BGH · III ZR 93/65 vom 27.06.1968
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Zivilsenat dos Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 27° Hai 1968 unter Mitwirkung des Senatepräsidenton Pr. Pagendarm sowie der Bundosrichtcr Br. Arndt, Br. Hußla, Gähtgens und Keßler für Recht erkannt: Hierfür müßten die Stadt Porz und das beklagte Land Schadensersatz aus Amtshaftung oder eine Entschädigung nach den Grundsätzen des Entoignungsrechts oder der staatlichen Gefährdungshaftung leisten. Mit der Klage, die gegen die Stadt Porz und das beklagte Land erhoben worden ist, hat c.er Kläger von den einzelnen Schadensposten jeweils Teilbeträge nach näherer Aufgliederung geltend gemacht und beantragt, die Beklagten als Gesamtschuldner zur Zahlung vor. A Antshaftung Das Berufungsgericht hat einen Anspruch auf Schadensersatz nach den Grundsätzen der Amtshaftung (§ Q59 BGB, Art» 34 GG), den der Kläger in erster Linie geltend gemacht hat, verneint auf Grund der Erwägungs Nachdem der Kläger im Jahre I960 eine Genehmigung nach § 4 V/ohnsG für dieselben Grundstücke erhalten habe, habe fostgestanden, daß dem beabsichtigten Nutzungszv/eck, der der gleiche geblieben sei, Bedenken nicht entgegenständen; deshalb habe allerdings - insoweit lehnt das Berufungsurteil sich an die Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE 10, 202) und des Qberverwaltungsgerichts Münster (NJV7 1964s 2078) an -der Regierungspräsident seine Zustimmung zur Erteilung der Bodenvorkehrsgenehmigung nicht versagen dürfen» Doch lasse sich ein Verschulden des Regierungspräsidenten nicht feststellen, weil das Bundosbauge-setz die Rechtsfrage nicht klar und eindeutig regele, damals höchstrichtcrlichc Entscheidungen noch nicht bekannt gewesen 30ien und der Regierungspräsident davon habe ausgohen dürfen, daß den Bedürfnissen der Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung jedenfalls ein Vorrang gebühre» Der erkennende Senat kann dahinstchen lassen, ob der Regierungspräsident, indem er seine Zustimmung zur Genehmigung des Vortrages vom 5« Oktober 1961 teilweise verweigerte, eine unrichtige Entscheidung traf; denn dem Berufungsurteil ist darin zuzustimmen, daß ein Verschulden nicht festgestellt werden kann. 1. Die unrichtige Auslegung und Anwendung eines Gesetzes ist grundsätzlich dann eine schuldhafte Pflichtverletzung, wenn sic gegen den klaren, bestimmten und eindeutigen Wortlaut der Norm verstößt, oder wenn die bei ihr aufgetretenon Zweifelsfragen durch höchstrichtorlichc Rechtsprechung geklärt waren (IM zu BGB § 859 B Nr. 27)« Hingegen ist ein Verschulden im Grundsatz zu verneinen, wenn die anzuwendende Bestimmung nicht eindeutig ist, für die Auslegung Zweifel in sich trägt und die von dem Beamten vertretene Auffassung zwar unrichtig, aber nach gewissenhafter Prüfung gewonnen und auf vernünftige Überlegungen gestützt ist; dies gilt insbesondere dann, wenn die gesetzliche Bestimmung noch neu und die Zwcifolsfragen noch unausgetragen sind (Ul zu GastotättenG Nr. 2; vgl. müht sich bereits um eine Auslegung der Bestimmung; denn diese sagt ihrem Wortlaut nach, daß das Bundes-baugesetz auf Rechtsvorgängo, die vor seinem Inkrafttreten eingetroten sind, anzuwenden ist, soweit eine Genehmigung nach früherem