BGH · III ZR 58/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Es unterliegt keinen rechtlichen Bedenken, wenn die zuständigo Verwaltungsbehörde bei einer erst im Jahre 1959, also verspätet.erfolgten Anmeldung eines im § 28 AKG bezeichneten Anspruches unterstellt, in ihr sei der stillschweigend gestellte Antrag auf HachsichtgeWährung im Sinno des $ 28 Abs* 2 AKG enthaltene Die noch im Jahre 1959 vorhanden gewesene Unkenntnis weiter Bevölkerungskreise Uber die im Allgemeinen Kriegsfolgengesetz getroffenen Bestimmungen läßt auch ohne weitere Ausführungen des Antragstellers die Annahme zu, daß im Regelfälle der Antragsteller ohne sein Verschulden verhindert war, die Anmeldefrist ein-zuhalten* "Wir bestätigen Ihnen den Eingang Ihrer Anmeldung vom 7»12»1959 und teilen Ihnen mit, daß die Sondervermögens- und Bauverwaltung gemäß § 27 Abs» 1 in Verbindung mit § 109 Eiff» 5 des Allgemeinen Kriegs' folgengesetzes für die Bearbeitung von Ansprüchen gegen das ehemalige Land Preußen zuständig ist» Wir bitten Sie nunmehr um Vorlage von Beweismitteln und gegebenenfalls um Angabe der Aktenzeichen, unter denen dieser Unfall bei anderen Dienststellen oder Gerichten bereits registriert i st»n Dezember 1958 abgelaufenen Anmeldefrist nach § 28 Abs» 2 AKG noch ein Antrag auf Nächsicht-gewährung zu stellen sei, wurde der Klägerin nicht erteilt» Dies beruhte darauf, daß nach einem Erlaß des Bundesministers der Einsnzen und entsprechenden Bekanntgaben im Bundesanzeiger Hr. 227 vom 26» Kovember 1959 Der Onfall sei auf eine Verletzung der tjberwachungs-pflichten des Pflegepersonals der Klinik zurückzuführen, da dieses sie unangeschnallt auf der Bahre habe liegen lassen* Ihr Schaden bestehe darin, daß sie wegen ihrer Verletzungsfolgen nicht mehr habe arbeiten können* Sollte sie ihren Anspruch nach den Bestimmungen des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes nicht rechtzeitig angemeldet, insbesondere nicht einen Antrag auf Machsichtgewährung gestellt haben, so müsse es infolge des Verhaltens der Beamten der Sondervermögens- und Bauverwaltung so angesehen werden, als habe sie ihre Ansprüche rechtzeitig angemeldet, jedenfalls aber so, als habe sie einen Antrag auf Machsichtgewährung gestellt und diesem sei stattgegeben worden* Sei dies nicht anzunehmen, so müsse ihre Klage unter dem Gesichtspunkt der AmtspflichtVerletzung Erfolg haben* Teilbetrag von 13 400 DM nebst Zinsen geltend gemacht und die Feststellung begehrt, daß die Beklagte über den Leistungsanspruch hinaus verpflichtet ist, ihr allen zukünftigen Schaden nach den Vorschriften des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes zu ersetzen, der ihr anläßlich des Vorfalls am 4« Mai 1943 noch entstehen wird, und zwar mit V/irkung vom 1» Juni 1963 an* Darüber hinaus hat die Klägerin noch begehrt, die Beklagte zu verurteilen, an sie ein angemessenes Schmerzensgeld zu zahlen« Soweit die Klägerin ihre Klage hilfsweise auf Amt s-pflichtverletzung wegen unzulänglicher Belehrung gestützt hat, i3t von der beklagten Bundesrepublik Klageänderung gerügt worden mit dem Vorbringen, die Klageänderung dürfe schon deshalb nicht als sachdienlich zugelassen werden, weil sie dann die Einrede der örtlichen Unzuständigkeit des Gerichtes erheben werde« lo) Das Landgericht hat die Rechtsgrundlage des von der Klägerin geltend gemachten Schadensersatzanspruches in einem Krankenhausbehandlungsvertrag und in den Vorschriften über unerlaubte Handlung gesehen« Hs hat die Ansicht vertreten, daß es sich um einen Anspruch gegen das ehemalige Land Preußen handele, der - als gegeben unterstellt - gemäß § 1 Abs. 1 i.V. m. Zutreffend und auch von der Revision nicht angegriffen hat das Berufungsgericht aber aus geführt: Der Antrag auf Bewilligung