BGH · III ZR 54/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
BGB § 852 Auch bei erheblichen rechtlichen Zweifeln, welche von mehreren in Betracht kommenden öffentlich-rechtlichen Körperschaften an Stelle des tätig gewordenen Beamten der richtige Beklagte ist, erhält der Geschädigte durch Bewilligung des Armenrechts für eine Feststellungsklage gegen eine bestimmte Körperschaft eine so hinreichende Kenntnis vom Schädiger io So des § 852 BGB, daß ihm die Erhebung einer Klage gegen diese Körperschaft zugemutet werden kann; infolgedessen beginnt die Verjährung, falls Kenntnis vom Schaden bereits bestanden hatte, hinsichtlich des gesamten Schadens von diesem Zeitpunkt an zu laufen» Oktober 1946 berichtete der Leiter des Straßenverkehrsamtes in Plön, der Angestellte PflHHBfe der Straßenbau-und -verkehrsdirektion in Kiel, daß das Kraftfahrzeug des Klägers beim Straßenverkehrsamt nicht gemeldet sei; es sei für die Kr eis Verwaltung des Kreises Plön vorgesehen. Der Kläger verlangte daraufhin vom beklagten Kreis aus dem Hechtsgrund der Amtspflichtyerletzung Ersatz des ihm durch die Beschlagnahme des Wagens entstandenen Schadens, den er auf über 5-000 DH berechnete. Es wurde ihm durch Beschluß vom 6» Februar 1951 für eine Klage auf Feststellung der Verpflichtung des beklagten Kreises auf Ersatz des gesamten durch die Beorderung des Wagens entstandenen Schadens das Armenrecht bewilligt $ sein weitergehendes Armenrechtsgesuch gegen die Bundesrepublik Deutschland und gegen das Band Schleswig-Holstein wurde abgewiesen, weil der beklagte Kreis allein der richtige Beklagte sei* Der Kläger erhob auch eine entsprechende Feststellungsklage. Nachdem ihm durch das Gericht aiifgegeben worden war, zur Deistungsklage überzugehen, beantragte er, ihm das Armenrecht für eine Leistungsklage wegen 5.189,o7 HM zu bewilligen- Daraufhin wurde ihm am 3« Oktober 1952 das Armenrecht für eine Leistungsklage über 2.5oo DM bewilligt - ‘ Der Kläger stellte in dem Prozeß, in dem er zunächst die Feststellungsklage erhoben hatte, nunmehr den Antrag auf Zahlung von 2.500 DM nebst Zinsen, -^ie Klage wurde im ersten Rechtszuge abgewiesen. November 1952 wurde dem Kläger das Armenrecht für den Berufungsrechtszug bewilligt. Der Kläger beantragte, wie zuletzt im ersten Rechtszug, den beklagten Kreis zur Zahlung von 2.500, DM nebst Zinsen zu verurteilen. HIn der letzten mündlichen Verhandlung hat der Prozeßbevollmächtigte des Klägers erklärt, daß über die verlangte Summe hinaus keine Forderungen gegen den beklagten Kreis aus der Beschlagnahme und Zuweisung des Wagens geltend gemacht werden würden.1* Das. Landgericht hat die Klage wegen Verjährung abgewiesen, das Oberlandesgericht, weil der Kläger rechtswirksam im Vorprozeß auf »eitere Ansprüche verzichtet hätte. Im Revisionsrechtszug hat der Kläger den von ihm eingeklagten Teilbetrag dahin aufgegliedert, daß die Kosten des Verwaltungsrechtsstreites gegen die Kosten des Zivilprozesses gegen Kückendahl und der weitere. Die Klage ist bereits wegen des Durchgreifens der von dem beklagten Kreis erhobenen Einrede der Verjährung abzuweisen, ohne daß es einer‘Prüfung bedarf, ob der Anwalt des Klägers im Vorprozeß rechtswirksam auf die hier eingeklagten weiteren Ansprüche verzichtet hat oder nicht« Die Verjährung der hier allein rechtshängigen Ansprüche aus unerlaubter Handlung beträgt nach § 852 BGB drei Jahre; sie beginnt in dem Zeitpunkt zu laufen, in welchem der Verletzte von dem Schaden und der Person des Ersatzpflichtigen Kenntnis erlangt. Da der Kläger von dem Schaden spätestens seit der durch Urteil vom 14.* Juli 195o erfolgten rechtskräftigen Abweisung seiner Ansprüche gegen KüflHl Kenntnis hatte, kommt es darauf an, wann er von der Person des Ersatzpflichtigen Kenntnis erlangt hat. Bei verwickelten und zweifelhaften Rechtsfragen, vor allem bei dadurch bedingter Ungewißheit über die nach den Staatshaftungsgesetzen an die Stelle des tätig gewordenen Bediensteten tretende öffentlich-rechtliche Körperschaft, liegt £iese Kenntnis erst dann vor, wenn die zweifelhaften Rechtsfragen eine gewisse Klärung gefunden haben, so daß die Erheb.;ng einer Schadensersatzklage gegen eine bestimmte Körperschaft nicht von vornherein nur geringe Aussicht auf Erfolg hat, sondern eine hinreichende Aussicht auf Erfolg verspricht und dem Verletzten daher die 3rhebung einer solchen Klage zugemutet werden kann« und das Land Schleswig-Holstein, sondern der beklagte ^reis für das Verhalten des tätig gewordenen Angestellten FflHH^ haftete« Hummehr konnte dem geschädigten Kläger die -rhebang einer Schadensersatzklage, die auch nach Ansicht des Landgerichts f,hinrei-chende Aussicht auf Erfolg” i.S. des § 114 ZPO bofc, zugemutet werden« Dementsprechend hat der Kläger auch Klage auf Feststellung wegen des gesamten ihm durch die Beorderung des Wagens entstandenen Schadens erhoben« Mit dieser Klageerhebung war die Verjährung gemäß § 2o9 BGB unterbrochen« Da der Kläger in jenem Prozeß von der Feststellungs- zur Leistungsklage übergegangen ist und diese entsprechend dem Umfang des ihm bewilligten Armenrechts nur in Höhe von 2.500 DM nebst Zinsen durchgeführt hat, ist hinsichtlich des den Zahlungsanspruch von 2«500*DM übersteigenden 'feiles des Schadens die Klage entweder stillschweigend zurückgenommen worden mit der Wirkung, daß nach § 212 BGB die durch Erhebung der Peststellungsklage eingetretene Unterbrechung als nicht erfolgt gilt, oder der Prozeß ist dadurch, daß er nicht betrieben worden ist, in Stillstand geraten mit der Folge*, daß nach § 211 BGB seit der Umstellung der Feststellungsklage auf die leistungsklage über 2.500 UM die durch die Erhebung der Feststellungsklage bewirkte Unterbrechung der Verjährung hinsichtlich des den Betrag von 2.500 DH übersteigenden Schadens beendet worden ist. Demgegenüber kann der Kläger sich nicht darauf berufen, ihm sei im Vorprozeß das Armenrecht nur in Höhe von 2.500 DM bewilligt worden. Der Kläger hätte rechtzeitig um das Armenrecht für eine den vollen Schaden umfassende leistungsklage oder zwecks Geltendmachung des vollen Schadens im Berufungsrechtszug des Vorprozesses nachsuchen können und, soweit, ln dem das Armenrecht nur für einen Teilbetrag von 2.500 DM bewilligenden Beschluß vom 3.