BGH · III ZR 44/56
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soweit sie sich gegen den Klageanspruchs richteta die Anschlußberufung des Klägers wird auch der eltend gemachte weitere Anspruch dem Grunde nach htfertigt erklärte Verhandlung und Entscheidung über die Höhe der rüche und die Kosten der Revision wird die £ache rufungsgerieht zurückverwiesen* damit durch den Luftzug Gase aus dem Kanal entfernt wurden*» Im Jahre 1934 änderte die Bundespost die Bestimmungen der Telegrafenbauordnung (TBO) und ihrer "Vorschriften zur Verhütung -on Unfällen im Fernmeldebaudienst (UV) dsjhin ab? wenn während der Arbeiten von Zeit zu Zeit mit dem Gasanzeiger das Vorhandensein von Gas nachgeprüft wurdeo Der Kabelschacht 20 hatte zwei Betondeckel, von denen einer vier ‘Bntlüftungssehlitze hatte« Während der Arbeiten am Unfalltag waren die Kabelschächte 18 und 19 geöffnet die beiderseits benachbarten Schächte? deckel derenfa geöffnet werden müssen* Der Bautrupp habe auch kein Gasprüfgerät benutzte Selbst wenn der Bautrupp die jetzigen Bestimmungen beachtet hübe, hätte er während der Arbeiten nochmals eine Gasprüfung vornehmen müssen«. agte hat die Abweisung der Klage beantragt und e Haftung bestehe höchstens für eine Verletzung ihrer privatrechtlichen Verkehrssicherungspflicht0 Diese Pflicht hätten ihre Bediensteten nicht verletzt, da sie insbesondere alle Bestimmungen der Unfallverhütungsvorschriften beachtet hätten* Die Pntlüftungsschlitze seien groß genug gewesen und fortlaufend, überprüft worden* Der vom Bautruppführer damit beauftragte Postschaffner Be®^ habe am Unfalltage und am Tage vorher durch eigene Prüfung festgestellt, daß auch die Entlüftungsschlitze am Schacht 20 offen gewesen seien* habe sich ferner durch sachgemäße Anwendung' des bei der Bundespost eingeführten und bewährten Gasspürgerätes Aladin vor Beginn der Lötarbeiten davon überzeugt, daß die beiden Kabelschächte 18 und 19 frei von Gasen gewesen seien* Der Gasrohrbruch müsse sich erst während der Arbeiten Eine Öffnung des Schachtdeckels 20 hätte die verhindert, sondern im Gegenteil die Explosions Wirkung noch vergrößert0 Die früheren Vorschriften seien eine Kotlösung gewesen, weil es damals keine brauchbaren Gasspür- ereignet haben* Explosion nicht gerate gegeben habe0 Die Entwicklung der neuen Gasspürgeräte habe die nötige Sicherheit gebracht und die Öffnung der benachbarten Schachtdeckel erübrigt, die sich auch als Verkehrs-gefährdend erwiesen habe, Sie habe alle bei den Arbeiten tätigen Bediensteten sachgemäß ausgewählt und fortlaufend ordnungs mäßig überwacht9 insbesondere auf die genaue Einhaltung ihrer Unfallverhütungsvorschriftent Das Landgericht hat die Beklagte aus dem Gesichtspunkt der A.mtspflichtverletzung verurteilt, an den Kläger vom 1« noch vergrößert hätte„ Es hat auf Grund der Beweisaufnahme festgestellt, daß der Bautrupp die nach den jetzigen Unfallverhütungsvorschriften angeordneten Maßnahmen eingehalten habe, insbesondere daß die Kabelschächte 18 und 19 mindestens anderthalb Stunden vor Beginn der Lötarbeiten offen gehalten worden seien, daß die Entlüftungsschlitze des Ischachtes 20 nicht verstopft gewesen seien ie Schächte 18 und 19 ordnungsgemäß mit dem idin längere Zeit vor Beginn der Lötarbeiten tivem Befund überprüft habet Das Berufungs-rner dem Gutachten des Sachverständigen Pro-ahin, daß es nach einem Zeitablauf von zwei .ner Nachprüfung durch das Gasprüfgerät bedurft tere Entlüftungsschlitze in dem zweiten Deckel die Explosion nicht verhindert hatten« Das Oberlandesgericht schließt sich endlich dem Sachverständigen auch in folgender Hinsicht am