BGH · III ZR 44/53 vom 03.05.1954
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und 1 S 261/50 des Landgerichts in Paderborn einen 1 Teilbetrag seines .Wildschadens ih Höhe von 484 DM gegen den- j früheren Jagdpächter Kö(^||eingeklägt» Diese Klage; ist wegen Fehlens eines Vorbescheides gemäß § 50 AVO RJagdG rechtskräftig abgewiesen Worden. Daher sei auch ein Vorverfahren nach den' Vorschriften des ReichsJagdgesetzes bezw, der Ausführungsverordnung zweck-, und sinnlos gewesen. In dem einen Ausnahmefalle habe die Beklagte ein Vorverfahren ge- ;| mäß § 50 AVO RJagdG durchgeführt und einen Vorbescheid er- \ lassen, weil der Kläger mit der Schätzung des Schadensbetrages nicht einverstanden gewesen sei; der Kläger habe • ,, aber; auch hier keine.Klage erhoben. 1« Die Revision wendet sich vorwiegend gegen die Annahme des 'Vorderrichters,, den Beamten der Beklagten gereiche zu dem Verschulden,, daß Sie das in § 50 II AVO RJagdG vorgesehene ortspolizeiliche Vorverfahren auf Feststellung des Wildschadens nicht'durchgeführt, sondern sich mit dem nach 1945 durch den'zuständigen landesminister angeordneten ander- ^ .. II AVO Rjagd'G im Hinblick auf die Wei'tergeltüng des Reichs-: Jagdgesetzes vom 3» Juli 1934 (RGBl I, 549) nebst späteren Ergänzungen und den Ausführungsveroi-dnungeh in der britischen Zone'eine der Beklagten als Ortspolizeibehörde dem Klager gegenüber obliegende Amtspflicht gewesen sei« Trotz der Einschränkung der Jagdausübung für den Jagdpächter nach 1945 infolge der Maßnahmen der Besatzungsmacht, die nur den Abschuß von Schadwild erlaubten, während der Abschuß von Nutzwild der Besätzungsmacht selbst Vorbehalten war, sei die gesetzliche Pflicht zu dem Ersatz des Wildschadens nicht untergegangen, auf jeden Pall aber bei der Jagdgenossenschäft als "."dem nach dem Gesetz subsidiär Ersatzpflichtigen verblieben. Durch dl*e Unterlassung der Durchführung des ortspolizeilichen Vorverfahrens gemäß § 50 II AVO RJagdG habe der Kläger die Möglichkeit' verloren,- für seinen Wildschaden einen vollstreckbaren Titel gegen die gesetzlich Ersatzpflichtigen zu erhalten und gegen diese zu klagen, / soweit ihm - dem Kläger - die in dem Vorverfahren festge- stellten Schadensbeträge nicht genügt hätten* Durch die ab 1947 erfolgten Anordnungen des zuständigen Landesministers über ein anders gestaltetes Verfahren betreffend Anmeldung , von Wildschäden hätte das jgesetzllche Verfahren gemäß dem S Die Beamten der Beklagt hätten, dies alles auch erkeiinen müssen, so daß in ihrem Unterlässen des gesetzlichen polizeilichen Vorverfahrens auch ein fahrlässiges Verhalten zu.erblicken.sei. 3. Es kann dahingestellt bleiben, ob die Unterlassungen der Beamten der Beklagten überhaupt ursächlich sind für die Entstehung des vom';Kläger behaupteten Schadens, der in dem Verlust seiner Wildschadens-Ersatzansprüche bestehen soll. In. Übereinstimmung mit der Ansicht der Revision entfällt ein Schadensersatzartspruch des Klägers schon deshalb, weil nach dem festgestellten Sachverhalt und dem unstreitigen ■ Jachvortrag der Parteien: im Gegensatz zur Meinung der beiden; Die Beklagte hat unwidersprochen vorgetragen, daß bei den besonderen staats- und verwaltungsrechtlichen Verhält-: nissen nach 1945, wie sie durch die Maßnahmen der Besatzung^ macht r- insbesondere auch hinsichtlich der Ausübung des Jagd; rechts - entstanden waren, jedenfalls in den Jahren 1947 bis' 1949 allgemein und vor allem-auch von den höchsten Stellen des Landes und der Landesregierung die Auffassung vertretenwurde die nach dem Reichsjagdgesetz und den hierzu ergangenen Ausführungsverordnungen geregelte Verpflichtung zur Erstattung von Wildschäden habe für die gesetzlich Ersatzpflichtigen nicht oder jedenfalls nicht in dem bisherigen Umfang bestanden. einwandfrei gestützt durch, eine von'der Beklagten angezogene» vom Kläger nicht, bestrittene Entschließung des Landtags des Landes Kordrhein-Westfalen vom 9. "durch die Unmöglichkeit der jagdausübung ...