Recht notwendig war und über die Genehmigung noch nicht unanfechtbar entschieden ist, und logt insoweit den 19 ff BBauG- rückwirkende Kraft bei (Brügolmenn-Grauvogol BBauG zu § 177 An. 3 b), I-Iehr als aus § 177 Abs, 1 BBauG läßt sich hieraus zu der hier interessierenden Präge nicht entnehmen. Die Regelung in § 177 BBauG trägt - mit gewissen Einschränkungen - der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE 1, 254; 3, 351; 6, 198) Rechnung, wonach dor Erteilung der Wohnsiedlungsge-nehmigung für das nachfolgende Baugenehmigungsverfahren insofern rechtliche Bedeutung zukomrae, als die Baugenehmigung oder Bobauungsgenehmigung grundsätzlich nicht aus Gründen versagt werden dürfe, die Gegenstand dor Prüfung im Verfahren nach dem V/ohnsied-lungsgesetz waren. ob eine Ytohnoiedlungsgcnehmigung für Gin nachfolgendes Eaugonehmigungsvorfähren bindet, die in den angeführten Entscheidungen und in § 177 BBauG behandelt ist, sondern darum, ob eine solche Bindung auch gegeben sei, wenn neue Rechtsvorgängo in bezug auf das Grundstück eine neue Bodenverkchrsgonchmigung (§ 19 BBauG) notwendig machten» Zu dieser Frage lagen höchst-richterliche Entscheidungen noch nicht vor, als der Regierungspräsident mit ihr befaßt wurde» Er konnte nur einen Anhalt in dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 4» Mürz I960 (BVerwGE 10, 202 = DVB1 1961, 37s veröffentlicht im Januarheft 1961) finden, wo eine grundsätzliche Bindung an eine frühere Y/ohn-siedlungsgcnehmigung auch für den Fall bejaht worden ist, daß ein neues Rechtsgeschäft über das Grundstück ein neues Ytohnoiedlungsgenohmigungoverfahren notwendig macht; das Bundesverwaltungsgericht hat hierzu auogoführt (BVerwGE 10, 202, 207 = DVB1 1961, Aber diese Entscheidung - bei der es um eine nachfolgende Wohnsiedlungsgenehmigung, nicht wie hier um eine nachfolgende Bodenvcrkehrsgenchmigung ging - brachte keine völlige Klarheit in die nunmehr von dem Regierungspräsidenten zu entscheidende Frage» Zunächst konnte sich die Erage aufdrängen, weshalb der Gesetzgeber in § 21 BBauG wohl - mit gewissen Einschränkungen - die frühere Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zur V/ohnsiedlungsgenehmi-gung (BVerwGE 1, 254; 3» 351» 6, 198) berücksichtigt habe, aber nicht das Urtoil vom 4° März I960 (BVerwGE 10, 202), obwohl cs zeitlich vor den abschließenden Lesungen dos Bundesbaugesetzes ergangen war» Weiter war es nicht von vornherein abwegig, wenn der Regierungspräsident Ecdcnken trug, die Grundsätze der' Entscheidung auf den ihm vorliegenden Fall einer nachfolgenden Bodonverkohrsgonchmigung anzuwenden» Denn eine Wohnsiedlungsgenehmigung entspricht - das kann gerade aus § 177 BBauG geschlossen worden - nicht völlig der Bodenverkehrsgenehmigung, mag die Wohn-oiedlungsgonchmigung auch in wesentlichen den gleichen Zwecken gedient haben» Abgesehen davon, daß die genehmigungsbedürftigon Rechtsvorgänge nach § 4 Abs» 1 WohnsG und § 19 Abs» 1 und 2 BBauG sich nicht decken, bestehen wesentliche Unterschiede im Genehmigungsverfahren» Zuständig für die Erteilung der Wohnsiedlungsgenehmigung war die untere Verwaltungsbehörde (§4 Abs» 3 WohnsG); demgemäß war die erste Genehmigimg hier von dem Oberkroisdirektor des Rhei-nisch-Bergiochon Kreises erteilt worden. 