BGH · III ZR 96/52
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dezember 1949 schon Pensionsleistungen gebühren; denn infolge seiner endgültigen Einstufung in die Kat.V unter Aufhebung der früheren ihm ungünstigen Entnazifizierungsentscheidungen stehe fest, dass er schon immer »Entlasteter” gewesen sei, und als Entlasteter habe er nichts von seinen beamtenrechtlichen Ansprüchen verlie- Mit der vorliegenden Klage macht er den Ruhegehaltsanspruch für die Zeit vom 1, April 1949 bis zu dem 3o. des Monats ab, der auf den Monat folgt, in welchem er rechtskräftig in die kat.V eingestuft worden sei, einen Anspruch auf Ruhegehalt habe. November 1949 bedarf es nicht, vielmehr genügt zur Eröffnung des Klageweges gemäss .§ 143 Abs 2 Satz 1 DBG der Pensionsfestsetzungsbescheid, den die Beklagte am 23. Da dieser Bescheid jedoch nicht in der durch § 163 DBG vorgeschriebenen Perm dem Kläger zugestellt worden ist, hat seine Bekanntmachung die Öechsmonatsfriot dco § 143 Abs 1 DBG nicht in Lauf gesetzt. Die Anwendbarkeit der "Poatzustellungsverordnung11 vom 25- August 1943 (RGBl I, 527) auf die im vorliegenden Falle vorzunehmende Bekanntmachung.des Bescheides haben die Vorinstanzen mit Recht verneint; für die Bekanntgabe nach § 163 DBG in Verbindung mit § 19 Ziff 3 RDStO waren nicht die allgemeinen Vorschriften für die Öffentliche Verwaltung, sondern ausschliesslich die Vorschriften der Zivilprozessordnung massgebend (vgl Urteil des erkennenden Senats vom 17- November 1952 - III ZR 74/51 -)„ Der eine vereinfachte Bekanntgabe zulassende § 5 der Kriegsmaßnahmenverordnung vom 12* M&i 1943 war 195o nicht mehr in Geltung (vgl Art 6 Ziff 2 j der Verordnung des Zentraljustizamtes für die britische Zone vom 27. 1. Die Revision ist der Ansicht, dass Beamtenrechte nur beschnitten werden können, "wenn der dahingehende gesetzgeberische* V.ille tfmit der Klarheit, die von Eingriffen in 'das Beamtenrecht erwartet werden muss^zu dem Ausdruck gekommen ist", und stellt in Abrede, dass in der ersten Verordnung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zur Sicherung der Währung und öffentlichen Finanzen vom 19. SparverOrdnung -, auf die der Berufungsrichter die Klageabweisung stützt, eine Bestimmung enthalten sei, die dem Kläger seine Ansprüche für die Zeit vor seiner rechtskräftigen Einstufung in die Kat.V aberkenne Mit diesem Ausgangspunkt wird die Revision der bestehenden Rechtslage nicht gerecht. Januar 1953 - III ZR 269/51 - mit näherer Begründung dargelegt, dass die Entfernung von Beamten auf Grund der Kontrollratsdirektive 24 und später auf Grund der Verordnung Nr llo der Britischen Militärregierung einen "AnspruchsVerlust für die Zeit vor dem Erlass einer ihnen günstigen Entscheidung im Entnazifizierungsverfahren” zur Folge gehabt habe, und hat demgemäss dem dortigen Kläger erst von dem Zeitpunkt seiner rechtskräftigen Einstufung in die Kat. IV beamtenrechtliche Ansprüche zuerkannt,. November 1949* Das wird auch von der Revision anerkannt, indem sie die hierauf bezogenen Ausführungen des Berufungsgerichts nicht angreift. b) Aber auch die hier in Frage kommenden Gesetze des Landes Nordrhein-Westfalen enthalten keine den Anspruch des Klägers stützende Regelung, sondern lassen im Gegenteil erkennen, dass erst vom Zeitpunkt der rechtskräftigen Entnazifizierungsentscheidung ab Ansprüche wieder zugebilligt werden sollten. neten Beamten” an; § 3 Abs 1 spricht seinerseits von Beamten, ”die im Entnazifizierungsverfahren rechtskräf-big in die Kat«, V eingestuft sind”« Biese Vorschriften mögen zwar nur eine Regelung der sachlichen Voraussetzungen für die Gewährung von Ruhegehalt und nichts Uber den Anfangszeitpunkt einer Ruhegehaltszahlung enthalten. Sparverordnung an eine Abweichung von dem Grundsatz, dass Zahlungen an früher entlassene Beamte erst von der Rechtskraft der ihnen günstigen Entnazifizierungsentscheidung ab zu gewähren waren, nicht gedacht war, ergibt sich schon aus § 8 Abs 1 dieser Verordnung; dort wird vorgeschrieben, dass Beamte der Kat. IV und V auch im Palle der Wiedereinstellung keinen Anspruch auf -ienst- oder Versorgungsbezüge für die Zeit vor dem 1. April 1949 und nicht einmal schon von der Rechtskraft der Entnazifizierungsentscheidung ab Ansprüche zugebilligt werden, so ist klar, dass den Beamten, die erst später in die Kat. IV oder V rechtskräftig eingestuft werden,- nicht schon für die Zeit vor dieser Einstufung Rechte zugebilligt werden sollten., Auch wenn der Betroffene selbst ein Wiederaufnahmeverfahren in die Wege leitet, läuft dieses wieder aufgenommene Entnazifizierungsyerfahren “gegen” ihn, wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 15* Januar 1953 - III ZR 327/51 - ausgeführt hat. Auch bei der vom Beamten eingeleiteten Yiiederaufnähme gilt somit § 8 Abs 2, nach dem bis zur Rechtskraft des neuen Dass die von der Revision vertretene Auffassung, der in die Kat. V eingestufte Beamte könfcte, weil mit dieser Einstufung alle entnazifizierungsrechtlichen Beschränkungen weggefallen seien, die Ansprüche aus seinem Beamtenverhältnis auch für die Vergangenheit geltend machen, der Rechtslage in Ilordrhein-Westfalen nicht entspricht, ergibt sich' auch aus dem Gesetz über die Beendigung der Entnazifizierung im Lande Bordrhein-Westfalpn vom 5* Februar 1952 (GVB1 ERhWf S 15); denn auch durch dieses Gesetz werden die nach Aufhebung der Beschränkungen wieder möglichen Zahlungen nicht rückwirkend gewährt, sondern nur Mfür die Zukunft”, beginnend mit dem Monat der Antragstellung (vgl § 5 des angeführten Gesetzes). Der Entscheidung im Wiederaufnahmeverfahren kann keine andere Bedeutung beigelegt werden als die, dass sie die bisher bestehenden Einschränkungen aus dem Entnazifizierungsrecht für den Beamten beseitigt, wenn er in eine ihm günstige Kategorie eingestuft wird. Erlasses der günstigen Entscheidung ab gewährt werden können, Nach alledem musste die Revision des Klägers als unbegründet zuriickgewiesen werden.