BGH · III ZR 2/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
1961 verstorbenen Frau Katharina, geborenen RfBh Sie wären zusammen mit den vier Kindern ihres am 5» März 194-5 gefallenen Bruders Wilhelm 3HS& die gesetzlichen Erben ihrer Eltern, Der Kläger fordert von den Beklagten den Pflichtteil aus dem Nachlaß des 'Vaters, - o ■//'; jV/ illif üMil Dieser hatte durch ein notarielles Testament vom 18, August 1958 seine Ehefrau als Vorerbin und seine Abkömmlinge als Nacherben eingesetzt, § 3 des Testaments enthielt Teilungsanordnungen, In § 6 des 2 q ist aments heißt es: teil auf 4 c, 222 DM berechnete und ankündigte, die Auszahlung erfolge, sobald der Kläger die von ihm benützte und gemietete Wohnung geräumt habe» Der Bevollmächtigte des Klägers bestätigte den Eingang dieses Schreibens und behielt sich eine Stellungnahme vor, teilte aber bereits mit, daß die Berechnung nicht anerkannt werde» Der Testamentsvollstrecker E®Mll§llli kündigte am 22» Januar 1963 sein Amt,, Das Wachlaßgericht bestellte mit Beschluß vom 5» April 1963 an seiner Stelle Rechtsanwalt Dr„ Aistrecker* Der Kläger ist der Ansicht, ihm stehe ein Pflichtteilsanspruch in der vom Testamentsvollstrecker E^BHI anerkannten Höhe von 4 »222 DM zu» Er hat vorgebracht, ein Grund zur Pflichtteilsentziehung liege nicht vor» Der Pflichtteilsanspruch' sei nicht verjährt, denn die Verjährung sei durch die Schreiben des Testamentsvollstreckers vom 9° September 1962 und 4» Dezember 1962 unterbrochen worden» Der Testamentsvollstrecker habe dabei im Auftrag der Erben gehandelt» rede der Verjährung durchgreifen, weil der Kläger im Mai I960 Kenntnis vom Erbfall und von den Testamenten gehabt habe und die Klage erst am 30« Oktober 1965 erhoben worden sei (§ 2332 .BGB)»In den Schreiben des Testamentsvollstreckers vom 9« September und: 4. Dezember 1962 sieht das Berufungsgericht keine die Verjährung nach § 208 BGB unterbrechenden Anerkenntnisse., weil der Testamentsvollstrecker rechtlich nicht in der Lage gewesen sei, ein wirksames Anerkenntnis abzugebeno Dem ist zuzustimmen„ Durch ein schuldbestätigendes Anerkenntnis wird die Verjährung nach § 208 BGB unterbrochen, wenn es vom Verpflichteten dem Berechtigten gegenüber abgegeben wird» Dem Anerkenntnis des Verpflichteten steht nach allgemeinen Regeln allerdings das eines anderen gleich, der auf Grund eines Rechtsgeschäftes oder kraft Gesetzes ermächtigt ist, für den Verpflichteten zu handeln» Durch Rechtsgeschäft ist der Testamentsvollstrecker nach den nicht angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts von den Erben nicht ermächtigt worden, für sie den Pflichtteilsanspruch des Klägers anzuerkennen« Er war dazu auch nicht auf Grund seines Amtes kraft Gesetzes ermächtigt« Der Pflichtteilsanspruch richtet sich gegen den Erben (§ 2303 Abs« 1 BGB); er begründet eine Nachlaß-verbindlichkeit, die den Erben als solchen trifft (§ 196? Der Testamentsvollstrecker hat«, wenn wie hier mehrere Erben vorhanden sind und er nach der Anordnung des Erblassers die Auseinandersetzung unter ihnen zu bewirken hat«, nach Maßgabe der §§ 2042 bis 2056 BGB zu verfahren (§ 2204 Abs« 1 BGB; RGZ 95, 325, 329)» Das bedeutet, daß er zunächst die Nachlaßverbindlichkeiten, also auch die Pflichtteilsansprüche, berichtigt (§ 2046 Abs« 1 BGB)o Dies wiederum setzt voraus, daß Bestand und Höhe dieser Verbindlichkeiten feststehend Es gehört daher zu den Aufgaben des Testamentsvollstreckers, den Schuldenstand zu ermitteln (§ 2205 BGB) «- Erweist sich dabei eine Verbindlichkeit als streitig, so hat der Testamentsvollstrecker das zur Befriedigung Erforderliche zurückzubehalten (§ 2046 Abo„ 1 Satz 2 BGB)«Streitig ist eine Verbindlichkeit nicht erst dann, wenn sie rechtshängig ist (BGB RGRK § 2046 Anm« 6; Stauüinger BGB ITA Auf1o § 2046 Rdn 16); es genügt, wenn über Bestehen, Höhe, Halligkeit oder sonstige Punkte zwischen Gläubiger und Schuldner ernsthafte Meinungsverschiedenheiten zutagegetreten sind« Es bedarf hier keiner Prüfung, ob und inwieweit der verwaltende Testamentsvollstrecker kraft seiner Stellung im allgemeinen befugt ist, eine Verbindlichkeit