BGH · III ZR 1/67
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
kcnntnis unterzeichnet, obwohl or niemals oincn Zweifel daran gelassen habe, daß der Anspruch auf entgangenen Gewinn unberechtigt gewesen sei» Entgegen den Wunsche seiner Ehefrau - die ihn als Rechtsanwältin beraten hat - sei die Entwicklungsgeschichte des Schuldver-hältnisoco auf den Druck der Kläger hin nicht in die:’ Erklärung vorn 29o April I960 aufgenommen worden» Infolge unvorheroehbarer politischer Veränderungen in der Türkei hätten sich die Geschäfte endgültig zerschlagen» 29* April I960 ein konstitutiven Schuldancrkcnntnic in Sinne des § 781 BGB, das unabhängig von dem zwischen den Parteien bestehenden ursprünglichen Schuldverhältnis eine neue selbständige Verpflichtung des Beklagten auf Zahlung des anerkannten Schuldbetrages nebst Zinsen begründet habOo Bas läßt, was die abstrakte Natur der Erklärung angcht, kcineneRechtsirrtum erkennen, wird insoweit auch von der Revision nicht angegriffen«, Mit Erfolg wendet sich aber die Revision dagegen, daß das Berufungsgericht die Erklärung als rechtsverbindlich angesehen hat. ruht daher nicht auf den Überachen erheblichen Vorbringens0 Sie ist auch denkgesotzlich möglich; sie liegt sogar nahe* weil der Wortlaut für sic spricht und v/cil die Kläger, die unbestritten auf die Abfassung der Erklärung bestimmenden Einfluß nahmen, ein Interesse daran hatten, den Betrag ihrer Forderung bindend festzulcgeno Es ist in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung, ob der Ansicht des Berufungsgerichts zu folgen ist, das Uichtzu-standekommen der Stundungcvcrcinbarung habe die sofortige Fälligkeit des anerkannten Betrages bewirkt, oder ob die Kläger verpflichtet sein sollten, den Beklagten über den 1» Juni I960 hinaus eine Zahlungcweise einzu-räunen, die seinen beengten v/irtschaftlichcn Verhältnissen entsprach; auch wenn Ziffer II in diesem Sinne auszulegcn wäre, würde dies nicht den Schluß rechtfertigen, der Abschluß einer Vereinbarung über die Zahlungs-weiso habe nach dem Willen der Parteien Bedingung für das Anerkenntnis in Ziffer I sein sollen,. Ein Hechtsvorstoß, der zur Aufhebung dos Berufungs-Urteils führt, liegt aber, wie die Revision mit Recht geltend macht, darin, daß das Berufungsgericht die Frage ungeprüft gelassen hat, ob Ziffer I der Erklärung wegen Vorstoßes gegen die guten Sitten nichtig ist„ Zwar hat der Beklagte sich nicht ausdrücklich auf die Bestimmung dos § 138 BGB berufen und im ersten Rechtszug sogar ausgeführt, er wolle aus dem ständigen massiven Druck, den er als ernsthafte Drohung empfunden habe, nicht die naheliegenden rechtlichen Folgerungen ziehen, sondern begnüge sich mit den sonstigen ihm zur Verfügung stehci:dcn "Widerlegungen^; diese aber enthalten keinerlei I21 der Berufungsbegründung hat sich der Beklagte zwar ebenfalls nicht auf § 138 BGB, jedoch auf §§ 226 und 826 sowie auf § 242 BGB berufen und ausgeführt, offenbar sittenwidrige Bestrebungen könnten keinen Rechtsschutz finden« Danach war - ohne daß es darauf ankonnt, ob und wieweit ein Vorsicht auf bestirnte Einwendungen, die sich aus den vorgetragenen Tatbestand ergeben, und insbesondere auf die Einwendung der Sittenwidrigkeit überhaupt möglich ist - zu prüfen, ob ein sittenwidriges Verhalten vorlicgt, das durchgreifende Einwendungen des Beklagten gegen den Klaganspruch zu begründen vermag« Dabei war insbesondere zu untersuchen, ob das Anerkenntnis selbst rcchtswirksan oder aber wegen Verstoßes gegen die guten Sitten ganz oder teilweise nichtig ist« Denn Umstände, die ein solches Ergebnis in den Bereich des Möglichen rücken, ergeben sich teils aus dem unstreitigen Sachverhalt, teils aus den Behauptungen dos Beklagten, die zwar im wesentlichen nicht unter Beweis gestellt, aber auch nicht in vollem Umfang in der erforderlichen Weise substantiiert bestritten sind« Unstreitig haben die Kläger von Beklagten nicht nur die Anerkennung des hingegebenen Betrages von 13 <»950 DM und 9 $> Zinsen hieraus gefordert, sondern woitor die eines ebenfalls mit 9 $ zu verzinsenden Betrages von 20«000 DM, das sind noch einmal fast 150 # des zur Verfügung gestellten Betrages« Sie haben im Rechtsstreit den Anspruch auf Zahlung dieser 20«000 DM nebst Zinsen lediglich auf das Anerkenntnis gestützt und nicht dargetan, daß ihnen zuvor gegen den