BGH · III ZR 9/54
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr, hat der IIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 12* Mai 1955 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Prof« Dr* Geiger sowie der Bundes' riehter Rietschel, Br« Weber, Dr* Kreft und Dr« Hußla für Recht erkannt% des Bezirksamts vom 26« März 194-7« In diesem habe es NgH fll® ge beten, dem Überbringer des Schreibens, gegen Barzahlung einen Schraubstock auszuhändigen« Seine weiteren Bemühungen um die Freigabe den sichergestellten Sachen seien vom Bezirksamt mit der Begründung abgelehnt worden, die Gegenstände könnten vor der Entscheidung über seine Entnazifizierung nicht zurückgegeben werden» Mit Ermächtigung des Haupttreuhänders der französischen Militärregierung habe er 1949 gegen eine einstweilige Verfügung auf Herausgabe eines Teiles der Sachen erwirkt (3 G 268/49 AG Wedding)» Die Vollstreckung sei bis auf einen Lastkraftwagen fruchtlos ausgefallen» Sein Schaden bestehe in dem Verlust des Geschäftsvermögens, das hJBHP übernommen habe o sei am 10» November 1950 verstorben» Aus seinem Nachlaß sei nichts zu holen, lediglich einen Amboß, einen Richttisch und eine Sackkarre habe er von Hauswirt zurückerhalten» Der Klager macht geltend, die Bezirksämter Reinickendorf und Wedding hätten ihre; Amtspflicht ihm gegenüber grob f ahrlässig verletzt » Die Beschlagnahme des Betriebes in der C^mpstraßa sei ungesetzlich gewesen« Das Bezirksamt habe NflHIB ohne die> erforderliche Sorgfalt zu dem Treuhänder Jberj" stellt« Hm^psei 26 mal vorbestraft gewesen« Das Bezirksamt habe außerdem nach d er Beschlagnahme auch nicht so beaufsichtigt, wie es geboten gewesen wäre« Der Kläger hat einen Teilbetrag seines Schadens eingeklagt und beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an ihn 2»000 DM nebst 4 Zinsen seit dem 1« März 1951 zu zahlen« mxi Bas Landgericht hatd er Klage stattgegeben» Das Bezirksamt habe den Betrieb in der Chausseestraße mit der Bescheinigung vojp-7 3V,Mai.1945 beschlagnahmt» Dadurch sei ein öffentlichrechtliches Verwahrungsverhältnis entstan-den* Die Beklagte habe den von ihr eingesetzten Treuhänder nicht beaufsichtigt und damit grob fahrlässig' gehandelt» Die Verjährungseinrede greife nicht durch» da die Verjährungsfrist bei Haftung aus Verwahrung 30 Jahre betrage» Auf die Berufung der Beklagten hin ist die Klage abgewiesen worden» Mit der Revision verfolgt der Kläger seine Klagforderung weiter »Die Beklagte bittet um Zurück-Weisung, der Bevision» stützten Amtshaftungsanspruch beginnt die Verjährungsfrist von 3 Jahren (§ 852 BGB) zu laufeV, sobald der Verletzte vom Schaden, von der Person des Ersatzpflichtigen und von der Unmöglichkeit, auf andere Weise Ersatz zu erlangen * lo Das Berufungsgericht führt zunächst aus, dem Kläger sei nach seinem eigenen Vortrag seit 1945 bekannt gewesen, daß üflIPdarauf ausging, den Fabrikationsbetrieb mit den darin vorhandenen Gegenständen an sich zu bringen« Er habe kurz nach der Inbesitznahme des Betriebes durch UflHM von die Sachen seinem Vorarbeiter LBHP erfahren, daß nach der Straße gebracht habe mit dem Bemerken, der Kläger werde seinen Betrieb nicht mehr zurückerhalten, dieser werde sein eigen werden, Anfang 1946 habe der Kläger nach seiner “eigenen Angabe erfahren, daß NJBBBPverschie-dene Sachen aus dem Fabrikationsbetrieb anderen zu dem Kauf angeboten habe0 Obwohl das Bezirksamt Wedding auf