BGH · III ZR 59/63 vom 13.02.1964
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An der stadteinwärts gelegenen Ecke PoPPHPstraße/ GpPBPPHPI Kp^wcg stand auf dem Bürgersteig der P o li z oiob orwachtmo ist er SchPP als Verkehrsauf sichtspost en in weißen Mantel« Er hatte das Martinshorn des Unfall«** rettungswagens gehört« Als er bald darauf auch sah, daß das Blaulicht eingeschaltet war, ging er mit erhobenem recht on Arm mit Verkohrsstab auf "die Straße, um den gesamten Verkehr zu dem Halten zu bringen<> Zuvor hatte er in don K®B®weg geblickt und festgestollt, daß sich dort im Augenblick kein Fahrzeug der Kreuzung nähertOo Der Fahrer des Unfallrettungswagens hatte wohl gesehen ? Auf diesem näherte sich inzwischen der Kläger mit dem einem Dritten, DflP, gehörigen Volkswagen, Er hatto das Martinshorn des Unfallrettungswagens nicht gehört, und er sah auch nicht den Polizeibeamten, fuhr vielmehr im Vertrauen auf das grüne Licht der Ampel auf die Kreuzung, um nach links - also stadteinwärts - in die Po®-^m^straßo einzubiegen. Für den Unfallrettungswagen sei höchste Bile nicht gohoton gewesen, denn mit ihm habe lediglich eine Person von oinem Krankenhaus in ein anderes überführt werden sollen» Die Beklagte könne sich daher nicht auf § 48 Abs» 1 StVO berufen» Aber auch wenn die Voraussetzungen für die Anwendung dieser Vorschrift vorlägen, hätte der Fahr er des Rettungswagens den Unfall allein verursacht und verschuldet» Denn er sei trotz der zu diesem Zeitpunkt wegen des roten Farbzeichens noch ungeklärten Vor-kohrsoituation in dio für ihn - insbesondere nach rochts -völlig unübersichtliche Kreuzung mit überhöhter Geschwindigkeit (70 km/st) hinoingefahren, noch dazu auf der linkon Fahrbahneeite, und er habe deshalb die ihn bei der Inanspruchnahme der Rechte aus § 48 StVO treffende orhöhto Sorgfaltspflicht grob mißachtet» Der Unfallret-tungewagen habo seine Geschwindigkeit überhaupt nicht verringert und sei mit voller Gewalt auf den Wolkswagen auf gefahren» Er - der Kläger - sei dagegen höchstens mit 30 km/st gefahren» Daß die für ihn durch das grüne Licht eröffneto freie Fahrt irgendwie eingeschränkt gewesen sei, sei für ihn nicht erkennbar gewesen» Das Blaulicht des Rettungswagens habe er auf dem überhaupt nicht sehen können und auch nicht beim Einfahren in die Kreuzung wegen der links haltenden vielen Fahrzeuge und insbesondere des. Das Martinshorn habe er wegen des starken Regens - unstreitig ist, daß es regnete und stark trübe war - und weil der Wind aus der der Fahrtrichtung des Unfallrettungswagens entgegengesetzten Richtung gekommen sei, nicht hören können» Der Polizeibeamto, dor im Rogen und boi trüber Sicht erst auf die Kreuzung zugeschritten sei, sei für ihn noch nicht wahrnehmbar go-woson. Denn das von ihm wahrgenommeno Hochheben des Armes durch den Verkehrspolizisten habe als nach § 2 Abs. 1 StVO vorrangige Anordnung für die Verkehrsteilnehmer aus der bisher freien Richtung ’'Anhalten" bedeutet. Denn in derartigen Situationen trachteten die Polizei-boamten bekanntlich, den gesamten Verkehr zu dem Halten zu bringen, um dem Einsatzwagen eine schnellstmögliche Weiterfahrt zu ermöglichen, ohne diesen dazu noch besonders aufzuforderno Angesichts des von allen übrigen Verkehrsteilnehmern respektierten Haltegebotes des Polizeibeamten und der vorgeschriebenen Signale seines Einsatzwagens habe nicht damit zu rechnen brauchen, daß doch noch ein Fahrzeug in die Kreuzung einfahren werde. 