BGH · III ZR 87/66 vom 10.07.1967
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Sie hat hierzu vorgetragen: Ihre Grundstücke seien als Bauland im engeren Sinne (Baustellenland) einzustufen« Für die gesamte Stromer Straße und Landstraße sei eine Bebauung an sich zulässig gewesen« Liese sei in dem Gebiet zwischen dem Umdeich und der Ortschaft Strom nur deshalb unterblieben, weil die Klägerin die Bebauung wegen ihrer Hafenplanung hinter-trieben habe, Lie Parzelle Flur 32 Flurstück 36 (Leichgrundstück) sei gleichfalls als Bauland zu bewerten« Dieses Grundstück sei für jeden Erwerber deshalb vollwertig gewesen, weil er sich diesen Grundstücksteil auf die nach der Bauordnung erforderlichen Freiflächen habe anrechnen lassen können« Der Wert der Grundstücke sei nach den jetzigen Preisverhältnissen auf 30 DM je qm zu veranschlagen« 1961/62, als die Klägerin die vereinbarte Mindestentschädigung von 4,25 LM je qm geleistet habe, habe der Grundstückswert 20 DM je qm betragen« Der Nachzahlungsbetrag errechne sich daher auf 23,625 DM je qm« Das ergebe bei einer Fläche von insgesamt 10 953,5 qm eine zusätzliche Entschädigung von 258 876,44 DM« Die Klägerin hat um Zurückweisung der Berufung gebeten und hierzu vorgetragen; Der Bundesgerichtshof habe die im ersten Berufungsurteil vertretene Auffassung, daß die Grundstücke der Beklagten kein Bauland im engeren Sinne (Baustellenland) seien, bestätigt» Auch eine Einstufung als Bauland im weiteren Sinne (Bauerwartungsland) sei nicht gerechtfertigt» Schädigung von 163 808,52 DE nebst 5 > Zinsen auf 156 008,26 DL: seit dem 6» Noveffiber 1962 festgesetzte Im übrigen wird der Antrag auf Festsetzung einer höheren Entschädigung für den Grund und Boden hinsichtlich der weiter enteigneten Grundstücke zurückgewieseno Die Unternehmerin (Klägerin dieses Hechtsstreits) trägt die Kosten des Verfahrens vor dem Amtsgericht, und zwar einschließlich der Kosten, die der Antragsgegnerin (Beklagte dieses Rechtsstreits) durch Hinzuziehung eines Rechtsanwalts entstanden sind, letztere nach einem Streitwert von 148 208 DEo’* 2«) Wie bereits im Vorurteil des erkennenden Senats gebilligt, geht das Berufungsgericht davon aus, daß für die Bemessung der Entschädigungshöhe die Bestimmungen des Bundesbaugesetzes (§§ 93 ff) anzuwenden seien, und infolgedessen die Entschädigung für den durch die Enteignung eingetretenen Rechtsverlust sich gemäß § 95 Abs« 1 BBauG nach dem Verkehrs-v/ert des betroffenen Grundstücks bemesse, wobei gemäß § 93 Abs« 4 BBauG der Zustand des Grundstücks (Qualität) im Zeitpunkt der Enteignung (24» April 1961) maßgebend sei« Beschlusses (6» November 1962) 19 DM je qm betragene -Die vom Berufungsgericht vorgenommene Abstellung auf den Zeitpunkt des Erlasses des Bntschädigungsbeachlusses und nicht, wie in § 95 Abs* 1 Satz 2 BBauG bestimmt, auf den Zeitpunkt, in dem die Bnteignungßbehörde über den Enteignungsantrag entschieden hat, rechtfertigte sich dadurch, daß hier infolge des noch nach dem Bremer Enteignungsgesetz vom 18* Juli 1899 (BremGBl 14) durch-geführten Verfahrens der Enteignungsbeschluß (24»April 1961) und Entschädigungsbeschluß (6, November 1962) entgegen § 113 BBauG zeitlich auseinanderliegen« - Wegen der zu niedrigen ursprünglichen Festsetzung sei daher von den jetzigen Preisverhältnissen auszugehen» Hierbei sei der Wert auf 21 DM je qm zu veranschlagen» Bei der Bewertung des Grundstücks mit 19 DM je qm (6. November 1962) und 21 DM je qm (Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung) sei dem Gutachten des Gutachterausschusses der Stadt Bremen vom 22» Dezember 1965 zu folgen» Da die Beklagte die vereinbarte Mindest-entSchädigung von 4,25 Du je qm bereits erhalten habe, sei der Teil der Preissteigerung, der auf den bereits gezahlten Betrag entfalle, bei der Bemessung der zusätzlichen Entschädigung nicht zu berücksichtigen» Dabei hätte das Berufungsgericht dann nicht den