BGH · III ZR 39/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
III, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 19« Juni 1958 unter Mitwirkung der Bundesrichter DrPagendarm, Br cV/eber, Dr«»Wolany, Dr» Beyer und.Dr. ffußla für Recht erkannt“ Juli 1952 - den Klägern zugestellt am 27» August 1952 - auf Grund des Hessischen Aufbaugesetzes zu Gunsten der Beklagten enteignet worden» Kür das Trürnmer-GrundstüCk BflHB^asse Irwurde hierbei eine Entschädigung von 200 DM je qm,- insgesamt also von 18.-400 DM, und für das bebaute Grundstück BflHBgasse Ir eine Gesamt ent schädi gung von 101.025 DM festgesetzt. Der gegen diesen Enteignungsbeschluß nur wegen der Höhe der Entschädigung eingelegte Einspruch der Kläger ist durch Einspruchsbescheid der Beklagten vom 5» Apr 1954 - den Klägern zugestellt am 17f April 1954 - als unbegründe zurückgewiesen worden» Mit ihrer Klage begehren die Kläger ander weite Festsetzung der EnteignungsentSchädigung, da sie die von der Beklagten zugebilligte Ent Schädigung für nicht angemessen ten.. Bas Landgericht hat nach Beweisaufnahme den Klägern über die von der Beklagten festgesetzte Entschädigung hinaus eine weitere Entschädigung von 48.436 DM nebst 4 °l Zinsen seit dem 19" Mai 1954 zugesprochen; hierbei ist es für das Trümmer- . Denn der erkennende Senat hat in seinem Urteil vom 10» Fepruar 1958 - .III ZR 155/56-(MDR 1958, 411 ) bereits mit näherer Begründung, auf die Her Bezug genommen werden kann, ausgeführt, daß diese Bestimmung für .Enteignungen mich ;,gilt .mff ' : /I . Entsprechend den vom Senat In seinen Urteilen vom 23* September 1957 in BGHZ 25, 225 und vom 24» Februar 1958 in BGHZ 26, '373 entwickelten Grundsätzen ist jedoch bei nicht unwesentlich : unrichtiger Festsetzung der EnteignungsentSchädigung in Zeiten schwankender Preise als Stichtag der Bewertung der Zeitpunkt der letzten gerichtlichen Tatsachenverhandlung maßgebend» Das wird auch für deh vorliegenden Pall von Bedeutung sein,; wenn ff die Nachprüfung ergibt, daß die von der Beklagten festgesetzte Enteignungsentschädigung sich schon jetzt als wesentlich zu niedrig erweist-, .Außerdem kann in diesem Zusammenhang erheblich! 286 ZPO« Hierzu ist darauf hinzuweiseh,| daß der Tatrichter die Höhe der Ent Schädigung im Rahmen des ihn| 'freier stellenden § 287 ZPO fest setzt und das Revisionsgericht daher diese tat rieht erlich e Beweiswürdigung nur in beschränktem-I Umfang r.aehprüfen kann (IM Ur, 1 , 4 und 7 1 zu § 287 ZPO) <• daß Elemente der einen Berechnungsmethode mit Elementen einer anderen Berechnungsmethode zur Berechnung verwendet werden; zu-1 lässig wäre es dagegen, die nach den verschiedenen, in sich gef schlossenen Berechnungsmethoden gewonnenen Ergebnisse miteinander zu vergleichen und daraus Anhaltspunkte für die endgültigg Abschätzung der Grundstückswerte zu gewinnen (vgl- EG in . 1„) Bas Berufungsgericht folgt zunächst dem Gutachten des Sachverständigen Wagenbach, der nach der in seinem ersten Gutachten vom 24u November 1954 zugrunde gelegten Ertragswert~ berechnung für dieses Grundstück, bezogen auf den Zeitpunkt des 27c August 1952, jedoch ohne Berücksichtigung der vorhandenen KriegsSchäden, einen Wert von insgesamt 153.171 DM ermittelt hat« Die Revision der Kläger beanstandet, diese Ertragswertberechnung mit dem Hinweis, daß nach Aufhebung der Preisbindung für gewerblich genutzte Räume und Grundstücke durch das Ge-schäftsraummi et engesetz vom. 25«- Juni 1952 (BGBl I, 338) höhere Mieten hätten erzielt werden können und deshalb ,b|i der Ertragswertberechnung auch eingesetzt werden müßten« Damit kann die Revision der Kläger nicht durchdringend Das Gutachten des Sachverständigen Wagenbach geht insoweit ausdrücklich von den unter Berücksichtigung der Aufhebung des Preisstops fp gewerblich genutzte Räume künftig nachhaltig erzielbaren Mie-Ü ten aus,. Daß nach Wegfall der Preisbindung für gewerblich genutzte Räume erst "bedeutende Investitionen" höhere