BGH · II ZB 4/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die sofortige Beschwerde der Beklagten wird der Beschluß des 3» Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Frankfurt/Main vom 17« Februar 1956 - 3 U 1/56 -aufgehoben und die Sache zur anderweiten Entscheidung, auch über die Kosten des Beschwerdeverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen- Das Berufungsgericht hat den Schriftsatz nicht als ordnungsmässige BerufungsBegründung angesehen und die Berufung durch Beschluß als unzulässig verworfen* der der Beklagten am 28- Februar 1956 zugestellt worden istDie durch ihren Prozeßbevollmächtigten hiergegen eingelegte sofortige Beschwerde ist beim Oberlendesgericht am 8« März 1956 eingegangen Sie ist rechtzeitig t§§ 569? Der angefochtene Beschluß sieht die Berufungs'begrün-dung deshalb als unzulässig an* weil der von dem Prozeßbe-vollmächtigten der Beklagten als Berufungsbegründung einge-reichte Schriftsatz sich nach seinem Inhalt im wesentlichen als eine bloße Bezugnahme auf ein vom Inhaber der beklagten m Firma selbst verfasstes, zur Unterrichtung des Anwalts bestimmtes Schreiben und im übrigen als eine bloße Wiederholung des gesamten erstinstanzlichen Verteidigungsvorbringens darstelle •> Eine solche Berufungsbegründungs schrift entspreche, so meint das Berufungsgericht, nicht der Vorschrift des § 519 Abs 3 Nr 2 ZPO, Die Berufungsbegründung vom 3» Pebruar 1956 enthält den Berufungsantrag und in der Begründung dieses Antrages unter Aufrechterhaltung des Vorbringens in erster Instanz die wörtliche Wiedergabe eines Informationsschreibens der Beklagten, in der diese unter Wiederholung und Ergänzung des Vortrags erster Instanz den Sachverhalt mit Eeweisan-trägen darstellt, aus dem die Beklagte ihre Einwände gegen die Klageforderung herleitet• Die Ausführungen sind in sich verständlich und stehen im erkennbaren Zusammenhang mit dem im Urteil des Landgerichts behandelten Streitstoff0 Daß der Anwalt der Beklagten bei der Wiedergabe der Information die Redewendungen des Inhabers der Beklagten in der Ich-Form beibehalten hat, läßt noch nicht den Schluß zu, daß er insoweit für dieses Vorbringen nicht die anwaltliche Verantwortung übernehmen wollte und daß er die Information ohne Prüfung verwertet hats Seine Schlußausführungen in der Berufungsbegründung, der Kläger habe seine Zusicherungen nicht eingehalten und deshalb sei die Beklagte nicht zur Zahlung der mit der Klage geforderten Beträge verpflichtet, lassen im Gegenteil erkennen, daß der Anwalt diese Folgerungen aus der vorhergehenden Darstellung des Sachverhalts zieht und die Information der Beklagten auch auf ihren sachgemäßen Inhalt geprüft hat« Der vorliegende Fall liegt somit anders als der Sachverhalt, über den der IV» Zivilsenat des Bundes-geil chtshofs in;* seinem Beschluß vom 210 Mai 1954 - IV ZB 28/54-(JR 1954, 4635 ZZPvl954, 474) entschieden hat« Darauf, ob das Vorbringen der Beklagten schlüssige Einwendungen gegen die Klageforderung enthält, kommt es in diesem Zusammenhänge nicht an.