Vortrag der Beklagten im Schriftsatz vom 5« Januar 1966 Seite 4 außer acht lassen dürfen, wonach bei Verkäufen in unmittelbarer Hähe des Grundstücks der Beklagten in ..olmerthausen für kanalisierte Grundstücke an anbaufertigen Straßen Durchschnittspreise von 65 bis 70 DM je qm gezahlt worden seien.» Dem ist entgegenzuhaltens Vieles spricht zunächst für die Richtigkeit der vom Berufungsgericht vorgenommenen Einschätzung des enteigneten Grundstücks als Bauland, die es damit begründet: Hätte die Klägerin die natürliche und rechtlich zulässige Weiterentwicklung nicht durch widerrechtliche Versagungen von Baugenehmigungen verhindert, dann hätte das Grundstück der Beklagten bei Inkrafttreten der BauregelungsverOrdnung im Jahre 1936 bereits im Innenbereich gelegen» Aus ihrem rechtswidrigen Verhalten dürfe die Klägerin aber keine Vorteile ziehen» Sie müsse die Grundstücke an der Stromer Straße und Landstraße daher zu demindest bei der Bemessung der Enteignungsentschädigung als Bauland im engeren Sinne behandeln» Jedoch kann die Richtigkeit dieser Einschätzung dos Grundstücks als Bauland dahingestellt bleiben, da hierdurch jedenfalls die Beklagte und Revisionsklägerin nicht beschwert ist» Denn selbst wenn man die Qualität als Bauland nur unterstellt, so rechtfertigt dies nicht die Annahme der Revision, daß es sich um 3auland gehandelt haben müsse, das einem je qm gezahlt worden seien» Mag auch die Klägerin sich eine konjunkturelle Weiterentwicklung des Grundstücks entgegenhalten lassen müssen, soweit sie widerrechtlich von ihr verhindert worden ist, so kann dies jedenfalls nicht für eine konjunkturelle Weiterentwicklung gelten, deren Nichteintritt zwar auch auf das Verhalten der Klägerin zurückzuführen ist, aber des Merkmals eines widerrechtlichen Verhaltens der Klägerin entbehrt« Durfte die Klägerin für die an der Stromer Straße und Landstraße gelegenen Grundstücke auch Baugenehmigungen nicht versagen, so bestand indes für sie keine Verpflichtung zuz* Kanalisierung, und auch die Eigentümer dieser Grundstücke hatten keinen Anspruch hierauf« Ohne jeden Belang war es hierbei, aus welchen Gründen die Kanalisierung unterblieb, es sei denn, daß auch insoweit ein willkürliches und damit rechtswidriges Verhalten der Klägerin vorlag, was aber die Beklagte nicht behauptet und auch gar nicht behaupten kann« Damit entfällt aber auch die Beachtlichkeit des von der Revision angefühz'ten Vortrages der Beklagten, ohne die Behinderung durch die Hafenplanung wäre 1936 der Kanalanschluß bereits hergestellt und damit eine intensivere bauliche Ausnutzung zugelassen gewesen« Eine Bedeutung hätte diesem Vortrag der Beklagten nur dann zukoramen können, wenn mit ihm behauptet und unter Beweis gestellt worden wäre, daß bei einem rechtmäßigen Verhalten der Klägerin im Hinblick auf zu erteilende Baugenehmigungen ohne Rücksicht auf die Hafenplanung auch eine Kanalisierung durchgeführt worden wäre» Dahin ging der Vortrag der Beklagten jedoch nicht, sondern in ihm ist nur behauptet und unter Beweis gestellt, daß bei nichtbestehender Hafenplanung die Kanalisierung erfolgt wäre« Ohne Rechtsirrtum hat es mithin das .Berufungsgericht auf die Qualität des enteigneten Grundstücks abgestellt, die es bei dem - für die Be-klagte sehr günstig auf das «^ahr 1936 hinausgeschobenen - Beginn der für die Enteignung ursächlichen Hafenplanung besaf3, und den von der Revision in Rede gestellten Mehrwert unberücksichtigt gelassen, den das Grundstück nie hatte, sondern nur bei nichtbestehender Ifafenplanung bekommen hätteo Bann läßt sich aber ein Rechtsfehler auch nicht daraus ersehen, daß das Berufungsgericht in Anlehnung an das Gutachten des Gutachterausschusses der Stadt auch nur diu-ser Qualität entsprechende Grundstücke zu dem Preisvergleich herangezogen und die von der Beklagten angeführten bereits kanalisierten Grundstücke an anbaufertigen Straßen davon ausgeschlossen hato