Vorstellungen des Klägers hin dem FrJ(d| mit Schreiben vom 25» März 1946 verboten habe, Sachen zu veräußern, habe die Verkäufe fortgesetzte Der Kläger habe sich darüber fortlaufend weiter beschwerte Am 4» Februar; 1948 habe der Kläger erlebt,' daß NflHBzh der vom Bezirksamt Wedding auf diesen Tag anberaumten Besprechung nicht erschienen sei und von dem durch die französische Militärregierung bestellten Treuhänder erfahren, daß Kjjm sich wei- gere, die Übergabe der Gegenstände des Fabrikationsbetriebes zu vollziehen und über das Vorhandensein und den Verbleib dieser Gegenstände Auskunft zu er teilen selbst habe dann erklärt, die Gegenstände befänden sich in einem anderen Raum, dessen Lage habe er aber verschwiegene Der Kläger sei dann in die ClMBBPstraße gegangen und habe festgestellt, daß nichts mehr vorhanden war0 Wenn das Berufungsgericht auf Grund der Gesamtheit aller dieser aus dem eigenen Vortrag des Klägers entnommenen Umstände feststellt, der Kläger habe spätestens im Frühjahr 1948 Kenntnis davon gehabt, daß UflHHpdas zu dem Fabrikationsbetrieb gehörende Inventar "im wesentlichen" j daß tatsächlich - nach dem: Vortrag des Klägers «* im Mai 1950 bei RflM0Knoch ein Kraftwagen siehergestellt worden sei und der Kläger nach dessen Tod noch einen Amboß? mit ist für den Kläger nichts gewonnen* Das Berufungsgericht hat nur festgestellt? daß der Verletzte den als Einheit aufgefaßten Gesamtschaden gekannt hat; unnötig ist dagegen volle Übersehbarkeit nach Umfang und Höhe (Palandt BGB 12* Aufl .§ 852 Anm 2 a). das Berufungsgericht habe die rechtlichen Voraussetzungen des Beginns der Verjährungsfrist .verkannt und damit materielles Recht verletzt? 2-o' Neben (3 er Kenntnis vom Schadenseintritt ist für den Beginn der Verjährung nach § 852 BGB die Kenntnis der Person des Ersatzpflichtigen erforderlicho Bei einem Amtshaftungsanspruch genügt dazu die Kenntnis der tatsächlichen Umstände« die eine in Ausübung anvertrauter öffentlichen Gewalt begangene Amtspflichtverletzung vermuten lassen (RGZ 145, 56/697$ 168« 214 /220 f7) o Wann der Kläger diese Kenntnis erlangte, stellt das Berufungsgericht nicht ausdrücklich festo Der Kläger leitet den Amtshaftungsanspruch aber daraus her $ daß die Beklagte seinen Betrieb ‘beschlagnahmt und zu dem Treuhänder bestellt habe, und daß das Bezirksamt unter Verletzung seiner Aufsichtspflicht seinen Beschwerden gegen N<HH^ Gebahren kein Gehör geschenkt habe0 Diese Umstände waren ihm« wie sein eigenes Vorbringen ergibt, aber schon in den Jahren 1945 bis 1947 bekannte 3o Das Berufungsgericht hat auch nicht verkannte daß die Verjährung eines auf fahrlässiger Amtspflichtverletzung beruhenden Amtshaftungsanspruchs wegen der Vorschrift in § 839 Abs 1 Satz 2 BGB nicht schon mit der Kenntnis vom Schaden beginnt, daß vielmehr die*Verjährung der anstelle des schuldigen Beamten haftenden Körperschaft gegenüber erst in dem Zeitpunkt ihren Anfang nimmt« in dem der Verletzte Kenntnis davon erlangt hat, daß er auf ahdere Weise keinen Ersatz zu erlangen vermag (RGZ 137? 