einer Kriegsopferrente und die nach Zu-rückvcrv/ei sung dieses Antrages vor d em Sozialgericht erhobene Klage seien keine Anmeldungen im Sinne des § 28 Abs. 1 AKG gewesen, denn diese Forschrift erfordere eine Anmeldung auch gegenüber einer unzuständigen Bienststeile nach dem 1. Bas bedeute, daß auch sie nicht verlängert werden könne, ihre Versäumung das Erlöschen der nicht rechtzeitig angemeldeten und sich nach dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz zu erfüllenden Ansprüche zur folge habe und daß sie daher vom Gericht von Amts wegen und nicht nur dann zu berücksichtigen sei, wenn der An spräche Schuldner sich auf sie berufOo Dieser zutreffende Ausgangspunkt (vgl. Böll, Allgemeines Kriegsfolgengesetz, 1958, § 28 An. 8; F&aux de la Croix, Allgemeines Kriegsfolgengesetz, 1959, § 28 An. 5) führt das Berufungsgericht zu dem Ergebnis, die Klägerin, die ihren Schaden erst mit dem schreiben vom 7* Dezember 1959, also nach Ablauf der Anmeldefrist des § 28 Abs. 1 AKG, angemeldet habe, habe den nach § 28 Abs. 2 AKG erforderlichen Antrag auf Bachsichtgewährung bis zu dem letzt möglichen Termin, dem 51. und Bauverwaltung Berlin oder ihrem Schreiben vom 7» Dezember 1959 an diese Dienststellen könne auch bei großzügigster Auslegung der Antrag auf Nachsichtgewährung entnommen werden, da in allen Bällen irgend eine Frist nicht einmal angedeutet worden sei und die Klägerin und ihr Ehemann sich auch nicht bewußt gewesen seien, daß eine Anmeldefrist hätte eingehalten werden müssen» Über die hiernach eingetretene Fristversäumung, so meint das Berufungsgericht weiter, könne auch nicht deshalb hinweggesehen werden, weil nach dem Erlaß des Bundesministers der Finanzen bei verspäteter, aber noch im Jahre 1959 eingegangener Anmeldung die Voraussetzungen für die Gewährung der Nachsicht ohne Antrag und Prüfung zu unterstellen seien« Denn eine Verwaltungsanordnung könne allenfalls im sog. Die Anspruchsanmeldung im Sinne des § 28 AKG stellt sich als empfangsbedürftige Willenserklärung im Sinne der §| 130 ff BGB dar» Das gleiche gilt für den Antrag auf Nachsichtgewährung« Bine bestimmte form ist für ihn im Allgemeinen Kriegsfolgengesetz nicht vorgeschrieben• Wenn die Hachsichtgewährung neben der Antragstellung erfordert, daß der Antragsteller ohne sein Verschulden gehindert war, Sicherlich wäre dann von einem unzulässigen Eingriff in die gesetzliche Regelung des Allgemeinen Kriegs-folgengcsetzes Uber die Folgen einer Fristversäumung zu sprechen, wenn auch Anmeldungen nach Ablauf des Hach-» sicht juhres allgemein als rechtzeitige Anmeldungen hätten behandelt werden sollen* Die Anweisung erstreckt sich aber nur auf Anmeldungen, die innerhalb des Bachsicht jahres gestellt wurden* Sie sprach also nicht eine dem Gesetz widersprechende Verlängerung der Ausschlußfrist des § 28 Abs* 2 AKG aus, sondern gab nur Richtlinien für die Behandlung innerhalb der Ausschlußfrist erfolgter Anmeldungen* Als unzulässig ist es hierbei nicht anzusehen, wenn die im Bachsichtjahr erfolgten Anmeldungen von den zuständigen Behörden dahin ausgelegt werden sollten, daß in ihnen auch in jedem Falle der zu demindest stillschweigend gestellte Antrag auf Nachsichtgewährung enthalten sei * Eine solche, wenn . Auslegung von Willenserklärungen ist auch in der Gerichts' praxis durchaus üblich« Es sei hier nur auf den häufigen Fall hingewiesen, in dem ein nicht von einem Eechtsan-wait, sondern von der Partei eingelegtes und daher unzulässiges Rechtsmittel als Antrag auf Armenrechtsbewilligung ausgelegt wird« Zumindest ähnlich liegt auch der von der Revision angeführte Fall, in dem die Rechtsprechung es zur Wahrung der 90-tägigen Anmeldefrist nach Art* VIII Abs* 6 des FinanzVertrages idp vom 30. hinsichtlich der Kosten