BGH · III ZR 74/64 vom 14.01.1965
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April 1957 einen gemeinschaftlichen Erbschein ausgestellt, der die Brüder A£p, d.h. den Ehemann der Klägerin und den Beklagten, als Erben des am 19* November 1945 verstorbenen Fritz A^|^ sen. zu je 1/2 ausweist; die gegen den Beschluß des Landgerichts vom Beklagten eingelegte weitere Beschwerde hat das Oberlandesgericht Köln durch Beschluß vom 3» Juni I960 zurückgewiesen. April 1956 (20 9/56) war inzwischen auf Antrag der Klägerin dem Beklagten untersagt worden, bei Vermeidung einer Geld- oder Haftstrafe über den Nachlaß des Fritz sen. v/erden könne, sei nach der gesetzlichen Regelung des Ver-schollenheitsrechts der 31- Dezember 1945 maßgebende Ihr Ehemann habe demnach seinen Vater überlebt und zusammen mit den Beklagten zu je 1/2 beerbt. Die Klägerin hat ursprünglich beantragt, festzustellen, daß der Beklagte nicht Alleinerbe nach seinem am 19« November 1945 verstorbenen Vater sei. Oktober 1957 an das Standesamt seien als Beweismittel für den nach diesen Auskünften erfolgten Tod des Friedrich Wilhelm in der Zeit vom 7» bis 15. A^Jp im Jahre 1923 in der Schweiz einen Unfall erlitten, wobei er sich den rechten Arm derart gebrochen habe, daß er das Ellenbo-gcngelenk nicht mehr ganz habe strecken können und bei maximaler Streckung ein Knochen an der Innenseite des rechten Ellenbogengelenks hervorgetreten sei. zu je 1/2 Erben nach dem am 19o November 1945 verstorbenen Vater des Beklagten Pritz A^^ sen« sindo Sie hat ergänzend darauf hingewiesens Der Beklagte gebe nunmehr eine DarstellungP die im krassen Widerspruch zu dem stehe, was er früher vorgetragen habe« Der Beklagte habe schon mehrfach in den früheren Jahren und Verfahren seine Behauptungen über den Zeitpunkt und Ort sowie die Art des lodes seines Bruders, die er jeweils durch Zeugenaussagen und auch eidesstattliche Versicherungen erhärtet habe, geändert« Deshalb müsse an die ihn' obliegende Beweisführung ein strenger Maßstab angelegt werden« Die Aussagen der Frau und des Totengräbers seien nicht geeignet, den Tod ihres Ehemannes arn 13» April 1945 zweifelsfrei zu beweisen und damit die Vernutung des § 9 Verschollenheitsgesetz zu widerlegen. Die Todeserklärung des Ehemannes der Klägerin mit dem auf den 31- Dezember 1945 festgesetzten Zeitpunkt des Todes (entsprechend Arto 2 § 2 Abs«, 5 des Änderungsgesetzes vom 15« Januar 1951 - BGBl I, 59 - zu dem Verschollenheitsgesetz vom 4» Juli 1959 (VerschGes) - RGBl I, 1186) begründe nach der Vorschrift des § 9 Abs«, 1 VerschGes, die nach § 8 des Änderungsgesetzes auch für die Fälle der Kriegsverschollenheit 1959/1945 gelte, die nach § 292 ZPO widerlegbare gesetzliche Vermutung, daß der Verschollene in den im Todeserklärungs-Beschluß festgestellten Zeitpunkt gestorben sei (und also bis zu diesem Zeitpunkt gelebt hat - vglo Arnold, Vcrschollenheitsrecht 1951 zu § 9 VerschGes Anno 4 unter 2)o Deshalb habe der Beklagte für seine Behauptung, der auf den 31° Dezember 1945 festgestelltc Zeitpunkt des Todes seines Bruders sei unrichtig, dieser sei vielmehr schon vorher, jedenfalls an 13o April 1945, gestorben, den vollen Beweis zu erbringen; doh. Für diesen den Beklagten obliegenden und von ihm auch angetrotenen Beweis gelte die allgemeine Regel der freien Beweiswürdigung des § 286 ZPO» Dieser Beweis könne vom Beklagten direkt und indirekt, also auch auf Grund von Indizien, geführt werden, so daß im vorliegenden Fall alle irgendwie hervortretenden Indizien auf ihre Eignung zu überprüfen