BGH · III ZR 51/54
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RNotÖ § 21$ BGB § 839 Rechtssatz's Der Notar darf hei der Beurkundung eines Rechtsgeschäfts - sofern im Einzelfall nicht besondere Anhaltspunkte für die gegenteilige Annahme ersichtlich sind - grundsätzlich davon ausgehen«, daß der von den Beteiligten zur Durchführung des Rechtsgeschäfts hestelltet (Treuhänder auftragsgemäß verfahren wird«, Von Rechts wegen Tatbestands Am 28o Juli 1949 beurkundete der Beklagte als Notar auf Grund eines- von dem Hausmakler OflHK angefertigten Entwurfs einen Vertrag, durch den die. Nunmehr verlangt die Klägerin von dem Beklagten Schadensersatz aus dem Gesichtspunkt der Amtspflichtsverletzung und hat Klage erhoben mit dem Antrag, den Beklagten zur Zahlung eines Teilbetrags von 2»000 DM nebst Zinsen zu verurteilen« Zur Begründung hat sie im einzelnen vorgetragen: des § 2 des Kaufvertrages ergäbe sich ohne weiteres, daß infolge des Vorhandenseins größerer Reichsmark-Hypotheken notwendig auch Umstellungsgrundschulden in Höhe von 9/10 der noch valutierten Reichsmark-Beträge entstanden seien« Zwar seien die Parteien bei Vertragsschluß davon ausgegangen, daß diese Umstellungsschulden in voller Höhe weg-fallen^wUrden, weil es sich um ein bombenzerstörtes, allerdings zu dem feil wieder aufgebautes Grundstück gehandelt habe« Tatsächlich sei es aber in dieser Hinsicht nur zu einem Teilverzieht der verwaltenden Stelle gekommen« Die auf Veranlassung der Klägerin beantragte Löschung der Umstellungsgrundschulden habe zu keinem vollen Erfolg geführt« Infolge einer zwischenzeitlichen Pfändung der entsprechenden Eigentümergrundschulden sei eine Belastung in Höhe von 750 DM und infolge einer Abtretung eine weitere Belastung in Höhe von 1«000 DM im alten Range bestehen geblieben« Weiter sei durch die Eintragung der der, Bundespost eingeräumten Hypothek von 25 o 000 DM im Range vor den inzwischen gelöschten Umstellungsgrurdschulden diese Hypothek vertragswidrig der Restkaufgeidnypothek vprgegan-gen« Hierdurch und infolge Vorhandenseins der restlichen Umstellungsgrundschulden habe die Klägerin bei der 7er-' * kasse zu einer Vorrangeinräumung veranlaßt« Er habe auch die Auflassungsniederschrift ohne Hinweis auf den der Restkaufgeldhypothek zukommenden Rang beim Grundbuchamt eingereichto Dieses voraussehbare Verhalten des G^H^ habe der Beklagte vorsorglich in die ihm obliegende Be- lehrung der Klägerin einbeziehen müssen* Er habe die Klägerin darüber belehren müssen, daß am 26, Juli 194-9 nicht sicher mit dem wegfall der Umstellungsgrundschulden bei bombenzerstörten Grundstücken zu rechnen sei, daß bei einem auch nur teilweisen Bestehenbleiben der Umstellungsgrundschulden der von der Klägerin ausbedungene Rang praktisch nicht erreichbar sei, daß auch im Ealle eines Verzichts auf die Umstellungsgrundschulden möglicherweise Eigentümergrundschulden entstehen würden, daß die Gefahr einer' zwischenzeitlichen rangbeeinträchtigenden Verfügung über die Umstellungsgrundschulden bzw0 Eigentümergrundschulden gegeben sei, daß eine Sicherung dagegen durch Eintragung einer Löschungsvormerkung nach § 1179 BGB geboten sei und daß die Eintragungsbewilligung bezüglich der Restkaufgeld-hypothek unter Erwähnung des vorgesehenen Ranges sogleich in den Kaufvertrag aufgenommen werden müsse« Die Unterlassung einer solchen Belehrung habe den Schaden herbeigeführt o Auf andere Weise sei Ersatz nicht zu erlangen? Di>se seien ersichtlich schon vorher juristisch beraten und sich über das Vorhandendensein von Umstellungsgrundschulden im klaren gewesen« Auch habe die Klägerin zu dem Ausdruck gebracht, daß sie keine weitere rechtliche Belehrung wünsche« Ein etwaiger Schaden der Klägerin sei nicht durch die vertragliche Regelung des Grundstücksverkaufs als sol^r;*/ che, sondern durch das nicht voraussehbare ungetreue Verhärten des Hausmaklers G^H^ und des Käufers entstanden* Zudem habe die Klägerin durch eigenes nachlässiges Verhalten die Beeinträchtigung ihrer Rechte selbst