BGH · III ZR 39/55
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Kein Beamter hat einen Rechtsanspruch auf Beförderung» Ein beförderungswürdiger» aber nicht beförderter Beamter kann deshalb einen Schadensersatzanspruch nicht allein mit der Behauptung schlüssig begründen, daß er trotz Erfüllung aller Voraussetzungen nicht befördert - worden sei'oder andere Beamte nur unter Verletzung gesetzlicher Bestimmungen, oder sonst pflichtwidrig befördert worden seien» Bas schließt nicht aus, daß im Rahmen der mit einer Beförderung zusammenhängenden Maßnahmen Fflichtwidrigkeiten begangen werden können, die eine Verletzung der einem einzelnen Beamten gegenüber bestehenden Amtspflicht sein.i. und Schadensersatzansprüche auslösen können., für deren Umfang und Höhe die Nichtbeförderung von Bedeutung sein kann» Sie habe ihm die Beförderung auch zugesichertj diese "Zusicherung liege in den Erlassen vom 4, März 1952 und 9° Juli 1952 sowie der Verfügung vom 27, September 1952, 'wenn die Direktion die Genehmigung zur Beförderung beantragt hätte? ausgeführt % Der Rechtsweg sei nicht zulässig, da der Kläger keinen Anspruch auf Beförderung gehabt habe und nur eine Nachprüfung von Ent Scheidungen'der Beklagten begehre, die ihrem Ermessen unterlägen» Ihre Bediensteten hätten keine dem Kläger gegenüber obliegende Amtspflicht verletzte Die Direktion habe nur aus sachlichen Erwägungen die Genehmigung nicht eingeholtDie Hauptverwaltung hätte die Genehmigung keinesfalls erteilt, wie sie jetzt ausdrücklich erklärt hat* Der Kläger hätte damals nicht IpO, sondern 240 Vordermänner überspringen müssen* Die Hauptverwaltung hätte im -Jahre 1952 der Direktion Hannover bis Ende November 1952 nur 108 Planstellen für die Beföi’derung zu dem Oberlokführer zugewie-sen* Die Fälle und hätten damals gleich gelegen^ beide seien älter als der Kläger gewesen» Sie hätte diese Fälle als Musterfälle 'vorgetragenc Haiemeier habe sie noch selbst ohne Genehmigung der Hauptverwaltung befördern können, er hätte auch nicht 300 Vordermänner übersprungen* Die übrigen vom Kläger angeführten Fälle lägen alle anders. Kein Beamter- habe einen Rechtsanspruch auf Beförderung und eine Zusicherung gegenüber dem Kläger liege nicht vom Die Personalbearbeil er der Beklagten hätten bei Bearbeitung der Beförderungsangelegenheiten keine dem Kläger gegenüber obliegende Amtspflicht erfüllt, Die Fürsorgepflicht beziehe sich nur auf die gegenwärtige Stellung eines Beamten0 Den Gleichheitsgrund salz habe die Beklagte nicht verletzt, weil kein Beamter Anspruch auf Beförderung gehabt habe,, Selbst wenn die Beklagte Angehörige bestimmter Gewerkschaften bevorzugt haben sollte, ergebe sich daraus nicht, daß statt dessen gerade der Kläger hätte befördert werden müssenc Der Sachverhalt ergebe keinen Anhalt dafür, daß die Beamten ihr Ermessen mißbraucht oder willkürlich gehandelt hätten. Denn insoweit ist sein Anspruch kein vermögensrechtlicher und kann auch nicht in der Form eines Schadensersatzanspruches vor die ordentlichen Gerichte gebracht werden,, Aber darüber hinaus hat der Kläger bestimmte Behauptungen für eine Verletzung der ihm gegenüber obliegenden Amtspflichten und Eürsorgepflicht aufgestellt,; insbesondere soweit er sich darauf beruft,, daß ihm eine Beförderung zugesagt sei und die Direktion Hannover ihn nur wegen seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gewerkschaft bei der Beförderung pflichtwidrig übergangen habe* Für eine Klage auf Schadensersatz mit dieser tatsächlichen Begründung ist der Rechtsweg zu-lässige Das Berufungsgericht führt zwar zu Beginn der Entscheidungsgründe aus, das Landgericht habe "die Klage nutreffend im Ergebnis wegen Unzulässigkeit des Rechtsweges abgewiesen", nimmt aber in den folgenden Teilen doch eine sachliche Prüfung des Klagvortrages vor, Es hat sachlich entschieden, ob dem Kläger eine Beförderung zugesagt war und ob die vom Kläger angebotenen Beweise ausreichende Anhaltspunkte dafür ergäben, daß er wegen sei-uer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gewerkschaft von 3er Beförderung zurückgestellt sei0 Das Berufungsurteil i_3-t damit in Wahrheit ein Sachurteii, so daß auch das jevisionsgericht das klägerische Vorbringen in vollem ümfange überprüfen mußc. der Auswahl der Bewerber