seien, einzeln oder in Verbindung mit anderen einen vor dem 31» Dezember 1945 liegenden Todeszeitpunkt zu beweisen«, In einzelnen rügt die Revision in erster Linie, daß das Berufungsgericht verfahrenswidrig nicht ein erbbiologisches Gutachten eingeholt habe, obwohl nach der beigezogenen gutachtlichen Äußerung des Sachverständigen Prof» Dr„ mit Hilfe der bei der Exhumierung der auf dem Friedhof Stössing bestatteten sechs Soldaten sichergestellten Knochenteile eine Identifizierung des "unbekannten Soldaten" als Friedrich Wilhelm Amöglich sei» Die erstere hält er für möglich auf Grund des behaupteten "linken vorderen Schneidezahns mit Goldrand" bei Friedrich Wilhelm A^^, wenn der entsprechende Oberkiefer sichergestellt und nachgewiesen sei, insbesondere durch eine "dokumentierte Zahnbehandlung", daß Friedrich Wilhelm A^pp tatsächlich ein gleiches Merkmal am Gebiß gehabt habe, sowie ferner auf Grund der behaupteten Abnormität des rechnen Armes von Friedrich Wilhelm Arndt infolge des behaupteten Arm-bruchs,“ wenn Einzelheiten des behaupteten früheren Unfalls bekannt sowie Röntgenaufnahmen oder das Krankenblatt von der damaligen Behandlung des Arnes vorhanden wären. Demgegenüber hat das Oberlandesgericht offengelassen, ob Friedrich Wilhelm A^^ entsprechend den Behauptungen des Beklagten vor langer Zeit einmal den rechten Oberarm gebrochen, dieser also die behauptete Abnormität aufgewiesen habe, und ob der Verschollene am vorderen linken Schneidezahn einen Goldrand gehabt habe* Mit diesem Beweiserbieten sowie mit dem Antrag auf Einholung eines erbbiologischen Gutachtens könne der Nachweis nicht erbracht werden, dai3 der unbekannte Soldat auf dem Ortsfriedhof in St^^l^der Bruder des Beklagten sei« Denn es könne schon nicht festgestellt werden, daß der sichergestellte Oberkieferknochen (Schädelstück) und der gewisse Besonderheiten aufweisende eine Oberarmknochen vom Skelett des ‘’unbekannten Soldaten“ stammten« Mangels der Möglichkeit, die sichergestellten Knochenteile als solche des "unbekannten Soldaten“,der Friedrich Wilhelm A^|^ gewesen sein solle, zu identifizieren, seien diese Teile auch nicht geeignet, als Grundlage weiterer Identifizierungsversuche zu dienen« Diese mangelnde Möglichkeit der Identifizierung der sichergestellten Knochenteile als die des “unbekannten Soldaten“ und damit am 30o Oktober 1958« Auch insoweit erhebt die Revision nun eine Verfahrens als die des Friedrich Wilhelm entnimmt der Tatrichter insbesondere aus der Niederschrift über die Exhumierung der in St bestatteten sechs Soldaten rüge, das Berufungsgericht habe zur Ergänzung dieser Nie- greifen müssen, nach der bei der Umbettung im Jahre 1946 jeder der bestatteten sechs Soldaten einen eigenen Sarg erhalten habe und die Lage des "unbekannten Soldaten" dem Zeugen bekannt gewesen sei, so daß einer Verwechslung der Boden entzogen sei„ Außerdem sei ein Satz in der Niederschrift, der sich mit der Exhumierung und der Sicherstellung des Oberkieferknochens (Schädelstücks) befasse, vom Oberlandesgericht mißverstanden worden* In diesem Zusammenhang wird von der Revision ferner eine Verfahrensrüge nach § 139 ZPO erhoben, daß der Totengräber als Zeuge gegen die tatrichterlich angenommene Möglichkeit einer Verwechslung der Skelette benannt worden wäre, wenn das Oberlandesgericht insoweit seine Bedenken gegen die Identität der sichergestellten Knochenteile mit denen des "unbekannten Soldaten" zu dem Ausdruck gebracht hätte« Unter diesen Umständen ist es jedenfalls aus Hechtsgründen nicht zu