20$ 161, 375)o Das Berufungsgericht, stellt hierzu in tatsächlicher Beziehung fest, daß der Kläger als erfahrener Geschäftsmann, der die Entwicklung nach demiZusammenbruch miterlebt hatte, auf Grund seiner Erfahrungen mit N^^F seit 1945 und der Vorfälle im Februar 1948 schon damals gewußt hat. Daß das Berufungsgericht tatsächliches Vorbringen unter Verstoß gegen § 286 ZPO übersehen habe, ist auch zu diesem Punkt nicht gerügt worden«. daß der Kläger schon 3 Jahre vorder Erhebung Kenntnis davon hatte, von seien nicht einmal 2000 zu erlangen«, Das ist nicht richtig<> Um der Vorschrift in § 839 Abs 1 Satz 2 BGB gerecht zu werden, brauchte der Kläger nicht darzulegen, daß .von ^■HPnicht einmal 2000 DM zu erlangen seien. Wußte der Kläger nach der, wie dargelegt, einWandr** freien Feststellung des Berufungsgerichts im Februar 1948, daß NflHM die wesentlichen Teile seines Inventars ver-äußert hatte und daß von ihm Geldersatz für diese Teile nicht ~ jedenfalls nicht in vollem Umfange — zu erlangen war und waren ihm ferner die;Tatsachen bekannt, die nach seiner Auffassung einen Amtshaftungsanspruch begründen konnten* so war er bereits damals in der Lage, gegen die Beklagte zu demindest eine Peststellungsklage mit Aussicht auf Erfolg zu erheben.» 4» Ist nach Vorstehendem nicht zu beanstanden* daß das Berufungsgericht den Beginn der Verjährungsfrist spätestens auf Frühjahr 1948 verlegt* so ist auch nicht zu bemängeln* was es über die Einwirkung der Sperre des Vermögens des Klägers nach dem Gesetz 52 52 auf den Lauf der Verjährungsfrist ausführt .Es legt dar* daß hier nicht die Hemmungs-Vorschrift in §.202 Abs 1 BGB in Rede steht* die Platz greift* wenn der Verpflichtete sich der Inanspruchnahme durch den Gläubiger entziehen kann* sondern die Vorschrift in § 203 Abs 2 BGB, nach welcher die Verjährung gehemmt ist* solange der Berechtigte innerhalb der letzten 6 Monate der Verjährungsfrist an der Rechtsverfolgung durch höhere Gewalt verhindert ist0 Diese Ausführungen stehen im Einklang mit der Rechtsprechung des Senats (BGHZ 10* 310). Die Revision hat sich schließlich noch darauf berufen, daß das Bezirksamt Wedding mit Schreiben vom 26c Marz 1947 NAH auf gef ordert habe, ’’einem Herrn einen Schraub- stock gegen Barzahlung auszuhändigen und' diesen bei von ihm auszufuhrenden Schweißarbeiten entsprechend zu berücksichtig genno Von diesem Schreiben habe der Kläger erst nach dem Tod durch den Nachlaßverwalter Kenntnis erlangt. Die Beklagte habe selbst in ihrem Schriftsatz vom 20o August 1952 anerkannt, daß die Veranlassung zu dem Verkauf eines Schraubstockes Schadensersatzansprüche des Klägers zu begründen geeignet sei. Stünde dem Kläger aus diesem Grunde ein selbständiger Schadensersatzanspruch zu, so würde diesem gegenüber die Einrede der Verjährung nicht durchgreifen und die Klagabweisung mit dieser Begründung nicht aufrechtzuerhalten sein, denn die Verjährungsfrist würde hinsichtlich eines solchen Anspruchs erst mit der Kenntnis von diesem Schreiben ihren Lauf genommen haben, also erst nach dem lode November 1950, der größere Arbeiten auszuführen hatte., einen Schraubstock aus den Beständen des Klägers gegen Barzahlung auszuhändigen, damit seine Amtspflicht verletzte, mag dahingestellt bleibeno Nichts spricht dafür, daß er schuldhaft handelte, wenn er es für zulässig hielt«; daß ein Vermögensverwalter einen einzelnen, unbedeutenden Teil einer größeren Vermögensmasse einem Bedarfsträger gegen Barzahlung ~ also unter Zuführung des Gegenwertes zur Ver • Ist das eben behandelte Vorbringen der Revision nicht geeignet, dem Kläger wenigstens zu einem Teilerfolg - in Höhe des Wertes eines Schraubstockes >• zu verhelfen und hat das Berufungsgericht im übrigen den behaupteten Amtshaftungsanspruch des Klägers mit Recht als verjährt ange-• sehen?