BGH · III ZR 77/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
während die Staatsstraße selbst in einem Bogen von etwa ■ 120 Grad nach rechts in Richtung BoflHHB weiterführt9 wobei sie von der Gabelung an ein Gefälle von etwa 6# hat« Beide Straßen weisen nach der Gabelung etwa gleiche Breite und gleiche Oberflächenbeschaffenheit auf« In der Fahrt' riehtung des Klägers war auf der Staatsstraße ab und zu einmal das die Vorfahrt begründende Verkehrszeichen nach Bild 52 der Anlage zur StVO angebracht, zuletzt etwa 400 m vor der «abelung. Der Kläger verlangt den ihm angeblich entstandenen Sachschaden in Hohe von 1*194*75 DM nebst Zinsen ersetzt and hat vorgeti’agen: Er habe angesichts der mäßigen Geschwindigkeit, mit der der Lastkraftwagen herangekommen sei, angenommen und auch annehmen dürfen, der Fahrer desselben werde ihm die Vorfahrt lassen* Ler Unfall habe sich nur ereignet, weil die Verkehrszeichen irreführend gewesen .seien«, Für den Lastkraftwagen sei die Straße als Vorfahrtsstraße gekennzeichnet gewesen, aber auch für ihn, den Kläger selbst» &s hätte entweder ein zusätzliches Hinweisschild angebracht sein müssen, daß es sich um eine sogenannte ‘'abknickende Vorfahrt“ handle, oder es hätte auf der rechten Seite der Staatsstraße - in Fahrtrichtung des Klägers gesehen - kurz vor dem Zusammentreffen mit der Kreisstraße das Verkehrszeichen "Vorfahrt- achten" nach Bild 30 der Anlage zur Straßenverkehrsordnung vorhanden sein müssen« Dem Berufungsgericht kann jedoch nicht in der Annahme gefolgt werden, daß die Verkehrsverhältnisse an der Unfallstelle weder für einen aus der Richtung noch für einen aus der Richtung sich nähernden Verkehrsteilnehmer irreführend gewiesen seien* Die Regelung an der Unfallstelle sollte nach dem Willen der Straßen* Verkehrsbehörde dahin gehen, daß dem Verkehr auf der Staatsstraße gegenüber dem auf der Kreisstraße von Bad SflHB kommenden und auch gegenüber dem auf der Staatsstraße von kommenden und gradeäus auf die Kreisstraße in Richtung Bad SfliB sich bewegenden Verkehr die Vorfahrt zustehen sollte* Eine derartige Regelung konnte zwar - wie die VorInstanzen mit Recht entgegen der vom Kläger zunächst vertretenen Auffassung ausgeführt haben - damals noch nicht in der *'eise getroffen werden,, wie sie nunmehr durch § 13 Abs» 2 Satz 3 StVO (eingefügt durch VO vom 29« Dezember I960 - BGBl 1961 I So 8) ermöglicht worden ist, daß nämlich zwei an einer Kreuzung oder Einmündung aufeinander stoßende ötraßenteile entgegen ihrem natürlichen Verlauf durch Vorfahrt regelnde Zeichen mit Zusatztafeln (Bild 52 a der Anlage zur StVO) zu einem bevorrechtigten Straßenzug zusammengefaßt werden (sog* abknickende Vorfahrt)* Denn weit erfahren wollte, durch das vor der Einmündung stehende Verkehrszeichen (Bild 30) eindeutig und.klar erkennbar gemacht, daß er die ^erfahrt des auf der Staatsstraße sich bewegendcnVerkehrs zu achten habe» Ebenso war dem aus Richtung üoHB kommenden Verkehrsteilnehmer durch das Verkehrszeichen nach Bild 52 eindeutig die Vorfahrt gevfährt, und zwar nicht nur gegenüber dem von rechts aus Richtung Bad herankommenden Verkehrsteilnehmer, sondern auch gegenüber dem von links aus Dichtung Gl sich nähernden und geradeaus in Richtung Bad Sf weiter