keine dem Kläger gegenüber obliegende Amtspflicht, sondern nur ihre allgemeinen Dienstpflichten, Auch die Tatsache; daß etwa andere Beamte pflichtwidrig befördert sind, enthält ebenfalls keine Verletzung von Amtspflichten, die dem Kläger gegen-, über bestanden, weil auch die Bevorzugung anderer Beamter nicht, in die Rechtsposition der bei der Beförderung übergangenen eingreift. zahl von Planstellen für Beförderungen zur Verfügung, denen eine größere Zahl von Beamten gegenübersteht, die die Voraussetzungen für eine Beförderung erfüllen* Wenn nur eine Beförderungsstelle, aber mehrere beförderungswür-clige Bewerber vorhanden sind , können , nicht alle übergangenen Bewerber deshalb Schadensersatz verlangen, weil der tatsächlich beförderte Beamte pflichtwidrig befördert ist.. Sonst müßte.der Dienstherr alle übergangenen Beamten so behandeln, als wären sie befördert, obwohl er insgesamt nur einen Beamten befördern durfte- Wenn jedoch das ordentliche Gericht nicht allen beförderungswürdigen Beamten einen Schadensersatzanspruch gewährt, müßte er sein Ermessen an die Stelle des Ermessens.der zuständigen Behörde stellen* Das ist nicht Aufgabe des ordentlichen Gerichts* Die Rechtsprechung hat auch sonst anerkannt, daß die Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes in einem Balle nicht dazu führt,. einen Anspruch auf dieselbe (ungleiche) Behandlung anderen zu gewähren (.vgl BGH LM Ir 1 und 2 zu Art 3 GrundG) « Deshalb ist es ohne Bedeutung, ob die Beklagte etwa früher allgemein, als der Kläger noch nicht zur Beförderung, heranstand, entgegen dem Erlaß der Hauptverwaltung vom 5* Oktobe 19 50 nach dem Dienstalter statt nach dem -Ueistungsprinzip befördert hat *• Wenn § 23 des neuen Bundesbeamtengesetzes vom 14c Juli 1953 (BGBl I, 551). Das schließt aber nicht aus, daß im Rahmen der mit .einer Beförderung zusammenhängenden Maßnahmen die damit befaßten Beamten Pflichtverletzungen begehen können, die sich als Verletzung auch der einem einzelnen Beamten ge- alle Beamten eines bestimmten Jahrganges auf die Möglichkeit einer Beförderung zu überprüfen, kann eine Pflichtverletzung zu dem Nachteil eines Beamten darin liegen, daß der Sachbearbeiter ihn trotz Zugehörigkeit zu diesem Jahrgang aus sachwidrigen Gründen nicht berücksichtigte: Beim der Vorgesetzte hat jedem einzelnen Beamten gegenüber die Amtspflicht, ihn richtig und gerecht zu beurteilen.: BGHZ 15,185)'» Die Verletzung dieser Pflichten oder die Nichtbeachtung der Beförderungsvorschrift en kann dazu führen, daß gerade ein bestimmter Beamter von der Berücksichtigung bei einer Beförderung pflichtwidrig ausgeschlossen wird» Bahn liegt der Sachverhalt anders, als wenn der Beamte nur behauptet, andere Beamte seien gesetzwidrig bevorzugt befördert = Eine solche Pflichtverletzung könnte einen Schadensersatz-anspruch begründen, doch liegt die Amtspflichtverletzung auch dann nicht in der Nichtbeförderung als solcher, und der Schadensersatzanspruch wird nicht aus der Nichtbe-^ Förderung, sondern aus anderen Vorgängen hergeleitet,. Pie Nichtbeförderung kann dann allerdings eine Folge dieses anderen zu dem Schadensersatz verpflichtenden Verhaltens sein und sie kann bei der Berechnung des Schadens nach allgemeinen Grundsätzen auch als ein Schadensposten berücksichtigt werden-(RG HER 1933,1225; BGHZ 15,185;, Pie Feststellung wiederum, daß gerade der Kläger befördert worden wäre, wird im Einzelfall nur schwer zu treffen Die Prüfung des Klagvorbringens unter diesen Gesichtspunkten ergibt folgendest Der Kläger hat für seine Behauptung*, sein Rangdienstalter sei falsch festgesetzt und er sei deshalb bei Beförderungen benachteiligt* keine ausreichenden Tatsachen vorgetragen» Soweit er damit behaupten will, das Rangdienstalter sei schon im Jahre 1942 falsch festgesetzt* wären Schadensersatzansprüche wegen einer darin liegenden Pflichtverletzung verjährt oder ausgeschlossen weil der Kläger in den vergangenen Jahren nicht die notwendigen Rechtsbehelfe gegen die etwa unrichtige Festsetzung des Dienstalters erhoben hat (§ 839 Abs 3 BGB)-Die mit der Beförderungsangelegenheit befaßten Beamten waren aber verpflichtet* das aus den Akten ersichtliche, ordnungsmäßig festgesetzte Dienstalter bei der späteren Bearbeitung zugrundezulegen„ Nachdem mehrere