Die Unfallverhütungsvorschriften der Beklagten hätten den letzten Stand der - allerdings ständig im Fluß befindlichen -Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse verarbeitet? deshalb empfehle sich allerdings, in Zukunft bei Arbeiten mit offener Flamme in einem Kabelschacht ohne Ausnahme die Deckel der benachbarten Kabelschä-chte voll zu Öffnen und die Bestimmungen zu ändern? io) Anspruchsgrundlage sind die Bestimmungen des § 839 BGB und Art 34 GrundG$ denn die Betätigung der Bundespost ist regelmäßig Ausübung Öffentlicher Gewalt* Es müssen besondere Umstände vorliegen? liehen Betätigung nicht gefährdend und sehä-guter unbeteiligter Dritter einzugreifen '9)o Die Bundespost hat durch den Bau ihrer hächte unter den Burgersteigen eine Gefahr sich in diesen Anlagen Gase ansammeln können, im Falle einer Explosion schwere Schäden ver-ß deshalb bei Vornahme von Kabelarbeiten mit rsorge treffen, daß diese Gase nicht explo- re hat diese Pflicht nicht erfüllt $ denn nach n des Berufungsgerichts wäre der Unfall nicht n der Bautrupp, wie es die früheren Unfallver-ten vorgesehen hätten, den Deckel des Schach-5ffnet'hätte« Die Abänderung der Bestimmungen Schaden ursächlich, ohne daß außergewöhnliche rkt haben, wie unten ausgeführt wird« hte die Anwendung eines Gasprüfgerätes vorge-Maßnahme,bot, wie heute feststeht, nieht die it wie die Öffnung der Schachtdeckel« Das Be-eint aber, daraus sei der Beklagten kein Vorwurf zu machen, weil der Unfall auf Umständen beruhe, die man für ausgeschlossen gehalten habe, die also nicht vorhersehbar gewesen seien« Damit wird jedoch das Berufungsgericht dem Inhalt des Gutachtens von Professor äas sieh das Be- ften umfangreiche Sicherungsmaßnahmen an« Hier han-sich ferner um Kabelanlagen in einem Bergbaugebieto De^ verursacht erfahrungsgemäß Bodensenkungen, Rohrbruche ichtigkeiten in Gasleitungen* Der Sachverständige Kör-dazu erklärt, daß man im Bergbaugebiet allgemein mit egungen rechnen.müsse und immer wieder Palle bekannt ge-eien, in denen Unfälle durch in Kabelschächte einge-Gase entsteheno Professor hat ferner erklärt, die Kabelkanäle trotz der Entlüftungsschlitze in den eckein mit Gas füllen« Auch das wußte die Beklagte em Zugeständnis und ihre Vorschriften gehen trotz der ngsschlitze von der Gefahr einer Vergasung aus0 Die iner Explosion besteht schon bei einem Gehalt von chtgas in der Luft« das verwendete Gasprüfgerät spricht t bei einem Gemisch von 5$ an0 Pas explosive Gasge-t in den Kabelanlagen nicht gleichmäßig vorhanden, sieht in Schwaden im allgemel nen langsam an der oberen der Röhren entlang, auch nicht kontinuierlich, sondern rbrechungeiio Das in den Kabelschacht eingelassene t kann also diese Gasschwaden nicht immer erfassen t auch nach der Darstellung des Sachverständigen einen nur flüchtig erfaßten Gasschwaden nicht sofort anu Er meint sogar, das Gerät könne die dünnen, aber schon explosivgefährlichen Schwaden nur durch Zufall erfassen, obwohl mengenmäßig beachtenswerte Gasmengen hätten ausgetreten sein können« Gerade deshalb, meint der Sachverständige, sei nach Beginn der Arbeieine Nachprüfung nicht mehr nötig gewesen« Diese Vorsichtsmaßnahme gestattete* wie auf der Hand liegt* von vorne herein überhaupt keine dauernde* während der Hantierung mit offenem Heuer im Schacht ununterbrochene Kontrolle en Grasgehalto Das Gerät reagierte auch erst* lt der Duft 5f° erreicht hatte* wenn also die n einem explosiblen Gemisch durchgeführt wurde, also eine in der Entstehung begriffene und noch sicher beherrschbare GefarfrVario Das Gerät zeigte ferner nur an* wenn es das Gasgemisch tatsächlich und nicht