BGH · II ZB 7/74
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der beteiligte Ehemann ist persönlich haftender Gesellschafter und seine vier minderjährigen Kinder sind Kommanditisten einer Kommanditgesellschaft; die Kinder haben ihre Beteiligungen durch Schenkung vom Vater erworben. Bis zur Auffüllung der Kommanditeinlagen dürfen die Kommanditisten, abgesehen von Beträgen für persönliche Steuern und Abgaben, nur 100 DM je Monat entnehmen, soweit diese Entnahmen durch Gewinnanteile gedeckt sind (§ 2 i. Nach Auffüllung ihrer Einlagen sind die Kommanditisten "berechtigt, ihre Zinsanteile jährlich zu entnehmen, über weitere Entnahmen ihrer Gewinnanteile entscheiden alle Gesellschafter durch einstimmige gemeinsame Beschlußfassung nach dem Vorschlag des persönlich haftenden Gesellschafters, damit dem Betrieb ausreichende Beträge für Investitionen zur Verfügung bleiben können. Die Eltern der Kommanditisten haben im Hinblick auf das Urteil des Bundesfinanzhofs vom 1. In den vorgenannten Entscheidungen haben die Oberlandesgerichte Frankfurt (Main) und Hamburg die Ansicht vertreten, wenn minderjährige Kinder als Kommanditisten an einer Familiengesellschaft beteiligt sind, sei ihnen unabhängig davon, inwieweit ihnen im Einzelfall Gesellschafterrechte zustünden und bei deren Wahrnehmung eine Vertretung durch die Eltern tatsächlich in Betracht komme oder unzulässig sei, schon mit Rücksicht auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs nach § 1909 Abs. 1 Satz 1 BGB ein Ergänzungspfleger zu bestellen. Nach § 1909 Abs. 1 Satz 1 BGB erhält ein Minderjähriger für Angelegenheiten, an deren Besorgung die Eltern oder der Vormund verhindert sind, einen Pfleger. Diese Vorschrift setzt neben einer tatsächlichen oder rechtlichen Verhinderung des gesetzlichen Vertreters ein Bedürfnis für die Anordnung der Pflegschaft voraus, das durch einen gegenwärtigen konkreten Anlaß begründet sein muß (Soergel/Germer, BGB 10. Eine konkrete rechtliche Verhinderung der Eltern, die Kinder in deren Rechtsstellung als Kommanditisten zu vertreten, könnte sich hier allenfalls aus dem Verbot des Selbstkontrahierens (§§ 1629» 1795, 181 BGB) in Verbindung mit der gesellschaftsrechtlichen Lage nach Gesetz und Gesellschaftsvertrag ergeben. Eine laufende rechtsgeschäftliche Mitwirkung der Kommanditisten in Gesellschaftsangelegenheiten kommt hier nur insofern in Betracht, als sie nach § 6 des Gesellschaftsvertrags gemeinsam mit dem persönlich haftenden Gesellschafter durch einstimmigen Beschluß über zusätzliche Entnahmen zu entscheiden haben. Das vorlegende Gericht meint, auch mit Rücksicht auf diese Bestimmung sei Jedenfalls zur Zeit eine rechtliche Verhinderung der Eltern nicht zu erwarten, weil nach der im Jahre 1972 getroffenen Regelung die künftigen Gewinnanteile zunächst zur Auffüllung der restlichen Kommanditeinlagen zu verwenden seien und deshalb eine September 1973 auf eine Vorlage des Oberlandesgerichts Hamm gefaßten, zur Veröffentlichung bestimmten Beschluß in Sachen II ZB 6/74 näher ausgeführt hat, ist bei Gesellschafterbeschlüssen über Maßnahmen der Geschäftsführung oder sonstige gemeinsame Gesellschaftsangelegenheiten, soweit sie sich auf dem Boden des geltenden Gesellschaftsvertrags bewegen, ein Gesellschafter grundsätzlich nicht durch § 181 BGB gehindert, als Vertreter eines anderen Gesellschafters und zugleich im eigenen Namen zu stimmen. Die zu I erwähnte Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs vermag weder eine rechtliche Verhinderung der Eltern im Sinne des § 1909 BGB noch ein darauf beruhendes Bedürfnis für die Anordnung einer Dauerpflegschaft zu begründen, wie der Senat ebenfalls in seinem Beschluß in Sachen II ZB 6/74 dargelegt hat.