BGH · III ZR 7/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bie Sache wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Tatbestands Die Beklagte plante gegen Ende des Jahres 1954 die Errichtung eines Lagerhauses auf dem Grundstück Bj Straße / RflHHHHHfe-Straße in MflHHHHfc* Sie wandte sich deshalb an den Architekten HflBBi und an den Klüger, die beide entsprechende Pläne anfertigten. Der Kläger vertritt die Auffassung, die Beklagte habe ihm als dem einzigen Bewerber auf ;Jeden Pall den 1. Io Pas Berufungsgericht hat zur Begründung seiner die Klage abweisenden Entscheidung im wesentlichen folgendes ausgefiihrt Ansprüche wegen eines unter die Vorschriften der Auslobung fallenden Preiswettbewerbs fcönne der Kläger nicht geltend machen« weil dafür eine nach den §§ 661, 657 BGB wesentliche gesetzliche Voraussetzung, die öffentliche Bekanntmachung, fehlec Per Preiswettbewerb habe im Rahmen besonderer Vereinba rung unter den Parteien gelegen- Per zwischen den Parteien geschlossene Vertrag sei kein Werkvertrag, weil der Kläger nur habe berechtigt, aber nicht habe verpflichtet sein sollen, sich um die Preise zu bewerben und dazu einen entsprechenden Bauentwurf einzureichen. Vielmehr bestelle ein Vertrag, auf den die Vorschriften des § 661 BGB entsprechend anzuwenoen seien, Pie materielle Entscheidung des Preisgerichts sei da- her bei entsprechender Anwendung des § 661 Abs- 2 BGB für die Parteien verbindlich und dürfe vom Gericht nicht nachgeprüft werden, Wohl seien Einwendungen formeller Art gegen den Spruch des Preisgerichts gemäß § 1041 ZPO und damit auch die Rüge zulässig, das Preisgericht sei für eine Entscheidung nicht zuständig gewesen. Per Kläger wolle aber offenbar dem Preisgericht die Zuständigkeit absprechen, wenn er ausführe, daß für eine •“'ntScheidung des Preisgerichts kein itaum mehr gewesen sei, nachdem ihm, Kläger, infolge der Nichtbeteiligung Vielmehr führe die - ergänzende - Auslegung der zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarungen zu dem Ergebnis, daß bei nur einem Bewerber der 1* Preis nicht automatisch an diesen Fallen sollte, sondern daß auch in diesem Falle das Preisgericht noch zu entscheiden gehabt habe, ob der Entwurf gut sei und den 1* Preis verdiene oder nicht. Da das Preisgericht danach trotz des Ausfalles des zweiten Bewerbers noch zur sachlichen Entscheidung zuständig gewesen sei, lägen die Voraussetzungen des § 1041 Abs, 1 Ziff* 1 ZPO (unzulässiges Verfahren), unter denen die Aufhebung eines Schiedsspruches verlangt werden könne, nicht vor* Dann aber müsse es bei dem der sachlichen Nachprüfung durch das staatliche Gericht entzogenen Spruch des Preisgerichts verbleiben* Es ist richtig, daß die gesetzlichen Be Stimmungen über die Auslobung mangels Öffentlicher Bekanntmachung des Wettbewerbs und wegen der Beschränkung der feilnehmerzahl auf zwei bestimmte Personen keine unmittelbare Anwendung finden können* Ferner bestehen auch keine Bedenken gegen die Auffassung des Berufungsgerichts, daß es sich hei den Abmachungen der Parteien angesichts dessen, daß es an einer bei einem Werkvertrag notwendigen Verpflichtung des Klägers zur Herstellung eines ‘‘Werkes” (hier Vorlage der nach dem “Wettbewerb” einzureichenden Baupläne) fehlt, nicht um einen Werk- vertrag handelte Man muß mit dem Berufungsgericht vielmehr davon ausgehen« daß es sich bei den Abmachungen über die Veranstaltung des MWettbewerbs” um vertragliche Vereinbarungen besonderer Art handelt, auf die - unter Beachtung der Besonderheit des vorliegenden Palles - die im Gesetz enthaltenen Bestimmungen über die Auslobungj insbesondere die des § 661 BGB entsprechende Anwendung finden müssen« Es kann insoweit auf die vom Berufungsgericht angezogene' Entscheidung des Vo Zivilsenats in 3GHZ 17, 366 ff verwiesen werden, Die entsprechende Anwendung des § 661 BGB führt dazu,, daß die sachliche Entscheidung des Preisgerichts von den Parteien als verbindlich hingenoiomen werden muß und vom Kläger nicht angegriffen werden kann (Abs« 2 Satz 1 aaO)* Insoweit macht die Hevision auch keine Bedenken geltend« Die Revision geht vielmehr mit dem Berufungsgeridat und zutreffend davon aus, daß gegen die Entscheidung des Preisgerichts lediglich die gegen die Entscheidungen von Schiedsgerichten zulässigen