BGH · III ZR 8/60 vom 23.01.1961
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision -des beklagten Landes wird das Urteil des 3° Zivilsenats des Schleswig-Holsteinischen Ober-landesgerichts in Schleswig vom 90 Oktober 1959 auf-* gehoben und die Berufung des Klägers gegen .das Urteil der 2, Zivilkammer des Landgerichts In Kiel vom 24° Oktober 1958 surUckgev/ieseru Der Klager hat die Kosten des Berufungs^. Der Kläger betreibt seit dem Jahre 1950' auf Grund der ihm erteilten Konzession die A|^p-Apotheke in IflÜ» Im Marz 1951 suchte er beim beklagten land um die Genehmigung zur Einrichtung einer Rezeptsarameisteile in dem ungefähr 7 km entfernt liegenden Ort1 nach, der bei Aus- schreibung der Konzession zu dem Einzugsgebiet von lHH|-ge-rechnet war* Das beklagte Land teilte durch Bescheid des Innenministers vom 21« Mai 1951 mit, es vermöge zu seinem 3edauern dem Antrag nicht zu entsprechen, und genehmigte am 16o Mai 1952 der ebenfalls etwa 7 km von entfernt gelegenen BJ|^-Apotheke in sBHB als einzigen Apotheke, in H|HIB eine Rezeptsammelstelle zu unterhalten« Unter dem 29« Mai 1952 teilte es ferner dem Kläger mit, es gebe grundsätzlich an ländlichen Orten, in denen mehrere Stadtapotheken die Errichtung einer Reseptsansnelsteile gleichermaßen beanspruchen könnten, die ausschließliche Genehmigung der nächstgelegenen LandApotheke« Zugleich hat es den Kläger, die von ihm ohne Genehmigung eingerichtete Rezeptsammelstelle in HflHÜ sofort aufsulösen, und wies in einem aus anderem Anlaß ergangenen Schreiben vom selben Tage den Kläger auf die Strafbarkeit ungesetzlicher Rezeptsammeltätigkeit hin« Im Anschluß an Gegenvorstellungen des Klägers} in denen er erklärte, er habe eine Sammelstelle in hicht einge- Nachdem durch das Gesetz über die Apothekerkammer Schleswig-Holstein vom 18« Dezember 1953 die in^seinem Vollzug ergangene Berufsordnung für Apotheker vom 5« Oktober 1954 sowie die Richtlinien für die Einrichtung und Ünter-Haltung von Rezeptsammelstellen usw« vom 15* Dezember 1954 erlassen worden waren, suchte der Klager am 28« Januar 1955 bei der Apothekerkammer um die Genehmigung für eine Rezept-sammelstelle in HmHBlnac^D Kammer erteilte hierauf am 1« August 1955 dem Kläger sowie der Inhaberin der Apotheke in fflHHHBI? Mit der vorliegenden Klage nimmt der Kläger das beklagte lend, weil dieses ihm durch eine -ungerechtfertigte: Versagung der Genehmigung cur Einrichtung der Rezeptsammelstelle einen Verdienstentgang von mindestens 10.000 DM zugefugt habe aus dem Gesichtspunkt der Amtspflichtverletzung'und des enteignungsgleichen Eingriffs zunächst auf Zahlung von 6»100 DM in Anspruch«, Das Landgericht hat die Klage, dem Antrag des beklagten Landes folgend, abgewiesen. Das Oberlandesgericht hat auf die Berufung des Klägers den Klagsansprueh- dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und die Sache zur Entschei- Das angefochtene Urteil beruht auf der -Annahme, daß der Kläger einen Entschädigungsanspruch aus enteignungsgleichem Eingriff gegen das Land.habe. eins Rezeptsammelstelle einzurichten* G-egen die Annahme eines Eingriffs ist aus Rechtsgründen nichts du erinnern* 25se Vorgehen ae.s beklagten Landes hat bei dem Kläger den Glauben erwecken können