BGH · II ZR 111/50 vom 10.11.1951
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Januar 1944 dem Kläger alle Ansprüche aus diesem Vermögensv.ert ab und verzichtete "insoweit unter unwiderruflicher Erteilung einer Stimmrechtsvollmacht mit dem Hecht der Bestellung von Unterbevollmäcbtig-ten auf Stimmrechtsausübung"• Beide Gesellschaften heben eine Genehmigung für die teilweise Abtretung der Kommanditanteile durch die Beklagte an den Kläger, der ebenfalls Gesellschafter (Kommanditist) der beiden Gesellschaften ist, nicht ausgesprochen, .Die Opriba hat darüberhinaus während des Rechtssbreits an- eingewandt, dass die Abtretung der Gesellschaftsanteile ohne Gene’iiligang der Ccscllschafterversammluiig unwirksam und die unwiderrufliche Erteilung einer Stimmrechtsvollmacht unter Verzicht auf eigene Stimmrechtsausübung im Rechtssinne die Abtretung des Stimmrechts darstelle und als solche unzulässig sei. Ausserdem sei die unwiderrufliche Erteilung der Stimmrechtsvollmacht hier auch deshalb unwirksam, well sie nur für einen Veil ihres Kommanditan-teils vorgenommen sei und damit zu einer unzulässigen Spaltung ihres einheitlichen Stimmrechts führe. nämlich die Abtretung der aus dem Gesellschafterrecht abgeleiteten Stimmrechtsbefugnis« Es begründet diese Auffassung mit der Erwägung, dass bei der Vollmacht der Bevollmächtigte ein fremdes Hecht wahrnehme und an die Weisungen des Vollmachtgebers gebunden sei, während hier der Kläger die Stimmrechtsbefugnis im eigenen Interesse wahrnehmen wolle und nach der Vereinbarung in Wahrheit Inhaber der Stimmrecht3befugnis «/erden sollte« Die Wirksamkeit eigner solchen Abtretung des Stimmrechts bestimmt sich nach der Ueinung des Berufungsgerichts nach allgemeinen Abtretungsgrund setzen, rie sie für die Übertragung eines Gesell- v erne inen, jedoch im Verhältnis zwischen den Perteien zu : bejahen« Der Kläger könne aber gleichwohl aus der Seil-recht sübertragung keine Hechte gegen die Beklagte herleiten, weil die Beklagte 'das Stimmrecht für ihre beiden Gesellschafteranteile nicht insgesamt Übertragen habe und bei einer Personalgesellschaft das Erfordernis einer einheitlichen Stimmabgabe für jeden Gesellschafteranteil nicht durch eine Spaltung des Stimmrechts in Frage gestellt werden könne» tigern Verzicht auf die eigene Stimmrechtsausübung eine qua-litativ beschränkte Übertragung der Gesellschaftsanteile, sellschafterversacmlung unter Berücksichtigung des § 135 * BGB nur in Verhältnis zu den übrigen Gesellschaftern zu Die Revision greift in ihren Ausführungen zunächst die Auffassung des Berufungsgerichts an, nach der die Vereinbarung der Parteien nicht die Erteilung einer Stimm-rechtsVollmacht, sondern eine Stimmrechtsübertragung enthalte« Dieser Ausgangspunkt der Revision ist für die Beurteilung des Klagbegehrens in der Tat von entscheidender Bedeutung, weil entgegen der Meinung des Berufungsgerichts bereits die Annahme einer Stimmrechtstlbertragung ohne weiteres die Unwirksamkeit der dahingehenden Vereinbarung auch im Verhältnis zwischen den Parteien bedeuten würde« Aus der Zulässigkeit einer Abtretung des Gesellschafteranteils im ganzen mit Zustimmung der übrigen Gesellschafter oder auf Grund einer dahingehenden Bestimmung in Gesellschafts vertrag folgt nicht die Zulässigkeit einer Abtretung einzelner Verwaltungsrechte, wie etwa des Stimmrechts (V/eipert ICom RGEIC ZIGB 2« Aufl § 109 Ben 7)* Die Abspaltung einzelner Verwaltungsrechte von dem Gescllschafteranteil in der Veise, dass sie auf einen anderen übertragen werden, ist nit dem Wesen der Gesamthandsgemeinschaft nicht zu vereinbaren. Es handelt sich hierbei nicht, wie bei dem Verbot einer Abtretung des Gesellschaftteranteils (§ 717 BGB) um eine abdingbare Vorschrift im Interesse der übrigen Gesellschafter« Es kann demzufolge die Abtretung einzelner Verwaltungs rechte auch nicht beim Pehlen einer Zustimmung seitens der Übrigen Gesellschafter nur als relativ unwirksam (§ 135 BGB) angesehen werden« 3s muss somit bei der Frsge nach der Wirksamkeit der Vereinbarung über die Stimmrechtsausübung davon aus-gegsngcn werden, dass sie als Stimmrechtsabtretung nicht wirksam sein kann» Andererseits würden gegen ihren rechtlichen Bestand keine.Bedenken zu erheben sein, wenn in ihr lediglich eine Bevollmächtigung des Klägers zu.erblicken und, eine.Anwendung der Grundsätze über die Stimmrechtsabtretung auf sie ausgeschlossen, sein v/ürde. einer Personalgesellschaft im allgemeinen auch die Bevollmächtigung zur Ausübung des Stimmrechts in der Gesellschaf tervcrsai.mlung von der Zustimmung der übrigen Gesellschafter abhängig, weil das Stimmrecht ein höchstpersönliches Hecht in dem'Sinne