BGH · III ZR 96/66 vom 30.09.1968
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Die Eheleute PflHIB hätten zwar gewußt', daß der Gehweg Unebenheiten aufgewiesen habe, doch sei die Schadens-stelle infolge der schwachen Straßenbeleuchtung bei der Dunkelheit nicht erkennbar gewesen» Die Klägerin hat die Verurteilung der Beklagten zur Zahlung von 3 258,47 DM nebst Zinsen beantragt. Sie hat den Vortrag der Klägerin über den Hergang des Unfalls und einen verkehrsgefährdenden Zustand des Gehweges bestritten, ein Verschulden geleugnet und sich auf überwiegendes Mitverschulden der Verletzten berufen» l'm übrigen meint sie, für derartige Verletzungen der Straßen-verkehrssieherungspflicht hafte, sie nur nach Amtshaftungs-grundsätzenj hier seien derartige insprUcho nicht entstanden, weil die Verletzte durch die Leistungen der Klägerin anderweit Ersatz erlangt habe» Das neue c'tr aß engesetz des Landes habe die Verkehrssicherungspflicht hoheitlich geregelt; im übrigen habe die Beklagte die Aufgaben der Straßenverkehrssicherungspflicht ihrem Straßenbauamt zugeteilt und durch eine Dienstanweisung vom 21. Das Landgericht hat eine schuldhafte Verletzung der Straßenverkehrssieherungapflicht durch die Beklagte bejaht, ein Mitverschulden der Verletzten mit einem Fünftel angenommen und die Beklagte unter Abweisung der weitergehenden Klage wegen Verletzung der privatrechtlichen Verkehrssicherungspflicht zur Zahlung von 2 606,76 JM nebst Zinsen verurteilt. Das Oberlandesgcricht hat mit dem Landgericht eine schuldhafte und schadonsursächliche Verletzung der Straßen-vcrkehrsBicherungspflicht bejaht; im Plattenbelag des Gehweges habe ein größeres Stück gefehlt und die Versicherte sei über die fünf Zentimeter höherragende nächste Platte gestolpert. Richtig ist, daß bei Zugrundelegung der Ämtshaftunga-beatimmungen eine Haftung der Stadt nach § 839 Abs. 1 Satz 2 BGB entfallen würde, weil dann die Verletzte einen anderweitigen Ersatzanspruch gegen die Klägerin hatte; Ersatzansprüche der Verletzten sind nach § 1542 RVO auf die Klägerin nur Ubergegangen, wenn sich die Haftung der Beklagten nach allgemeinem Deliktsrecht und nicht nach Amtshaftungsrecht richtete Insoweit hat das Berufungsgericht folgendes aus-* geführt: Die Grundlage der Verkehrssicherungspflicht auch für öffentliche Straßen liege im Privatrechto Das neue Straßengesotz des Landes Nordrhein-Westfalen habe daran nichts geändert- Die in diesem Gesotz geregelte Straßenbaulast sei zwar eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung, begründe aber keine Hechte der Wegebenutzer und keine Amtspflichten zu ihren Gunsten, sondern nur Pflichten gegenüber der Wegeaufsichtsbehörde- Die Beklagte habe auch nicht der Allgemeinheit gegenüber kundgetan, daß sie diese Pflichten ihren Bediensteten als hoheitsrechtlich zu bewältigende Aufgabe zugewiesen habe- Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts“ hofes richtet sich die Haftung wegen Verletzung der Ver-kehrssioherungspflicht auch für öffentliche Straßen nach privatreehtlichen Grundsätzen- Die Verkehrssicherungspflicht für öffentliche Straßen steht selbständig neben den sonstigen, diese Straßen betreffenden Pflichten- Die Straßenbaulast, die Straßenuntorhaltungspflicht und die Pflicht der Straßonvcrkehrsbehörden decken sich zwar mit der Verkehrssicherungspflicht inhaltlich weitgehend, aber nicht völlig- Gewiß gehören der Bau und die Unterhaltung öffentlicher Straßen zur hoheitlichen Daseinsvorsorge der öffentlichen Hand- Das schließt aber nicht aus, daß die Abwicklung gewisser Schäden aus dem mangelhaften Zustand dieser öffentlichen Straßen nach privatrechtlichen Sehadensersatzgrundsätzen zu erfolgen hat. Ihr Inhalt geht dahin, auch die öffentlichen Verkehrswege- ebenso wie alle sonstigen einem Verkehr eröffneten Räume oder Sachen - möglichst gefahrlos zu gestalten, zu halten und im Rahmen des Zumutbaren alles zu tun, um den Gefahren zu begegnen, die den Verkehrsteilnehmern aus einem nicht