BGH · III ZR 85/68 vom 13.03.1969
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Für die Angemessenheit der Abschlagszahlung im Sinne von § 92 Abs« 3 BBS ist allein das Verhältnis dos gezahlten zu der gesetzlich geschuldeten Ersatzleistung oder Entschädigung maßgebend« Es kommt demgegenüber nicht darauf an, ob der Schuldner die Höhe der geschuldeten Leistung auch erkennen konnte« Die Klägerin nimmt die Beklagte auf Grund von Belegungs-Schäden an ihrem im Juli 1946 von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmten Fabrikgrundstück in Anspruch o Die Freigabe des Grundstücks erfolgte am 16o Januar 1956 mit Ausnahme eines Wohnhauses, das erst am 31. März 1966 zugestellten Klage hat die Klägerin geltend gemacht; Eine Verzinsung des festgesetzten Bntschädigungsbetrageo stehe ihr bereits für die Seit seit der Freigabe des Fabrikgeländes» dem 16. Das sei nicht der Fall» da ein angemessener Abschlag wenigstens die Hälfte der der Klägerin zustehenden Ersatzleistung hätte erreichen müssen, während der ihr tatsächlich gezahlte Betrag von 50.000 DM nur ein Fünftel des später festgesetzten Betrages gedeckt habe» Sie, die Klägerin, treffe auch kein Verschulden an der Verzögerung der Schadensfestsetzung» Sie habe bei der Beschaffung der Schadensuntorlagen in ihrem eigenen Interesse/ so schnell wie möglich gehandelt» Es sei jedoch erforderlich gewesen, mit der schwierigen Schadens-ermittlung Sachverständige zu beauftragen. Mit ihrer Berufung hat die Klägerin nur noch Zinsen für die Seit ab 16* April 1956 verlangt, ihre Nebenfordorung auf Verzinsung der Zinsbeträge fallengelassen und beantragt, unter teilweiser Abänderung des angefochtenen Urteils die Beklagte zu verurteilen, an sie 21*653,56 DM zu zahlen* lo Das Berufungsgericht geht zutreffend davon aus* daß sich die Verzinsung der Ersatzleistung, die der Klägerin für den Belegungsschaden zusteht, für die Zeit vom 5» Mai 1955 ab nach den Bestimmungen des Bundesleistungsgesetzcs bo-mißto Denn nach § 92 Abs„ 1 BIG ist die Entschädigung und Ersatzleistung bei Sachen, die nach Art» 48 Abs« 1 des Truppenvertrages vom 26« Mai 1952 - BGBl II 1955? 321 -zur Nutzung oder zu dem Gebrauch in Anspruch genommen waren, mit Wirkung vom 5 p Mai 1955 12 Uhr nach den Vorschriften dos Bundcsleistungsgesetzcs auch dann zu bemessen, v/enn die Beschlagnahme, wie im vorliegenden Falle, vor Inkraft-treten des Bundesleistungsgesetzes am 1* Januar 1957 aufgehoben worden ist« Art« 48 Abs« 1 dos -Truppenvertrages betraf Sachen, Werkleistungen und Liegenschaften, die vor Inkrafttreten des Truppenvertrages von der Besatzungsmaeht in Anspruch genommen worden waren und deren Inanspruchnahme danach noch andauerte; sie galten von diesem Zeitpunkt an nach Maßgabe der nach Art« 37 Abs„ 3 und 4 des Truppenvertrages anzuwondenden Gesetzesbestimmungen als unanfechtbar in Anspruch genommen * Im Sinne des § 92 Abs« 1 BLG war deshalb auch das bereits 1946 beschlagnahmte und erst im Januar 1956 freigegebene Fabrikgrundstück der Klägerin nach Arto 48 Abs» 1 des ;Truppenvertrages in Anspruch genommen» 2« Grundsätzlich tritt eine Verpflichtung zur Verzinsung der Ersatzleistung erst nach Ablauf eines Monats nach ihrer Festsetzung (oder einer etwa erfolgten gütlichen Einigung der Beteiligten) ein, wenn der Ersatz nicht innerhalb dieses Zeitraumes gezahlt worden ist (§ 29 Abs«, 1 BLG)» Erfolgt jedoch die Festsetzung (oder Einigung der Beteiligte nicht innerhalb von drei Monaten nach der Fälligkeit des Ersatzanspruchs, so