verschuldet« Schließlich sei die Ersatzpflicht des Beklagten Die entscheidenden Vorwürfe, die die Klägerin gegen den Beklagten erhebt,gehen dahin, daß nach dem Vertrage, so wie er von dem Beklagten beurkundet worden sei, die Gefahr bestanden habe, daß die für die Klägerin vorgesehene Restkaufgeldhypothek den vereinbarten Rang tatsächlich nicht bekommen werde, und daß der Beklagte es in dieser Richtung an den gebotenen Belehrungen schuldhafterweise habe fehlen lassen, so daß diejenigen rechtlichen Maßnahmen, mit denen dieser Gefahr hätte begegnet werden können • (Löschungsvormerkung u.a.), unterblieben seien. Es ist mithin Pflicht des Notars, rechtlich einwandfreie Urkunden zu fertigen und ihnen einen Inhalt zu geben, der dem wahren Willen der Beteiligten und.dem mit der Urkundenerrichtung verfolgten Zweck entspricht (vgl dazu die Entscheidung des Senats vom 29* Oktober 1953 in I»M Nr 2 zu § 21 RNotÖ mit weiteren Nachweisen), Die hiernach bestehende Verpflichtung des Notars zur Belehrung der Beteiligten laßt sich ihrem Umfang nach nicht ein für allemal fest umgrenzen, bestimmt sich vielmehr nach den Besonderheiten des einzelnen Palles, wie der Senat in der angeführten Entscheidung ebenfalls unter Hinweis auf die reichsgerichtliche Rechtsprechung hervorgehoben hat. Richtig ist - wie das Berufungsgericht schon ausgeführt hat -, daß der Beklagte angesichts dessen, daß ihm ein von einem Hausmakler angefertigter Urkundenentwurf ' vorgelegt wurde, nicht bereits grundsätzlich jeder Beleh- Von maßgeblicher Bedeutung für die Frage, ob und inwieweit der Beklagte die Beteiligten in der hier in Frage stehenden Richtung zu belehren hatte, ist im vorliegenden Fall die in den Vertrag aufgenommene Bestimmung, daß die Eigentumsveränderung nicht vor Eintragung der Restkaufgeldhypo-thek erfolgen, die einzige Ausfertigung des Auflassungsprotokolls dem <Hausmakler zu treuen Händen ausgehän- digt werden solle und dieser beauftragt werde, das Protokoll beim Grundbuchamt erst einzureichen, "nachdem die vertraglich vorgesehenen Zahlungen erfolgt bzw„ sichergestellt" seien» Biese Bestimmung besagte - wie in dem 5m Vorprdzeß gegen Gerstel ergangenen oberlandesgerichtlichen Urteil (S 21 - 23) zutreffend’.und in ttbereinstimmung mit der von der Klägerin selbst vorgetragenen Auffassung ausgeführt ist -eindeutig, daß, solange nicht sämtliche Belastungen gelöscht waren, die der Eintragung der Restkaufgeldhypothek mit dem vereinbarten Rang entgegenstanden, der Treuhänder- G^- das Auflassungsprotokoll dem Grundbuchamt zur Umschreibung des Eigentums nicht einreichen durfte» Biese bereits in dem Vertragsentwurf vorgesehene Bestimmung läßt aber auch erkennen, daß die Beteiligten* wenn sie auch vielleicht nicht die rechtlichen Auswirkungen einer vorzeitigen Einreichung der Aüflassungsniöderschrift und damit einer vorzeitigen Eintragung’'des^Sigentumsweohs^Is in allen Einzel-heiten Überschauten, sich doch~ääruue?"i*u Klaren waren, daß mit einer solchen Maßnahme Jedenfalls eine Gefährdung der Rechtsstellung der Klägerin verbunden war» Denn wenn vorgesehen war, daß die Eintragung der Eigentumsveränderung nicht zur Durchführung des "beurkundeten Bechtsgeschäfts bestellten Treuhänders ausgehen dürfe, vielmehr grundsätzlich mit dessen unredlichem Verhalten rechnen und dementsprechend die Beteiligten über die bei einem treuwidrigem Verhalten des Treuhänders für sie entstehenden rechtlichen Gefahren aufmerksam machen und entsprechende rechtliche•Sicherheitsmaßnahmen anempfehlen müsse, dann würde man die Sorgfalts- und Belehrungspflichten des Notars, die grundsätzlich nicht über die Klarlegung, Gestaltung und Fassung des aufzunehmenden Par teiwillens hinausgehen, überspannen« Daß hier für den Beklagten ein besonderer Anlaß zu Zweifeln in der Dichtung gegeben gewesen sei, ob der von den Beteiligten als Treuhänder bestellte Häusmakler &as in ihn gesetzte Ver- widrig zu handeln, bei der hier gegebenen Sachlage davon absehen, den Vertreter der Klägerin im einzelnen