Mieterträl ge möglich gemacht hätten, wie die Revision der Beklagten meij kann nicht als ein Erfahrungssatz gewertet werden. Dann kämpf auch die von der Revision der Beklagten gerügte Annahme eines) Kapitalisierungsfaktors von 5 $ durch den Sachverständigen und das Berufungsgericht nicht beanstandet werden,, Beide Revisionen rügen, daß der Sachverständige und ihm folgend der Tatrichter eine Restlebensdauer des Gebäudes Bie|| bergasse Nr, 13 von 45 Jahren angenommen haben,, die nach An-J sicht der Kläger zu niedrig, nach der der Beklagten „jedoch zu hoch sein soll»' Insoweit handelt es sich um eine) im Eähmej! des § 287 ZPO' liegende und vom .Revisionsgericht nicht zu be-anstandende freie Schätzung des Berufungsgerichts, das mit ausführlicher Begründung nicht auf den - im übrigen nicht eindeutig feststelBbaren - Zeitpunkt der Errichtung, sondern'-bedenkenfre-i auf den Zustand des Gebäudes abgestellt hat, lei von der Revision der Kläger angeführte Umstand, andere Sadies verständige hätten eine Restlebensdauer von 60 Jahren, angenol men, ist bei dieser Schätzung ausdrücklich berücksichtigt worden. 2, ) Im Zusammenhang mit der Revisionsrüge' der Kläger, es'J sei vom Berufungsgericht ein zu niedriger Bodenwert für diejj a) Das Berufungsurteil geht in dem ersten Teil seiner Begründung zur 'Ermittlung der EnteighüngsentSchädigung für das 'Hausgrundstück BlHBHIgasse NrV $P insoweit dem Gutachten des Sachverständigen;Wagenbach folgend, ausdrücklich von einem im Wege der Ertrags wer tberechnung ermittelten Verkehrswert zu dem •Zeitpunkt der Enteignung, jedoch ohne Berücksichtigung der Kriegsschäden, in Höhe von 153,'171 DM aus» Alsdann ist gesagt, daß nach Abzug einer durch Kriegsschäden erfolgten Wertminderung des Gebäudes 'in Höhe von 8,000 DM von einer -^nteignürigs-entSchädigung in Höhe von demnach insgesamt rund 145- OOC DM auszugehen sei. Daran anschließend wird jedoch ausgeführt, der „Sachverständige Wagenbach "habe bei dieser Gesamt Schätzung (auf Grund der Ertragswertberechnüiig) einen Bödenwert von hd 450 Dlyl je qm zugrunde gelegt",, den im, folgenden das Berufungsgericht für den Zeitpunkt der Enteignung für überhöht halt und hierbei •.•ausführt, unter Berücksichtigung; der zutreffenden Ermittlung des Bodenwertes für das Trürmnergrundstück gasse Nr i 4P könne für das Grundstück BpHgasse 'Nr, «ifi nur: von einem Bodenwert in Höhe von 300 DM je qm ausgegangen werden,. b) Die Revision der Beklagten wendet sich weiter dagegen •daß das Berufungsgericht bei der Ermittlung des Wertes des Hausgfundstiicks BflHHMgasse Nr, • fur '<^leh .Gebäudewert nur -einen i'/dnderwert von 8,000 i'AVI (das ist dor vom doch vet ständig Wagenbach ermittelte Kostenaufwand fur :die Beseitigung der vorhanden gewesenen Kriegsschäden) angesetzt hatDie Beklagt ■hatte hierzu:vorgetrageng daß mindestens ein Schadensgrad von' 25 ß :des,:Gebäudev/ertes zu berücksichtigen sei,.. zu demal; noch am-2i, Mai 1946 von dem (-Kriegs-) Schädenamt dieser Schädensgrad, ausdrücklich festgestellt worden sei * Die ■ trotz des (aus det)|| Bauakte der Beklagten sich ergebenden) Bauverbots von den Klägern zeitlich danach ausgeführten, schadenmindernden Aufbauarbeiten an dem Gebäude seien nach § 41 Abs. 5 HAG nicht zu berücksichtigen. (0 von 55.200 DM und hiervon getrennt , aber auf diesem ermittelten Bodenwert aufbauend, einen GebäUdewert von 70.