ordnungsmäßigen Zustand der Verkehrsanlagen drohen. Das ab L Januar 1962 geltende neue Straßengesets; des Landes Nordrhoin-Y/estfalen vom 28« November 1961 (GVB1 505) hat insoweit keine Änderungen gebracht» Nach der Amtlichen Begründung (Landtagsdrucksache III 724/1958) dient das Gesetz insbesondere der Hechtovereinheitlichung; es beruht auf einem Musterentwurf und gemeinsamen Beratungen von Bund und Ländern und enthält auch in der Begründung keinen Hinweis darauf, daß es bezüglich der Straßenverkehrssicherungspflicht eine Änderung der Rechtsprechung herbeiführen wollte» Möglicherweise fehlte dem Lande da2u die Gesetzgebungszuständigkeit, worauf andere Länder in ihrer Begründung zu ihrem neuen ähnlichen Straßengesetz hingewiesen haben (vgl» die Amtliche Begründung zun Niedersächsischen Straßengesetz vom 14» Dezember 1962 zu § 9 - Landtagsdrucksache IV 554 vom 30» Mai 1961). Irrig ist der Hinweis der Revision auf die Straßenbaulast » Denn die Straßenbaulast ist eine öffentlich-rechtliche, nur der Y/egeaufSichtsbehörde gegenüber bestehende Pflicht, die keine Rechte des Bürgers oder Straßenbenutzers begründet« Sie erzeugt auch keine Sehadenoersatzansprüchc aus § 839 BGB iVm Art« 34 OG, weil diese Straßenbaulast nur Amtspflichten begründet, die den Bediensteten nicht den einzelnen Wegebenutzern gegenüber auferlegt sind. Per Bundesgerichtshof hat allerdings wiederholt bemerkt, daß eine Behörde sich der allgemeinen Straßenverkehrssicherungspflicht auch in der Form hoheitlicher Verwaltung unterziehen könne, doch sei dazu ein der Ällgemein— heit gegenüber kundgemachter ausdrücklicher Organisationserlaß nötig (BGH, Urt.v. April 1953 - III ZR 277/51 = BGHZ 9, 373; Urt.v. Februar 1956 - III ZR 255/54 Pie Übertragung der Aufgaben der Überwachung der Straßensicherheit auf das Straßenbauamt der Stadt und sogar die etwaige Veröffentlichung dieser Übertragung in der Tagespreise würde dafür nicht ausreichen, wie der Senat bereits entschieden hat (BGH VersR 1964, 307), weil sie die entscheidende Willens- äußerung vermissen läßt, daß die Gemeinde sich dieser Pflicht nunmehr auch im Interesse der Wegebenutzer hoheitsrechtlich unterziehen und ihren Bediensteten Amtspflichten auch den Wegebenutzern gegenüber auferlegen wolle» Unerheblich ist auch der Hinweis der Beklagten auf ihre Dienstanweisung vom 21» Februar 1962» Danach sind allerdings alle Bediensteten des Btraßen-bauamtes verpflichtet, Schäden an den Straßen im Stadtgebiet zu melden und zu beseitigen; diese Kontrolle soll sieh auch auf die frittsicherheit und Ebenheit der Gehwege sowie Beschädigungen der Gehwege durch Baumwurzeln eratrooken5' die Kontrolle darf nicht mit Kraftwagen erfolgen und muß in Kontrollbücher eingetragen werden« Das Berufungsgericht hat nicht festgestellt, daß diese Dienstanweisung öffentlich bekannt gemacht sei» Sie enthält ferner keinen Hinweis darauf, daß die Beklagte sich damit der Straßenverkehrssicherungspflicht öffentlich-rechtlich auch im Interesse der Wegebenutzer unterziehen wolleo Sie begründet zwar Amtspflichten der Bediensteten der Stadt, aber nach dem Wortlaut und dem Inhalt nur im Interesse einer wohl funktionierenden Verwaltung, also im Interesse der Stadt selbst, damit diese ihren Pflichten insoweit mit Erfolg nachkommt und möglichst wenig mit Ersatzansprüchen überzogen wird» Es ist beispielsweise nicht anzunehmen, es sei der Wille der Stadt gewesen, daß nunmehr alle Bewohner der Stadt Schadensersatzansprüche stellen 'könnten, wenn die Beamten die Kontrolle statt mit dem Fahrrad mit einem Kraftfahrzeug durchführten und dabei Schäden verursachten, oder wenn sie die Kontrollbücher schlecht führten und damit den Verkehrsteilnehmern Beweisschwierigkeiten oder sonstige Nachteile zufügten» Jedenfalls hat die Beklagte durch diese Dienst- Die Revision muß daher, da das Urteil, soweit es angegriffen ist, auch sonst einen Rechtsfehler nicht erkennen läßt, zurüekgewieson werden» Bio Kostenentscheidung folgt aus § 97 ZPO»