anzuerkennen und dadurch zu einer unstreitigen zu machen, die er zu erfüllen hat« Gegenüber Pflichtteilsansprüchen steht ihm jedenfalls diese Befugnis nicht zu« Das folgert das Berufungsgericht mit Recht aus der Bestimmung des § 2213 Abs« 1 Satz 3 BGB, nach der ein Pflichtteilsanspruch nur gegen den Erben geltend gemacht werden kann, auch wenn dem Testamentsvollstrecker die Verwaltung des Nachlasses zusteht„ Vielmehr kann der Testamentsvollstrecker nach § 2206 Abs» 1 BGB neue Verbindlichkeiten rechtswirksam nur eingehen, soweit dies zur ordnungsgemäßen Verwaltung erforderlich ist» Auch bezüglich der bestätigenden Anerkennung von Nachlaßverbindlichkeiten, die vor dem Erbfall entstanden waren (Erblasser-Schulden), oder mit dem Erbfall entstanden sind (Erbfallschulden), läßt sich aus den Bestimmungen des § 2205 BGB allein noch keine allgemeine Ermächtigung des Testamentsvollstreckers herleitend Vielmehr müssen, um zu einer in sich widerspruchslosen und sinnvollen Auslegung des Gesetzes zu gelangen, auch die Bestimmungen in die Betrachtung einbezogen werden, durch die geregelt ist, inwieweit dem Testamentsvollstrecker einerseits und den Erben andererseits die Prozeßführungsbefugnis in Angelegenheiten des Nachlasses zusteht (§§ 2212, 2213 BGB)«, Denn es ist zu Bedenkens Die Prozeßführungsbefugnis bestimmt sich grundsätzlich nach dem materiellen Recht» Sie hängt auf der Aktivseite regelmäßig, nämlich abgesehen von aus besonderen Gründen geschaffenen Ausnahmen wie im Balle des § 265 ZPO davon ab, ob die Partei über das umstrittene Recht verfügen kann (BGHZ 32, 279, 281"). zeßführungsbefugnis verbunden: Ein Anspruch, der sich gegen den Nachlaß richtet, kann nur gegen den Nachlaßverwalter geltend gemacht werden (§ 1984 BGB)0 Der Gemeinochuldner verliert zwar mit der Konkurseröffnung das Verwaltungs- und Verfügungsrecht über sein in die Masse fallendes Vermögen (§ 6 KO), bleibt aber trotzdem berechtigt, eine angemeldete Forderung im Prüfungstermin zu bestreiten (§ 144 Abs» 1 KO); insoweit - und nur insoweit - ist er auch zur Prozeßführung befugt (§§ 144 Abs0 €, 146 Abs o 1 KO)» Da zur rechtsgeschäftlichen Gestaltung eines Schuldverhältnisses auf der Schuldnerseite im Zweifel der Schuldner selbst befugt ist, wenn es darum geht, ob ihm oder einem Dritten diese Befugnis zukommt,- und da, wie aufgezeigt, ein enger Zusammenhang zwischen Sachund Prozeßführungsbefugnis besteht, muß aus § 2213 Abs» 1 So 3 BGB gefolgert werden, daß der Testamentsvollstrecker nicht befugt ist, den Pflichtteilsanspruch mit Wirkung gegen den Erben anzuerkennen o Als wesentlicher Gesichtspunkt kommt hinzu: Strecker der Verteidigung des Erben gegen den Pflichtteils Anspruch durch ein Anerkenntnis den Boden entziehen könnte» Dagegen entspricht das gewonnene Ergebnis der Billigkeit wie dem praktischen Bedürfnis» Zutreffend ist bereits in der ersten Auflage (1898) von Planck, BGB in Anm» 2 zu § 2213 bemerkt, die Vertretung des Nachlasses gegen den Pflichtteils-anopruch liege, wenngleich dieser juristisch--technisch als persönliche Nachlaßschuld gestaltet sei, außerhalb der Aufgaben des Testamentsvollstreckers\ vielmehr folge aus der inneren Natur des Pflicht-teilsrechts, daß der Erbe der wahre Beklagte sei» Daraus folgt, daß auch außerhalb des Rechtsstreits der Testamentsvollstrecker nicht derjenige sein kann, der hinsichtlich der Behandlung eines streitigen Pf1ichtteilsanopruches zu entscheiden hatv: Andererseits wird dadurch, daß der Erbe und nicht der Testamentsvollstrecker zur rechtsgeschäftlichen Gestaltung der Pflichtteilsschuld auf der Schuldnerseite befugt ist, die ordnungsgemäße Verwaltung des Nachlasses durch den Testamentsvollstrecker nicht gefährdeto Erkennt z.B» der Erbe, : selbst im Rechtsstreit, einen höheren als den tatsächlich geschuldeten Pflichtteilsanspruch an, etwa um im Zusammenspiel mit dem Pflichtteilsberechtigt on Y/erte aus dem Nachlaß herauszuholen, die ihm während der Dauer der Testamentsvollstreckung nicht zustehen, dann ist der Nachlaß dadurch geschützt, daß zur Vollstreckung in ihn außer dem Leistungstitel gegen den Erben ein Duldungstitel