BGH · III ZR 2/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Testamentsvollstrecker kann eine Pflichttoilsfor-derung ohne den Willen des Erben'nicht mit Wirkung gegen diesen reohtsgeschäftlich anerkennen« teil auf 4»222 DM berechnete und ankündigte, die Auszahlung erfolge, sobald der Kläger die von ihm benützte und gemietete V/ohnung geräumt habe« Der Bevollmächtigte dos Klägers bestätigte den Eingang dieses Schreibens und behielt sich eine Stellungnahme vor, teilte aber bereits mit, daß die Berechnung nicht anerkannt werde« Der Testamentsvollstrecker E0HHHEndigte ara 22. Mit Schriftsatz vom 28« Juni 1965 erhob der Kläger gegen den neuen Testamentsvollstrecker Klage auf Zahlung von 4»222 DM als Pflichtteil. Das Berufungsgericht hält die Entziehung des Pflichtteils für unwirksam, da sie im Testament nicht in einer dem § 2336 Abs. 2 BGB genügenden Weise begründet worden sei. weil der Kläger im Mai I960 Kenntnis vom Erbfall und von den Testamenten gehabt habe und die Klage erst am 30, Oktober 1965 erhoben worden sei (§ 2352 BGB),In den Schreiben des Testamentsvollstreckers vom 9= September und \c Dezember 1962 sieht das Berufungsgericht keine die Verjährung nach § 208 BGB unterbrechenden Aner-Iconntnisse, weil der Testamentsvollstrecker rechtlich nicht in der Lage gewesen sei? Dem ist zuzustimmen, Durch ein schuldbestätigendes Anerkenntnis wird die Verjährung nach § 208 BGB unterbrochen, wenn es vom Verpflichteten dem Berechtigten gegenüber abgegeben wird, Dem Anerkenntnis des Verpflichteten steht nach allgemeinen Regeln allerdings das eines anderen gleich* der auf Grund eines Rechtsgeschäftes oder Durch Rechtsgeschäft ist der Testamentsvollstrecker nach den nicht angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts von den Erben nicht ermächtigt worden, für sie den Pflichtteilsanspruch des Klägers anzuerkennen» Er war dazu auch nicht auf Grund seines Amtes kraft Gesetzes ermächtigt. Das bedeutet, daß er zunächst die Nachlaßverbindlich koiten, also auch die Pflichtteilsansprüche, berichtigt (5 2046 Abs* 1 BGB)* Dies wiederum setzt voraus daß Bestand und Höhe dieser Verbindlichkeiten feststehen * Es gehört daher zu den Aufgaben des Testamentsvollstreckers, den Schuldenstand zu ermitteln (§ 2205 EGB)- Erweist sich dabei eine Verbindlichkeit als streitig, so hat der Testamentsvollstrecker das zur Befriedigung Erforderliche zurückzubehalten (§ 2046 Abs«. 1 Satz 2 BGB)* Streitig ist eine Verbindlichkeit nicht erst dann, wenn sie rechtshängig ist (BGB RGRK § 2046 Anm* 6; Staudinger BGB 11« Aufl0 § 2046 Rdn 16); es genügt, wenn über Bestehen, Höhe, Fälligkeit oder sonstige Pun3cte zwischen Gläubiger und Schuldner ernsthafte Meinungsverschiedenheiten zutagegetreten sind* Es bedarf hier keiner Prüfung, ob und inwieweit der verwaltende Testaments Vollstrecker kraft seiner Stellung im allgemeinen be fugt ist, eine Verbindlichkeit anzuerkennen und dadurch zu einer unstreitigen zu machen, die er zu erfüllen hat» Gegenüber Pflichtteilsansprüchen steht ihm jedenfalls diese Befugnis nicht zu* Das folgert das Berufungsgericht mit Recht aus der Bestimmung des § 2213 Abs* 1 Satz 3 BGB, nach der ein Pflichtteilsanspruch nur gegen den Erben geltend gemacht werden kann, auch wenn dem Testamentsvollstrecker die Verwaltung des Nachlasses zusteht * Aus der weitgehenden allgemeinen Verwaltungsbefugnis * die § 2205 BGB dem Testamentsvollstrecker einräumt, folgt noch nicht die allgemeine Befugnis , Ifachlaßverbindlichkciten neu einzugehen oder bestehende rechtsgeschäftlich zu gestalten» Vielmehr kann der Testamentsvollstrecker nach § 2206 Abs» 1 BGB neue Verbindlichkeiten rechtswirksam nur oingehen, soweit dies zur ordnungsgemäßen Verwaltung erforderlich ist» Auch bezüglich der bestätigenden Anerkennung von Nachlaßverbindlichkeiten, die vor dem Erbfall entstanden waren (Erblasserschulden) , oder mit dem Erbfall entstanden sind (Erbfallschulden)9 läßt sich aus den Bestimmungen des § 2205 BGB allein noch keine allgemeine Ermächtigung des Testamentsvollstreckers herleiten, Vielmehr müssen, um zu einer in sich widerspruchslosen und sinnvollen Auslegung des Gesetzes zu gelangen, auch die Bestimmungen in die Betrachtung einbezogen werden, durch die geregelt