BGH · III ZR 74/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
nähme getroffen wird, die sich als enteig“ nungsgleiclier Eingriff darstellt', 'dann ist - zu demindest dann,, wenn nicht eine andere Körperschaft einen besonderen Vorteil aus dieser Maßnahme gehabt hat und auf diese Weise ’’begünstigtn worden ist - als - "Begünstigter" im Sinne des (Aufopferungs—) Entschädigungs-rechts die Gemeinde anzusehen,. Dr.» Wolany und Pr„ Kußla für Recht erkannts Pie Revision der beklagten Stadt gegen das Urteil des 2» Zivilsenats des Oberlandesgerichts ’ in Braunschweig vom 2279 März,1956 wird.zurückgewiesenP ..her Kläger behauptet/; /daß: er , die: Bauarbeiten /;■ noch bis kebruar 1949 fortgesetzt und: ihm; die Baupolizei dannmündlich '-/'eröffnet habe,, der Bau dürfe nicht ferr-, gesetzt werden,: da die,demnächst anzulegende Bahnlinie über: sein Baugelände fühi-en würde3," daraufhin habe er 'die Bauarbeiten: eingestellt » Demgegenüber..''behauptet'..die : Beklagte:/; der Kläger habe den Bau bereits im. das;Gelände, auf dem der Kläger s( Zt, ein Bauvorhaben begonnen habe,werde für den Bahnbau nicht mehr benötigt und deshalb bestünden keine Bedenken, das Gebäude in der seinerzeit genehmigten form fertigzustellen,. .beklagte Stadt wegen des(ihm, angeblich durch den Widerruf der .-Baugenehmigung -entstandenen' Schadens aus dem Gesiehtspunkt der-Amtshaftüng und der Entschädigung we-• gen eines enteignungsgleichen Eingriffs ; in.: Ob erlandesgericht hat das landgerichtliche Urteil aufgehoben .-den Klaganspruch als Ent schädigungs-anspiuich wegen eines enteignungsgleichen Eingriffs dem Grunde nach■für gerechtfertigt erklärt und die Sache . Daß die Beklagte den Kläger durch den Widerruf der.Baugenehmigung zur Aufgabe eiirer Vermögenswerten -Rechtsstellung und damit zu::, einer Aufopferung;im Gesamt Interesse, veranlaßt habe* könne nicht zweifelhaft sein» Berner müsse die Anwendung der vom Bundesgerichtshof zu dieser Frage aufgestellten Grundsätze zu dem Ergebnis führen, dalB auch die Beklagte als durch den Widerruf der.Baugenehmigung unmittelbar begünstigt anzusehen sei« Die Beklagte’ habe nach ihrem eigenen Torbringen ein unmittelbares Interesse an dem-Bahnbau gehabto Das komme einmal klar darin zu dem Ausdruck, daß sie sich an der V -GmbH, die den Bahn- sich bereits aus’der Tatsache, daß die Beklagte später auf - Grund eines besonderen Vertrages zusät zlich zu dem Bahnbau einen verlorenen Kostenanteil von 2,4 Millionen DE beigetragen habe,• Dabei komme es nicht darauf an,. Das.unmittelbare Vund allgemeine wirtschaftliche Interesse der Beklagten am Bahnbau sei aber der sichtbare Ausdruck der unmittelbaren Begünstigung, die sie- selbst durch.1 dem'sich der Kläger durch die Hinnahme des Bauverbotes untergeordnet habeo Da nach den gesamten Umständen auch die Annahme begründet sei, daß dem Klager durch den Widerruf der Baugenehmigung mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ziffernmäßig feststellbarer Schaden entstanden sei? könne die EntschadigungsTerpflichtung - der.Beklagten dem Grunde nach festgestellt werden., daß zur Durchführung des vom Kläger beabsichtigten Baues irgendwelche Dispense nicht erforderlich waren und nicht erteilt worden sind5 auch der Saclivortrsg der Parteien gibt für eine andere Beurteilung keinen Anhalte Die Erteilung der vom Kläger erbetenen Bauerlaubnis stand mithin nicht im Ermessen der ■Behörde, sondern die Genehmigung mußte erteilt werden». Infolgedessen durfte die Baugenehmigung * auch nicht wie-: der auf gehoben (widerrufen)' werden,; ohne daß dazu, das Gesetz', eine Handhabe :geboten hätteoiDie Tatsache allein, daß dem beabsichtigten:Bau des Klägers vorliegende Eisenbahnplanungen entgegenstanden, ohne daß diese', / Kläger nach erteilter Genehmigung von dieser