BGH · III ZR 84/68
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Straße in einer Breite von etwa 3?5 m quer über die straßenabgckehrten Enden der Grundstücke vom öffentlichen Weg "StflHBH»” bis auf das Grundstück Nr» dos Antragstellers Dr» ZflBl führen sollo Die Grundstücke Nr» A und Nr« WB liegen außerhalb des aus der Zeichnung ersichtlichen Burchführungsge-biots» Im Erläuterungsbericht heißt ess stück des Antragsgegners R^Hf^BP von dem geplanten Ge-mcinschaftsv/eg abgcschnittcn werden, haben bei dem Innenminister des Iandes Schleswig-Holstein als Enteignungsbehörde beantragt, im Wege der Enteignung das Grundstück des Antragsgegners mit einem - als Grunddienstbarkeit einzutragenden - Wegerecht zu belasten, das es ihnen,ihren Lieferanten und Besuchern gestattet, auf einem Streifen von 5?5 m Breite an der Hordseite des Grundstücks zu fahren, zu gehen, zu reiten und Vieh zu treiben, und sie - gegebenenfalls gegen eine festzusetzende monatliche Entschädigung - zu berechtigen, den Intercssentenweg über das Grundstück des Antragsgegners sofort in Benutzung zu nehneno Die Enteignungsbehörde hat mit Beschluß vom 10o Juni 1965 - zugestellt am 24» Juni 1965 - den Antrag zurückgewiesen» Auf die Berufung des Antragsgegners HflBBP hat das Berufungsgericht mit Urteil vom 18» Juli 1966 das vorangegangene Urteil aufgehoben und den Enteignungsantrag zurückgewieseno Auf die Revision des Antrag- steiler0 Br« ZHM hat der Bundesgerichtshof mit Urteil von 26o Juni 1967 - III ZR 167/66 - das Berufungsurtoil aufgehoben und die Sache zur ander-weiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen« Im erneuerten Berufungsrechtszug hat der Antragsteller Dr, ZBi; der sich der Berufung angeschlossen hat, beantragte die Berufung des Antragsgegners RflBIB zurückzuweisen mit der Maßgabe, daß dieser verurteilt werde, die Anlegung und Unterhaltung des vorgesehenen Interessentenweges zu dulden,und in Ausführung dieses Planes stück ein Wegerecht für die jeweiligen Eigentümer der Grundstücke Hr« A und WB des Inhalts einzutragen habe, daß die Eigentümer dieser Grundstücke sowie deren Lieferanten und Besucher berechtigt seien, auf dem Interessent cnweg bis zu dem über das be- b) ongeordnet werde, daß die Eigentümer der drei berechtigten Grundstücke, gegebenenfalls gegen eine von Gericht festzusetzende monatliche Entschädigung, berechtigt seien, den Inter cssentenweg über das Grundstück des Antragsgegners sofort in Benutzung zu nehmen« Mit Urteil vom 22« Januar 1968 hat das Berufungsgericht wiederum das Urteil der Kammer für Baulandsachen aufgehoben und den Enteignungsantrag abgewiesen« lo Das Berufungsgericht hat schon in seinem ersten Urteil das Vorliogen eines verbindlichen Bebauungsplans und damit die Voraussetzungen der Zulässigkeit einer Enteignung nach § 85 Abs0 1 Nr« 1 BBauG sowie die An-tragobercchtigung des Antragstellers Dr0 ZflBP bejaht; eo hat nach erneuter Prüfung hieran in dem nunmehr angefochtenen Ux'teil featgohalteno Eines näheren Eingehens hierauf bedarf es nicht• Der erkennende Senat hat in seinen Urteil vom 260 Juni 1967 - III SB 167/66 -(Urtoilsausfertigung So 6-8) die Auffassung des Berufungsgerichts - gegenüber den auch im Bevisionsrechts-zug vorgetragenen Bedenken des Antragsgegners BflHHB * gebilligto Umständep die eine erneute Prüfung oder eine andere Beurteilung rechtfertigen könnten, sind weder in der erneuerten Verhandlung vor dem Berufungsgericht p noch in der mündlichen