2= Wenn die Revision demgegenüber meint, der Regierungspräsident habe - selbst wenn er an dem Verfahren wegen der früheren Wohnsiedlungsgenohmigung nicht mit-gevirkt habe - die unanfechtbar gewordene Entscheidung der Krcisbehörde respektieren müssen, so verkennt sie; Es geht hier nicht um Bestand oder Beachtung der Uohn-sicdlungsgonehmigung aus dem Jahre I960, die von keiner Seite in Zweifel gezogen wird, sondern allein darum, ob diese erteilte und benutzte Genehmigung oder besser; die dieser Genehmigung vorausgegangene und mit ihr abgeschlossene Prüfung die Genehmigungsbehörden auch für künftige Palle band, was die Rechtsprechung (BGH V/II 1962, 1008; BVerwGE 10, 202, 207) schon für den Pall wesentlich veränderter Verhältnisse verneint hat (vgl» § 21 Abs» 2 Satz 1 BEauG)0 Selbst wenn die frühere Uohnsicdlungogonohraigung beachtet und als unanfechtbar gewertet wurde, war zu dem neuen Antrag auf Erteilung einer Bodenvorkehrsgenchmigung zu erwägen, ob die im früheren Verfahren angestollto Prüfung den neuen Antrag ohne weiteres rechtfertige» Es ist bereits ausgeführt worden, daß ein etwaiger Pehler des Regierungspräsidenten bei dieser jedenfalls notwendigen Prüfung angesichts der Zweifel, die der Gesetzestext auf werfen mußte, und dos Pehlens höchstrichterlicher Rechtsprechung einen Schuldvorwurf nicht begründen könnte» Hier genügt der Hinweis, daß - entgegen der Entscheidung dos Oberverwaltungsgerichts Münster (1TJW 1964, 2078) - namhafte Autoren auch heute noch eine Bindung entsprechend § 21 BBauG für den Pall der Woitcrvorüußcrung nach erteilter Bodenver-kehrsgcnchraißung ablchnon (vgl» Schrocr DVB1 1966, 192; llcuffor, Bas Neue Eaurocht, zu § 21 BBauG Anm» zu Abs» 1; Sehrödtor BBauG zu § 21 Rdn» 5)c Allerdings ist jeder Beamte verpflichtet, eine in bestimmter Weise geplante, begonnene und fcstge-legte Maßnahme entsprechend durchzuführen, und darf sich dabei nicht zu eigenem früheren Verhalten in Widerspruch setzen, wenn die Rücksichtnahme auf die In-teressen der Beteiligten dies gebietet» Bas Vertrauen des Bürgers, das er in die Beständigkeit behördlicher Maßnahmen gesetzt hat, darf nach dem Grundsatz von Treu und Glauben, der auch in der öffentlichen Verwaltung gilt, nicht mißachtet werden» Bas gilt insbesondere, wenn eine Behörde einen Tatbestand geschaf-fen hat, mit dessen Portbestand die Beteiligten rechnen dürfen und auf dessen Geltung sie im Rahmen ver~ nünftiger Erwägungen ihre geschäftlichen Maßnahmen ab-gestellt oder eingeloitet haben» Biese Grundsätze gelten nicht nur für das Gebiet wirtschaftslenkender Maßnahmen (Ul zu BGB § 839 B Nr» 26 und C Nr» 59), sondern, soweit der Grundsatz von Treu und Glauben dies gebietet, allgemein für den Bereich der öffentlichen Verwaltung (vgl» BGB RGRK 11» Aufl» zu § 839 Anm» 33), und sind auch in Vorfahren nach § 4 WohnsG in Erwägung gezogen worden (BGH Urteil vom 28» Mai 1962 - III ZR 33/60 = WH 1962, 1008, 1012)» Jedoch findet die Pflicht zu konsequentem Verhalten notwendig dort ihre Grenze, wo wesentliche neue Umstände ein anderes Verhalten gebieten (IM zu BGB § 839 B Nr» 26 Bl» 4 R); das ist gerade auch in den angeführten Entscheidungen zur Präge der Bindungswirkung einer Wohnsicdlungsgenehmigung (BGH WM 1962, 1008, 1012; BVerwGE 10, 