BGH · III ZR 50/64 vom 01.07.1965
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Ferner setzten die Eheleute für den Fall ihres Todes je zur Hälfte als Erben ihre Tochter Eilen verehelichte DMHÜR sowie die ehelichen Abkömmlinge ihres Sohnes Dr.Harry S| ein, und zwar untereinander starnmweise zu gleichen Teilen Sie bestimmten weiter, wer von den Erben mit dem Inhalt des Testamentes nicht einverstanden sei, solle nur seinen Pflichtteil erhalten, und zwar unter Abzug aller abrechnungsfähigen sie auf den Zeitpu den Beklagten zu dem gäbe, soweit ihre Vorempfänge. Harz 1958 Hans Zu diesen Zeitpunkten lebten ihre Tochter Ellen ihr Sohn Br. Harry Sund die sieben ehelichen Kinder ihres Sohnes, nämlich die Enkel Karl-Heinz SJutta verehelichte Renate verehelichte Be^BR Reiner S^BBi der Kläger Gert SBBHBBA Hella verehelichte und Hannelore Ausweislich des Testaments war der Kläger zu 1/14 als Erbe nach seinen Großeltern berufen. In diesem erkannten die Kinder den Pflichtteilsanspruch ihres Vaters an, weil nach ihrer Auffassung trotz der im Testament angeordneten Pflichtteils ent Ziehung Zweifel an der Berechtigung dos Anspruchs nicht bestünden. Die Führung der Geschäfte der Gesellschaft wurde in dem Vertrag dem Vater Dr.Harry StHHHHH übertragen, der unter Befreiung von der Vorschrift des § 181 BGB die Gesellschaft Dritten gegenüber zu vertreten und allein den Verkehr mit dem Testamentsvollstrecker, der Kitei'bin Ellen und sonstigen Personen zu führen habe, mit denen Geschäfte abzuwickeln seien, und der ferner ermächtigt sei, Mittel der Gesellschaft für die Ausbildung oder Gründung einer eigenen Existenz eines Gesellschafters einzusetzen. Br. Harry legte den notariellen Vertrag von 9- April 1938 dem Beklagten zu dem Zwecke des Nachweises 'der Vollmacht seiner Kirner vor. Am 17.August 1961 erschien der Klüger mit seinem Bruder Reiner im Büro des Beklagten gemäß dessen Aktennotiz und wies ihm eine vom Vater entworfene und vom Kläger und seinem Bruder Unterzeichnete Vollmacht vor. Dort hieß es, dar beide Brüder den notariellen Vertrag vom 9» April 1950 nach erreichter Volljährigkeit genehmigt hätten, Ais der Beklagte daraufhin den beiden Brüdern erklärte, daß sie durch diese ihre Unterschriften gegen den Inhalt dos Testaments verstoßen hätten und dadurch ihrer Erbrechte verlustig gehen würden, erklärten beide, sie •wollten die Angelegenheit noch einmal mit ihrem Vater besprechen, nachdem sich Br.Harry in einer Besprechung vom 18, August 1961 gegenüber dem Beklagten geweigert hatte, den Vertrag vom 9. April 1956 rückgängig zu machen, wies der Beklagte den Vater darauf hin, daß er die Konsequenzen aus Ziffer 4 des Testaments vom 14. Oktober 1961 - 72 0 223/61 - wies das Landgericht die Klage mit der Begründung ab, daß der Bruder Exirl-Heinz durch Abschluß des Vertrages vom 9. Er sei daher auf den Pflichtteil gesetzt und könne keine Erträgnisse des Nachlassen als Erbe vom Beklagten herausverlangen. Am 20.Oktober 1961 teilte der Vater im Einverständnis des Klägers dem Beklagten folgendes mit: "Nachdem Sie erstmals die Ansicht geäußert haben, der notarielle Vertrag beinhalte die Erklärung der Erben, daß sie mit dem 'Testament nicht einverstanden seien, haben Reiner und Gci't (der Kläger) ihre Genehmigung des Vortrages mit meinem Einverständnis widerrufen. Durch Urteil vom 13- Pebruar 1962 - 2 U 190/61 -wies aas Oberlandesgericht die Berufung des Bruders Karl-Heinz gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg im wesentlichen aus den Gründen der angefochtenen Entscheidung zurück. Der Beklagte lehnte es nunmehr endgültig ab, irgendwelche