2.) Bas Berufungsgericht geht bei seiner rechtlichen Würdigung, ob der Fahrer des Rettungswagens diese seine Amtspflicht schuldhaft verletzt habe, von folgenden weiteren tatsächlichen Feststellungen und Erwägungen aus: Deshalb besage das Verhalten der aus der S^lftstraßo kommenden Verkehrsteilnehmer auch nichts Uber dio Wirksamkeit der Maßnahme des Polizeibeamten« Auch wp^^p habe daher aus einem Anhalten dieser Kraftfahrer, weil der Grund hierfür deren Y/ahrnehmung des Blaulichts und dos Martinshorns des Bettungswagens sein konnte, einen Rückschluß auf die Wirksamkeit der Maßnahme des Verkehrspolizisten nicht ziehen können (und dürfen). Soweit die Beklagte die Einnahme des Augenscheins und die Vernehmung der Zeugen in ihrem Schriftsatz vom 9* Oktober 1962 S* 2 und 3 dafür beantragt hat, daß der Kläger den Verkehrspolizisten sehen konnte und mußte, geht das Berufungsgericht bei seiner Würdigung ausdrücklich von diesem Sachverhalt aus (Bü S, 11, 12), so daß dieso Beweisantritte der Beklagten vom Oberlandesgericht als unerheblich nicht beachtet zu werden brauchten* Der die Entscheidung des Oberlandesgerichts tragende tatsächliche Umstand ist der, daß der für jedenfalls zoitweiso in der Sicht verdeckte Polizeibeamte "noch nicht in die Krau zungsmitte getreten war11, sondern sich “allenfalls gerade erst in der verlängerten linken Begrenzung der Fahrbahn des K®^vegasM befand, als der Unfallrettungswagen mit etwa 50 km/st in die Kreuzung einfuhr (BU S* 10, 12) und daß auch dio kurze Zeit, während der das Handzeichen des Verkehrspolizisten gegeben war, noch nicht ausreichte, inn oino völlig eindeutige und für alle Verkehrsteilnehmer klar erkennbare (neue) Verkehrssituation zu schaffen« Daß insowoit ein anderer Sachverhalt Vorgelegen habe, hat aber die Beklagte selbst in ihrem die genannten Beweisantritto - deren übergehen die Revision rügt - enthaltenden Schriftsatz vom 9« Oktober 1962 S„ 2 und 3 nicht behauptet«, Dort ist vielmehr ausgeführt, daß der genaue Standort des Verkehrspolizisten “völlig bedeutungslos“ sei, und daß er jedenfalls bereits “so weit auf der BoflflHHNtraße" oder aus der Sicht von “so gestanden habe“, daß die aus den Quorstraßen kommenden Kraftfahrer, insbesondere der Kläger, den Bolizoibsamten sehen konnten und mußten« Da das Berufungsgericht bei seiner Würdigung in tatsächlicher Hinsicht ausdrücklich von einem solchen Sachverhalt ausgeht, insbesondere daß auch der Kläger den Verkehrspolizisten sehen konnte und mußte, bedurfte es bei der Betrachtungsweise des Oberlandesgerichts weder der Einnahme eines Augenscheins noch der wiederholten Vernehmung der Zeugen* Im übrigen hat das Berufungsgericht entgegen der Meinung der Revision die in der Berufungsinstanz erfolgten Beweisantritte der Beklagten auch nicht "stillschweigend11 üb ergangen, sondern auf Seite 11 des Berufungsurteils hinsichtlich des von ihm festgestellten Standortes des Polizeibeamten im Zeitpunkt des Einfahrens des Unfallrettungswagens und des Klägers in die Kreuzung wörtlich bemerkt, daß hiervon "auch die Beklagte in der Berufungsinstanz ausdrücklich ausgeht, so daß es schon deshalb einer weiteren Beweisaufnahme nicht mehr bedarf"* Wenn die Revision ausführt, diess Bemerkung des Oberlandesgerichts widerspreche dem Vortrag der Beklagten in ihrem Schriftsatz vom 9* Oktober 1962 S* 3, so ist dieso Auffassung irrig* Denn diese Bemerkung des Berufungsricht ors bezieht sich ganz eindeutig nur auf den Standort Soweit die Revision als Verfahrensverstoß rügt, das Berufungsgericht habe die im Schriftsatz der Beklagten vom 9o Oktober 1962 S« 5 beantragte Vernehmung der Zeugon dafür übergangen, der Polizeibeamto habe uso gestanden, daß damit rechnen konnte und mußte, daß die aus den Querstraßen kommenden Fahrzeuge den Polizeibeamten sohon und erkennen konnten,r, erledigt sich diese Rüge aus folgenden Erwägungen: Diese unter Beweis gestellte Behauptung der Beklagten stellt nicht die Behauptung einer Tatsache dar, sondern damit wird unzulässigerweise eine allein dem Richter obliegende, aus dem sonst festgestellten Sachverhalt lediglich zu ziehende Schlußfolgerung unter "Beweis” gestellt« Denn' jedenfalls waren hier der konkrete Standort des Verkehrspolizisten im Zeitpunkt seines Zeichen-gobens und der Einfahrt des Unfallrettungswagens in dio Kreuzung sowie die Sichtverhältnisse für bei seinem Einfahren in die Kreuzung