202, 207) ausgesprochen worden» Diesen Pall aber konnte der Regie- 1. Soweit der Kläger einen Entschädigungsanspruch nach enteignungsrechtlichen Grundsätzen geltend sacht, hat das Berufungsgericht von einer entsprechenden Anwendung des § 21 Abs. 2 BBauG abgesehen, weil die Pflicht zur Entschädigung nach dieser Bestimmung nur die Gemeinde treffe (§21 Abs.3 Satz 3 BBauG). vielmehr am 30» März 1962 erteilt worden ist» Deshalb steht auch weder eine Minderung dos Grundstückswerte3 (§21 Abs» 2 Ziffer 1 BBauG) noch der Ersatz von Aufwendungen in Rede, die der Kläger im Vertrauen auf die Genehmigung zur Vorbereitung der baulichen Nutzung gemacht hätte (§21 Abs« 2 Ziffer 2 BBauG)» Angebliche Vorboroitungen für eine Nutzung des Rumpf-Grundstücks? Allerdings sei dem Kläger - die Richtigkeit seines Sachvortrages unterstellt - ein Sonderopfer insoweit zugemutet worden, als er infolge der teilweisen Versagung der Bodenverkehrsgenohmigung zeitweilig gehindert gewesen sei, die Grundstücke nebst den Bauplänen als Baugrundstückc zu veräußern, obwohl er - kraft der Bindung und Schutzwirkung der früher erteilten Wohnsiedlungsgenehmigung - an sich dazu berechtigt gewesen sei; die Tatsache, daß die Genehmigung am 30. Kürz 1962 schließlich doch erteilt wurde, lasse ein Sondoropfor nicht überhaupt verneinen, sondern sei nur für dessen Höhe von Bedeutung« Der Kläger fordere hier aber nicht Entschädigung für den Verlust an “Substanz", also Entschädigung für die Nachteile, die infolge des Eingriffs am Objekt selbst eingotreten seien, er mache lediglich mittelbare Folgeschäden geltend, die grundsätzlich unberücksichtigt bleiben müßten. 3o Das Berufungsurteil hebt damit zutreffend hervor, daß der Kläger, als er seine ursprünglich reine Schadensersatzklage mit Schriftsatz vom 24= Hai 1963 dahin erweiterte, daß er auch eine Entschädigung nach enteignungsrechtlichen Grundsätzen fordere, die Prüfung versäumt hat, ob die mit der Klage gel- Wäre - wie das Berufungsgericht angenommen hat - ein Enteignungsfall gegeben, so könnte der Kläger nicht vollen Ersatz des ihm entstandenen Schadens beanspruchen, sondern er müßte sich grundsätzlich mit einer angemessonon Entschädigung (Art. 14 GG) für den Rechtsverlust begnügen, der sich als Folge des Eingriffs in seine Rechtsposition ergeben hat«, Wenn also hier durch einen hoheitlichen Eingriff zeitweilig die Benutzungsfähigkeit des Grundstücks für einen ihm bereits zugänglichen oder anhaftenden Zweck ausgeschlossen worden wäre, so dürfte die Frage nicht dahin gestellt werden, wie es dem Klagevortrag zugrunde liegt, welche Vorteile der Kläger hätte gewinnen und welche Nachteile er hätte vermeiden können, wenn schon im Dezember 1961 die Genehmigung voll erteilt worden wäre; vielmehr wäre zu fragen, welche Einbuße es für den Kläger bedeutete, daß er in der Zeit von Dezember 1961 bis März 1962 lediglich ein Grundstück hatte, dessen Bebauungsfähigkeit in Zweifel gezogen wurde, obwohl es in Wirklichkeit doch bebauungsfähig war (vgl. Ob unter diesem Gesichtspunkt möglicherweise doch der eine oder andere Posten der Schadensaufstellung des Klägers cntschädigungsfähig sein könnte, bedarf hier jedoch nicht der Prüfung, weil die Entscheidung des Berufungsgerichts sich aus anderen Gründen