Verhandlung vor dem erkennenden Senat hervorgetreten• Das gleiche gilt hinsichtlich der Voraussetzungen einer Enteignung nach § 87 AbSo 2 BBauGj die der Senat ebenfalls in seinem Urteil von 26o Juni 1967 (Urtoilsausfertigung So 8,9) bereits behandelt hat» führt: Die Vorschrift mache die Enteignung im einzelnen Palle , selbst wenn ein gesetzlich gebilligter Ent— cignungosweck (§85 BBauG) vorliegc, von weiteren materiellen Voraussetzungen zugunsten des Betroffenen abhängig, die in jeden Palle der Prüfung und Feststellung bedürften» Der verbindliche Bebauungsplan könne nicht in einzelnen Enteignungover fahren auf seine Zweckmäßigkeit hin geprüft werden; seine einzelnen Festsetzungen seien für die Entscheidung als bindend hinzunehmen» Jedoch bleibe zu prüfen, ob das Wohl der Allgemeinheit es erfordere, die Festsetzungen des Bebauungsplans für ein bestirntes (das betroffene) Grundstück nunmehr zu dieser Zeit dadurch zu verwirklichen, daß das Eigentum in einer den Plan entsprechenden Weise belastet werde» Anschließend hat der Senat in seinem ersten Urteil (Urteilsausfertigung S» 13, 14) - unter Hinweis auf das Urteil von 22» Harz 1965 - III ZE 55/64 - ausgeführt: Die Enteignung sei zwar nach § 87 BBauG im einzelnen Fall nur zulässig, v/enn das Wohl der Allgemeinheit sie erfordere; sie müsse also im Interesse des Gesamtwohls, bei den auch die geschützte Hechtsstellung des Eigentümers zu bedenken sei, notwendig sein» Ein besonders hohes Naß der Notwendigkeit werde aber nicht verlangt» Erwägungen vorangestellt und sich bemüht* ihnen bei der tatsächlichen Aufklärung und bei der rechtlichen Würdigung Rechnung zu tragen« Es hat dementsprechend auch die - in seinem ersten Urteil ausgeklammerten - Gesichtspunkte des Feuerschutzesp der Versorgung und Entsorgung (Müllabfuhr) sowie der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf der Schö^BIHB^ Straße berücksichtigte Gleichwohl lassen - wie die Revision zutreffend rügt -die Entscheidungsgründe des Berufungsurteils erkennen* daß das Berufungsgericht sich nicht von der Erwägung freigemacht hat* es gehe hier eigentlich um die Interessen der drei Anlieger* die durch das Grundstück des Antragsgegners RBBIB von dem geplanten Interessentenweg abgeschnitten werden* nämlich die Interessen des Antragstellers Br» ZflB sowie der Eigentümer der Grundstücke Kr» B und B (PBIBBIB Erben und RoB^BBO* Bas wird deutlich durch die Ausführungen des Berufungs-Urteils (Urtcilsausfertigung So 14? da das System der wegox^echtlichen Belastungen von Grundstück zu Grundstück dünner werden solle* blieben als Berechtigte für den Weg über das Grundstück des Antragsgegners RBBHR nur die Eigentümer der Grundstücke Nr* B bis Nr* B? Es ist grundsätzlich Sache der Planer und des örtlichen Gesetzgebers, der die Bebauungspläne als Satzung beschließt3 bei der Planung die öffentlichen und die privaten Belange gegeneinander abzuwügen und im Bahmen des ihnen zustehenden Planungoermessens und der ihnen zukommenden Verantwortung die einzelnen Festsetzungen des Bebauungsplanes zu troffen» Nur wenn die Planer bei der Abwägung des Für und Wider ihr Ermessen mißbraucht oder überhaupt keine Abwägung vorgenommen, offensichtlich gefehlt und rechtswidrig gehandelt haben, kann der mit dem Enteignungsverfahren befaßte Baulandrichter ein-greifen» Soweit er dagegen den Bebauungsplan nicht überprüfen kann, hat er die einzelnen in ihm enthaltenen Festsetzungen, die Beurteilung