BGH · III ZR 87/54
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Klägerin, Berufungsbeklagte, Anschlußberufungsklägerin und Revisionsbeklagte, Prozeßbevollmächtigter % Rechtsanwalt hat der III0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 7» November 1955 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten ProfoBr„Geiger sowie der Bundesrichter Dr* Pagendarm, DroWolany* DroBeyer und Dr„ Hußla für Recht erkannts Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des 1« Zivilsenats des Ober lande sgern.chts Ilünchen vom 11 o De-zember 1955? Als Sicherheit bot er ihr eine ihm angeblich gegen den Beklagten zustehende Wiedergut-machungsforderung in Höhe von 6.0Q0 DM an* Die Klägerin machte die Gewährung des Kredits davon abhängig«? daß das Bayerische Landesamt für Wiedergutmachung die Entschädigungsforderung nach Bestand und Höhe anerkenne* und sandte dem Amt ein Formblatt für eine als nForderungsbestätigungn bezeichnete Urkunde zu« Das Formblatt wurde nach Ausfüllung der Klägerin zurückgesandt* Es lautete nunmehr5 I* Dem Berufungsgericht ist darin beizutreten, daß die Klage ihren Rechtsgrund in § 859 BGB in Verbindung mit den einschlägigen Amtshaftungsbestimmungen hat«,- Pie Erteilung der "Forderungsbestätigung" seitens des Angestellten Aster war eine Amtshandlung«. sie in amtlicher Eigenschaft vornehmen,, Sie stand, wie das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum ausfUhrt, in einem inneren unmittelbaren Zusammenhang mit seinen dienstlichen Aufgaben, Zwar standen bei der Erteilung der Besta-tigung die Interessen des Staates als Leistungspflichtigen für die Wiedergutmachung im Vordergrund und die Wahrnehmung dieser Belange stand nicht der von Afl^ stellvertretend geleiteten ÖffizialanwaltSchaft für die Wiedergutmachung, sondern einer anderen Abteilung des Landesamts für Wiedergutmachung zu, nämlich der ftegelungs- und Verwaltungsabteilungo Bas Berufungsgericht verweist aber mit Recht darauf, daß die Beantwortung von Anfragen dritter Personen oder Banken, die an dem Ausgang von 7/ieder-gutmachungs- oder Unterstützungsverfahren zugunsten bestimmter Verfolgter wirtschaftlich interessiert waren, den Belangen der Wiedergutmachungsberechtigten diente, die von den Fragestellern Vorschüsse oder Kredite auf erwartete Yiedergutmachungsleistungen erbeten hatten, und daß sie unter diesem Gesichtswinkel zu dem Geschäftsbereich der die Interessen der Wiedergutmachungsberechtigten wahrnehmenden Offizialanwaltschaft gehörte•> Ber Umstand, daß Aster die Forderungsbestätigung nicht ohne Genehmigung des Generalanwalts AuflHt hätte abgeben dürfen, ist in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung, Wie anerkannt rechtens ist, geht die innere Beziehung der Handlung eines Beamten zu seinem Amt nicht mit Notwendigkeit dadurch verloren, daß der Beamte seine Befugnisse überschreitet oder das Gegenteil dessen tut, was seine Bienstpflicht ihm gebieten würdeo Barüber hinaus ist Aster bei der Ausstellung und Erteilung der Forderungsbestätigung in Ausübung der ihm an-vertrauten öffentlichen Gewalt (Art 131 WeimVerf) tätig geworden, Bie Wiedergutmachung ist, wie das Berufungsgericht ebenfalls zutreffend .angenommen hat, eine hoheitliche Betätigung der Staatsgewalt (so bereits das Urteil des Senats vom 5* Mai 1955 - III ZR 252/53 )<> Eie von Aster ausgestellte Forderungsbestätigung bezieht sich auf einen öffentlichrechtlichen Entschädigungsanspruch aus der Wiedergutmachung*, Die Klägerin war mit ihrem Anliegen an diejenige Stelle herangetreten, die zu der Prüfung, sachlichen Behandlung und Abwicklung dieses Anspruchs berufen war, Wenn diese Stelle sodann die Forderungsbestätigung ausstelltej so wurden damit privatrechtliche (fiskalische) Belange des beklagten Landes nicht berührt und nicht wahr-genommeno überdies sind dem Bereich der öffentlichen Gewalt