ihrem Kommanditanteil das ihnen verbliebene Restvermögcn dem Kläger zugutekommen lassen wollen0 Audi wenn man das zugrundelegt, kann eine Vertragsauslegung nicht zu der Annahme führen, der Kläger könne noch gesellschaftsvertragliche Rechte gegen die Beklagten geltend machen. Denn diese können den gewollten Vermögensausgleich nicht mehr vollziehen, nachdem die Beklagte zu 2 gekündigt und das für den Kläger "bestimmte elterliche Restvermögen an sich gezogen hat» Würde man die Beklagten zu 3 und 4 trotz Ausscheidens der Mutter für verpflichtet halten, die Kommanditbeteiligung der Eltern gleichsam in der Person des Klägers neu wiederherzustellen, dann wäre das nicht die bezweckte Aufteilung des elterlichen Vermögens, sondern eine Begünstigung des Klägers auf ihre Kosten0 Baß dies gewollt war, läßt sich weder dem Vertragswortlaut noch den von der Revision für rechtserheblich gehaltenen Umständen entnehmen• Dem Berufungsgericht ist daher jedenfalls im Ergebnis zuzustImmen, Die Verpflichtung der Beklagten, den Kläger in die Gesellschaft aufzunehmen oder abzufinden, hat nach Wortlaut und Sinn der Nr, 10 Abs» 2 nur entstehen sollen, wenn der letztlebende Elternteil bis zu seinen lode Gesellschafter bleiben und sein Anteil den Beklagten zu 3 und 4 Zuwachsen würde* Ein Eintritts- oder Abfindungsrecht des Klägers kann daher nach dem Ausscheiden der Mutter zu ihren Lebzeiten nicht mehr in Betracht kommen. Würde man eine solche Regelung annehmen, dann hätten die Beklagten zu 3 und 4 mit Rücksicht darauf, daß die Beklagte zu 2 das restliche elterliche Vermögen aus der Gesellschaft herausgezogen hat, nunmehr die Pflicht, mit dem Kläger ihr eigenes Vermögen zu teilen, das sie mit Abschluß des Gesellschaftsvertrages und während des Bestehens der Gesellschaft erworben hatten» Ein solcher Vertragszweck läßt sich, wie oben dargetan, weder dem Vertragsinhalt noch den vom Kläger vorgetragenen Umständen entnehmen; nur das Restvermögen, das mit Abschluß des Ge-sellschaftsvertrages den Eltern verblieben war, sollte dem Kläger Zufällen» Die von der Revision für möglich gehaltene Auslegung läßt sich daher nicht rechtfertigen0 Ebenso wäre es unzulässig, den Gesellschaftsvertrag dahin zu ergänzen, daß der Kläger - zu Lebzeiten oder beim Tode der Beklagten zu 2 - beanspruchen könne, ohne die frühere Kapitalbeteiligung der Eltern in die Gesellschaft aufgenommen zu werden» Die Gesellschafter waren dem Gedanken eines Vermögensausgleichs unter den Geschwistern nur verpflichtet, wenn und soweit der letztlebende Elternteil bis zu seinem Tode noch an der Gesellschaft beteiligt und damit das elterliche Restvermögen zu diesem Zeitpunkt noch im Gesellschaftsvermögen verhanden sein v/ürde» In diesem Sinne war eine "Nachfolgerschaft” des Klägers in der Gesellschaft bezweckt» Das Wahlrecht auf Eintritt oder Abfindung war ohne jene Kapitalzuwendung gar nicht denkbar; ohne diese war nichts vorhanden, weswegen er hätte "abgefunden" werden können» Es ginge daher ebenfalls über Eine ganz andere, mit der Vertragsauslegung unmittelbar nicht zusammenhängende Frage ist es, ob die Beklagten zu 3 und 4 den Kläger nach Treu und Glauben in die Gesellschaft aufnehmen oder abfinden müßten, wenn sie die Entstehung seines Eintrittsrechts eigennützig vereitelt und die Beklagte ..zu 2 arglistig veranlaßt hätten, die Gesellschaft zu kündigen und ihnen das Abfindungsguthaben, wie die Revision es ausdrückt, uin einer anderen Recht sfonn wieder zurückzugeben,, « Bas hatte der Kläger aber in dieser Weise nicht behauptet0 Er hatte vielmehr vorgetragen, die Beklagte zu 2 habe den Beklagten ihre Abfindung darlehnsweise überlassen (Schriftsatz vom 11- „ Januar 1965, So 18, Bio 164 GA), nachdem zuvor schon die Beklagten erklärt hatten, die Beklagte zu 4 habe die Abfindungssumme als Barlehn erhalten (Schriftsatz vom 26o Juni 1963, S« 2, Bl« 35 GA)* Bie für die Entstehung der Rechte des Klägers vorausgesetzte läge - die Einbeziehung des restlichen Elternvermögens in das Vermögen der Beklagten « war damit auch im wirtschaftlichen Sinne nicht hergestellt worden« Ber zuvor im Komman-ditanteil der Eltern verkörperte Vermögenswert blieb im Vermögen der Beklagten zu 2, und diese konnte weiterhin Uber ihn verfügen«