durch Portführung des.Baues schon Gebrauch gemacht hatte, oder ob'- - falls ,das nicht der Pall sein.. Pur die Präge nach dem Vorliegen,eines enteignungs-gleichen Eingriffs kommt es darauf, ob der1Kläger;entsprechend der Bachdarsteliung.der beklagten Stadt auch bei unterbliebenem Widerruf der.Baugenehmigung den Bau nicht fortgeführt;;haben würde, ' schon allein deswegen ■nicht; entscheidend ,an, weil zu demindest -infolge des Widerrufs die Verwertbarkeit des angefangenen.Bauwerks im Wege der-Veräußerung beeinträchtigt war. ) Es'stellt sich nunmehr die Präge , ob auch'die beklagte - Stadt die aus dem,:~ indem Widerruf der Baugenehmigung liegenden - enteignungsgleichen.Eingriff ent- Entscheidung entnommen hat ■ (S« 19 Bü), daß damit his auf den Staat und die Gemeinden alle übrigen.Körperschaften des öffentlichen Rechts als Subjekt einer durch eihen enteignungsgleichen Eingriff oder einen sonstigen AufOpferungstatbestand ausgelösten,Ent schädigungspflicht ausscheiden, so-ist das verfehlt. von dem erwähnten Grundsatz der Entschädigungspflicht entweder des Staates oder der Gemeinde eine Ausnahme gelte für Vermögensträger mit einem durch ihre Spezialfunktion so eng und eindeutig begrenzten Aufgabenkreis,■:daß zwanglos festgestellt werden könne, sie und nur sie hätten den mit dem Eingriff zugewandten Vorteil erhaltene Dieser Präge braucht jedoch im Rahmendes vorliegenden Palles aus folgenden Erwägungen nicht weiter nachgegangen zu werdent . Das Berufungsgericht geht.davon'aus, der Widerruf .der Baugenehmigung habe darauf abgeziehlln etwaige ; .'Ent schädigungskosten, also den ICostenaufwand; für den Bahnbau, zu dem auch .die Beschaffung des erf orderliclien ' Grund und Bodens gehörte .; möglichst. gering zu halten, und daß diese Kosteneinsparung auch dem unmittelbaren Interesse der Beklagten gedient habe, somit auch diese; -begünstigt anzusehen seia Mit dieser Begründung aber kann die Entscheidung des Berufungsgerichts nicht gehalten werden* Wenn wirklich allein entscheidend darauf abzustellen wäre, S in wessen immittelbarem Interesse die mit dem Widerruf' der Baugenehmigung erstrebte Kosteneinsparung im 'Rahmen der Beschaffung des. v,Grund und Bodens lag, dann könnte als durch den Widerv ruf "begünstigt” allein und ausschließlich diejenige Stelle angesehen werden, die bei Verwirklichung der ursprünglichen Bahnbaupläne die Kosten für den Erwerb 'des hier interessierenden Grundstücks zu tragen gehabt hätte und zu deren Gunsten sich-'mithin die - mit dem Widerruf der Baugenehmigung,bezweckte Hiedrighaltung der Kosten unmittelbar ausgewirkt haben würde* -Begünstigt durch den■widerruf der Baugenehmigung wäre; 'alsdann allein die Bundesbahn odor die Verkehrsbauten-GmbH, der , • das Enteignungsrecht für die Zwecke des Bahnbaues verliehen worden war (Besohle,daTiedersäclisiscIieii-Staats-, ministerlums vom 1 a Dezember 1 950 - .ABlJJdS,Staatsanzeiger 1950, 429 - vgl. . daß dieses unmittelbare'Interesse der Beklagten auch der sichtbare Ausdruck ihrer unmittelbaren Begünstigung sei, so trifft das nicht zu„ Es kann'gewiß nicht bezweifelt werden,'., . und unmittelbares Interesse- hat und daß mithin auch hier die beklagte Stadt an dem Bahnbau lebhaft ;inter- . V essiert war.Dieses Interesse allein macht die Beklagte aber noch nicht zu dem durch den Bahnbau und ;ins- -7, besondere durch eine bei dem Erwerb des dafür .