sind Zinsen von diesem Zeitpunkt an zu zahlen (§ 29 Abs«, 2 BIG)« Von der letztgenannten Hegel enthält § 92 Abs«, 3 BLG eine Ausnahme für die Fälle der Altrequisition, in denen wie im vorliegenden die Abgeltungsvorschriften des Bundesleistungsgesetzes rückwirkend anzuwenden sind« Danach läuft die Dreimonatsfrist des § 29 Abs«, 2 BLG in diesen Fällen nicht vor dem 1. In Anwendung dieser Bestimmungen gelangt das Jiern£ungs^ goricht zu dem Ergebnis, daß die Beklagte die festgesetzte Ei'satzleistung bereits seit dem 17» April 1956 zu verzinsen habe» Das Berufungsgericht erwägt hierzu: Der Ersatzanspruch gelte na oh -Art o 8 Abs» 3 des Finanzvertrages - Fin Vert -vom 26o Mai 1952 - BGBl 1955 II 581 auf den § 60 Abs» 2 Satz 1 BLG verweise, als im Zeitpunkt der Freigabe durch die Streitkräftc, hier mithin am 16« Januar 1956, entstanden«, Am gleichen Tag sei der Anspruch auch fällig geworden« Denn die Anspruchsentstehung und -fälligkeit falle hier in entsprechender Anwendung des § 271 Abs« 1 BGB zusammen« Da die Festsetzung der Ersatzleistung nicht innerhalb von drei Monaten nach ihrer Fälligkeit erfolgt sei, habe die Klägerin mithin Anspruch auf Verzinsung seit dem 17« April 1956« Dem st ehe § 92 Abs« 3 BLG nicht entgegen, da die Beklagte bis zu dem lo Januar 1957 auf die geschuldete Ersatzleistung keine angemessene Abschlagszahlung geleistet habe» Die bis dahin gezahlten 50»000 DM hätten nur etwa ein Fünftel der der Klägerin zustehenden Ersatzleistung von 249°595?98 Für die Angemessenheit ihrer Zahlung könne sich die Beklagte nicht darauf berufen, daß sie vor dem 1° Januar 1957 keinen Anhalt dafür gehabt habe, daß der Klägerin ein über 1000000 BM hinausgehender Schaden entstanden sei» Die Frage? um in der Lage zu sein, eine angemessene Abschlagszahlung zu leisten» Deshalb sei die AbschlagsZahlung ohne Rücksicht darauf, ob sie auch im Verhältnis zur tatsächlich geschuldeten Ersatzleistung ausreichend sei, im Sinne von § 92 Abs» 3 BIG dann angemessen, wenn der Schuldner bei pfiieht- Das bedeutet, daß nach § 29 Abs« 2 BIG die Verzinsung der nach dem Gesetz geschuldeten Ersatzleistung für die Verschlechterung oder Beschädigung der in Anspruch genommenen Sache in aller Regel drei Monate nach dem Tag der Freigabe der Sache durch den Leiatungsempfänger beginnt o Sinn dieser Bestimmung ist es, den Nachteilen ont-gegenzuwirken, die dem Betroffenen daraus erwachsen können, daß die Ersatzleistung von der zuständigen Behörde erst nach Ablauf der Dreimonatsfrist festgesetzt und dementsprechend auch später ausgozahlt wird» Diesen Schutz gewährt das Gesetz dom Betroffenen nicht nur gegenüber einer schuldhaften Verzögerung des Festsetzungsverfahrens durch den Schuldner der Ersatzleistung oder die Bediensteten der Festsetzungabehörde« Auch wenn die Ersatzleistung wegen der Schwierigkeiten, den Schaden festzustellon, oder aus anderen, dem Schuldner der Ersatzleistung oder den Bediensteten der Festsetzungsbehörde nicht zuzurechnenden Gründen erat nach Ablauf der Dreimonatsfrist festgesetzt werden kann, tritt die Zinsverpflichtung ein« Möglicherweise ist der Schuldner der Ersatzleistung in diesem Zeitpunkt noch außer Stande, der entstehenden Zinsverpflichtung durch entsprechende Abschlagszahlung auf die fällige Ersatzleistung zu begegnen, weil er die Höhe des zu ersetzenden Schadens noch nicht kennt« Das wird aber von dem Gesetz für den Beginn der Verzinsung nicht berücksichtigt« Nur wenn der Gläubiger der Ersatzleistung die Festsetzung