BGH · III ZR 99/64
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Ordnung außerhalb geschlossener Ortschaften befahrt, kann nicht damit rechnen, vor Glatteisgefahr sicher zu sein, Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahr darf er nur an besonders gefährlichen Straßenstellen erwarten«, Die Polizei ist regelmäßig nicht verpflichtet, ihn vor einer nicht ohne weiteres erkennbaren Vereisung der Fahrbahn zu warnen. Der III« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Vei'handlung vom 13« Dezember 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br. Pagendarm sowie der fvn-desrichter Br« Arndt, Gähtgens, Keßler und Dr« Heinhardt für Recht erkannt: Kennzeichen eingangs der einige 100 m vor dem Ortsschild verlaufenden langgestreckten Kurve ins Rutschen geriet, und schloß hieraus richtig, daß die Straße nicht nur im Bereich des Ortsschildes vereist war» Er machte sich deshalb auf den Weg, um den Anfang der nicht ohne weiteres erkennbaren, sich auf etwa 500 m erstreckenden Eisfläche aufzusuchen und dort die aus Brilon herannahenden Verkehrsteilnehmer vor dem Glatteis zu warnen« Als er sich etwa 30 m von dem Ortsschild entfernt hätte, karn ihm der Kläger in seinem Volkswagen mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 km/h entgegen. Der Kläger hat seinen Sachschaden auf 1=413,07 DM beziffert und mit der Klage von dem beklagten Land diesen Betrag nebst Zinsen erstattet verlangt» Er gibt dem Polizei beamten die Schuld an dem Unfall und vertritt die Ansicht, Glunz habe ihm das Zeichen, das nach Ansicht des Klägers ein Halt-Zeichen gewesen ist, nicht geben dürfen. worden-, daß der Kläger seinen Wagen gefahrlos habe aus-laufen lassen können» Schuld an dem Unfall sei die unbedachte und unvorhersehbare Reaktion des Klagers gewesen» Er habe mit Rücksicht auf sein eigenes Verschulden und die durch das Glatteis erhöhte Betriebsgefahr seines Y/agens in erster Linie für die Unfall-folgen selbst einzu-otehen» Ferner hat das beklagte Land auch die Höhe des Anspruchs bestritten» Das Berufungsgericht geht zu Recht davon aus, daß der Polisei'moister G(|^B an der Unfallstelle in Ausübung hoheitlicher Gewalt tätig geworden ist und daß das beklagte Land als Dienstherr des Beamten grundsätzlich für die Folgen einer dabei schuldhaft begangenen Amtspflichtverletzung nach § 839 BGB i,V»jn» Art« 34 GG einzustehen hat« Es legt seiner Entscheidung weiter zugrunde, daß dem Beamten den Benutzern der nach Brilon führenden Landstraße und damit auch dem Kläger gegenüber nach § 14 des Preußischen Polizeiverwaltungsgesetzes (PrPVG) die Amtspflicht obgelegen habe, bis zu dem Eintreffen eines Streukommandos für ausreichende Maßnahmen zur 'Sicherung des Verkehrs auf der vereisten Straßenfläche zu sorgen, und kommt zu dem Ergebnis, daß Glunz diese Amtspflicht schuldhaft verletzt habe» Es führt hierzu aus: Ob dein Polizei beamten vorzuwerfen sei, daß er 3 ich zu spät dazu entschlossen habe, die Ausdehnung der Eisfläche in Richtung Brilon zu ermitteln, und einen Warnposten am Ende der Vereisung noch vor dem Erscheinen des Klägers habe beziehen können, könne auf Grund der Aussagen der vor dem Landgericht gehörten Zeugen nicht festgesteilt werden, brauche aber auch durch eine erneute Vernehmung der Zeugen nicht geklärt zu werden» Ein Pehlverhalten des Polizeimeisters liege nämlich in federn Pall darin, daß er