BGH · III ZR 76/94 vom 20.10.1994
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter Dr. Rinne und die Richter Dr. Wurm, Dr. Deppert, Streck und Schlick am 20. Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 15. In revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise geht das Berufungsgericht unter Zugrundelegung der Grund-Sätze über das Schweigen auf ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben davon aus, daß dem Kläger, einem internatio-nalen Unternehmensberater, Verkaufstrainer und Kongreßredner, für die Durchführung von drei "Intensiv-Verkaufstraining- Seminare" für Nageldesigner in Düsseldorf, Hamburg und München ein Honorar von jeweils 20.000 DM nebst Mehrwertsteuer zusteht. 1. Die Revision wendet sich vor allem gegen die Ausführungen des Berufungsgerichts zur (entbehrlichen) Schriftform der vertraglichen Vereinbarungen zwischen den Parteien. Eine Schriftformklausel steht der Wirksamkeit mündlich getroffener Individualabreden, die nach § 4 AGBG Vorrang genießen, nicht entgegen (BGH Urteil vom 15. Dabei ist es entgegen der Auffassung der Revision auch belanglos, ob die die Schriftformklausel enthaltenden BDVT-AGB bereits vor oder erst bei Abschluß des (bestätigten) "Seminar-Vertrags" zur Grundlage der RechtsZiehungen der Parteien gemacht wurden: Eine solche Klausel kann auch durch eine nachträgliche mündliche Abrede außer Kraft gesetzt werden (Ulmer/Brand-ner/Hensen aaO Rn. 13; vgl. Es geht auch, anders als die Revision meint, nicht um die Frage, ob das Vorrangprinzip des § 4 AGBG auch bei einseitigen individuellen Rechtshandlungen Anwendung finden kann. Soweit also ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben einen mündlich geschlossenen Vertrag "individuell" zusammenfaßt, steht der Wirksamkeit dieser als Individualabrede im Sinne des § 4 AGBG zu wertenden Zusammenfassung eine formularmäßige Schriftformklausel nicht entgegen (Ulmer/Brandner/Hensen aaO Rn. 51 a.E.; Dabei kann sich der Vorrang der speziellen (mündlichen) vertraglichen Abrede gegenüber einer AGB-BeStimmung auch zugunsten des Verwenders auswirken (BGH Urteil vom 22. Aus den von der Revision in diesem Zusammenhang zitierten Entscheidungen des Bundesgerichtshofs ergibt sich im übrigen nichts anderes, insbesondere auch nicht aus dem Urteil vom 28. September 1970 (VIII ZR 164/68, NJW 1970, 2104), wo der Empfänger des Bestätigungsschreibens den Vertragsschluß ausdrücklich von seiner schriftlichen Annahmeerklärung abhängig gemacht hat.