und schließlich auch dio ungefähre Zeitspanne des Zeichengebens durch den Polizoibeamten unstreitig« Allein hieraus konnte und durfte das Berufungsgericht seine Schlüsse ziehen, insbesondere dahin, daß beim Einfahren in die Kreu- zung noch nicht "mit genügender Sicherheit annehmen konnte und durfte", die Maßnahme des Verkehrspolizisten sei für allo übrigen Verkehrsteilnehmer bereits voll wirksam« Dio vom Oberlandosgericht dieser seiner Schlußfolgerung zugrunde gelegten einzelnen Tatsachen hat die Beklagte in dem genannten Schriftsatz jedenfalls nicht konkret angegriffen» Wenn sie in dieser Beziehung mehr oder etwas anderes behaupten wollte, hätte sie es auch vortragen müssen» Sie hat aber weder in ihrem Schriftsatz vom T9 »Oktober 1962 noch in ihrer Hevisionsbegründung dargelegt, welche anderen besonderen oder bestimmten tatsächlichen Umstände, die von dem der Schlußfolgerung des Oborlandesgerichts zugrunde gelegten unstreitigen Sachverhalt äbv/ichen oder diesen ergänzten, die von ihr in der Berufungsinstanz beantragte "wiederholte11 Vernehmung der Zeugen "an Ort und Stelle" ergeben sollten» Deshalb ist die von der Revision «haeh § 139 ZPO erhobene Rüge ebenfalls unbegründet» Denn habe keine Möglichkeit gehabt, vor oder bei der Einfahrt in dio Kreuzung sich zu vergewissern, ob Verkehrsteilnehmer aus dem gestützt auf die grüne Ampolschaltung, nicht (auch) in die Kreuzung einfuhreno Bio Fahrweise des Fahrers des Kettungswagens sei auch deshalb besonders gefährlich gewesen, weil er auf der linken Fahrbahn, links an einer Straßenbahn vorbei, bei Kotlicht für ihn mit einer Geschwindigkeit von 50 km/st in die Kreuzung eingefahren sei, Biese gefährliche Vorkohrs situation sei nur in gewissem Maße dadurch "entschärftM worden, daß der Verkehrspolizist den übrigen Vorkehr anzuhalten getrachtet habe; jedoch sei die Gefahr ensituation - und zwar für erkennbar - durch das Verhalten des Polizeibeamten noch nicht ausreichend besoitigt gewesen, als der Unfallrettungswagen bereits in dio Kreuzung eingefahren sei. Bonn WflBP habe den Verkehrspolizisten - insbesondere weil dieser durch den Straßonbahnzug zeitweise verdeckt gewesen sei - nicht ständig sehen und schon deshalb auch nicht festatellon können, ob dessen zwar im Sinne eines Anhaltegebotes für allo Verkehrsteilnehmer eindeutige Maßnahme wirkungsvoll war oder nicht. Der Fahrer des Rettungswagens habe also - für ihn erkennbar - so lange, als der Polizeibeamto noch nicht in der Kreuzungsmitte stand, noch keine genügende Sicherheit gehabt, daß etwaige Verkehrsteilnehmer im K^i^wog auch wirklich erkannt hätten, sie sollten entgegen dom grünen Licht der Ampeln anhalten. fahrern dio Einfahrt in dio Kreuzung eindeutig untersagt wordene Da hiernach für alle Übrigen Verkehrsteilnehmer ein absolutes Haltegebot objektiv bestanden habe* über das allein der Pahrer des Unfallrettungswagens sich habo himvegsotzon dürfen, liege hier ein völlig anderer Sachverhalt vor als in den vom erkennenden Senat in seinen Urteilen in BGHZ 26, 69 und 57, 556 entschiedenen Pallen0 Der dort vertretono Grundsatz über die erhöhten Sorg-faltspflichten eines Einsatzfahrers habe zur Voraussetzung, daß durch die Inanspruchnahme der Sonderrechte aus § 48 StVO eine erhöhte Gefahrenläge entstehe, insbesondere durch dio Mißachtung von Vorfahrtsrechten andoror Verkehrsteilnehmer und durch das gegenüber den auf dio Priorität ihrer Vorfahrt vertrauenden Übrigen Kraftfahrern auftretendo Überraschungsmoment * Infolge des objektiv eindeutig gegebenen Haltegebots des Verkehrspolizisten für alle übrigen Verkehrsteilnehmer habo dio Inanspruchnahme der Rechte aus § 48 StVO mit den Rechten, insbesondere der Vorfahrt, anderer Verkehrsteilnehmer gar nicht kollidieren können» Deshalb habe auch keine erhöhte Gefahrenlage bestanden, die nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats zu einer erhöhten Sorgfaltspflicht des Einsatzfahrers