BGH · II ZB 11/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
aber ins Handelsregister eingetragen .worden,, so kann sie nicht von Amts wegen gelöscht werden,: gleichviel, ob es sich um eine Scheingründung oder um eine Gründung durch Personen (sog, i Strohmänner)(handelt, die für Rechnung eines und desselben Dritten tätig geworden sind. Das Landgericht äußerte zwar ..Bedenken gegen die Ansicht des Registergerichts, daß die Gründung ein Scheingeschä-f t und deshalb nach- § 117 BGB nichtig seif :vertrat aber den Standpunkt , die Gründer hät ten die Errichtung einer GmbK mit nur e ii- n e m Gesellschafter beabsichtigt, dies sei eine unzulässige Umgehung des § 2 GmbHG, daher sei die Gründung nach § 134 BGB nichtig und infolge der Abtretung der Geschäftsanteile sei .jedenfalls im Zeitpunkt der Eintragung den GmbH keine Gesellschaft1 mehr vorhanden gewesen und habe darum nicht ein getragen werden dürfen. Gegen diese Entscheidung hat die GmbH frist- und formgerecht weitere Beschwerde eingelegt, Da’s Oberlandesgericht Frankfurt/Main, 1, Zivilsenat in Kassel, will- dieser Beschwerde abhelfen, sieht sich hieran aber durch den auf weitere Beschwerde ergangenen'Beschluß des/Öberland’esgerichts in Celle vom 18. iv , Die Voraussetzungen für eine Vorlegung der weiteren Beschwerde an den Bundesgerichtshof (§ 28 Abs 2 FGG) sind gegeben,, Das Oberlandesgericht Frankfurt/itassel geht davon aus,: daß &BHBIund DuMi die GmbH als "Strohmänner11 von ScjhflHI gegründet hätten und meints Wer sich an, der Gründung-einer GmbH in der Absicht beteilige, aus ihr alsbald eine Einmann-Gesellschaft'zu machen, strebe ernstlich die Gründung einer’ Gesellschaft an, da eine GmbH nur durch zwei'-Dersonen und nicht: als Einmann-Gesellschaft gegründet werden 'konnei -'Daher'"sei dieAuffassung:'des- Oberlande sge-- nichts Celle, solchenfalls liege ein Scheingeschäft'vor, nicht zu billigen. GmbH; könne zwar nicht durch den zwei Personen, erfordernden Gründungsvertrag, wohl aber durch Abtretung-der Geschäftsanteile erreicht werden,'- und. Hiernach müsse der weiteren Beschwerde stattgegeben 'werden, ohne daß es darauf ankomme, ob, wie das Oberlandesgericht Celle angenommen habe, eine bloß zu dem Schein erfolgte Gründung einen Nichtigkeitsgrund im Sinne, der §§ 75 GrnbHG, 144 EGG dar stelle oder ob nicht vielmehr ’Willensmängel nach Eintragung der GmbH ins Handelsregister unbeachtlich seien, auch wenn es. Damit weicht :das''Vorlegungsgericht zwar nicht in der Klarstellung des Inhalts einer Rechtsnorm (§ 117 BGB), sondern bloßjin der Subsumtion eines Tatbestandes unter das Gesetz voh einer auf weitere Beschwerde ergangenen Entscheidung eines änderen Oberlandesgerichts abr.Aber auch eine solche Abweichung betrifft die Auslegung des Gesetzes und rechtfertigt darum die Anwendung des § 28 Abs 2 EGG (Keidel EGG § 23 AnmS), . Es liegt vielmehr eine Schein- • gründurig vor / wenn jemand vorgeschoben1 wird, der selbst - gar nicht Gesellschafter .werden, insbesondere keine Stammle inläge übernehmen will und glaubt, die Eintragung der "Gesellschaft" schon durch eine nicht ernstlich gemeinte Gründung herbeiführen zu