dem Kläger ein Winkzeichen gegeben habe, als dieser sich bereits auf der Eisfläche befunden habe» Denn dieses Winkzeichen sei zur Gefahrenabwehr nicht geeignet gewesen» Es könne dahingestellt bleiben, welcher Art das Zeichen gewesen sei und ob der Kläger es als Aufforderung zu dem Anhalten habe verstehen müssen» Jedenfalls habe es den Kläger zu dem Abbremsen und langsameren Pahren veranlassen sollen» Unter den gegebenen Umständen sei diese Maßnahme objektiv falsch ’gewesen» Denn es sei eine allgemeine Erfahrungstatsache, daß das Abbremsen eines Kraftfahrzeugs auf glatter Straße durch plötzliches Gaswegnehmen, durch Zurückschalten oder durch iBetätigen des Bremspedals leicht zu einem Unfall führe» Lie Warnung des Polizeibeamten wäre nur dann verkehrsmäßig gewesen, wenn sie gegeben worden wäre, bevor der Kläger die vereiste Strecke erreicht gehabt hätte, weil er nur in diesem Pall die Fahrt gefahrlos hätte verlangsamen können. Der Grundsatz, daß die Auswahl des zur Gefahrenabwehr notwendigen Mittels- dem Ermessen des Polizei beamten überlassen sei und seine Ernies sens ent Scheidung in der Regel auf ihre Zweckmäßigkeit nicht nachgeprüft werden könne, erfahre eine Einschränkung, wenn - wie hier -eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer drohe. Es kann dahingestellt bleiben, ob es sich, wie das Berufungsgericht meint, für den Polizeibeamten angeboten hat, den an der Ünfallstelle noch wartenden Zeugen Sc^^HI zu bitten, die aus Richtung Büren herankommenden Verkehrsteilnehmer durch Winkzeichen vor der in Höhe des Ortsschildes von Euren beginnenden Eisfläche'zu warnen, damit er selbst am anderen Ende der Eisfläche den von Brilon herannahenden Verkehr auf das Glatteis hinweisen konnte. der kurz zuvor das Opfer eines VerkehrsUnfalls geworden war, mit einer solchen Aufgabe zu betrauen, auch wenn durch diese Maßnahme die Gefahr für die sich aus Brilon nähernden Verkehrsteilnehmer nicht beseitigt werden konnte? Es kann ihm zugemutet werden, in dieser Jahreszeit besonders vorsichtig zu fahren und nicht nur der Straßenoberflache und dem -Gelände, durch das die Straße führt, eine gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken, um eisfördernde Besonderheiten der Wegstrecke rechtzeitig zu erkennen, sondern auch sonst seine Fahrweise so einzurichten, daß er bei plötzlichem Auftreten von Glatteis das Fahrzeug in seiner Gewalt behält. Grundlage, um die Frage zu verneinen» Danach war die langgestreckte, an einem Hang vorbeifuhrende Kurve an dieser Stelle so gut zu übersehen, daß der Folizeibeamte von seinem Standort in der Nähe des Ortsschildes von Düren aus die Fahrweise des vor dem Kläger aus Brilon herannahende Wagen rnit dem Lippstadter Kennzeichen eingangs der Kurve erkennen konnte» Auf den Verlauf der Straße und ihren baulichen Zustand konnte sich deshalb der aus Brilon hcran-kominendc Verkehr rechtzeitig einrichten» Daß die Straße sonstige außergewönliche Verhältnisse aufwies, die besonders glatteisfördernd gewesen wären und als solche auch von einem aufmerksamen Kraftfahrer nicht rechtzeitig hätten erkannt werden können, hat der Kläger nicht behauptet» Unstreitig lag das besondere Gefahrenmoment vielmehr allein in der Beschaffenheit des Glatteises, das nicht zu einer-Verfärbung der Straßenoberfläche geführt hatte und deshalb nicht ohne weiteres erkennbar war» Eine so beschaffene Vereisung