ist, dass es in der Regel nur von dem.Gesellschafter selbst wahrgenoanen werdet kann« Im vorliegenden Falle bedarf es einer solchen Zustimmung für die Lrteilung einer Stincnrechtsvollmacht von, der Beklagten an den Kläger jedoch nicht, da bereits der Gesell-schaftsvertrag in zulässiger Weise die Vertretung eines Gesellschafters bei der Stimmabgabe in der Gcsellschafter- mächtigung dagegen belässt das Hecht bei dem bisherigen Rechtsträger und schafft nur zusätzlich eine weitere Befugnis in der Person des Bevollmächtigten* Babel ist es nicht notwendig, wie das Berufungsgericht offenbar meint,, dass die Begründung dieser Befugnis im Interesse oder sogar im ausschliesslichen Interesse des Vollmachtgebers liegt Denn gerade in Pällen der unwiderruflichen Vollmacht wird, wie das Reichsgericht wiederholt hervorgehoben hat (JU 192? Es kann daher allein aus den Umstand, dass die Vereinbarung zwischen den Parteien auch oder wohl sogar ausschliesslich im Interesse destKlägers liegt, noch nichts gegen das Vorliegen einer Vollmacht hergeleitet werden* Dagegen erweist sich der sachliche Unterschied zwischen Abtretung und Vollmacht für die Beurteilung der* Vereinbarung von wesentlicher Bedeutung* Die Aufnahme eines Stinmrochtsverzichts in dieser Vereinbarung deutet, ohne dass es einer Erörterung über die Zulässigkeit eines solchen Verzichts bedarf, darauf hin, dass der Zweck die-,ser Vereinbarung auf einen Uechsel des Rechtsträgers gerichtet ist, dass nach den Sinn dieser Vereinbarung nunmehr anstelle der Beklagten der Kläger zur Ausübung des Stimmrechts allein befugt sein sollte* Neben dem Stlmm- ir ten durch diese Vereinbarung sichergestellt werden, dass nicht mehr die Beklagte als bisherige Trägerin des Stimmrechts, sondern der Kläger unter ausdrücklichem Ausschluss der Beklagten ohne zeitliche Beschränkung allein zur Ausübung des Stimmrechts befugt sein sollte. Der Zweck und die praktische Wirkung der vorliegenden Vereinbarung rücken diese in einen so engen Zusammenhang mit ' * .der dinglich wirkenden Abtretung, dass nur bei einer rein formalen Beurteilung dieser Zusammenhang ausser acht gelassen und allein der gewählten Rechtsform die ausschlaggebende Bedeutung beigemessen werden könnte. für die Stiimnrechtsabtretung gelten, auf die unwiderrufliche Stimmrechts Vollmacht erforderlich« Es kann daher die Vereinbarung der Parteien, soweit sie die Erteilung einer unwiderruflichen Stimmrechtsvollmacht unter gleichzeitigem Stimmrechtsverzicht zu dem Gegenstand hat, nicht als wirksam angesehen werden« Für diese Beurteilung kenn es entgegen der Auffass der Revision auch nicht von Einfluss sein, dass nach den Feststellungen des Berufungsgerichts zwischen den Parteien ein Treuhendverhältnls bestehen und die Vereinbarung zwischen den Parteien über die Stimmrechtsvollmacht und den Stimmrechtsversicht im Hinblick auf die treuhänderische Gebundenheit der Beklagten gegenüber dem Kläger getroffen sein soll« Auch die Berücksichtigung dieses Treuhandver-hältnisses vermag eine andere Beurteilung der Stimmrechtevereinbarung nicht zu rechtfertigen« Die Rechtsstellung des Treugcbers gegenüber dem Treuhänder, der als Gesellschafter hinsichtlich seiner Beteiligung an einer Personal oocollach: ft durch ein Treuhpndverhält.,is gebunden ist, findet seine Grenzen und Schranken in den Grundlagen des Gesellschaftsrechts« Die Abhängigkeit des Treuhänders gegenüber dem Treugeber kann in einem solchen Falle nicht gegenüber einem Dritten möglich und zulässig sind» Es kann daher auch nicht auf der Grundlage eines Treuhandverhältnisses ein Rechtsverhältnis geschaffen werden, das nach Zweck und praktischer Wirkung die Abspaltung des Stimm-reohts von der Gesellschafterbeteiligung des Treuhänders an einer Personalgesellschaft darstellt«' Auch mit einem Hinweis auf die Bindung des Treuhänders gegenüber dem Treugeber kann ein solcher Eingriff in die Grundlagen des Gesellschaftsrechts nicht begründet werden« Gewiss kann sich ein Treuhänder für die Ausübung seines Stimmrechts in einer Personalgesellcchaft gewissen Bindungen gegenüber seinem Treugeber unterwerfen; diese Bindungen finden aber ihre inhaltlichen Grenzen an der Rechtsnatur der Personal-geSeilschaft und können nicht dazu ftthren, dass anstelle des Treuhänders der Treugeber ausschliesslich und allein nach eigener \7illensbildctng das Stimmrecht in der Gesellschaft ausübt. 4 Somit erweist sich bereits aus diesem rechtlichen Grund die Revision als unbegründet, so .dass zu der weiteren Präge, ob bei einer Personalgesellschaft eine uneinheitliche Stimmabgabe für einen Gesellschafteranteil „ unter Umständen zulässig ist, keine Stellung genommen