Beklagten ein solcher Anspruch zugestanden habe; das wird auch vom Berufungsgericht nicht angenommen« Auch sonst sind aus dem Grundgcschäft keine Umstände ersichtlich, die diesen Anspruch recht-fertigen könntono Für entgangenen Gewinn muß der Beklagte nur cinstchcn, wenn er sich dazu wirksam vertraglich verpflichtet oder wenn er die Kläger im Rahmen der mit ihnen bestehenden., vertraglichen Beziehungen schuldhaft geschädigt hätte« Hierfür ist nichts vorgetragen o Für die rcvisionsrcchtliche Prüfung muß daher unterstellt worden, daß den Klägern aus den Grundgeochäft ein Anspruch auf Zahlung eines zusätzlichen Betrages von 20o000 DM nebst Zinsen nicht zugestanden habe« Die Klager haben nicht vorgetragen, aus welchem Grunde der Beklagte einen Anspruch von 33°950 DM anerkannt hat, und den Vortrag des Beklagten, dies sei geschehen, um Vollstrcckungsmaßnahnen zu vermeiden, nicht substantiiert bestritten« Es ist unstreitig, daß der Beklagte in finanzieller Bedrängnis war, und daß die Kläger zu den Verhandlungen mit ihm den Rechtsanwalt beizogon« Hach dom bisherigen Vortrag der Parteien muß davon ausgecangen v/erdon, daß der Beklagte sich mit der Anerkennung dos Betrages von 33*950 DM einer Forderung der Kläger gefügt hat« Auch wenn diese berechtigt waren, wegen des hingegebenen Betrages von 13 «»950 DM gegen den Beklagten gerichtlich vorzugehen, durften sie diese Möglichkeit nicht auenützon, um den Beklagten zur Anerkennung eines weit höheren als des tatsächlich*-, geschuldeten Betrages zu veranlassen« Y/enn sie das getan hätten, läge ein sittenwidriges Verhalten vor« In der Stundung des hingegebenen Betrages läge keine Deistung der Kläger, die der Annahme der Sittenv/idrigkeit entgegenstehen könnte« Denn zwischen dieser Deistung und der Anerkennung einer zusätzlichen Schuld von 20«000 DM bestünde ein auffälliges Mißverhältnis, wie keiner näheren Begründung bedarf« Der Ecklagte hat vorgetragen, er habe sich seinerzeit in Aufbau einer neuen Existenz befunden und gerichtliche Maßnahmen der Kläger nicht riskieren können» Ist das richtig - die Kläger haben auch diesen Vortrag des Beklagten nur allgemein bestritten, aber jedenfalls zu diesen Punkte keine gegenteiligen Behauptungen aufgestellt dann hat sich der Beklagte nög-lichcrv/oisc nicht nur in einer wirtschaftlich-beengten läge, sondern auch in einer Notlage in Sinne de3 § 138 Abs, 2 BGB befunden» Auf eine verwerfliche Gesinnung der Kläger oder ihres Vertreters könnte möglicherweise bereits aus den Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung zu schließen sein» Hätten die Kläger oder ihr Vertreter die Unterzeichnung des Anerkenntnisses durch eine Drohung in Sinne des § 123 BGB herbeigeführt, so könnten sic sich nicht darauf berufen, daß der Beklagte das Anerkenntnis nicht rechtzeitig angcfochtcn hat» Dieser Umstand würde der Anwendung des § 138 BGB nicht entgcgenstchcn, weil hier nicht nur die unzulässige YJillenobocinfluosung sittenwidrig w&re (vgl» BGB RGRK § 138 Anm»11 mit Nachweisen) » Die Revision meint zwar, falls der Beklagte damit gerechnet habe, daß noch ein Geschäft in der Türkei zustande kommen und einen Gewinn bringen werde, und, wenn auch rcchtsirrtümlich, geglaubt habe, die Kläger am Gewinn beteiligen zu müssen, werde "seine Kenntnis im Sinne des § 814 BGB beeinträchtigt"«, Dem iot jedoch entgegenzuhalten, daß ein Anspruch auf Gewinnbeteiligung im Zeitpunkt des Anerkenntnisses nicht bestand, weil unstreitig noch kein gewinnbringendes Geschäft abgeschlossen war, und daß der Kläger, wie das Landgericht zutreffend hervorhebt, selbst vorgetragon hat, er habe stets gewußt, daß den Klägern auch keine Forderung-! Ob dem Beklagten ein Bercichorungsanspruch auf Herausgabe dco Anerkenntnisses und damit dao Hecht, die anerkannte Leistung zu verweigern, nach § 817 Abs» 1 BGB zuotoht, hat dao Berufungsgericht nicht erörterteVoraussetzung des Anspruchs wäre, daß die Kläger mit der Annahme dco Anerkenntnisses gegen die guten Sitten verstoßen habeno Bio Kenntnis der Nichtschuld auf seiten dos Beklagten stünde diesen Anspruch nicht entgegen (BGH Urteil vom 9o Februar 1961 - VII ZR 183/59 = WM 1961, 530 = LM § 762 BGB Nr„ 1) „ Die Frage, ob den Klägern ein Verstoß gegen die guten Sitten zur last fällt, kann aber von Rcvioionsgcricht nicht entschieden werden, wie bereits ausgoführt ist*