* Wildschäden in Höhe von rund 2 Millionen jährlich entstanden sind, für die kein verpflichteter Träger vorhanden ist".«'.ferner durch Erlasse des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und. War — wie hier insoweit unstreitig ist ^ trotz der sonstigen, vom Berufungsgerichte zutreffend angenommenen Weitergeltung des Reichsjagdgesetzes und seiner Ausführungsverordnungen in der' britischen Zone in jedem Palle die Rechtslage bezüglich der Regelung des 'Wildschadensersatzes zu demindest zweifelhaft, so konnten die Beamten der unteren Verwaltungsbehörden auf die Gültigkeit und Vollständigkeit der Anweisungen der zuständigen Landesminister vertrauen. Meinung sein, durch die verschiedenen Erlasse des zuständigen Landesministers, die insoweit im Zusammenhang betrachtet werden müssen und allgemein einer besondere , ins Einzelne^ gehende Regelung der Anmeldung von Wildschaden vorsahen, sei auch eine besondere neue Regelung^ des Verfährensrechts erfolgt, bedingt durch den angeblichen*: Wegfall der nach dem ReichsJagdgesetz Ersatzpflichtigen. Auf jeden Pall konnte weder aus dem Wortlaut noch dem 1 sonstigen"ihhalt der,Erlasse, die ausdrücklich auch "zu dem * Schütz 'der Geschädigten" ergangen sind, von den Beamten der • Beklagten zweifelsfrei entnommen v/erden, daß - wie das Berufungsgericht meint mit den Erlassen lediglich ein amtliches Peststellungsverfahren zu öffentlichen, insbesondere slatis_ti_sch_en Zwecken neben dem nur bürgerlich-rechtlichen Zwecken dienenden ortspolizeilichen Vorverfahren des § 50 AVO RJagdG eingeführt werden sollte« insoweit hat die Beklagte unwidersprochen dargelegt, daß Jedenfalls in der hier fraglichen Zeit von 1947- bis 1949 im land Rordrhein-V/estfalen ganz allgemein von den Ortspolizeibehörden bei der Anmeldung, von Wildschäden durchweg hach den ministeriellen Erlassen verfahren ist, so daß 'diese Handhabung der Regelung der Wildschadensanmeldung auch als allgemeine Verwaltungs-Übung angesehen werden muß» Gegen die vom Berufungsgericht vertretene Auffassung über den angeblich einzigen Sinn und Zweck der Erlasse des Ministers für Ernährung und Landwirtschaft spricht im übrigen der Erlaß des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Porsten vom 26« April 1951 (MinBl HRhWf 51,' 573) , der bestimmt, daß unter^ Aufhebung de:c früheren^. Hiermit kann nur gemeint sein, daß das Ministerium selbst für die Zeit nach 1945 eine Anwendung der Verfahrensregelung des § 50 AVO RJagdG als nicht möglich und üblich, jedenfalls ( als zweifelhaft ahsäh, und die frühere Regelung durch seine t nach 1945 getroffene andersartige Verfahrensregelung, Wenn auch mit einer anderen Zielsetzung, nämlich der eventuellen Entschädigung der Grundstückseigentümer durch/öffentliche Mittel, ersetzt hielt» T‘‘l Wenn der Kläger darauf hinweist, er habe im Oktober 1949 durch seinen Prozeßbevollmächtigten die Beklagte auf | die angebliche Richtigkeit der Erlasse des Ministers für W Ernährung und Landwirtschaft hingewiesen, so kann dies zu keiner anderen Beurteilung .führen» Die Klageforderung beruht ' :1 nach den Peststellungen des Berufungsgerichts auf den Wild-schaden, die bis zu dem,Prühjahr 1949 entstanden sind und somit auf den angeblich fehlerhaften Verfahren bis zu dieser Zeit, also jedenfalls vor dem Oktober 1949* iW Auch daraus, daß die Beklagte in den nach den ministeriellen Anordnungen ergangenen amtlichen Bescheinigungen über die Höhe der Schadensbeträge keine Rechtsmittelbelehrung erteilt hat, kann ein Schuldvorwurf gegen, die Beamten der Beklagten