BGH · III ZR 50/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Februar 1934 schloß der Beklagte mit dem Kläger, der damals Privatdozent an der Universität in Frankfurt (Main) war und für die Besetzung des neu zu errichtenden Lehrstuhls in Aussicht genommen worden war, einen Vertrag ab, durch den der Kläger "als Direktor des neu einzurichtenden Forschungsinstituts Bad Homburg v.d.H. und als Chefarzt der inneren Abteilung des-Kreiskrankenhauses des Obertaunuskreises" angestellt wurde und eine "Besoldung .. des allgemeinen Krankenhauses Bad Homburg (Kreiskrankenhauses) ” waro Der Kläger wurde durch den Minister für T/issen-schaft, Kunst und Volksbildung zu dem Institutsleiter ernannt* In der Folgezeit kam es zwischen den beteiligten Körperschaften zu Auseinandersetzungen wegen der Kosten des Lehrstuhls* Mit Zustimmung der beteiligten Minister wurde - ohne Beteiligung des Klägers - schließlich durch Vertrag vom 15o Juni/15« August ^1939 eine Regelung dahin-getroffen, daß die dem Kläger nachder Besoldungsgruppe H 2 zustehenden .Bezüge auf den Beklagten und die Universitätsverwaltung aufgeteilt wurden; der Beklagte übernahm den Teil der Besoldung, der aufzuwenden gewesen wäre, wenn die Stelle mit einem aus der Besoldungsgruppe A 2 c 2 zu besoldenden Ai*zt besetzt worden wäre, v/ährend der Kurator der Universität sich verpflichtete, den Unterschiedsbetrag zwischen der Besoldungsgruppe A 2 c 2 und H 2 sowie die Konorargarantie zu zahlen; außerdem wurde noch vereinbart, daß der Beklagte "für die der Univei’sitat nach dem Hochschullehrerbesoldungsgesetz, Besoldungsgruppe 2, entstehenden Ausgaben für Pension und Hinterbliebenenbezüge" aufzukommen habe'« Ber Beklagte hat um Klageabweisung gebeten* Er tritt der Auffassung des Klägers, daß er Beamter des Beklagten gewesen sei, entgegen und bestreitet die Gültigkeit des Vertrages vom 27 ./28. Bas Berufungsgericht hat in Übereinstimmung mit dem Landgericht die Zuständigkeit des ordentlichen Gerichts bejaht, weil eine verv/altungogerichtliehe Zuständigkeit nur dann anzunehmen wäre, wenn der Kläger zu dem Beamten des Beklagten ernannt worden wäre, woran es aber im vorliegenden Palle fehle. men zu werden* Selbst wenn der Vertrag, den das Berufungsgericht schon deshalb als unwirksam ansieht, weil die Erklärung eines zweiten Kreisausschußmitgliedes gefohlt habe, nach den kommunalrechtlichen Bestimmungen als gültig anzusehen wäre, wäre am 8« Kai 1945 ein Vcreorgungsarispruch auf Grund dieses Vertrages nicht mehr gegeben gev/esen, weil der Vertrag nur vorübergehend die Beziehungen zwischen den Parteien regeln sollte und für die Zeit ab 1« November 1934 hinsichtlich der Besoldung und Versorgung des Klägers nicht mehr maßgebend war« Frage des Lehrstuhls • ««• äbzuschließenden Vertrages" regeln sollte, ergibt sich aus der klaren und ausdrücklichen Erklärung des Beklagten in seinem Schreiben vom 27« Februar 1934, mit der sich auch der Kläger selbst durch ihre widerspruchslose Hinnahme einverstanden erklärt hat (§§ 133, 157 BGB)« Auch der Regierungspräsident ist bei seinem Bescheid vom 27o Juni 1936, wie er ausdrücklich ausführt, davon ausgegangen, daß der - von ihm für ungültig gehaltene - Vertrag für die Zeit nach der Ernennung des Klägers zu dem beamteten Professor an der Universität in Frankfurt (Main) gegenstandslos geworden sei. Mit die ser Erklärung haben sich beide ‘Parteien abgefunden« laß in der Zeit nach seiner Ernennung•zu dem Professor auch der Kläger selbst nicht mehr an eine Maßgeb-lichkeit des Vertrages vom 27 «/28« Februar 1934 gedacht hat, ergibt sich daraus, daß er vom 1- November 1934 ab nicht mehr die Bezüge aus dem hier behandelten Vertrag, sondern die höheren Bezüge aus der Besoldungsgruppe H 2, die mit seiner Ernennung zu dem Professor verbunden waren, beansprucht und erhalten hat« Auch bei den späteren Erhöhungen des Grundgehalts ist dem Kläger jeweils eine Mitteilung hierüber von der Univoroitätsverv/altung zügegangen, so daß er auch hierdurch laufend darüber unterrichtet wurde, daß sei--ne Besoldung ihm auf Grund seiner Stellung als beamteter Pi*ofessor, nicht aber auf Grund des Vertrages vom 27*/28« Februar 1934, der eine andere Berechnung bedingt hätte, gezahlt wurde« Auch für die Tätigkeit im Kreiskrankenhaus war seit der Ernennung-des Klägers zu dem Leiter des "Univer-sitätsinstituto für Quellenforschung'und Baderlebre Frank-, furt am Main/Bad Homburg" nicht mehr der Vertrag vom 27«/ letztere Stellung wird deshalb auch in dem Vertrag vom 27«»/28«, Februar 1934 in erster Linie ei*-wähnt© Nach der Errichtung des Instituts als Universitäts-institut hatte der .Kläger die Leitung dieses Instituts nicht mehr auf Grund des Vertrages von 1934 inne, sondern auf Grund seiner Ernennung zu dem Institutsleiter durch den Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, daß nicht nur hinsichtlich der Besoldung, sondern auch hinsichtlich der Tätigkeit des Klägers im Kreiskrenkenhaus Ende 1934 und Anfang 1935 neue Rechtsgrundlagen eingeführt worden sind, durch die der ursprüngliche, allein zur einstweiligen Regelung der Ver hältnisse bestimmte Vertrag vom 27./28. Jedenfalls war diese deshalb notwendig, weil die Parteien sie in ihrem Vertrag ausdrücklich als eine Voraussetzung für die Verbindlichkeit ihrer Abmachung.vereinbart haben© Durch den Bescheid des Regierungspräsidenten vom 27© Juni 1936 ist klargestellt worden, daß der Vertrag jedenfalls für die Zeit nach Ernennung des Klägers zu dem beamteten Professor vom Regierungspräsidenten nicht genehmigt wurde© Der Vertrag hat also am 8« Mai 1945 keine Bedeutung mehr gehabt© Auch ein "faktisches Angestelltcnverhältnis,, lag zwischen den Parteien nicht vor© Vielmehr war die Tätigkeit des Klägers im Kreiskrenkenhaus mit seiner Ernennung zu dem Institutsdirektor verbunden, wie schon dargelegt .worden ist O 2«) Ob dem Kläger gegen den Beklagten aus den nach seiner Ernennung zu dem Professor und Institutsdirektor abgeschlossenen Verträgen des Beklagten mit der Universität Ansprüche erwachsen sind, steht im vorliegenden Rechtsstreit nicht zur Entscheidung* Der Kläger hat den mit der vorliegenden Klage erhobenen Anspruch allein auf seinen Vertrag vom 27o/28c Februar 1954 gestützt, wie sich aus dem Tatbestand der Vorderurteile und dem Akteninhalt klar ergibt*