als richtig darstellt (§ 563 ZP0)„ Der Anspruch auf eine Entschädigung, die der Kläger aus eigenem wie aus abgetretenem Recht von Ogg§ fordert, setzt einen hoheitlichen, zwangsweise vorgenommenen und unmittelbar wirkenden Eingriff in das Eigentum oder eine als Eigentum geschützte Rechtsposition voraus, die den Betroffenen im Vergleich zu anderen ungleich trifft und ihm ein be- Es hat jedoch einen enteignenden Eingriff gegenüber dem Kläger, dessen Sachvortrag als richtig unterstellt;, darin gesehen, daß der Kläger infolge der zunächst ausgesprochenen (teilwoisen) Versagung der Bodenverkehrsgenehmi-gung zeitweilig daran gehindert worden sei, die Grundstücke nebst den Bauplänen als Baugrundstücke zu veräußern, obwohl er auf Grund der Schutzwirkung der §§ 21, 177 BBauG an 3ich dazu berechtigt gewesen sei. Wenn der Erwerb sich wider Erwarten verzögerte, so mag dies für ihn nachteilig gewesen sein, rechtfertigt aber nicht den Schluß, daß er in einer bereits vorhandenen, rechtlich wie das Eigentum geschützten Rechtsstellung betroffen worden wäre. V/enn seine Abwicklung sich verzögerte, weil die Genehmigung zunächst nicht erteilt, die Eignung zur Bebauung mit Wohnbauten zeitweilig in Zweifel gezogen wurde und die Beteiligten deshalb zurücktraten, war das allenfalls eine mittelbare Folge hoheitlichen Vorgehens. 2. Soweit ein Entschädigungsanspruch aus eigenem Recht des Klägers in Rede steht, vermag der Senat dem Berufungsurteil jedoch nicht dahin zu folgen, daß eine gcschützto und gesicherte Rechtsposition des Klägers beeinträchtigt worden sei, v/enn dem Veräußerungsvertrag zeitweilig und teilweise die Genehmigung voronthalten blieb. Wenn also - wie das Berufungsgericht angenommen hat - durch die Versagung der Genehmigung dem Gelände zeitweilig die Fähigkeit, als Bauland veräußert zu worden, genommen worden ware, so könnte sich hier die Präge einer unmittelbaren Beeinträchtigung dos Klägers durchaus stellen» Die Erwägung des Berufungsurteils, der Kläger 3ei zur Veräußerung dos Geländes als Bauland an sich berechtigt gewesen, weil ihm die Bodenverkehrsgenehmigung habe erteilt werden müssen, reicht jedoch nicht aus, um einen Enteignungstatbestand darzutun» Nach der Rechtsprechung des Senats bedeutet die Versagung einer Anerkennung, Erlaubnis oder Zulassung, selbst wenn sie bei richtiger Handhabung hätte erteilt werden müssen, für sich allein nicht einen Eingriff in das Eigentum; eine unrichtige Handhabung kann allenfalls einen Schadensersatzanspruch nach Amtshaftungsrecht begründen (BGH Urteil vom 29 = Mai 1967 - III ZR 191/64 = NJW 1967, 1857), der für die vorliegende Sache mangels eines Verschuldens bereits ausgeschlossen ist« Eino Enteignung (Art» 14 GG) kommt nur in Betracht, wenn - über einen Anspruch auf Erteilung einer Erlaubnis hinaus - bereits ein vermögenswertos, eigentumsähnliches Hecht oder eine Rechtsstellung begründet ist, die eines Schutzes wie das Eigentum fähig und eines solchen bedürftig ist (vgl» BGH VersR 1964, 89, 92; NJW 1967, 1857; Warn 1967 Nr» 161). Es ist jedoch nicht dargetan, daß das Gelände rechtlich bereits Bauland war und die Rechtsstellung des Klägers dahin ging, es als Bauland verkaufen zu können. Juli 1967 - III ZR 1/65 -), die Wandlungen unterworfen ist; das