fahrenden Verkehrsteilnehmer„ Indes war für den Letztgenannten - nämlich den, der, wie der Kläger;, aus Richtung GB^HHi^kam un^ Richtung Bad wei- ter fahren wollte- bei der gegebenen Verkehrslage keineswegs, wie das -Berufungsgericht meint, ohne weiteres und rechtzeitig erkennbar, daß ihm gegenüber der von rechts auf der Staatsstraße aus Richtung Bo^BIHftkommende Verkehrsteilnehmer vorfahrt sbosüchtigtwar: In der Entscheidung des VIo Zivilsenats vom 290 Juni I960 (MJY/ I960, 2097 = LM § 13 StVO Sr« 18) ist dies wsr ausdrücklich nur für ßundesstraßen ausgesprochen worden«, Die Begründung dieser Entscheidung aber läßt keinen Zweifel daran, daß das Gesagte für alle "Vorfahrtstraßen” gelten solle Vorfahrt straßen aber sind gemäß § 13 Abs* 2 StVO nicht allein die als .Bundesstraßen gemäß dem Nummernschild nach Bild 44, sondern auch alle durch das Zeichen für VorfahrtStraßen y nach Bild 52 gekönnzeichneten.Straßene Es ist kein innerer Grund vorhanden, der insoweit eine unterschiedliche Beurteilung bei Bundesstraßen einerseits und bei den durch Bild 52 gekennzeichneten Vorfahrtstraßen andererseits recht-fertigen könnte«, Davon, daß außerhalb geschlossener Ortschaften eine nur hin und wieder erfolgte Kennzeichnung einer Straße als Vorfahrtstraße durch ein Verkehrszeichen nach Bild 52 genügt$ um ihr auch an nicht besonders gekennzeichneten Kreuzungen und Einmündungen den Charakter als Vorfahrtstraße zu verleihen, mußte die Sträßenverkehrsbe-hörde insbesondere deswegen ausgehen, weil dies in der von ihr zu beachtenden Anlage zur Straßenverkehrsordnung unter III Abs» 5 ausdrücklich hervorgehoben war«, Hiervon ausgehend war die Verkehrslage an der Unfallstelle keineswegs eindeutig und klar in dem Sinne, wie der Beklagte meinte Denn nach dem Tatbestand des Berufungsurteils war auf der Staatsstraße ab '»eroldsgrün "ab und zu einmal das die Vorfahrt begründende Verkehrszeichen nach Bild 52 der Anlage zur Straßenverkehrsordnung angebracht, zuletzt etwa 400 m vor der Gabelung”o Die vom Kläger bexahrene Straße war mithin ab hin und wieder gekennzeichnet, so daß nach den genannten Grundsätzen dem auf ihr sich bewegenden Verkehr die vorfahrt grundsätzlich auch an solchen Kreuzungen und Einmündungen zustand, die nicht besonders gekennzeichnet warer>® Mithin konnte der von kommende Ver- Babel sei hier mit Rücksicht darauf, daß die Ausführungen auf Seite 8/9 des Berufungsurteils die Annahme naheiegen, das Berufungsgericht gehe insoweit von einer unzutreffenden Auffassung aus, bemerkt: Der Umstand, daß es hier nicht die Staatsstraße ist, die in der bisherigen Richtung nach Bad weit erführt, diese vielmehr nach rechts in Richtung "abknickt", ist in dem zur Erörterung stehenden Zusammenhang nicht tntscheidungser-heblicho Denn für den Verkehr kommt der Einstufung der Straßen (Staats-Kreis-Orts-Verbandstraßenj usv/i keine unmittelbare Bedeutung zu, und selbst Bundesstraßen sind nicht ohne weiteres Vorfahrtstraßen, sondern nur dann« wenn sie durch ein Bundesstraßennummernschild (Bild 44) der Anlage zur Straßenverkehrsordnung) als solche besonders gekennzeichnet sind» Es kommt vielmehr ganz unabhängig von der Einstufung der Straßen entscheidend allein auf die verkehrsmäßige Situation an, wie sie sich dem