und in § 1041 ZPO aufgeführten Einwendungen erhoben werden können« Dabei kann offen bleiben, ob die Parteien sich im Blick auf die Besonderheiten des vorliegenden Palles auf alle dort genannten Aufhebungsgründe gegebenenfalls würden berufen können oder nicht« Jedenfalls ist die hier allein in Betracht kommende Rüge aus § 1041 Abs, 1 Nr, 1 ZPO, der Spruch des Preisgerichts beruhe auf einem unzulässigen Verfahren, beachtlich« Eine Unzulässigkeit des Verfahrens würde gegeben sein« wenn das Preisgericht mit seiner Entscheidung die ihm zugewiesenen und eingeräumten Befugnisse irgendwie überschritten hatre (vgl, dazu Stein/Jonas/Schönke 18« Aufl« Anm« ill 1 b zu § 1041 ZPO). Daß der Kläger einen dahingehenden Verfahrensmangel geltend machen wollte, hat das Berufungsgericht zutreffend aus seinem Vortrag entnommen, für eine Entscheidung des Preisgerichts sei angesichts der Nichtbeteiligung des Architekten an dem Wettbewerb überhaupt kein Raum mehr gewesen Pas Berufungsgericht hat sein Ergebnis, daß das Preisgericht auch bei der alleinigen Beteiligung des Klägers an dem Wettbewerb noch sachlich zu entscheiden gehabt habe und dem Kläger nicht den 1, Preis? die Bauausführung, habe zuzuerkennen brauchen, im einzelnen auf folgende Erwägungen gestützt Pie Behauptung des Klägers, die Parteien seien sich darüber einig gewesen, daß einer der boidoji Bewerber den 1 . Preis erhalten müsse, könne als richtig unterstellt werden» Eine derartige Vereinbarung habe vertraglich getroffen werden können, sie besage aber auch nur, daß bei den vorgesehenen zwei Bewerbungen eine mit dem 1. Pas Preisgericht habe nach dem Inhalt des Vertrages durch einen Vergleich zwischen zwei Entwürfen ein Werturteil über die Güte der Entwürfe abgeben sollen. einem Entwurf sei ihm ohne sachliche Prüfung der 1« Preis zujBU-teilen, würde er durch das Ausscheiden des zweiten Bewerbers ungerechtfertigt und entgegen dem Inhalt des Vortrages besser gestellt sein, weil eben in dem abgeschlossenen Vertrag eine sachliche Prüfung der Entwürfe als wesentlich vorgesehen sei» Pas Risiko, der verbindlichen Entscheidung eines Preisgerichts unterworfen zu sein5 habe der Kläger bewußt in Kauf genommen* Pieses sei nicht dadurch beseitigt, daß vjegen des Ausscheidens des Architekten Wettbewerber der Kläger der alleinige Be- Hier muß ein Verfahrensmangel darin gefunden werden,* daß das Berufungsgericht tatsäehlxhes Vorbringen des Klägers, das für die Auslegung der vertraglichen Vereinbarungen der Parteien von Bedeutung ist, zu demindest von Bedeutung sein kann, nicht gewürdigt hat- Pas Berufungsgericht hat zwar die Behauptung des Klägers als richtig unterstellt, die Parteien seien sich darüber einig gewesen, daß einer der beiden Bewerber den 1. Dieser habe zugegeben, daß das Verhalten der Beklagten gegenüber den beiden Architekten nicht richtig gewesen sei, und habe ihn, Kläger,gefragt, wie man wohl am besten aus dieser "Misere" Dieser Sachvortrag, dessen Richtigkeit vom Kläger unter Beweis gestellt worden ist, ist -.geeignet, den vertraglichen Vereinbarungen der Parteien eine andere Auslegung zu geben, als es das Berufungsgericht bisher getan hat. Das Berufungsgericht hat im Ausgangspunkt nicht verkannt, daß es bei der Auslegung und insbesondere auch der ergänzenden Auslegung von Parteivereinbarungen wesentlich auf den von den Parteien verfolgten Zweck abzustellen ist. Wenn aber, was der oben wiedergegebene Vortrag des Klägers - seine Richtigkeit unterstellt - nahelegt, der Zweck des Wettbewerbs im wesentlichen der gewesen sein sollte, einen Ausweg aus der mit der Beschäftigung zweier Architekten entstandenen unangenehmen Situation zu finden und zu einer Entscheidung darüber zu kommen, welchem von den beiden bisher schon mit den Bauprojekten der Beklagten beschäftigten Architekten auch mit der Durchführung des neuen Bauprojekts betraut werden sollte, dann ist - möglicherweise - eine von der bisherigen abweichende Auslegung der Parteivereinbarungen auch im Blick darauf, inwieweit und für welche Prägen das Preisgericht zuständig sein sollte, geboten. Das Berufungsgericht hat sonach die Auslegung der vertrag- j liehen Vereinbarung der Parteien nicht unter Würdigung des ge- 1 samten Vortrages des Klägers vorgenommen und dadurch gegen § 286 ZPO verstoßen.