können« Eine Scheingründung kann zur Erreichung der Ziele der Beteiligten ausreichend sein. ■In jedem Palle versagt die Berufung, daß die Gründung nur zu dem Schein erfolgt sei, deshalb, weil die Gründererklärungen nicht bloß dem Vertragspartner gegenüber abgegebene, sondern zugleich an die Öffentlichkeit gerichtete Erklärungen sind und weil durch die Eintragung ins Handels register ein Rechisseheir hervorgerufen wird : aai ben o.j oh • die Allgemeinheit'muß' verlassen können■ (EC- JW 1935» 3613 ni w Nachw) o -Wie in dem-von OGHZ 4, 10,5 entsclriedenen Falle hängt die Annahme einer Scheingrünclung davon ab, ob die Beteiligten 'zur Erreichung ihrer- Zwecke einen-Scheinver.- rung und die damit für sie selbst verbundenen Pflichten ernstlich wollen, Bann trifft sie kraft' dieses erklärten Willens die Haftung der §§ 22, 24 GtnbHG, Schilling (in Hachenburg GmbHG § 2 Anm 38) geint, der Abschluß eines Rechtsgeschäfts durch eine vorgeschobene Person und'der iRechtserwerb' der" Rechteste 11 ung einer solchen' sei niemals Scheingeschäft, sondern stets ein ernst .gemeintes Geschäft, Das ist nicht richtig,-"Hur wenn der als Mittelsmann eines anderen Handelnde das Geschäft ernstlich will, .liegt kein Schleimige schaff vor. Alsdann fragt sich aber, ob dieses Geschäft nicht wegen der mit ihm verfolgten Zwecks sittenwidrig oder wegen Umgehung des Gesetzes' nichtig • ist„ Das läßt sich generell für eine St r ohmahngründ ung,f selbst dann nicht sagen, wenn alle Gründer von ein und derselben verdeckten Person vorgeschoben sind, wie das hier der Fall ist, -.Schlegel--' ■ oder wenn der an der Gründung einer GmbH wirklich Beteiligte die Haftung -des Gründers scheut und eine völlig ver- Aber selbst mit dieser Begründung kann erne einmal ins Handelsregister eingetragene Kapitalgesellsehaft .riohut lir nichtig erklärt oder vor Amts wegen gelöscht werden;, da ein solcher Grüneungsmangel nicht zu den Wichtig-keitsgrüuder des § 7e GnbHG ($ 216 AktG) gehört. Ha eh Hintragung der GmbH ins Handelsregister ist die fauaaohe, daß die beiden alleinigen Gründer für ejne duron sie verdeckte Person gehandelt und sie Absicht verfolg;. Verstoßes gegen .§ 117 BGB oder wegen, unzulässiger Umgehung'des ■§■2 GrnbHG nichtig oder gleichwohl • wirksam ist Da die Beschwerdeführerin eingetragen worden ist und es lediglich darum gehtl -ob sie " von Amts wogen im Handelsregister gelöscht werden darf, kommt es nicht darauf an, ob Gregor und Puck, die' für Rech r: ong des Schminke und in dessen wirtschaftlichem Interesse gehandelt haben, ernstlich eine Gesellschaft mit sich als Gesellschaftern wollten oder nicht,. .gegründet werden kann, weil dazu nach § 2 GmbHG- ein Vertrag« .eine Gesellschaft , gehört , so besteht sie doch als juristische Person fort, wenn sich alle Geschäftsanteile durch Abtretung in einer Hand vereinigen,'Pie Bedenken« die gegen die Einmann-GmbH erhoben worden sind, und der Stand--punkt5 daß der Eintnann-GmbH die eigene Rechtspersönlichkeit fehle und das Gesellschaftsvermögen nur ein gebundenes Sohdervermögen des Alleingesellschafters■sei (Schilling in Hachenburg GmbHG § 13 Anh 1, 4 und JZ 1953,- 161; ähnlich.