Verkehrsteilnehmer darbieteto Angesichts dessen, daß Ito Tatbestand des Berufungsurteils Staats- und Kreisstraße "etwa gleich . der Kreisstraße sich der "Gabelung" nähernden Verkehr durch entsprechendes Verkehrszeichen eingeräumt wars für den von weiteres erkennbar und die Beschilderung insgesamt insoweit irreführende Die Verkehrsbehörde aber hat - wie der Senat wiederholt betont hat (vgl«, u.a« das oben in anderem Zusammenhang bereits erwähnte Urteil vom 18«Oktober 1962 in VcrsR 1963? Nach der Anlage zur Straßenverkehrsordnung (III AbSo5) ist bei einer ^orfahx'tsregglung^^ durch Verkehrszeichen an Einmündungen von Sti’aßen/für die Benutzer der einmündenden Straße - und nicht für die Gera-deausfahrer - die «art epflicht anzuordnen, Hier bot sich nach der örtlichen Situation, insbesondere nach der Straßenbeschaffenheit , für den Verkehrsteilnehmer der abknickende Teil der Staatsstraße als "Einmündung" in die - an der ün~ fallstelle gerade verlaufende - Straße - Bad dar, so daß es der in der Anlage zur Straßenverkehrsordnung aufgestellten Hegel entsprochen hätte, wenn nicht für die von GflHHHB sondern für den von tlo^BP kommenden Verkehrsteilnehmer die Wartepflicht angeordnet wor-den wäre« Es muß nach alledem eine Amtspflichtverletzung der zuständigen Beamten der ötraßenvei'kehrsbehorde darin gesehen werden, daß sie durch entsprechende Beschilderung dem von BoflBB» der ünfallstelle sich nähernden Verkehr die Vorfahrt eingeräumt haben, ohne gleichzeitig auch dem von links von auf der Staatsstraße herankormnenden Geradeausfahrer (in Eichtung Bad SflHM die Vorfahrt zu nehmeno Y/o an einzelnen Kreuzungen oder Einmündungen von Vorfahrtstreßen mit nicht bevorrechtigten Straßen darüber? Andererseits ist auch eine abschließende Entscheidung im Sinne der Klage noch nicht möglich, und zwar steht dem nicht nur ebenfalls die Ungeklärtheit der Frage anderweiter Ersatzmöglichkeiten«, sondern ferner noch entgegen«, daß der bisher festgestellte Sachverhalt noch keine abechlies-* sende Entscheidung in der i'rage der schuldhaften Mitverursachung des Unfalls durch den Kläger zuläßt« Zur Frage der schuldhaften Mitverursachung des Unfalls durch den Kläger sei für den Fall daß es darauf für die Künftige Entscheidung des Berufungsgerichts ankommen sollte, bereits ;jetzt bemerkt* daß ein Verschulden u„a* in folgender Hinsicht in BetiQchb zu ziehen ist; Wenn es auch* wie oben dargelegt, außerhalb geschlossener Ortschaften genügt, eine Vorfahrtstraße als solche nur hin und wieder zu kennzeichnen, so sind doch an Kreuzungen und Einmündungen von Straßen, die nach ihrer äußeren -beschaffenheit der Vorfahrtstraße auch nur in etwa gleichen, erfahrungsgemäß Vorfahrt regelnde Verkehrszeichen vorhandene Dem Kläger hätte deshalb das fehlen eines besonderen Verkehrszeichens auf der Staatsstraße vor der Unfallstelle auffallen müssen und er hätte nicht einfach auf sein vermeintliches Vorfahrtorecht vertrauen dürfen, sondern die Fahrweise des von ihm rechtzeitig wahrgenommenen Lastkraftwagens aufmerksam beobachten müssen, um selbst für den Fall,, daß dieser ihm nicht die Vorfahrt einräumen würde, Herr der Situation zu bleiben und einen Zusammenstoß zu ver-meideno Dr<> Pagendarm Dr* Kraft Br <> Arndt Dr» Beyer Keßler