ist, inwieweit dem Testamentsvollstrecker einerseits und den Erben andererseits die Prozeßführungsbefugnis in Angelegenheiten des Nachlasses zusteht (§§ 2212, 2213 BGB). Denn es ist zu bedenken; Die Prozeßführungsbefugnis bestimmt sich grundsätzlich nach dem materiellen Recht, Sie hängt auf der Aktivseite regelmäßig, nämlich abgesehen von aus besonderen Gründen geschaffenen Ausnahmen wie im Palle des § 265 ZPO davon ab, ob die Partei über das umstrittene Recht verfügen kann (5GHZ 32, 279, 281), Befugt einen Anspruch gerichtlich geltend zu machen, ist daher regelmäßig dessen Inhaber, in einzelnen Pallen auch der Mitinhaber, wie im Palle der Gemeinschaft (§ 744 Abs, 2 BGB), zeßführungsbefugnis verbunden: Ein Anspruch, der sich gegen den Nachlaß richtet, kann nur gegen den Ifachlaßverwalter geltend gemacht werden (§ 1984 BGB'0 Der Geiaeinochuldner verliert zwar mit der Konkurseröffnung das Verwaltungs- und Verfügungsrecht über sein in die Masse fallendes Vermögen (§ 6 KO), bleibt aber trotzdem berechtigt, eine angemeldete Forderung im Prüfungstermin zu bestreiten (§ 144 Abs» 1 KO); insoweit - und nur insoweit - ist er auch zur Prozeßführung befugt (§§ 144 Abs» 2, 146 Abs o 1 KO), Im Falle der Testamentsvollstreckung kann der Pflichtteilsanspruch nach § 2213 Abs» 1 Satz 3 BGB im Gegensatz zu allen anderen gegen den Nachlaß gerichteten Ansprüchen, die sowohl gegen den Erben wie gegen den verwaltenden Testamentsvollstrecker eingeklagt werden können (Satz 1 aaO), nur gegen den Erben geltend gemacht werden <> Da zur rechtsgeschäftlichen Gestaltung eines Schuldverhältnisses auf der Schuldnerseite im Zweifel der Schuldner selbst befugt ist, wenn es darum geht, ob ihm oder einem Dritten diese Befugnis zukommt, und da, wie aufge-zeigt, ein enger Zusammenhang zwischen Sachund Prozeßführungsbefugnis besteht, muß aus § 2213 Abs, 1 So 3 BGB gefolgert werden, daß der Testamentsvollstrecker nicht befugt ist, den Pflichtteilsanspruch mit Wirkung gegen den Erben anzuerkennen o Als wesentlicher Gesichtspunkt kommt hinzu: Strecker der Verteidigung des Erben gegen den Pflichtteilsanspruch durch ein Anerkenntnis den Boden entziehen könnte» Dagegen entspricht das gewonnene Ergebnis der Billigkeit wie dem praktischen Bedürfnis» Zutreffend ist bereits in der ersten Auflage (1898) von Planck, EG® in An. 2 zu § 2213 bemerkte die Vertretung des Nachlasses gegen den Pflichtteils-anopruch liege, wenngleich dieser juristisch-technisch als persönliche Nachlaßschuld gestaltet sei, außerhalb der Aufgaben des Testamentsvollstreckers, vielmehr folge aus der inneren Natur des Pflichtteilsrechts s daß der Erbe der wahre Beklagte sei» Daraus folgt, daß auch außerhalb des Rechtsstreits der Testamentsvollstrecker nicht derjenige sein kann, der hinsichtlich der Behandlung eines streitigen Pflichtteilsanspruches zu entscheiden hat» Andererseits wird dadurch, daß der Erbe und nicht der Testamentsvollstrecker zur rechtsgeschäftlichen Gestaltung der Pflichtteilsschuld auf der Schuldnerseite befugt ist, die ordnungsgemäße Verwaltung des Nachlasses durch den Testamentsvollstrecker nicht gefährdet. Erkennt z.Ba der Erbe, selbst im Rechtsstreit, einen höheren als den tatsächlich geschuldeten Pflichtteilsanspruch an, etwa um ira Zusammenspiel mit dem Pflichtteilsberechtigten Werte aus dem Nachlaß herauszuholen, die ihm während der Dauer der Testamentsvollstreckung nicht zuotehen, dann ist der Nachlaß dadurch geschützt, daß zur Vollstreckung in ihn außer dem Leistungstitel gegen den Erben ein Duldungstitel Für nichtstreitige trifft sie zu« Für streitige ergibt sich die Regelung aus § 2046 Abs. 1 Satz 2 BGB, wonach der Testamentsvollstrecker das zur Befriedigung Erforderliche zurückzuhalten hat. Erfüllt er statt dessen den geltend gemachten Pflichtteilsanspruch, dann tut er das auf seine Gefahr und setzt sich der Haftung nach § 2219 BGB aus, wenn er mehr leistet, als etwa später im Rechtsstreit zwischen dem Pflichtteilsberechtigten und dem Erben als Pflichtteil zugesprochen wird. Nach alledem geht das Berufungsgericht zutreffend davon au3, daß das Anerkenntnis des Testamentsvollstreckers nicht gegen die Erhen wirkt» Es liegt daher kein die Verjährung unterbrechendes Anerkenntnis (§ 208 BGB) vor»