BGH · III ZR 3/54 vom 18.04.1955
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- Prozeßbevollmächtigter für die Beklagte und die Streitgehilfen: Rechtsanwalt Br hat der IIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 18* April 1955 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Prof.BrcGeiger söwie der Bundesrichter Uro Xreft, Br» Wolany, Br«, Beyer und Br» Hußla Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 1v Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Frankfurt (Main) vom 26„ November 1953 aufgehoben und die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen» Beim Begehen des Weges wurde der den Markt besuchende Kläger von einem der dort aufgestellten, dem Pferdehändler Fachmann gehörenden Pferde mit den Hinterhufen geschlagen und verletzt. Für die Folgen des Unfalls macht der Kläger die Beklagte verantwortlich, weil sie die sie als Veranstalterin des Marktes treffende Pflicht zur Sicherung des Verkehrs nicht gehörig erfüllt habe. Das Landgericht hat unter Verneinung eines Mitverschuldens auf Seiten des Klägers die Leistungsansprüche des Klägers, soweit sie nicht auf einen öffentlichen Versicherung^: träger übergegangen sind, für gerechtfertigt erklärt und hat mit derselben Einschränkung dem Feststellungsantrag stattgegeben o Auf die Berufung der Beklagten hat das Oberlandesgericht die Klage abgewiesen. Die Beklagte bittet um Zurückweisung der Revision, Der Beklagten sind bereits im ersten Rechtszug die Erben des verstorbenen Flurschützeh Wilhelm BflHBlV, der am Unfallstag mit der Einweisung und Aufstellung der Pferde auf dem Markt beauftragt gewesen sein soll, als Streitgehilfen beigetreten, Sie haben sich den Anträgen der Beklagten angeschlossen. Beide Vordergerichte halten zu Ungunsten der Beklagten für erwiesen, dass am Unfalltag die Pferde auf dem Pflanzenländerweg unsachgemäss auf beiden Seiten aufgestellt gewesen sind, und führen auf diesen Mangel den Unfall des Klägers zurücko .Nach den vom Erstgericht hierzu des näheren getroffenen Feststellungen war an der Unfallstelle zwischen den an beiden Seiten des Weges stehenden Pferden nur ein schmaler, von einem Zeugen auf 2 - 3 m geschätzter Zwischenraum, der noch dazu angesichts des lebhaften Marktverkehrs ein Ausweichen nicht ermöglichte und dem Kläger zu dem Verhängnis wurde, als er vor zwei ihm entgegengeführten Pferden zur Seite treten musste. Wörtlichkeit der Beklagten aus § 823 BGB herleitet, sieht: das Berufungsgericht die Haftungsgrundlage in § 839 BGB und gelangt im Hinblick auf eine vom Kläger angeblich nicht ausgeräumte anderweite Ersatzmöglichkeit durch Inanspruchnahme des Pferdehändlers Fachmann zur Abweisung der Klage. Bas Berufungsgericht9 das die Veranstaltung des Marktes anders als das Landgericht für eine hoheitliche Betätigung der Beklagten hält, verkennt dabei nicht, dass die Beklagte auch für die Sicherheit des Verkehrs auf dem Markte nach § 823 BGB halten könnte. Bie nach § 823 BGB zu bemessende Pflicht desjenigen, der einen Öffentlichen Verkehr auf einem Weg eröffnet hat, zur Sicherung dieses' Verkehrs ist nur ein Unterfall der Verkehrspflichten. Kraftfahrzeuge abzuleiten, deren Verletzung nach § 823 BGB für Schaden haftbar macht, die aus dem Mißbrauch des ungenügend verwahrten Fahrzeugs erwachsen (so der erkennende Senat in KJW 1952, 1091), Alle diese Bflichten beruhen auf dem Tatbestand, dass nach der konkreten Lage der Verhältnisse eine Gefahrenlage für Dritte besteht, für die»derjenige einzustehen hat, der die Gefahrenlage Hschafft”, indem er den gefährlichen Zustand herbeiführt oder andauern lassto Liesen Gedankengang hat der Senat für die Verkehrssicherungspflicht hinsichtlich eines öffentlichen Weges oder einer Wasserstrasse in BGHZ 9, 373 (387), 14, 83 (85) näher entwickelt. Lie Gefahrenlage hat die Beklagte durch die Veranstaltung des Markts geschaffen, Ihre sich daraus ergehende Verantwortung im Sinne des § 823 BGB für die Sicherheit der Marktbesucher richtet sich nicht auf einen einwandfreien Zustand der dem Marktverkehr dienenden Wege und Plätze aus. Las schließt für sie ebensowenig wie das Bestehen einer dffentlichrechtiichen Wegebaulast für den Wegeunterhaltspflichtigen eine Verantwortlichkeit gemäss § 823 BGB aus dem Gesichtspunkt der Ge-fahreiilage. Zu diesem Zweck hätte die Beklagte namentlich entweder Sorge tragen sollen, dass ein Ausschlagen der Tiere etwa durch Ziehen von Seilen verhindert wird, oder zu demindest unterbinden müssen, dass durch die enge, für den Personenverkehr noch freie Gasse Pferde geführt und dadurch Unfälle heraufbeschworen wurden» Hichts dergleichen ist jedoch geschehen. Für ein Verschulden, das sich einer ihrer verfassungsmässig berufenen Vertreter nach dieser Richtung zuschulden kommen lässt, hat die Beklagte nach §§ 31, 89 BGB, falls ein solches anderer Hilfspersonen in Betracht kommt, nach §831 BGB einzutreten. Dieselbe schadenstiftende Handlung oder Unterlassung eines Beamten kann eine in Ausübung öffentlicher Gewalt schuldhaft begangene Amtspflichtverletzung und zugleich eine unerlaubte Handlung im Bereich des bürgerlich-rechtlichen Geschäftskreises einer öffentlich-r rechtlichen Körperschaft sein, für die letztere nach §§ 823, 31, 89 bzw.: 831 BGB einzustehen hat (vgl RG in DR 1944, 79)° Das Berufungsgericht hat, von seinem abweichenden Standpunkt aus mit Recht, über den Unfallshergang, namentlich auch,, was die zwischen der Eröffnung des Marktes und dem Unfair verflossene Zeitspanne und ein - gegenwärtig allerdings nipht naheliegendes - Mitverschulden des Klägers anlangt, keine näheren Feststellungen getroffen» Ohne sie kann aber der Streitfall nicht abschliessend beurteilt werden»