BGH · II ZB 19/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ZPO §5 232 Cc9 233 Fd Der Prozeßbevollmächtigte erster.Instanz hat seiner vernünftigerweise zu erwartenden Sorgfaltspflicht genügt5 wenn er vor Antritt seines Urlaubs einem bereits 1 1/2 Jahre im Vorbereitungsdienst tätigen Referendar unter ausdrücklichem Hinweis auf den Ablauf der Berufungsfrist den Auftrag gegeben ha-t? Dr» Haager und Dr, Reinicke ■beschloss eng Auf die sofortige Beschwerde des Klägers wird der Beschluß des Oberlandesgerichts in Celle vom 16o Oktober 1958 aufgehoben* Dem Kläger wird gegen die Versäumung der Frist zur Einlegung der Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Hannover vom 28* Buli 1958 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt* Das Urteil des Landgerichts Hannover vom 28« Juli 1956 wurde dem Kläger am 29» Juli 1958 zugestellt0 Am 20c September 1958 hat er zugleich mit der Hinlegung der Berufung beantragt, ihm gegen die Versäumung der Prist ■ zur.'Einlegung der Berufung Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren * Unter Glaubhaftmachung seiner Behauptungen hat er vorgetragen, sein-Prozeßbevollmächtigter erster Instanz sei am 2, August 1958 in Urlaub gefähren; vorher habe er jedoch seinen Stationsreferendar unter besonderem Hinweis auf den Ablauf der Berufungsfrist angewiesen, durch einen bestimmten zweitinstanzlichen Rechts-.anwalt Berufung einlegen zu lassen* Der mit der Führung des Pristenkalonders betraute Bürogehilfe des erstinstanzlichen Anwalts habe dem Stationsreferendar die Akten fristgerecht vorgelegt,, dieser habe jedoch aus Versehen die Berufungseinlegung nicht veranlaßt. Das Oberlandersgericht hat den Antrag auf Wiedereinsetzung zurückgewiesen, da die Beauftragung eines im Chaotischen Dienst noch unerfahrenen Referendars nicht die Anwendung der äußersten, von einem Rechtsanwalt 'zu erwartenden Borgfalt dargestellt habe* Mit der sofortigen Beschwerde erstrebt der Kläger unter Aufhebung des Beschluss :;s des Cberlandesgerichts die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand, Das Rechtsmittel ist begründet* Im konkreten Fall, kojmnt hinzu, daß der Stationsreferendar bereits eine 4~monatige Ausbildungszeit bei einem Rechtsanwalt geleistet hatte, daß der erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte des Klägers ihn vor Antritt seines Urlaubs ausdrücklich angewiesen hatte, Berufung durch 'den in Aussicht genommenen zweitinstanzlichen Prozeßbevollmächtigteh einlegen zu lassen und ihn dabei auf den Ablauf der Berufungsfrist bosoraders aufmerksam gemacht hatte. Jie Berufungsfrist war bereits als Hotfrist im Fristenkalender notiert, der Anwaltsgehilfe hatte die Akten im Einblick auf den Ablauf der Frist dem Referendar zur Veranlassung der .Berufungseinlegung vorgelegt. Bähe r,:'\ war dem Kläger unter Aufhebung des Beschlusses des Ober-landesgerichts die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung ,der; Frist .