kann aber bei entsprechenden V/itterungsVerhältnissen überall angetroffen werden» Der Kraftfahrer muß mit einer solchen Fahrbahnglätte rechnen und kann nicht verlangen, daß Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften allein deshalb bestreut werden, weil die Eisglätte wegen ihrer Beschaffenheit von einem Kraftfahrer schwer auszu demachen ist» Bei dieser Sachlage durfte Polizeimeister G|^^) darauf vertrauen, daß die aus Brilon herannahenden Verkehrsteilnehmer auch ohne besondere Y/arnung auf plötzliches Glatteis in der vor dem Ortsschild von Euren verlaufenden Kurve vorbereitet waren und sich durch eine vorsichtige Fahrweise selbst vor den sich hieraus ergebenden Gefahren schützen würden, ohne hierzu besonders'aufgefordert worden zu sein» E3 wäre zwar zweckmäßig gewesen, wenn der Beamte sich - wie er es auch unstreitig beabsichtigt hatte - am Anfang der Eisfläche aufgestellt hätte, um die Kraftfahrer auf die Gefahren der Kurve besonders hinzuweisen» Jedoch wäre es nicht mit den an sein Ermessen zu stellenden Anforderungen unvereinbar gewesen, wenn er eine solche Maßnahme nicht getroffen haben würde» Kann aber dem Polizei beamten eine AmtspflichtVerletzung selbst dann nicht vorgeworfen werden, wenn er von einer Warnung der Kraftfahrer vor dem Glatteis abgesehen hätte, so vermag der Kläger seinen Schadens er satzansprueh nicht damit zu begründen, daß üfliBsich zu spät zu einer Warnung entschlossen habe oder seine dem Kläger gegebenen Zeichen nicht ausgereicht hätten, um den Kläger auf die Eisglätte aufmerksam zu machen» 2») Das Vorgehen des Polizeibeamten wäre allenfalls dann zu beanstanden gewesen, wenn es die Gefahr eines Unfalls für den Kläger-ausschließlich erhöht hätte» Denn wenn auch berechtigt war, von einer Warnung des Klä- Mit einem solchen sinnlosen Verhalten würde der Beamte die rechtlichen Schranken des ihm durch § 14 PrPVG eingeräumten Ermessens überschritten nahen, das der Polizei zu dem Zwecke der Gefahrenabwehr, nicht aber zur Herbeiführung von Gefahren eingeräumt worden ist. Hit Recht beanstandet die Revision, daß das .Berufungsgericht das Vorliegen dieser Voraussetzungen für ein pflichtwidriges Verhalten des Polizeimeisters gMHI schon deshalb bejaht, weil die Winkzeichen des Beamten dazu bestimmt und objektiv auch.geeignet gewesen seien, den Kläger zu dem Abbremsen und langsameren Pahren zu veranlassen. Hätte der Polizei beamte durch sein Seichen den Kläger zu dem sofortigen Anhalten seines Wagens aufgefordert, so wurde der Beamte mit dieser Aufforderung, die den Kläger bei der festgestellten Geschwindigkeit von etwa 70 km/st zu einem scharfen Bremsen auf dem Glatteis genötigt hätte, die Gefahr eines Unfalls für den Kläger lediglich erhöht haben, Baß dies der Fall gewesen ist, hat das Berufungsgericht jedoch nicht festgestellt, Zu ■ einer solchen Feststellung hätte das. Ob der Beamte den Kläger durch eine andere zweckmäßigere Maßnahme auf das Glatteis hätte aufmerksam machen können, braucht nicht erörtert zu werden, weil das Einschreiten des Polizeibeamten den angestrebten Zweck der Gefahrenabwehr hinreichend erfüllt haben würde, 'wenn der Kläger sich verkehrsgerecht verhalten hätte» Da der Kläger somit seinen Schadensersatsanspruch auf eine Amtspflichtverletzung des Polizei beamten nicht zurückführen kann, muß das Berufungsurteil aufgehoben und die Klage abgewiesen werden.