und erweckt, er dürfe die beabsichtigte Rezeptsammeistelle nicht einrichten und unterhalten, und hat ihn dadurch von seinem Vorhaben'ahgehslten; es hat also ~ und das ist das Entscheidende - auf den Kläger v/ie ein Verbot der Reseptsammelstells■gewirkt, Mit diesem Verbot hat das beklagte Land nach Ansicht des Berufungsgerichts unmittelbar in den eingerichteten und ausgeübtsn Gewerbebetrieb' der A(|^-Apotheke eingegriffen, Pas angefochtene Urteil nimmt zunächst an, zu den Rechten, die der Kläger durch die ihm erteilte Apotheken-Konzession erworben habe, habe auch aas Recht zur Einrichtung einer Rezeptsammelsteile iii hSBESBB gehört; einem (aus Standes-rechtlichen Gründen) etwa erforderlichen Antrag des Klägers hätte die zur Entscheidung standesrechtlicher Kragen allein zuständige Apothekerkammer stattgeben müssen* Es weist sodann darauf hin,. Eie Vermögenswerte Bechtsposi-tion, so wie sie der Kläger im Augenblick: des Eingriffs tatsächlich ausgeübt habe, sei von dem Eingriff nicht betroffen sondern nur die .Höglibükeit zur Erweiterung des Schutzob-3ektes genommen werden. Der erkennende Senat hat allerdings anerkannt, daß zu ■einem eingerichteten Gewerbebetrieb die Möglichkeit 'seiner dauernden Erneuerung und Modernisierung gehört, die.sich aus Wettbewerbsgründen su einer dringenden Notwendigkeit verdichten kann, (Urteil vom 25. Er hat aber dem Grundsatz nach daran festgehaltenj der Sigentumssehutz habe das.Hecht auf Fortsetzung des Betriebes auf G-rund der schön getroffen -hen betrieblichen Veranstaltungen sum Inhalt; es müsse sich, wenn ein entschädigungspflichtiger, enteignender Eingriff gegeben sein solle, um einen Eingriff in bereits vorhandene konkrete Warte handeln. Zu einer Reseptsammelstelle, die eine Stadtapotheke auf dem Lande errichten will, gehört nicht nur die Anbringung einer' Vorrichtung, die zur Aufnahme., zeptsammelstelle als einebesondere, eigene betriebliche Veranstaltung gewertet, was u»a* -darin sum Ausdruck .gelangt, daß sie immer wieder fUr genehmigungspflichtig erklärt -worden .ist*'Im- Enteignungsrecht und beider Frage nach einer Enteignungsentschädigung ist, wie der-Sehet’1 wiederholt betont hat-(u-*a. 13- heißt, der Betrieb, in den eingegriffen .werde, brauche nicht notwendig bereits in Gang befindlich zu sein, es genüge, wenn er so eingerichtet sei, daß er ohne den Eingriff unbeschränkt hätte ausgeübt werden können, so mag dies nach der Wortfassung zu-nächst für die Eevisionserwiderung sprechen» Die Ausführungen sind, aber im Blick auf Sachverhalte .gemacht, . die tat best and-, lieh dem vorliegenden Sachverhalt nicht gleichliegetx, und können nicht auf den Ball bezogen werden, daß dem Inhaber eines eingerichteten Gewerbebetriebs eine, eine eigene• Organisation in sich schließende betriebliche Veranstaltung versagt v/ird, die bisher weder durch den Betriebsinhaber ^selbst noch durch eine an seiner Stelle hierzu gefugte dritte Person verwirklicht worden ist, sondern- erst‘geschaffen werden soll. Las angefochtene Urteil muß daher aufgehoben,, die Beru-I fung des Klägers gegen das klagabweisende■landgerichtliche Urteil zurückgewiesen und der Kläger als unterlegener ’Teil : mit den Kosten der beiden Rechtsmittelzüge belastet-werden.