Erträge aus dem Nachlaß der Großeltern für die Jahre 1961 und 1962 an den Kläger auszuschütten. D~s Berufungsgericht nimmt in Übereinstimmung mit dem Landgericht an, der Kläger habe seine Rechte aus dem Testament seiner Großeltern verwirkt • Dies sei zwar nicht durch den Abschluß des Vertrages vom 9. Es sei aber noch zu bedenken: Wenn nach dem Testament derjenige Erbe, der mit dem Inhalt des Testaments nicht einverstanden sei, nur seinen Pflichtteil erhalten solle, so sei keine Willenserklärung erforderlich, um den Verlust der Erbenstcllung zu bewirken. Nach dem Sinn und Zweck der ietztwilligen Verfügung, nämlich dem der unabänderlichen Durchsetzung des letzten ’Willens der Großeltern, habe es genügt, daß der Kläger durch seine Erklärungen vom 24- Oktober I960, Ihm sei bekannt gewesen, daß seine ,-n seinen Vater enterbt und diesem darüber hinau Großeite den Pflichtteil entzogen hätten. Ihm sei ferner bekannt gewesen, daß ein Erbe, der mit den Inhalt des Testaments Pa ihn der letzte Y/ille seiner Großeltern gebunden habe, sei er nicht berechtigt gewesen, einen Pflichtteilsanspruch seines Vaters freiwillig ansucrkennen, ohne dadurch die auflösende Bedingung seiner Erbeinsetzung wirksam werden zu lassen. Auf jeden Fall aber hätte der Kläger den Pflichtteilsanspruch seines Vaters durch seine Erklärungen nicht unter bewußter Nichtachtung des gemeinschaftlichen Testaments uneingeschränkt anerkennen dürfen. Insbesondere dadurch, daß der Klüger seinen Vater wirksam zu seinem unbeschr än k t en Bevollmächtigten bestellt hat, hat er die letstwillige Verfügung seiner Großeltern in ihren Wirkungen v/eitgehend aufgehoben und damit ihrem letzten Villen zuwider weitgehend ausgehöhlt. Durch das Verhalten des Klägers aber, der seinen Vater nach Eintritt der Volljährigkeit durch seine Erklärungen zur Y/ahrnehmung seiner Interessen gegenüber den Testamentsvollstrecker wirksam bevollmächtigt und damit in den Stand gesetzt habe, für'ihn und sich zu handeln, hat er diesem Einwir-■ kungsmöglichkeiten auf den Uachlaß eingeräumt, die dem letzten V/illen der Erblasser eindeutig widerstreiten. Die Auffassung des Berufungsgerichts, Sinn und Zv;eck des gemeinschaftlichen Testaments habe der unabänderlichen Durchsetzung des letzten 'willens der Großeltern gedient, und die 1 c':immung des Testaments, ein Erbe, der mit dem Inhalt des Testaments nicht einverstanden sei, solle nur seinen Pflichtteil erhalten, griffe bereits dann ein, wenn ein Erbe, wie hier der Kläger durch seine Erklärungen vom 24« Oktober I960, 21« Juli und 17« August 1961, eindeutig zu erkennen gegeben habe, daß er den letzten V/illen der Erblasser nicht beachten wolle, bewegt sich, insofern sie eine Auslegung des Testamentes vornimmt, auf dem grundsätzlich dem Tatrichter vorbehaltenen Gebiet« Einen hierbei dem Berufungsgericht unterlaufenen beachtlichen Auslcgungs-fehler vermag die Revision nicht aufzuzeigen« Ob eine Verwirkung auch bei hehlen einer Kenntnis des Tirbcn von einer Verwirkungsklausel eintritt, wogegen sich die Revision wendet, kann dahingestellt bleiben; denn das angefochtene Urteil stellt fest, der Kläger habe die Verwirkungsklausel gekannt, und erwähnt nur beiläufig, eine Unkenntnis würde ihn auch nicht vor dem Verlust der Erbenstellung geschützt haben« 'Venn die Revision meint, es könne einen Erben nicht verübelt werden, wenn er mit seiner Erbschaft mache, was er für richtig halte, Verfügungen von Todes wegen hätten nur einen beschränkten V/irkungsgrad, so ist ihr soviel v zugeben, daß die Verwirkungsklausel in Gestalt einer Setzung auf den Pflichtteil oder einer Entziehung der