-.benötig-' Rechtspersönlichkeit 7 geschaffen7 7 worden', an der - ausweislich der zu dem Gegenstand des beiderseitigen Parteivortrages gemachten Registerakten 7 HRB 1137 des Amtsgerichts Braunschweig - als Gesell- : schafter die Bundesrepublik,: die Deutsche.Bundesbonn,, das Land Niedersachsen und1die beklagte,Stadt v(und zwar t 'diese nur mit 10 v.H. des Stammkapitals) beteiligt wa- 7 , Die an dem 3ahnbau,interessierten Körperschaften'führten also diesen .Bau,nicht als '■ gemeinschaftliche 'Aufgabe selbst gemeinsamen oder durch eine von 7 ihnen durch, sondern sie verselbständigten diese Aufgabe, indem sie zur "Planung, Vorbereitung und Bau eigner Eisenbahnlinie von Lichtenberg über Lebenstedt ; na,ch;: Immendorf" ,(B1° 4, des Sonderbandes . .. mithin von» den mit der Planung, Vorbereitung und: Lurch- -fülirung des Bahnbaues zusammenhängenden Aufgaben,, entledigten sich ihrer unmittelbaren Wahrnehmung und nah-. GmBH als - ausschließliche - Trägerin des ihr im G-rün-c.ungsverthsg zugewiesenen und genau umgrenzten Auf-gaBenlereises der Planung, Vorbereitung und lurchfüh-rung des BahnBaues auch als diejenige-Körperschaft angesehen werden muß, der allein eine Kostenersparnis-:, hei dem Erwerb des für den Bahnbau benötigten;Geländes unmittelbar zugute gekommen wäre„. Sonach könnte, wenn für die Präge nach dem Begünstigten entscheidend: darauf abzustellen wäre*..wem die erstrebte Kostenersparnis zugute gekommen sein- würde", die beklagte Stadt nicht als begünstigt und damit.auch nicht als passiv legitimiert für den hier in Hede stehenden Entschädigungsan-. ' Auf die Frage,-wer von der:Kostenersparnis, einen unmittelbaren - wirfschaffliehen - Vorteil gehabt' ha- , Ben würde, kommt es jedoch-zu demindest in dem vorliegenden -Pall? ,nicht;entscheidend anu Entscheidend :ist vielmehr :folgendesj Die hier in Rede stehende ,Maßnahme,■ die zürn Ziel gehabt haben'mag, die' Kosten des Erwerbs' des für den geplanten .Bahnbau notwendigen' G-rund und Bodens gering' zu halten, ist als baupolizeiliche Anordnung getroffen worden, mithin im Rahmen;des'der Baupolizei zulcommenden Aufgabenkreises, die Bautätigkeit,, das "Ob" und -"Wie" des Bauens zu regeln..Es' handelt sich.bei diesen Aufgaben -der Baupolizei um-staatliche Aufgaben, mit deren Durchführung jedoch weithin die Gemeinden beauftragt sind in.der Weise, daß diese Aufgaben von den Gemeinden in eigener Zuständigkeit und Verantwortung durchzuführen sind« Mit der Wahrnehmung der Baupolizei wer-; den mithin von den Gemeinden.Aufgaben, die zwar nicht zu den 'Selbstverwaltungsangelegenheiten gehören,:aber doch dem Aufgaben—, und Verantwortungsbereich der Gemeinden zugewiesen sind, erfüllt« Y/enn im Rahmen dieses Aufgabenkreises einer Gemeinde - nämlich s.taat- -liehe baupolizeiliche Aufgaben in eigener Zuständig-, keit und Verantwortung wahrzunehmen.'eine' Maßnahme getroffen wird, die sich als enteignungsgleicher Eingriff darstellt,, dann ist - zu demindest dann, wenn nicht eine andere Körperschaft einen besonderen Vorteil aus dieser Maßnahme gehabt hat und auf diese.Weise "begünstigt" worden ist - als "Begünstigter" im Sinne des (Aufopferungs-). Auch wenn hier die Maßnahme ,nach dem Gesetz nicht zulässig war und sie nur unter Verkennung der der Baupolizei zultoramenden Befugnisse getroffen worden ist, so sollte doch jedenfalls mit dieser Maßnahme eine Aufgabe der Baupolizei und damit, der Gemeinde, nämlich hier die Verhinderung.unzulässiger und unerwünschter Bauten, gefördert werden,. Deshalb hat das Berufungsgericht im Ergebnis zu Recht die beklagte Stadt als für den hier geltend gemachten Entschädigungsanspruch passiv legitimiert angesehen« ■ - Möglichkeit, das angefangene Bauwerk durch -Veräußerung•zu .verwerten; infolge des Widerrufs der Baugenehmigung nicht hat ausnutsen können;, konnte das Berufungsgericht Abstand nehmen,:dag jedenfalls nach Lage der Dinge mit einer für den Erlaß e ine s G-rimöurt e ils hinreichend hohen Wahr sehe in-, lichkeit onzunehmen ist; daß irgendein angemessen zu entschädigender Nachteil aus dem Widerruf der Baugenehmigung ent:standen ist <, Ebenso konnte die frage des an-geblichen Mitverschuldens des.Klägers, das die Ee- ^ .