ihrer Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit, so wie sie von dem Planer und dem Ortsgesetzgeber angestellt ist, hinzunehmen und hat im Bahnen des § 87 BBauG nurmehr zu prüfen, ob das Wohl der Allgemeinheit es erfordert, diese Festsetzungen für ein bestimmtes Grundstück oder Vorhaben dadurch im jetzigen Zeitjjunkt zu verwirklichen, daß das Eigentum des sich gegen die Enteignung wendenden Antragstellers vollenteignet oder belastet wird» Palls nicht die eben aufgezeigten besonderen Umstände, Ermessensmißbrauch und anderes, gegeben sind, hat der Baulandrichter in sachlicher Hinsicht nur zu prüfen, ob die Enteignung zur Durchführung des Bebauungsplanes im Interesse des allgemeinen Wohles (jetzt) notwendig ist, nicht dagegen, ob der Bebauungsplan dem allgemeinen Wohl entspricht o 4» Gründej die hier die Verbindlichkeit des Bebauungsplans in Präge stellen oder eine Überprüfung durch das Gericht rechtfei'tigen konnten;, sind nicht hervorgetreten o Bas Berufungsgericht selbst ist davon ausgegangen3 daß die Yteiterführung des Gemoinschaftsv/eges über das Grundstück des Antragsgegners KflHHB hinaus 9 do ho die Durchführung der Planung 9 in gev/iosen Grenzen einen Ge-v/inn für die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf der SchöflMHBI^ Straße verspreche (Urteilsausfertigung So 20)5Y/enn ec diesen Brfolg auch nur gering ein-schätzt (Urteilsausfertigung S» 19)»Die Erleichterung des Verkehrs auf der SchbflHHÜV Straße 9 der - auch nach der Auffassung des Berufungsgerichts (Urteilsausfertigung So 18) - trotz der zu erwartenden Entlastung nach Fertigstellung der SchflHIHP~-Brücke nicht unerheblich bleiben und möglicherv/eise in Zukunft noch an-v/achsen v;ird9 ist der Yre sent liehe,, aus dem Erläutcrungo-bericht ersichtliche Zweck des Durchführungsplans Nr» 5° Dio gründliche tatsächliche Aufklärung durch das Berufungsgericht hat einen Gesichtspunkt, der entscheidend zugunsten des Antragsgegnero Bflü oder auch nur dafür sprechen könnte, daß eine Enteignung ^etzt noch nicht geboten sei, nicht aufgezeigto Demgegenüber stehen beträchtliche Belange des allgemeinen Y/ohlSp selbst wenn nach den Feststellungen des Berufungsgerichts eine Erleichterung des Feuerschutzes oder der Müllabfuhr nicht in Betracht kommto Es liegt - angesichts der unangefochtenen Feststellungen des Berufungsgerichts übei’ Verkehr und Lage auf der Schö^BP-BHM Straße - unzweifelhaft im Sinne des Wohls der Allgemeinheit, wenn durch eine rückwärtige Anfahrtsmog-licbkcit für die Häuser Nr» iP bis Nr«. Denn abgesehen davon* daß sich die Verhältnisse in den drei letzten Häusern ändern können, kommt es nicht darauf an, welche Wirkung von der "Weiterfüh-rung” des Weges zu erwarten ist; cs ist vielmehr entscheidend, ob das Öffentliche Wohl die Durchführung der Planfcotootzung im ganzen, doh« die Anlegung des Inter-csscntcnweges zur Entlastung der Straße, erfordert» Danach sind alle Anliogergrundstüekc, die an dem Interessentenweg teilhaben sollen, in gleicher Weise zu bedenken und es kann nicht darauf ankommen, daß der Interessentenweg gegen sein Ende hin von weniger- Pahrzeugen beansprucht worden wird als an seinem Anfang» Bei richtiger PrägeStellung ist nicht daran zu zweifeln, daß die Durchführung der Planung im öffentlichen Interesse geboten ist» 60 Danach sind die Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Enteignung im Wege der Belastung des Eigentums, wie im Durchführungsplan Nr» 253 vorgesehen, gegeben (§§ 87, 92 BBauG)»