selbst schuldhaft verzögert hat, kann er - wie noch ausgeführt wird - den Schuldner auf Zinsen nach § 29 Abs«- 2 BIG nicht in Anspruch nehmen« Kann ein solches Verschulden dos Gläubigers der Ersatzleistung nicht festgestellt werden, so entfällt eine Verzinsung nur dann und insoweit, als der Schuldner vor Ablauf der Dreimonatsfrist ungeachtet der noch Von der Hegel«, dai3 die Verzinsung der Ersatzleistung nach Ablauf der Dreimonatsfrist des § 29 Abs» 2 BLG ohne Rücksicht darauf beginnt, ob der Schuldner bereits in diesem Zeitpunkt in der läge ist, die Höhe der Ersatzleistung auch nur annähernd zu bestimmen und durch entsprechende Abschlagszahlungen den Eintritt der Verzinsung abzuwenden, ist auch in den Fällen der Altrequisition auszugehen, auf die nach § 92 Abs» 1 BIG die Abgeltungsvor-sehrifton dos Bundesleistungsgesetzes rückwirkend anzuwenden sind. Denn nach § 92 Abs«, 1 BLG gilt § 29 Abs«, 2 BIG auch in diesen Fällen mit uneingeschränkter Rückwirkung, soforn bis zu dem Inkrafttreten des Bundeslcistungsgesetzos am lo Januar 1957 von dem Schuldner Zahlungen auf dio Ersatzleistung nicht bewirkt worden sind«, Alsdann beginnt dio Verzinsung der nach dem Bundesleistungsgesetz neuzu-bereehnenden Entschädigung rückwirkend mit dem Ablauf von drei Monaten nach der Freigabe der beschlagnahmten Bache ohne Rücksicht darauf, ob das Unterbleiben einer Abschlagszahlung von dem Schuldner zu vertreten war oder nicht. Hur sofern bis zu dem Inkrafttreten des Bundos1oistungs-gesetzes eine angemessene Abschlagszahlung geleistet worden ist, soll die Bestimmung des § 29 Abs» 2 BLG für die Zeit vor dem 1» Januar 1957 keine rückwirkende Anwendung finden (§92 Abs» 3 BLG)o Diese Regelung soll ersichtlich dem Umstand Rechnung tragen, daß bis dahin für Altrequisitionen die Ersatzleistung nicht nach dem Bundesleistungagesetz festgesetzt worden ist und festgesetzt werden konnte, so daß in all diesen Fällen eine Neufestsetzung nach Maßgabe des Bundesleistungsgesetzcs erforderlich wurde» Das hätte ohne die Einschränkung des § 92 Abs» 3 BIG zur Folge gehabt; Sowohl in den zahlreichen Fällen, in denen nach dem neuen Hecht eine höhere Ersatzleistung neu festzusetzen war, als auch dann, wenn bereits vor Inkrafttreten des Bundesleistungsgesetzes eine auch nach dem neuen Hecht angemessene Ersatzleistung festgesetzt und bewirkt worden war, wäre eine Verzinsung dieser Ersatzleistung für die Zeit bis zu ihrer Bewirkung in Betracht gekommen, obwohl der Geschädigte nach dem bisherigen Hecht auf eine solche Verzinsung keinen Anspruch hatte» Dieser von dem Gesetz als unzu demutbar empfundenen Belastung der beklagten Bundesrepublik sollte § 92 Abs» 3 BIG entgegenwirken» Es kann dahinstehen, ob von der Rückwirkung des § 29 Abs» 2 BIG nur diejenigen Fälle ausgeschlossen werden sollten, in denen bis zu dem 1« Januar 1957 ein Betrag .gezahlt worden ist, welcher der Entschädigung nach dem neuen Rocht im wesentlichen entspricht, oder ob, wie das Berufungsgericht meint, dem Begriff der "Abschlagszahlung" die Bedeutung beigelegt werden kann, daß auch ein erheblich geringerer Betrag, möglicherweise bereits die Hälfte der dem Betroffenen nach dem neuen Hecht zustehenden Ersatzleistung als "angemessene AbschlagsZahlung" angesehen werden kann, (so auch Nr. 7 Abs.3 der Hichtlinien des Bundesfinanzministeriums für die Bemessung der Entschädigung nach dem BIG - MinBIFin 1958, 189; Baueh-Danckelmann-Kerst BIG :2. Dem Gesetz kann nicht entnommen werden, daß für die Angemessenheit