führe; sie habe auch nicht allein durch das Hinwegsetzen über das nur für d io übrigen Verkehrsteilnehmer gelt end e Haltegebot des Verkehrspolizisten durch Wagner entstehen können<, 10 oben) im Anschluß an die Urteile des Senats in BGHZ 26, 69 und 37, 336 davon, daß ein Einsatzfahrer, der unter Berufung auf § 48 StVO das Vorfahrtsrecht anderer mißachten will, den an sich vorfahrtberechtigten übrigen Verkehr besonders sorgfältig beobachten müsse und für ihn wegen der von ihm herbeigeführten erhöhten Gefährenlage eine verschärfte Sörgfaltspflicht bestehe* Die weiteren Ur-teilsgründo ergeben jedoch klar und eindeutig, daß das Berufungsgericht nicht deshalb schuldhafte Pflichtverletzungen bejaht, weil er etwa ein - hier wegen des Handzeichens des Polizeibeamten nicht mehr bestehendes - Vorfahrtsrecht des Klägers mißachtet habe oder mißachten wollte, sondern weil er trotz des für den übrigen Verkehr und somit auch für den Kläger bereits objektiv geltenden Haltegebots im Zeitpunkt des Einfahrens in die Kreuzung noch nicht darauf vertrauen konnte und durfte, daß dieses Haltegebot insbesondere auch von den aus dem K®B#weg kommenden Kraftfahrern erkannt worden war und daß diese sich dementsprechend auch tatsächlich verhalten würden* Wenn das Oberlandesgericht aus diesem Grunde in tatricht erlich er Würdigung aller sonstiger festgestellten besonderen Umstände des Palles, wozu vor allem auch das vom Vorderrichter mit Recht hervorgehobene lanksüberholen der haltenden Straßenbahn und das Befahren der linken Straßenseite durch den Rettungswagen gehören, eino noch bestehende besondere oder erhöhte Gefahren-lcge zu diesem Zeitpunkt angenommen hat, so ist dies rovisionsrechtlicli nicht zu beanstanden. Meinung der Revision bestehen besondere Pflichten des die Sonderrechte aus § 48 StVO in Anspruch nehmenden Einsatzfahrers - hier gegenüber dem Haltegebot des Verkehrspolizisten sowie gegenüber den Geboten des Rechtsfahrens (§ 8 Abs. 2 StVO) und des Rechtsüberholens einor Straßenbahn (§ IQ Abs.4 StVO) - nicht nur im Ralle der gewollten Mißachtung des Vorfahrtsrechts anderer Verkehr steilnehmer, sondern immer dann, wenn durch seino Pahrwoise unter Inanspruchnahme des § 48 StVO eine besondere Gefahrenlago, gleichgültig welcher Art, entsteht. Dabei ist nicht allein entscheidend, wie nach der objektiven Rechtslage die VerkehrsSituation ist oder sein soll, sondern wie sie sich tatsächlich dem Einsatzfahrer darbietet« Denn auch der durch § 48 StVO begünstigte Verkehrsteilnehmer wird nicht von der jedem Pahrzeugführer obliegenden Verpflichtung freigestellt, in gebührender Weise darauf Bedacht zu nehmen, daß er andere Personen nicht schädige, und er darf im Vertrauen auf seino Sonderrechte ohne Rücksicht auf die tatsächlich bestehende Verkehrssituation nicht einfach "auf gut Glück'1 öder "aufs Geratewohl" darauf-losfähren (vgl. 7o) Auch soweit das Oberlandeegericht ein Ver-' schulden bejaht hat, sind revisionsrechtliche Bedenken nicht zu erheben * Zutreffend hat es eino Fahrlässigkeit des Einsatzfahrers darin gesehen, daß er trotz der für ihn erkennbar jedenfalls tatsächlich noch nicht eindeutigen und insoweit noch gefährlichen Ver-kohrssituation mit der bei dieser Verkehrslage überhöhten Geschwindigkeit von 50 km/st und ohne Verständigung mit dem Verkehrspolizisten in die Kreuzung ein-gefahren ist«, Entgegen der Meinung der Revision ist nicht ersichtlich, daß das Berufungsgericht nicht alle zugunsten sprechenden Umstände ausreichend und auch im Zusammenhang gewürdigt hat«, Insbesondere hat. Da das angofochteno Urteil auch im übrigen, insbesondere zu den Fragen der Mitvorursachung und des Mitveröchuldens des Klägers an dem Unfall sowie der Abwägung und Verteilung des Schadens (§ 17 StVG) Rechto-fehlor zu Lasten der Beklagten nicht erkennen läßt* auch dio Revision insoweit Rügen nicht erhoben hat, ist dio Revision mit der Kostenfolgo aus § 97 ZPO zur üc kz uw ei s en«