-571 DM annimmt (vgl., Gutachten Wagenbach vom 18, April 195 S, S - 9) und somit im Gegensatz zu seinen vorhergehenden Ausführungen .:zu .einem Gesamtwert, des Hausgrundstücks Hr. ifl|| von nur 1 25.571 DM kommit, ist von ihm diese Drage der Wertminderung infolge Kriegsschadens überhaupt nicht erörtert wor /den»:Jedenfalls ist zu den beiläufigen'Bemerkungen des Land--gerichts in seinem Urteil S» 9 und 10,der Sachverständige ■ Wagenbach''habe bei diesem (im Wachtragsgutachten gesondert errechneten) Gebäudewert von 70,571 DM einen Kriegsschadens- Dem Revisionsgericht ist es aber auch nicht .möglich» die vom Tatriehter zu treffenden Feststellungen über den Wert des Grundstücks B(444Pgasse Kr» 4P vön sich aus vorzunehmen ; so daß beide Revisionen insoweit zur Aufhebung des. angefochtenen Urteils und zur Zurückverweisung führen» Damit erhält die Beklagte zugleich Gelegenheit, zu ihrer Verteidigung den ihren weiteren Revisionsrügen zur Präge der Berechnung des Minderwertes fies Gebäudes (infolge KriegsSchadens) zugrunde liegenden Vortrag Vor dem Berufungsrichter vorzubringen» Erwähnenswert in diesem ‘Zusammenhang ist .jedoch, daß die Beklagte einen höheren Schadensgrad für das Gebäude als 25 ^ nicht ansetzen kann, da sie lt. ihrem Pestsetzungsbescheid vom 28» Juli 1 952 von 'der Karmvorsclirift des § 41 Abs, 5 HAG - dessen Gültigkeit unterstellt - lediglich insoweit Gebrauch gemacht hätte, daß der Wert des Gebäudes unter Berücksichtigung eines Schadensgrades von nur 25 $ ersetzt werden sollte (vgl» hierzu auch ürt, des Senats vom 10» Februar 1958 III ZR 225/56 B, 8 und 9? anstandenf Es kann: insbesondere nicht anerkannt werden, daß für die Bewertung von' Trüimergrundstücken die Ertragswert berechj nung allein -möglich' und zulässig sei, wie die Revision der he- ; klagten vorträgt;:Bas von der Revision der-Kläger angezogene frühere Schätzgutachien des Sachverständigen Stark aus dem Jahn 1930 ist bei der Schatzung nach § 287 ZPO nicht übergangen worden I . "Mm angesetzt hat,, während der Sachverständige- Wagenbach und ihm J folgend das Berufargsgericht - mit zu dem feil eigener Begründung^ zu einem Bodenwert von 330 DM je qm oder von insgesamt 32..200« Iin kommen ohne daß gegen diese Schätzung im Rahmen des § 287,5$ grundsätzliche und durchgreifende Bedenken bestehen;- steht schon’1 .jetzt fest; daß die Beklagte wie EnteignungsentSchädigung "für den?Bodenwert des IrümmergrüntistdcKs Di |jg| 1 t unerheblich 1 zu niedrig festgesetzt 'hat c!fDüg3 ■.Diürq.DnD^üi^ Juni s 1956 des hierzu von ihm zusätzlich gehörten Sachverständigen rf Brandau ausdrücklich festgestellt; daß und aus welchen Gründen jedenfalls hier die bei der Enteignung noch vorhandenen Ge- q|| bäudereste für einen---Wiederaufbau -hätten wiederverwendet^ werde* können und; deshalb einen Yermögenswert der Kläger darstelltenJ der daher auch zu entschädigen sei. sinnvoll und technisch vernünftig»' gewesen wäre, worauf die Revision der Beklagten abhebt, kann im Hinblick auf die insoweit nach § 287 ZPO nicht angreifbaren Feststellungen des V Tatriehters auf sich beruhen» Es ist daher - ohne daß auf die weitere Rüge der Revision der Beklagten, auch auf die Bewertung dieser Gebäudereste seien die Preisvorschriften anzuwenden, eingegangen zu werden braucht - davon auszugehen, daß die Beklagte insoweit eine nicht unwesentlich zu niedrige Enteignungsentschädigung festgesetzt hat» Denn die Beklagte hat für diese Gibändereste überhaupt keine Entschädigung festgesetzt, während das Berufungsgericht unangreifbar zu dem Ergebnis gekommen ist, daß, diese Gebäudereste für die Kläger - gleichgültig in welcher Höhe im einzelnen - jedenfalls überhaupt einen Vermögenswerten Vorteil darsteilten» mithin hierfür auch eine Entschädigung festzusetzon war» Bas führt dazu, daß lentsprechend den oben erwähnten, in BGKZ 26, 573 niedergelegten Grundsätzen bei dem Trtimniergrund-’stück jjflllpgasse"'Hr» (Q für die Wertbemessung auf c.en Zeitpunkt der letzten gerichtlichen Tatsachenverhandlung abzustellen ist» Schon aus diesem Gründe kann das Berufungsurteil auch insoweit nicht aufrecht erhalten werden. .Aufhebung und Zuzückverweisung'der Sache nicht zu umgehen war, erschien es angemessen, diese Aufhebung des 'Berufungsurteils in vollem Umfang auszusprechen, damit über die Höhe der den Klägern gebührenden Entschädigung erneut verhandelt und entschieden wird» Hierbei können die Parteien ihre weiteren Einwendungen gegen die Wertberechnung; soweit hierauf Revisionsrügen gestützt worden sind, dem Berufungs-