BGH · II ZB 19/94 vom 20.02.1995
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Kläger hat in seiner Eigenschaft als Konkursverwalter über das Vermögen der PrBB-Anlagentechnik GmbH gegen deren Gesellschafter (Beklagte zu 1 und 2) sowie den Treugeber des Beklagten zu 2 (Beklagter zu 3) Klage auf Einzahlung restlicher, anläßlich der Gründung der Gesellschaft sowie einer späteren Kapitalerhöhung übernommener Stammeinlagen erhoben. Der Kläger hat gegen das Urteil Berufung eingelegt und für die Durchführung des Rechtsmittelverfahrens Prozeßkostenhilfe beantragt. 1. Entscheidungen der Oberlandesgerichte sind - von hier nicht vorliegenden Ausnahmen abgesehen - mit einer Beschwerde nicht anfechtbar (§ 567 Abs.4 ZPO). Der Kläger, der hiervon selbst ausgeht, meint, daß im vorliegenden Fall eine außerordentliche Beschwerde wegen greifbarer Gesetzwidrigkeit zulässig sei. Ein solcher Rechtsbehelf ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gegeben, wenn die Entscheidung mit der geltenden Rechtsordnung schlechthin unvereinbar ist, weil sie jeder rechtlichen Grundlage entbehrt und dem Gesetz inhaltlich fremd ist (BGHZ 119, 372, 374 m.w.N.;Beschl. Das ist nicht schon immer dann der Fall, wenn die angefoch-tene Entscheidung auf einem irgendwie gearteten Verstoß gegen materielles oder Verfahrensrecht beruht. Ob trotz der Verbuchung aller Zahlungen auf dem Kapitalkonto des Beklagten zu 1 eine hinreichende Bestimmung getroffen worden war, wonach die Zahlungen auch zur Tilgung der Einlageschuld des Beklagten zu 2 dienen sollten, ist eine tatrichterliche Würdigung, die, selbst wenn sie unzutreffend sein sollte, nicht zu einer dem Gesetz inhaltlich fremden Entscheidung führt. April 1988 beschlossenen Kapitalerhöhung geleistet worden sind, als zur Erbringung der dabei übernommenen Einlagen geeignet angesehen hat, ist eine Rechtsfrage berührt, die bisher in der Rechtsprechung und im Schrifttum nicht abschließend geklärt ist. Allein deswegen läßt sich jedoch nicht sagen, daß, wie der Kläger meint, der angefochtene Beschluß eine Gesetzesanwendung zur Folge hätte, "die der Gesetzgeber ersichtlich ausschließen wollte"; das Gesetz enthält nach seinem Wortlaut über die Zulässigkeit von Voreinzahlungen auf eine Kapitalerhöhung keine Regelung. b) Der Kläger weist zutreffend darauf hin, daß das Oberlandesgericht die weitgehend ungeklärte, nicht leicht zu beantwortende und überdies abweichend von der herrschenden Meinung beurteilte Frage der Zulässigkeit von Voreinzahlungen auf eine Kapitalerhöhung nicht abschließend im Prozeßkostenhilf everfahren hätte entscheiden dürfen. Die unteren Instanzen dürfen deshalb die hinreichende Erfolgsaussicht nicht verneinen, wenn eine entscheidungserhebliche Rechts-frage nicht eindeutig geklärt und es angebracht ist, daß die höhere Instanz sich mit ihr befaßt (BGH, Beschl. Die schon von der Prozeßökonomie geforderte Selbstkorrektur innerhalb der Fachgerichte (BVerfG NJW 1987, 1319) rechtfertigt es gleichwohl nicht, in einem Fall wie dem vorliegenden den außerordentlichen Rechtsbehelf wegen greifbarer Gesetzwidrigkeit zuzulassen. Die Frage, wann ein Rechtsproblem schwierig und ungeklärt und deshalb allein aus diesem Grund Prozeßkostenhilfe zu bewilligen ist, läßt sich nicht immer eindeutig beantworten. Die Beurteilung der Erfolgsaussicht einer beabsichtigten Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung ist in Berufungssachen, für die die Oberlandesgerichte zuständig sind, durch § 567 Abs.4 ZPO zu deren alleiniger und abschließender Entscheidung gestellt. Sie wird im vorliegenden Fall nicht dadurch ausgeschlossen, daß das Oberlandesgericht der außerordentlichen Beschwerde des Klägers "nicht abgeholfen" hat.