nur kurzes zeigte also die Gasschwaden nicht an* die 2k der Prüfung an anderer Stelle befanden oder entwickelten-«» Es war wirkungslos* wenn der Gaseinbruch erst nach dem Einsatz des Geräts erfolgte0 Die Telegraphenbauordnung von 1941 hatte immerhin noch in Teil 11 zu § 26 schuldhaft handelt auch derjenige, der die Entstehung eines schädigenden Erfolges zwar nicht vorausgesehen hat, aber hätte voraussehen können und müssen«, Die Bundespost durfte eine be währte Sicherheitsmaßregel nur dann abändern, wenn sie die ‘Gewißheit hatte, daß mit der neuen -Vorschrift der gleiche Erfolg erzielt und die Gefahr ebenso wirksam bekämpft werden kann* ordnung von 1931, die sich durchaus bewährt hatte und bestimmt daß während der Arbeiten mit offenem Feuer die benachbarten Schachtdeckel ständig offen zu halten waren, nur aufheben, wenn die neue Maßnahme das gleiche Maß von Sicherheit boi0 Nur dann hätte sie die im Verkehr erforderliche Sorgfalt zu dem Schutze ihrer Arbeiter und zu dem Schutze des Verkehrs beachtete. Aber die Bundespost durfte die früheren Bestimmungen, die Unfälle der vorliegenden Art mit Sicherheit ausschlossen, nur dann ab-'ändern, wenn sie sorgfältige Prüfungen über die Gleichwertigkeit der neuen Maßnahmen angestellt hatte«, Pas ist hier nicht der Fall Pas Berufungsgericht hat nicht festgestellt:, welche Prüfungen die Bundespost 1934 bei Änderung der Bestimmungen vorgenommen hatte* Bei dem Umfang ihres Betriebes und der Bedeutung dieser Angelegenheit mußte die Beklagte mindestens das Gutachten eines anerkannten Sachverständigen einholen, wie es jetzt das Gericht getan hat«, Bafür standen der Bundespost als Bundeszentralbehörde die modernsten Forschungsmittel zur Verfügung.., Ihre Organe hätten dann erkennen k önnen, daß die jetzige Fassung ihrer Bestimmungen unzulänglich ist, weil sie. möglichio Auch die Betriebsanleitung des Gasprüfgerätes ergab nicht, daß das Gerät; alle explosivgefährlichen Gasgemische feststellte, wbil sie nicht angibt, welche geringsten Gasgemische das Gerät anzeigt„ Der Beklagten wäre kein Vorwarf aus einer Änderung der Bestimmungen zu machen, wenn sie sich auf ein Gutachten eines anerkannten Sachverständigen gestützt hätte, das den Einsatz des Gerätes für ebenso sicher erklärte wie die Öffnung der benachbarten Schachtdeckel0 Das hat die Beklagte jedoch nicht vorge tragen ■= Das Berufungsgericht hatte der Beklagten aufgegeben, im einzelnen und unter Beweisantritt darzulegen, auf Grund welcher wissenschaftlicher Erkenntnisse, Erfahrungen und Versuche sie ihre früheren weitergehenden Un- gasen gewährt habe, die sich am Boden ablagern, und daß die offen stehenden f ür'd en Verkehr Schachtdeckel eine zusätzliche Gefahrenquelle bildeten* Diese Behinderung des Straßenverkehrs durch hochgestellte Schachtdeckel am Tage ist aber im Vergleich zu den Gefahren geschlossener Deckel unbedeutend,, Selbst wenn die modernen Gasprüfgeräte gegenüber den schweren Gasen . wirksamer waren.als die Öffnung der Schachtdeckel, befreite das nicht von der Prüfung, ob sie gegenüber dem leichten Leucht gas und. den Folgen undichter Leuchtgasleitungen gleich wirksam waren» Das ist nach den Feststellungen nicht der Fall, so daß die Anwendung des Gasprüfgerätes nicht von der Pflicht befreite außerdem noch die Schachtdeckel zu öffnen,. Die Beklagte hat in der Revisionserwiderung ausgeführt, aus den Gutachten ^on Prof* ergebe sich, daß nur bei einem ganz besonderen Luftgasgemisch eine Zündung möglich gewesen wäre« Das ist nicht richtig, denn das Gutachten spricht an den angegebenen Stellen nur davon, daß sich ein Luftgasgemisch gebildet habe