BGH · II ZB 7/96 vom 21.04.1997
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter Röhricht und die Richter Dr. Hesselberger, Dr. Goette, Dr. Kurzweily und Kraemer am 21. Die sofortige Beschwerde gegen den Beschluß des 2. Die am erstinstanzlichen Verfahren nicht beteiligten streitgenössischen Nebenintervenienten sind dem Verfahren am 4. März 1996 hat das Oberlandesgericht den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zurückgewiesen und die Berufung als unzulässig verworfen. April 1996 zugestellt worden ist, richtet sich die am 15. 1. Die Berufung der streitgenössischen Nebenintervenienten ist statthaft. a) Die Nebenintervenienten konnten gegen das Anerkenntnisurteil des Landgerichts unabhängig von der Hauptpartei Berufung einlegen. § 47 Rdn. 85 m.w.N.; die streitgenössische Nebenintervention auf seiten der Gesellschaft wird neuerdings problematisiert von Austmann, ZHR 158, 495, b) Der streitgenössische Nebenintervenient kann auch dann ein Rechtsmittel einlegen, wenn er dem erstinstanzlichen Verfahren nicht beigetreten ist (vgl. Entgegen den Ausführungen der sofortigen Beschwerde fordert weder das Recht auf rechtliches Gehör noch das Recht auf ein faires Verfahren, dem bis zu dem Erlaß des erstinstanzlichen Urteils dem Verfahren nicht beigetretenen streitgenössischen Nebenintervenienten das Ergebnis des erstinstanzlichen Verfahrens mitzuteilen oder ihm das ergangene Urteil förmlich zuzustellen. Deshalb ist anerkannt, daß in dem Fall, in dem der streitgenössische Nebenintervenient dem Verfahren erst nach einer für die Hauptpartei bereits laufenden Frist beitritt, für ihn nur noch der Rest dieser Frist verbleibt (vgl. Die Berufung der streitgenössischen Nebenintervenienten ist am 4. Die Berufung wurde jedoch nicht innerhalb der gesetzlich bestimmten Frist begründet. Der Umstand, daß die streitgenössischen Nebenintervenienten dem Verfahren in erster Instanz nicht beigetreten sind, kann - entgegen den Darlegungen der sofortigen Beschwerde - nicht dazu führen, daß die Berufungseinlegung und -begründung nicht von den Fristen der §§ 516, 519 Abs. 2 Satz 2 ZPO abhängig sind. Wie dargelegt, steht dem streitgenössischen Nebenintervenienten dann, wenn er dem Verfahren während einer für die Hauptpartei laufenden Frist bei-tritt, nur noch der Rest dieser Frist zur Verfügung. Dieses Recht hat zu dem Inhalt, daß das entscheidende Gericht die Ausführungen des Prozeßbeteiligten zur Kenntnis nehmen und in Erwägung ziehen muß (vgl. Dabei geht Art. 103 Abs. 1 GG davon aus, daß die nähere Ausgestaltung des rechtlichen Gehörs den einzelnen Verfahrungsordnungen überlassen bleiben muß (vgl. Dieses Recht, das keine in allen Einzelheiten bestimmten Gebote und Verbote enthält, bedarf der Ausgestaltung je nach den sachlichen Gegebenheiten. Erst wenn sich bei Berücksichtigung aller Umstände und nicht zuletzt der im Rechtsstaatsprinzip selber angelegten Gegenläufigkeiten unzweideutig ergibt, daß rechtsstaatlich unverzichtbare Erfordernisse nicht mehr gewahrt sind, können aus diesem direkt konkrete Folgerungen für die Ausgestaltung des Verfahrens im Rahmen der vom Gesetzgeber gewählten Grundstruktur des Verfahrens gezogen werden (vgl. Sie müssen nach Sinn und Zweck auch für streitgenössische Nebenintervenienten gelten, und zwar auch dann, wenn diese dem Verfahren erst in der Rechtsmittelinstanz beitreten. Würde sie hier nicht angewandt, wäre das Ergebnis, daß die streitgenössischen Nebenintervenienten, die dem Verfahren in erster Instanz nicht beigetreten sind, in willkürlicher Weise besser gestellt würden, als diejenigen Nebenintervenienten, welche schon im erstinstanzlichen Verfahren vertreten waren und auf die § 519 Abs. 2 Satz 2 ZPO nach einhelliger Meinung Anwendung findet. Innerhalb dieser Frist haben die streitgenössischen Nebenintervenienten ihre Berufung nicht begründet. c) Dies alles gilt umso mehr, als die einmonatige Berufungsbegründungsfrist im vorliegenden Fall durch die von den streitgenössischen Nebenintervenienten selber eingelegte Berufung in Gang gesetzt worden ist, so daß von ihnen mit der Einhaltung dieser Frist nicht mehr und nichts anderes verlangt wird, als von jeder anderen Prozeßpartei, die eine zulässige Berufung eingelegt hat. 3. Das Berufungsgericht hat die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zutreffend versagt. Die streitgenössischen Nebenintervenienten haben die Frist zur Begründung der Berufung durch das Verschulden ihres Prozeßbevollmächtigten, das ihnen zuzurechnen ist (§ 85 Abs. 2 ZPO), versäumt. Sie werden durch die sofortige Beschwerde, welche ihre Darstellung gegenüber dem Berufungsgericht nur wiederholt, nicht entkräftet.