des zugezogenen Rechtsanwalts hat genügen lassen, wenn der Anwalt fristgerecht eine andere Forderung anmeldet, weil er damit ausreichend erkennbar mache, daß auch Anwalt skooten zu erstatten seien (BGH LM FinV Kr* 2) * Abgesehen davon, daß gegen die in dieser Weise erfolgte Auslegung der im Rachsichtjahr erfolgten Anmeldungen rechtliche Bedenken nicht bestehen, stellte sich die Anweisung des Bundesministers der Finanzen auch als eine durchaus sachgerechte Maßnahme der Verwaltungsverein^ fachung dar* Penn, wie der ProzeßVertreter der beklagten Bundesrepublik in der mündlichen Vexvhandlung vor dem erkennenden Senat ausführte, gingen, wie in einem Schreiben des Bundesministers der Finanzen vom 29* Dezember 1964 an die SonderVermögens- und Bauverwaltung in Berlin zu dem Ausdruck gebracht ist, im Jahre 1959 noch etwa 35 000 verspätete Anmeldungen ein, was nach der vom Berufungsgericht vertretenen Auffassung zu dem durchaus vermeidbaren Aufwand hätte führen müssen, alle gegen Ende 1959 eingegangenen Anmeldungen sofort daraufhin zu überprüfen, ob der Anmelder auch einen förmlichen Antrag auf Rachsichtgewährung gestellt habe, um gegebenenfalls unverzüglich diese Formalität nachholen zu lassen* Dio besonderen Umstände rechtfertigten es auch* im Regelfall die Nichteinhaltung der Anmeldefrist als nicht verschuldet anzusehen« Zwar hätte eine Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen über die Anmeldefrist allein die Fristversäumung nicht entschuldigen können« Es ist aber nicht zu übersehen, daß das am 1« Januar 1958 in Kraft getretene Allgemeine Kriegsfclgengesetz innerhalb nur eines Jahres weiten Bevölkerungskreisen noch gar nicht bekannt geworden war, insoweit also eine entschuldbare Unkenntnis über rein tatsächliche Umstände vorlag, wie Zoüc darüber, welche Art von Ansprüchen gegenüber nicht mehr existierenden Schuldnern überhaupt noch erfüllbar waren und auf wen diese ErfUllungspflicht Ubergegangen war» Bio zuständigen Behörden konnten daher auch, falls nicht besondere Umstände dagegen sprachen, bei im Jahre 1959 erfolgten Anmeldungen den Regelfall zugrundelegen, die Verspätung der Anmeldung sei schuldlos, ohne daß es hiei>~ xür noch eines ausdrücklichen Nachweises bedurfte«' Dafür, daß es sich vorliegend nicht um einen solchen Regelfall gehandelt hat, liegen keinerlei Anhaltspunkte vor0 Ergeben sich sonach gegen die Handhabung des § 28 AbSo 2 AKG entsprechend der Weisung des Bundesministers der Finanzen durch die zuständigen Behörden keine rechtlichen Bedenken, so bleibt es auch belanglos, ob sich die Klägerin eines stillschweigend gestellten Antrages auf Nachsichtgewährung bewußt gewesen ist oder nicht« Der Umstand, daß nicht nur ein behör&eninterrer Erlaß des Bundesministers der Finanzen vorlag, sondarn die im Erlaß angeordnete Behandlung der Anmeldung auch öffentlich bekannt gemacht wurde, schuf hier eine Lage, wie sie ähnlich bei bestehenden Handelsgebrauchen gegeben ist« Das heißt, auch die Klägerin mußte, gleichgültig ob € -j i:i ihrem Willen Soweit die Klägerin ihre Ansprüche hilfsweise auf AmtspflichtVerletzungen gestützt und das Berufungsgericht hierin eine unzulässige Klageänderung gesehen hat, da die beklagte Bundesrepublik in die Klageänderung nicht eingewilligt habe und sie auch nicht für sachdienlich zu erachten sei, bedarf dies keiner Erörterung» Denn dieser Hilfsanspruch der Klägerin ist offensichtlich auf den Fall der Annahme einer nicht ordnungsgemäßen Sehadensanraeldung im Sinne des § 28 Abs» 1 und 2 AKG abgestellt und wird dadurch gegenstandslos, daß das Revisionsgericht zu einer das Berufungsgericht bindenden Annahme einer ordnungsgemäßen Schadensanmeldung gekommen ist» Damit erledigt sich die auch insoweit erhobene Eiige der Revision »