der Abschlagszahlung darüberhinaus auch der Umstand von Bedeutung sein sollte, wie die Beklagte den Umfang ihrer Leistungspflicht beurteilen konnte« Dem steht schon entgegen, daß der Betrag, der nach dem Bundosloistungj gosetz von der Beklagten zu leisten war, vor Inkrafttreten des Gesetzes gar nicht vorausberechnet werden konnte. Bs würde ferner eine Ausnahme von den sonstigen, die Verzinsung der Ersatzforderung betreffenden Regeln, wie sie oben näher erläutert worden sind, darsteilen, wenn in diesem Fall auch die Zumutbarkeit der Leistung für den Beginn der Verzinsung von Einfluß sein soll» Wenn der Gesetzgeber eine solche Ausnahmeregelung beabsichtigt hätte, so hätte das in der Vorschrift des § 92 Abs« 3 BLG deutlicher zu dem Ausdruck kommen müssen» Sa ist deshalb aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, wenn das Berufungsgericht auf dieser Grundlage die im vorliegenden Fall bis zu dem 1» Januar 1957 erfolgte Abschlagszahlung von 50.000 DM nicht als angemessen angesehen hat. 4* Zutreffend ist auch die Ansicht des Berufungsgerichts, daß die Ersatzleistung auch nach Ablauf der Breimonatsfrist des § 29 Abs« 2 BIG nicht zu verzinsen ist, soweit der Ersatzberechtigte die Bestsetzung der Leistung schuldhaft verzögerte 'Die Bestimmung des § 29 Abs» 1 Satz 2 BIG, nach welcher die in § 29 Abs» 1 Satz 1 BLG geregelte Verzinsung nicht eintritt, soweit den Berechtigten ein Verschulden an der Verzögerung trifft, gilt auch für die Bälle des § 29 Absc 2 BLGc Denn Abs. 2 ergänzt lediglich die in Abs» 1 Satz 1 aufgestellte Hegel hinsichtlich des Beginns der Verzinsung, «ändert im übrigen aber nichts an der Anwendbarkeit der Bestimmungen des Abs., 1» Das gilt insbesondere auch für die Vorschrift des § 29 Abs* 1 Satz 2 BLG, die nur den allgemeinen, auf dem Grundsatz von Treu und Glauben beruhenden und auch auf § 29 Abs* 2 BLG zutreffenden Hechtsgedanken zu dem Ausdruck bringt, daß der Berechtigte die gesetzlichen Zinsen insoweit nicht beanspruchen kann, als die Voraussetzungen, die zu ihrer Gewährung führen, infolge seiner eigenen Nachlässigkeit nicht eingetreten sind (Bauch-Danckeimann-Kerst BLG 2» Auflo § 29 Anm* 7; Rundschreiben des Bundesministers der Finanzen vom 4c Juni 1965 Nr«. ein Verschulden der Klägerin an der späten Einreichung prüfungsfähiger Unterlagen bei der Anmeldungs.behörde als nicht nachgewiesen erachtet, lassen einen Hechtsfehler nicht erkennen* Soweit die Revision in diesem Zusammenhang auf den Vortrag der Beklagten im Schriftsatz vom 9» Januar 1968 hinweist und damit etwa zu dem Ausdruck bringen will, daß das 5o Zu Recht ist deshalb das Berufungsgericht zu dem Ergebnis gelangt, daß die Klägerin nach §§ 29 Abs» 2, 92 Abs» 1 BLG eine Verzinsung der rechtskräftig festgesetzten Ersatzleistung von dem Zeitpunkt ab verlangen kann, zu dem die Breimonatsfrist des § 29 Abs» 2 BEG verstrichen war» Februar 1956 begründet sei, so liegt insoweit ersichtlich nur ein Schreibfehler vor» Benn das Berufungsgericht hebt ausdrücklich hervor, daß die Verzinsung der für das Wohngebäude geschuldeten Ersatzleistung später als für die bezüglich dos Fabrikgrundstücks geschuldete beginne, also erst nach dem 17» April 1956 und hat ersichtlich auch- seine Berechnung auf diesen späteren Zeitpunkt abgestollt» Da das Berufungsurteil auch sonst einen Rechtsfehlor zu dem Nachteil der Beklagten nicht erkennen läßt, erweist sich die Revision damit als unbegründet und muß mit der Kos tonfolge aus § 97 Abs, 1 ZPO zurückgewiesen werden«,