nicht nur unmittelbar hoheitlichen Zwecken dienende Handlungen, sondern auch solche Betätigungen zuzurechnen, die nach natürlicher Betrachtungsweise mit der Ausübung von Hoheitsgewalt als ein einheitliches Ganzes anzusehen sinds es entscheidet nicht die Eigenart der einzelnen (schädigenden) Handlung, sondern ihre Einordnung in den gesamten in Frage stehenden Tätigkeitsbereich* La# die Porderungsbestätigung dem Abschluß eines bürgerlichrecht-lich.en Kreditvertrags zwischen der Klägerin und Homan Gebier dienen sollte, schließt, worauf bereits das Berufungsgericht hingewiesen hat, die Beurteilung ihrer Ausstellung als hoheitliche Betätigung nicht aus» Hach alledem kann die Erteilung der Forderungsbestätigung nur als eine öffentlichrechtliche Verwaltungshandlung angesehen und der abweichenden Ansicht der Revision nicht gefolgt werden, Biese löst’ in ungerechtfertigter Weise die Bestätigung aus ihrem sachlichen Zusammenhang heraus^ sie ergeht sich in einer äußerlichen Betrachtungsweise, wenn sie die Forderungsbestätigung mit der Antwort irgendeines beliebigen Britt Schuldners auf die gleiche ?Stufe setzt und in ihr eine Maßnahme der öffentlichen Fürsorge erblickt, wie sie von jeder Privatperson vorgenommen werden könneo Ihrem Inhalt nach enthält die Forderungsbestätigung die Mitteilung an die Klägerin* ftoman GBHfchabe gegen den Beklagten eine fällige Entschädigungsforderung über 60OOO DM» Diese Auskunft war, wie unter den Parteien unstreitig ist, unrichtig« Sie bildet, was die [Revision zu Unrecht abstreitet, die Verletzung einer Amtspflicht, die A^^ bei ihrer Abgabe gegenüber der Klägerin hatte« Erteilt nämlich ein Beamter eine Auskunft, so-muß diese sachgerecht sein» Die dahingehende Amtspflicht besteht aus dem Gedanken der hoheitsrechtlichen Fürsorge gegenüber jedem Dritten, in dessen Interesse die Auskunft gegeben wird und im besonderen gegenüber der Klägerin, die ersichtlich auf Grund der Auskunft Vermögensverfügungen treffen wollte (siehe hierzu das bereits genannte Senatsurteil vom 5« ge selbst GBHB Konzentrationslager mit dem für politische Häftlinge eingeführten roten Winkel versehen beobachtet und.habe gewußt, daß GftfHl vom Staatskommissariat einen Ausweis als politisch Verfolgter erhalten hatte? so ist ihr die vom Berufungsgericht erholte Auskunft -des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen vom 27» Oktober 1952 entgegenzuhalten?•in der das Gegenteil ausgeführt und u»a» darauf verwiesen wird, daß das Entschädigungsgesetz in § 58 Abs 1 Ziff 6 eine Haftentschädigung? er habe sich zur Ausstellung der Forderungsbestätigung im Hinblick auf das Bayerische Gesetz Nr 75 über die Bildung eines Sonderfonds zu dem Zwecke der .Viedergutmachung vom 1«, Oktober 1947 für berechtigt gehalten» Jenes Gesetz ermächtigte die zuständigen Behörden indessen nur dazu, in Fällen wirtschaftlicher Notlage an Verfolgte - von anderen hier nicht in Betracht stehenden Hilfsmaßnahmen abgesehen - nur vorläufige Zahlungen und andere Zuwendungen -bis zu den Höchstbeträgen von 3 <.000 und 1,000 DM zu leisten (§ 1 des Gesetzes)? schädigungsansprüche von Gebier erteilte, war sonach auch durch das Sonderfonds-Gesetz nicht gedeckt 5 dies hätte er bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt erkennen müssen« Gegen die Annahme des Berufungsgerichts, die Klägerin würde gBI^B den erbetenen Kredit nicht gewährt haben, wenn ihr sein angeblicher Entschädigungsanspruch nicht als bestehend bestätigt worden wäre, ergeben sich keine Bedenken« Ein Mitverschulden der Klägerin an ihrem Schaden hat das Berufungsgericht mit der Erwägung verneint, die Klägerin habe sich darauf verlassen dürfen, daß sie von dem Bandes-amt als von der mit dem Sachgebiet am besten vertrauten Stelle eine zuverlässige Auskunft erhalten werde, dies auch dann, wenn sie .über den Stand der Gesetzgebung nicht oder