Gelände unterlag der Sozialbindung, daß es nur mit Genehmigung bebaut oder zu dem Zwecke der Bebauung veräußert werden durfte (§§ 19, 21 BBauG), und diese Genehmigung war nur zu erwarten, soweit öffentliche Belange nicht beeinträchtigt wurden (§§ 20, 35 BBauG). b) Demgemäß hat das Berufungsgericht auch nicht die Fähigkeit der Grundstücke, mit Y/ohnbauten bebaut zu werden, bejaht, sondorn es will die Rechtsstellung des Klägers daraus herleiten und darin sehen, daß ihm bereits für den Erwerb dos Geländes die Vfohnsiedlungs-genehmigung erteilt worden war und sich daraus in entsprechender Anwendung der §§ 177, 21 BBauG mit bindender Y/irkung sein Recht ergeben habe, die Grundstücke als Y/ohnungobauland weiterzuveräußern» Dazu ist zu sagen s Die Bodenverkehrsgenehmigung ist - wie es schon die Wohnsiedlungsgenehmigung war - eine sogenannte "gebundene” Erlaubnis (Jung DVB1 1964, 131; Schrödter, Bundesbaugesetz zu § 20 Anm» 2), denn sie darf nach § 20 BBauG nur versagt werden, wenn die Auflassung und die mit ihr bezweckte Nutzung mit einer geordneten städtebaulichen Entwicklung nicht vereinbar isto Die Behörde muß die Bodenverkehrsgenehmigung erteilen, wenn ein gesetzlicher Versagungsgrund nicht vor-liegto Der Antragsteller hat einen Rechtsanspruch auf die Genehmigung, wenn ein Versagungsgrund nach den §§19 Abs« 2, 20 Abs« 1 BBauG nicht gegeben ist (BVerwGE 19, 82, 84; Brügelmann-Grauvogel, Bundesbaugesetz zu § 20 Annu 1), wenn also die geplante Bebauung einer "geordneten städtebaulichen Entwick- Es liegt im Wesen der gebundenen Erlaubnis, daß ihre Erteilung nicht im Ermessen der Genehmigungsbe-hördo steht, vielmehr erfolgen muß, wonn gesetzliche Versagungsgründe nicht vorlicgon (BGHZ 26, 10, 11); eine solche Erlaubnis gewährt nicht ein Recht, sondern spricht aus, wa3 schon Rechtens ist« Die rechtswidrige Versagung oder der rechtswidrige Widerruf einer gebundenen Erlaubnis - etwa einer Bauerlaubnis -, durch die die latent bereits vorhandene Bebauungsfähigkeit des Grundstücks verneint wird, trifft also eine bereits vorhandene Vermögenswerte Nutzbarkeit und kann als entschädigungsfähiger Eingriff in eine Vermögenswerte Rechtsposition gewertet werden (BGH Urteil vom 28. Der Schluß des Berufungs-urtoils, das Grundstück habe eine, entsprechende Qualität deshalb gehabt, weil dem Kläger eine Wohnsiedlungsgenehmigung erteilt worden sei und eine weitere Genehmigung entsprechend den §§ 21, 177 BBauG hätte erteilt werden müssen, ist verfehlt» Selbst wenn dem Berufungsgericht darin gefolgt werden könnte, daß die frühere Genehmigung ein Recht auf die Genehmigung des Vertrages begründet habe, wä- re zu bedenken; Die Erteilung einer Genehmigung wirkt, selbst wenn sie eine Bindung nach § 21 BBauG erzeugt, nicht "dinglich" auf das Grundstück (Brü- gelmann-Grauvogel, Bundosbaugesetz zu § 21 Anra» II 3 f) in dom Sinne, daß oie dem Grundstück eine Qualität geben könnte, die es nicht hat; sie erzeugt nur eine persönliche Bindung zugunsten des Genehmigungsinhabers - hier des Klägers so daß sieh allenfalls von einer "relativen Baulandqualität" sprechen ließe (Schrödtor, Bundosbaugesetz zu § 21 Aimu 5)o Bas Bundesverwaltungsgericht (BVerwGE 6, 342; 10, 202, 207) hat offengolassen, ob die Erteilung einer