darüber zu belehren, welche rechtliche Gefährdung sich für sie ergeben konnte, wenn GflH^ auftragswidrig handeln und die Auflassungsniederschrift zu dem Grundbuch einreichen würde, be~ror sichergestellt war, daß die ^Bestkaufgeldhypothek mit dem vereinbarten Bang eingetragen werjdsr. Damit ist auch bereits allen Vorwürfen der Klägerin in der Dichtung, daß der Beklagte schuldhaft (mit-)verursacht habe, daß die Eigentumsänderung eingetragen worden sei, ohne daß'der vereinbarte Bang für die Bestkaufgeldhypothek sichergestellt war, der Boden entzogen. Eines besonderen Hinweises* daß dann - wenn die Erwartung der Klägerin* die Umstellungsgrundschulden würden kraft Gesetzes ohne weiteres Wegfällen* sich nicht erfüllte - die Grundschulden bestehen bleiben* und zwar möglicherweise als Eigentümergrundschulden bestehen bleiben würden, bedurfte es nicht« Denn auch in diesem Falle, nämlich bei einem Bestehenbleiben der Umstellungsgrundschulden, konnte nach dem Vertrag eine Gefährdung der Rechtsstellung der Klägerin hinsichtlich der Restkaufgeldhypothek nicht eintreten, da diese Hypothek den ihr zugedachten Rang eben nur bei völligem Wegfall auch der Umstellungsgrundschulden (sei .es kraft Gesetzes* sei es durch Löschung) bekommen konnte« Auch war dadurch, daß als Treuhänder die Auflassungsnie- derschrift erst nach Sicherstellung des für die Restkaufgeldhypothek vorgesehenen Ranges einreichen durfte* in einer Weise, die dem Notar als ausreichend erscheinen durfte, gewährleistet, daß auch tatsächlich die Hypothek nur eingetragen werden würde, wenn sie den ihr zugedachten Rang beicanu Andererseits war ebenfalls vorgesehen* daß die Eigentumsänderüng' nicht.''ohne die Eintragung der Restkaufgeldhypothek erfolgen durfte« Nach dem Vertrete kon’n-te mithin bei auftragsgemäßem Verhalten des der Fall, daß die Eigentumsänderung noch vor völliger Sesejjj* tigung der Umstellungsgrundschülden eingetragen und die Klägerin dadurch gefährdet werden könnte, überhaupt nicht eintreten« Brauchte aber der Beklagte mit einem auftragswidrigen Verhalten des Gerstel und damit auch mit der aufgezeigten Gefährdung der Klägerin überhaupt nicht zu rechnen, dann kann ihm auch aus der unterbliebenen Belehrung über die "Umstellungsrechtslage" ein begründeter Schuldvorwurf nicht gemacht werden« Damit entfällt auch der Vorwurf der Klägerin dahin, daß der Beklagte die Eintragung einer Löschungsvormerkung habe anregen müssen,, Hierzu bestand einmal deswegen keine Veranlassung, weil eine LöschungsVormerkung überhaupt nur dann hätte in Betracht kommen können, wenn die Eintragung der Restkaufgeldhypothek vor der Beseitigung der Umstel-luhgsgrundschulden eingetragen worden wäre« Bas sollte nach dem Vertrage aber gerade nicht geschehene Deswegen waren Erörterungen' über eine LöschungsVormerkung von vornherein gegenstandslose Baß dem Beklagten daraus ein begründeter Vorwurf gemacht werden könne, daß er nicht zu einer Abänderung der in dem Vertragsentwurf vorgesehenen Bestimmung geraten habe, die Eintragungsbewilligung hinsichtlich der Restkaufgeldhypothek solle in besonderer Urkunde erfolgen, ist nicht einzusehen« Wenn die den darüber getroffenen Vereinbarungen entsprechende Eintragung der Hypothek sofort hätte erfolgen können, wäre möglicherweise der Beklagte gehalten gewesen, die Beteiligten darauf hinzuweisen, daß sich aus Kostenersparnisgründen die Aufnahme der Eintragungsbewilligung in den Kaufvertrag empfehle« Im übrigen ist ein sachlicher Grund, der die Beurkundung der Eintragungsbewilligung in einheitlicher Urkunde mit dem Kaufvertrag dem Beklagten hätte geboten erscheinen müssen, nicht ersichtliche Im Gegenteil konnte es hier mit Rücksicht darauf, daß vor der Eintragung der Hypothek noch die Löschung von Vorbelastungen erfolgen sollte und insbesondere auch die Umstellungsgrundschulden weggefallen sein mußten, für die Klägerin durchaus angebracht erscheinen, mit der Erklärung der Eintragungsbewilligung vorerst noch zu warten, bis insoweit die Binge weiter geklärt wareho