beanstanden, wenn das Oberlandesgericht von einer weiteren AuflcLärung hinsichtlich der Identität der sichergestcllten Knochenteile mit denen des "unbekannten Soldaten" Abstand genommen hat und im Ergebnis ein erbbiologisches Gutachten mangels ausreichender, die Begutachtung der sichergestcllten Knochenteile (im Sinne einer Identifizierung mit denen des Friedrich Wilhelm App^^ ermöglichenden Unterlagen nicht cingeholt hato Ohne Erfolg ist die weitere Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe bei der Würdigung der im Berufungsverfahren auf Antrag des Beklagten nochmals vernommenen Zeugen Frau und nicht "alle Umstände" gewürdigt, sich vielmehr auf die Betrachtung von "Äußerlichkeiten" beschränkt« Bas Gegenteil ergibt sich aus der ausführlichen Begründung des Oberlandesgerichts (BU S« 10-12/ mit der im einzelnen dargelegt ist, aus welchen Gründen es sich - übrigens in Übereinstimmung mit den Gerichten in dem in alle drei Instanzen gediehenen Verfahren auf anderweite Feststellung des Zeitpunktes des Todes des Friedrich Wilhelm A^|^P (15 III 155/57 AG Bonn) -von der objektiven Richtigkeit der von der Zeugin Ö^pp^ flHp bekundeten "Erinnerung", daß nämlich der" am 15o April 1945 von den Russen erschossene und später als "unbekannt" bestattete Soldat nach ihr vorgelegten Fotografien Friedrich Wilhelm A^^^ sei, nicht zu überzeugen vermöge« Diese Bildung einer Überzeugung vom Vorliegen einer Tatsache liegt auf dem der Revision verschlossenen Gebiet der tatrichterlichen Würdigung«, Insoweit hat das Oberlandesgericht entgegen der LIeinung der Revision auch nicht gegen die Lebenserfahrung verstoßen« Denn ein Irrtum beim Wiedererkennen einer Person anhand einer früheren Fotografie kann auch dann, wenn man der betreffenden Person unter ganz außergewöhnlichen Umständen, aber vor immerhin 13 Jahren begegnet ist, niemals völlig ausgeschlossen werden« Es kommt hinzu, daß das Oberlandesgericht weitere Tatsachen, die seine Zweifel zu begründen jedenfalls geeignet sind, angeführt hat, wie ZoB: die nachträgliche Eintragung in der Chronik des bestattete "unbekannte aus gewesen Pfarramtes daß der dor- grad gehabt habe, obwohl Friedrich Wilhelm A^^ (mindestens) Unteroffizier war« Auch wenn, worauf die Revision in diesem Zusammenhang abheben will, der Zeuge bekundet hat, daß ihm "von einem Wachtmeister P^SH^ aus nichts bekannt" sei, ist aus dieser Aussage nicht zwingend zu folgern, die nicht von ihm als Totengräber, sondern von dem inzwischen verstorbenen damaligen Pfarrer und erheblich später vorgenommene Eintragung in der Pfarr-chronik sei objektiv unrichtig« ' Soweit das Berufungsgericht schließlich auch die Anzeigen der WASI an den Standesbeamten in Köln und Bad Godesberg aus den Jahre 1957, daß Friedrich Wilhelm A00 in der Zeit von 7° bis 12« April 1945 "gefallen" sei, gewürdigt hat (BU S« 9)? dor Ansicht der Revision die Aussage der Zeugin Frau mm daß sie das zerissene Soldbuch des toten "unbe“ kannten Soldaten" seinerzeit einem SS-Angehörigen auf dessen Verlangen übergeben habe, nicht zu berücksichtigen» Denn nach dem festgestellten Sachverhalt - der auch in den Verfahren der Freiwilligen Gerichtsbarkeit betr» Todeser3tlü-rung des Friedrich Wilhelm A^^| bestätigt ist - sind die Anzeigen der WAS! nicht anhand eines vorgelegten oder eingesandten Soldbuchs, sondern auf Grund von Angaben eines früheren Soldaten Wernitz erfolgt, der aber übrigens selbst nicht gesehen hat, daß Friedrich Wilhelm A^|p zu irgend einem Zeitpunkt bei Kampfhandlungen tödlich verwundet worden ist0