Zuwendung für den Rail der Anfechtung oder Uichtbefolgung des letzten Villens im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht besonders behandelt wird« Ihre grundsätzliche, schon unter dem gemeinen Recht anerkannte Zulässigkeit wird aber bejaht« Die Verwirkungsklausel enthält vielfach, so auch hier, eine auflösend bedingte Erbeinsetzung, wobei die Setzung einer Bedingung an sich den allgemeinen Vorschriften unterliegt und innerhalb der Grenzen dessen, was Gesetz und Sitte gebieten, ihrem Inhalt nach weitgehend von dom Erblasser bestimmt werden kann ( EG J'7 1924, 1717)« Die Verwirkungsklausel kann dahin zu verstehen sein, daß nur ein erfolgreiches Vorgehen des im Testament Bedachten die "strafe" nach sich ziehen soll; sie kann auch bedeuten, daß schon ein ernstlicher Versuch, die Gültigkeit des Testamentes in Präge zu stellen, und ein Zuwiderhandeln gegen die Bestimmungen des Testamentes ohne Rücksicht auf den Erfolg einen Grund für den angedrohten Rechtsverlust bilden soll (RG aaO)= Pie Klausel kann auch solche Fälle betreffen; in denen die Bestimmungen des Testamentes z-v/ar formell unangetastet bleiben, ihnen aber materiell zuwider-gehandelt wird, z, R « dadurch, daß der Bedachte das ihm Zugewandte ganz oder teilweise auf den vom Erblasser Ausgeschlossenen überträgt (EG?. Im vorliegenden Fall bedeutete die Durchsetzung des letzten Willens der Großeltern des Klägers, daß Pr, Harry soweit nur irgend me...lieh, von dem Nachlaß auf dem Wege einer im freien Villen der Erblasser stehen- 9« April "958 und damit Vereinbarungen genehmigte; die seinem Vater zur Wahrnehmung seiner Rechte an dem Nachlaß der Großeltern unbeschränkte Vollmacht erteilten, wenn er es gut hieß, daß ausschließlich seinem Vater der Verkehr mit dem Testamentsvollstrecker obliegen solle, und wenn er seine Rechte an den Nachlässen der Großeltern in eine Gesellschaft einbrachte, zu derem alleinigem Geschäftsführer mit einer Verfügungsbefugnis über die Gesollsehaftsmittel Dr„ Harry bestellt wurde-. Damit hat der Kläger, wie das Berufungsgericht zutreffend annimmt, seinem Vater Ein-wirkungsmöglichkeiten auf die Nachlässe eingeräumt, die dem letzten 'Pillen der Erblasser eindeutig widerstreiten, und hat er sein Erbrecht kraft der Verwirkungsklausel verwirkt o Ob der Vertrag vom 9« April 1958 ganz oder teilweise der Rochtsgültigkeit entbehrte., bleibt ohne Bedeutung; denn die revisionsrichterlich nicht zu beanstandende Auslegung daß der Kläger durch seine Erklärungen zu erkennen gegeben habe, er wolle den letzten Willen der Erblasser nicht beachten , und daß die Durchsetzung dieses letzten 'Willens als von ihm gefährdet erscheine» Überdies haben sich die Beteiligten zur,lindest zeitweise so verhalten, als ob der Vertrag gültig sei» Hieran wie an der Erwägung, daß der Testamentsvollstrecker den Nachlaß, nicht aber das Hecht des Erben verwaltet und daher keine I'itwirkungobefugnisse bei der Verfügung eines Erben über sein Erbteil inne hat, scheitert die Auffassung der Revision und insbesondere ihre Erwägung, Äußerungen des Klägers vor Vollendung seines 25» Lebensjahres ( 13o Oktober 1964) seien ohne rechtliche Bedeutung.. Ist dem aber so, dann kommt es nicht mehr darauf an, ob die von der Revision bekämpfte Ansicht «es Berufungsgerichtes zu billigen ist, wonach der Kläger sich auf die Erfüllung des Pflichtteiloonsprucho seines Vaters hätte verklagen lassen müssen, ebensowenig darauf, ob die Entziehung des Pflichtteils zu Lasten von Dr» Harry S' gerechtfertigt gewesen ist oder nicht» Soweit die Revision in diesem Zusammenhang darauf verweist, daß die Kinder ihrem