nicht erhoben werden Einmal waren solche Rechtsmittelbelehrungen in den ministeriellen Anordnungen nicht vorgesehen und zu dem anderen ging die Beklagte, ohne schuldhaft zu handeln, ja davon aus, dieses neue Verfahren bei der Anmeldung von Wildschäden sei an die Stelle desjenigen nach § 50 Irrig ist auch die Meinung des Vorderrichters, das Vorverfahren, des § 50 AVO RJagdG betreffe ausschließlich die Feststellung der Höhe des Wildschadens..Daß der nach A § 50 AVO RJagdG zu erlassende "Vorbescheid" auch eine < Entscheidung über den Grund darstellt, ergibt sich schon daraus, daß e ine Zwangs voll s t r e c kurig aus dem Vorbescheid : ‘ erfolg eh kann und dieser den erhobenen Ersatzanspruch ' 'hach’.^rund Jedenfalls machten die ministeriellen Erlasse insoweit auch keinen Unterschied, abgesehen davon, daß in der tatsächlichen Auswirkung der verschiedenen Handhabung der Ausübung des Jagdrechts durch die Besatzungsmacht kein erheblicher praktischer Unterschied bestand, so daß auch in dem Unterlassen einer Rückfrage durch die Beamten der Beklagten, ob der hier in Rede stehende Jagdbezirk II formell beschlagnahmt war oder nicht, unter den damaligen Verhältnissen ein schuldhaftes Verhalten nicht gesehen werden kann, ' . Nun meint das Berufungsgericht, eine Fahrlässigkeit der Beamten der Beklagten ergebe sich zwingend daraus, daß in einem Palle im Mai 1949 von der Beklagten das polizeK liehe Vorverfahren durchgeführt und tatsächlich ein forme] -i ler Vorbescheid gemäß §50 AVO RJagdG erlassen wäre. Die Durchführung des Vorverfahrens in diesem einen Palle wider-spräche unüberbrückbar der Einlassung der Beklagten, sie habe ein solches Verfahren mangels Vorhandenseins eines Ersatzpflichtigen für zweclt- und sinnlos gehg^lteh,%i)em^ gegenüber hat die Beklagte dargelegt, man habe lediglich deshalb in diesem einzigen Ausnahmefall einen formellen -■ Vorbescheid nach § 50 AVO RJagdG mit Rechtsmittelbelehrung erlassen, weil der Klager in diesem Palle sich ausnahmsweise mit der Höhe der Schätzung nicht einverstanden er- Klärt habe« Der Kläger habe an allen gemäß den ministerial-; len Anordnimgen durchgeführten Abschätzungsverhandlungen teilgenommen, in den Jahren 1947 und 1948 sich stets mit der Höhe des ermittelten Schadens einverstanden erklärt und gegen die schriftlich mitgeteilten Abschätzungsergebnisse Keine Einwendungen erhoben« Die in gleicher Weise im Jahre 1949 dui'Chgeführten Abschätzungsverhandlungen habe der Kläger sogar durch Unterschriftsleistung anerkannt mit der alleinigen Ausnahme des Palles, der dann den Anlaß zu dem formellen Vorbescheid vom 23« Mai 1949 gegeben habe« durchaus verständlich und einleuchtend, ohne daß daraus v - wie der Vorderrichter meint ^gefolgert werden muß, die |& Beklagte habe im allgemeinen den Erlaß eines Vorbescheides nicht für zwecklos gehalten» Da in diesem. 4p Entfällt somit eine Schadensersatzpflicht der Beklagten schon mangels Verschuldens ihrer Beamten, so braucht auf die übrigen Angriffe der Revision gegen das Vorderurteil nicht mehr eingegangen zu werden, die insbesondere dahin gehen, daß der Berufungsrichter das Vorbringen der Beklagten übersehen bezv/o nicht beachtet habe, der Kläger habe sich auch mit dem Verfahren der Beklagten gemäß dem Ministerialerlaß vom löo Juni 1947 sowie mit der Höhe der damals ermittelten s Schäden (mit der erwähnten einmaligen Ausnahme, in welchem Falle der Kläger aber auch nicht Klage erhoben habe) ein-* .verstanden erklärt, und diesen Schaden habe der Kläger tat-. Da andere rechtliche Gesichtspunkte, auf Grund deren das Vorderurteil aufrecht erhalten werden könnte, nicht ersichtlich sind, war unter Aufhebung des Berufungsurteils und in Abänderung des landgerichtlichen Zwischenurteils die Klage abzuweisen« V