und es schwierig gewesen sei, ein solches an den SchachtwäMen hochsteigendes Gemisch mit der Lötlampe zu entzünden, während es heim Austritt- aus den Kabelkanälen z und fälliger sei* Die Beklagte hat in der Verhandlung vor dem Senat weiter darauf hingewiesen, daß der Unfall nach dem Gutachten auf Umstände zur uckzuf ühren sei, die neue Erkenntnisse darstellten und nicht vorhersehbar gewesen, seien? gericht dem angeschlossen habe,' könne das Verhalten der Postbe-diensteten jetzt keinesfalls mehr als fahrlässig bezeichnet werden, Richtig ist, daß grundsätzlich ein Verhalten eines Beam-ten nicht mehr als schuldhaft gewertet werden kann, wenn ein Kollegialgericht dieses Verhalten als objektiv rechtmäßig "bezeichnet hato Das liegt hier aber nicht vor; denn das Berufungs: gericht hat die Maßnahmen der Organe der Bundespost nicht als richtig und objektiv rechtmäßig bezeichnet^ Es hat im Gegenteil die Vorschriften der Bundespost als lückenhaft, also als unzulänglich und unrichtig bezeichnet, die für die Zukunft en Pall geändert werden müßten0 Es hat allerdings unter hme auf das Gutachten von Prof o K^HHP ausgeführt, auf jed Bezugna der Eintritt des Schadens sei für die Beklagte nicht vorhersehbar gewesen und ihr daher nicht als Verschulden zuzurechnem Dabei hat sich das Berufungsgericht aber zu stark an eine Wertung des Gutachtens gehalten, die nicht dem Sachverständigen zustand, und hat die vom Sachverständigen festgestellten Tatsachen nicht ausreichend gewürdigte Der Sachverständige hat nicht festgestellt, daß die hier entscheidenden Umstände neue Erkenntnisse und nicht Vorhersehbar waren. itachtens folgendes auss Weil die Mitarbeiter pie besten Sachkenner auf dem Gebiet des Kabeldeshalb müßten ihre Vorschriften als (voll-brschlag der heutigen technischen Ansichten »weil die Bundespost angenommen habe, die Vorschriften würden ausreichen, deshalb seien jetzt Umstände eingetreten, die man für ausgeschlossen gehalten habe* Der Sachverständige setzt also offenbar die mangelnde Voraussicht eines Geschehens mit der mangelnden Voraussehbarkeit meint, weil die Rost derartige Unfälle vorher nicht erwogen habe, seien sie nicht voraussehbar gewesene Bas ist ein Irrtum, der den rechtlichen Begriff der Fahrlässigkeit verkennt« Fahrlässigkeit liegt, wie erwähnt, schon dann vor, wenn bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt voraussehbar ist, daß ein bestimmtes Verhalten einen vermeidbaren schädigenden Erfolg verursachen kann, auch wenn der Räter diese Überlegung nicht anstellt und die Möglichkeit des Schadens nicht voraussieht, aber hätte voraussehen können« Bo lag es hier:. Fenn eine sorgfältige Überlegung über die Arbeitsweise des Gasprüfgerätes und die Möglichkeiten, wann und wie explosive Gasgemische in Kabelanlagen eindringen und weitersickern, hätte bei den Organen der Bundespost schon früher zu der Feststellung führen können und müssen, daß trotz einmaliger Anwendung dieses Gerats die offene Flamme einer Lötlampe später noch ein explosives Gasgemisch entzünden konnte„ Die Haftpflicht aus Amtspflichtverletzung ist auch nicht durch eing, anderweitige.Ersatzmöglichkeit ausgeschlossen, weil die Westfalen-AG den hier geltend gemachten Schaden nach dem Reichs-haftpflifchtgesetz nicht zu ersetzen hat und ein Verschulden ihrer Organe nicht behauptet ist« fas Urteil muß daher aufgehoben werden^ Da der Rechtsstreit hinsichtlich der Höhe des Anspruchs noch nicht entscheidungsreif ist, ist der Anspruch nur dem Grunde nach als gerecht fertigt zu erklären und die Sache zur weiteren Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zuruekzuverweisen»