Y/ohnsied-lungsgcnehmigung (oder Bodenverkchrsgcnehraigung) oder welche Rechtsvorgängo sonst einem Grundstück die Baulandqualität verleihen0 Wenn es von der "bindenden" Wirkung der Genehmigung für ein späteres Baugenehmigungoverfahren spricht - und zwar in dem Sinne, daß die Erteilung der Genehmigung zugleich die planungs-rechtlicho Zulässigkeit der Bebauung des Grundstücks aussprcchc (BVerwGE 18, 242, 245) so steht dies einmal unter dem Vorbehalt des Fortbestandes der maßgebenden rechtlichen und tatsächlichen Verhältnisse (vgl» auch BVerwGE 10, 202, 207) und will zu dem anderen nicht besagen, daß bereits eine eigentumsähnliche Rechtsposition begründet wäre« Allerdings besteht nach dem ersten Verfahren ein Rechtsanspruch (BVerwGE 18, 247) darauf, daß die Bebauungsgenehmigung erteilt wird, sofern nicht besondere Gründe entgegenstehen» Bie frühere Genehmigung macht aber die Genehmigung eines weiteren genohmigungsbedürftigen Vorgangs nicht entbehrlich (BVorwGE 10, 202, 206); es findet eine erneute sachliche Prüfung statt, bei der die Genehmigungsbehörde zwar in gewisser Hinsicht gebunden, eine Versagung der neu erbetenen Genehmigung aber nicht ausgeschlossen ist (vgl„ BVerwGE 3, 351, 353; 6, 198; 10, 202, 207)?und das hat gerade für den Fall zu gelten, Zö - Selbst -wenn also dem Berufungsgericht darin gefolgt -würde, daß die §§ 177, 21 BBauG über ihren Wortlaut hinaus einer entsprechenden Anwendung auch für den' Pall einer weiter erforderlich werdenden Bo-donverkehrsgenehmigung fähig wären - was, wie bereits unter A 2 ausgeführt ist, im Schrifttum mit guten Gründen in Präge gestellt wird ließe sich nicht sagen, daß dem neuen Genehmigungsverfahren eine rein formale Bedeutung zukäme und die Bebauungsfähigkeit und Genehmigung praktisch schon durch die erste Wohnsiedlungsgenehmigung garantiert wäre. Die Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwGE 10, 202, 207) und des Oberverwaltungsgerichts Münster (1IJW 1964, 2078 = DVB1 1966, 190), auf die das Berufungsgericht sich bezogen hat, heben hervor, daß eine Bindung an die frühere Genehmigung nur bei unverändert gebliebenen rechtlichen und tatsächlichen Verhältnissen bestehe. Diese Maßnahme bedeutete für sich keinen Eingriff in das Eigentum, sondern hielt sich, indem sie lediglich die Polgerungen aus der Lage und den Verhältnissen des Geländes zog, im Rahmen der sozialen Bindung des Eigentums (Art. 14 Abs. 2 GG). tere Verfahren gezeigt hat - diese Bedenken sich ira Wege von Auflagen beheben ließen, ging die Rechtsstellung des Klägers lediglich dahin, daß er das Gelände als Baugelände nur woiterveräußern konnte, wenn ihm hierfür nach sachlicher Prüfung die Bodenverkehrsgenehmigung erteilt vrnrde» In diese Rechtsstellung dos Klägers hat das beklagte land nicht eingegriffen» Ebensowenig bedeutete es einen Eingriff in ein geschütztes Recht des Klägers, wenn die sachliche Prüfung des bedeutenden Vorhabens erst nach rund 5 Monaten zu einem positiven Ergebnis führte, denn schon der Rücktritts-Vorbehalt für die GfHB in dem Aufhebungsvertrag vom 3» Oktober 1961 ergibt mit hinreichender Deutlichkeit, daß die Beteiligten mit einer mehrmonatigen Bearbei-tungszeit rechneten und auch rechnen mußten, wenn sie ihr Vorhaben zu einem guten Ende führen wollten.