Vater unterhaltspflichtig seien und der Erblasser insoweit gar nicht verhindern könne, daß aus seinem Vermögen Gelder von dem Kind an den Vater fielen, ist ihr entgegenzuhalten, daß der Kläger sich in den Vorinstanzon auf eine solche Unterhaltspflicht nicht berufen hat» Vergeblich führt die Revision ihre Erwägung ins treffen, wenn die Erblasser, wie zu unterstellen 3ei, zu Unrecht die Entziehung des Pflichtteils gegenüber Dr» Harry S' WtKtK) verfügt hätten una dieser daher pflichtteilsberechti geblieben wäre, dann hätte der Kläger nicht nur nach der Auffassung des Berufungsgerichts sein Erbrecht verwirkt, sondern hätte er auch keinen Pflichttcilsanapruch„ Diese von der Revision als keinesfalls im Willen der Erblasser gelegen bezoichnete Lage braucht indessen nicht zwangsläufig einzutreten» Hätten nämlich die Erblasser wirklich zu Unrecht die Entziehung des Pin^nttoils zu Lasten von I)r, Harry 3verfügt und stünde - diesem noch ein Pflichtteilsrecht kraft Gesetzes zu, so ließe sich die Bestimmung im testament der Erblasser, wer von ihren Erben mit dem Inhalt des Testaments nicht einverstanden sei;, solle (nur) den Pflichtteil erhalten, als die Aussetzung eines Vermächtnisses in Höhe eben dieses Pflichtteils, insoweit zu Gunsten des betreffenden ^rben, verstehen» der Kläger durch sein Handeln zu erkennen gegeben hat, daß er die Lurchsetzung des letzte! 'willens der Erblasser gefährde, und daß die Beteiligten zu demindest zeitweise die Erklärungen dos Klägers als rechts-erheblich betrachteten und ihr Verhalten danach einrichtetoi Schließlich versagt auch die Huge der Ecvioion, die sich gegen die Annahme dos Berufungsgerichtes wendetü der Beklagte habe zwar die Erklärung abgegeben, er wolle "goldene Brücken" bauen und die Erbenotellung des Klägers anerkennen, falls der Vertrag vom 9« April 1958 aufgehoben würde; ihm habe aber als Testamentsvollstrecker die Befugnis gefehlt, zu bestimmen, wer Erbe sei; er habe daher insoweit nicht den Machlaß kraft seines Amtes verpflichten können» Insoweit sich die Revision darauf beruft, in diesen Erklärungen liege eine dem Testamentsvollstrecker nach den Testament zustohende Interpretation dos letzten V/illons der Erblasser, steht ihr entgegen, daß nach gesicherter Erkenntnis der Erblasser einen Testamentsvollstrecker nicht ermächtigen kann, seine letztwilligen Verfügungen maßgebend Wenn der Beklagte zunächst "goldene Brücken” bauen wollte, so kann daraus, zu demal angesichts der von ihm später eingenommenen Haltung, nicht mit der Revision eine tatsächliche Vermutung dahin abgeleitet werden, die 3irblrsser hätten das Testament so verstanden wissen wollen, wie der Beklagte ursprünglich die Sachlage zu behandeln sich borer b gefunden habe, Bas Entgegenkommen des Beklagton kann auch entgegen der Revision den Kläger nicht noch der Richtung entschuldigen, er habe das Testament ebenso verstehen dürfen, wie der Beklagte es verstanden habe Eos Berufungsgericht hat ausdrücklich festgecr, der Kläger habe die Enterbung und die Pflichttoilsent Ziehung zu dem Hschteil seines Vaters gekannt, er habe gewußt, daß ein Erbe, der mit dem Inhalt des Testaments nicht einverstanden sei, nur seinen Pflichtteil erhalten solle; ferner hat es festgestellt, der Kläger habe u.a,•dadurch, daß er seinen Vater zu seinen der Revision als vorletzt bezcichnetc § 286 ZPO richte Alles in allem läßt das angel’ochtene Urteil einen vom Revisionsgericht zu beachtenden Rechtsirrtum nicht ersehen so daß die Revision als unbegründet zurückzuv/cisen und der .Kläger gemäß §§ 97> 101 ZPO mit den Kosten des Revisions-rechtszuges zu belasten ist»