Anträge des Klägers auf Abänderung des Dienstalters abgelehnt waren, und der Kläger dagegen keine weiteren Rechtsbehelfe ergriffen hatte, handelten die Beamten nicht schuldhaft, wenn sie bei der späteren Bearbeitung dieses Rangdierstatt er zugrundelegten. Der Kläger meint weiter, eine Pflichtverletzung ihm gegenüber liege deshalb vor, weil die Beklagte die Genen migung zur Beförderung nicht eingeholt habe, obwohl die Genehmigung "von Fall zu Fall" hä.tte eingeholt werden müssen und die vorher abgelehnten Bewerber nicht gleichgelegen hätten,: Die Auswahl der zu befördernden Beamten unterliegt jedoch dem pflichtmäßigen Ermessen des Dienst hernu Selbst wenn der Kläger fachlich besser beurteilt wurde als die zu dem Vergleich gestellten Beamten, oder sonst Umstände Vorlagen, die den Kläger als würdiger erscheinen ließen, war das nicht entscheidend. Denn die Bewertung der Beförderungswürdigkeit eines Beamten richtet sich nach vielen aus den Akten nicht immer ersichtlichen Umständen und insbesondere nach der Beurteilung seiner Gesamtpersönlichkeit,, Dabei ist es Sache der pflichtmäßigen Abwägung des personalbearbeiters, welchen einzelnen Umständen er größeres oder geringeres Gewicht beilegt, Aus dem Begriff des Ermessens folgt, daß abweichende Entscheidungen in einem der Behörde überlassenen Ermessensbereich möglich sind , ohne daß die Ent Scheidung eine Rechtsverletzung enthält „ Eine Rechtsverletzung und damit eine Pflichtverletzung liegt bei Ermessensentschei- ■ düngen nur vor, wenn der Beamte willkürlich oder so iehlsam vorgegangen ist, daß sein Verhalten mit den an eine ordnungsmäßige Verwaltung zu stellenden Anforderungen schlecht' hin unvereinbar ist (BGHZ 7,69 BGH LM Hr 5 zu § 14 PreussPVG)» Dafür hat der Kläger keine Tatsachen vorgetragen c Wenn die Beklagte den Kläger nach Ablehnung der von ihr gleich beurteilten Fälle nicht mehr zur Beförderung Vorschlag, weil sie die abgelehnten Bewerber als gleichliegende Musterfälle ansah} läßt das keinen Erraes-sensmißbrauch und auch keine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes erkennen, im Gegenteil wollte die Beklagte den Kläger mit Fällen gleich, behandeln, die ihrer Ansicht nach gleich lagen-. Die Revision meint, ein grober Ermessensmißbrauch liege schon darin, daß die Beklagte die Genehmigung überhaupt nicht- eingeholt habe, obwohl sie «von Fall zu Fall" einzulfolen war» Diese Bestimmung beschränkte aber nicht das Ermessen der Beklagten, Denn wenn eine Behörde "von Fall zu Fall" eine Genehmigung einzuholen hat, bedeutet das nicht, daß sie bei jeder Beförderungsstelle für jeden geeigneten Bewerber die Genehmigung beantragen muß. aber ein höheres allgemeines Dienstalter, Die Abwägung dieser und sonstiger aus den Akten nicht ersichtlicher Umstände ist bei ErmessensentScheidungen gerade der Verwaltungsbehörde überlassen, und kann nicht vom ordentlichen Gericht nachgepriift werden. Eine'Amtspflichtverletzung konnte dem Kläger gegenüber auch vorliegend wenn die Beklagte vgerade den Kläger deshalb bei Beförderungen nicht berücksichtigt hat, weil er einer Gewerkschaft angehörte, die ihr nicht genehm war» Bas wäre nicht nur die unzulässige Bevorzugung anderer Beamter, sondern schon eine Verletzung des Gleichheit sgrundsatzes und der Beförderungsbestimmungen gerade gegenüber dem Kläger, weil dann bei Bearbeitung.seiner Beförderungsangelegenheit sachwidrige Erwägungen angestellt wärefi-, • Er hat ferner behauptet, ein Mitglied der Bersonalveriretung der Eisenbahndirektion Hannover, FW», habe erklärt, bei ihm über -den BGB wäre die Beförderung des Klägers klar über die Bühne gegangen, wenn sich für den Kläger nicht eine andere Gewerkschaft verwendet hätte. - Damit hat der Kläger nicht die erhebliche fatsache unter Beweis gestellt, der seine Befer-derungsangelegenheit bearbeitende Beamte habe ihn nur wegen seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gewerkschaft nicht zur Beförderung vorgeschlagen, sondern nur mittelbare Beweistatsachen und unterstützende Umstände, Bas Berufungsgericht hat zwar zunächst ausgeführt, diese Barlegungen seien unklar und unerheblich, aber am Schluß der Entscheidungsgründe bemerkt , daß das Landgericht zutreffend ausgeführt habe, der Sachverhalt biete keinen hinreichenden Anhalt dafür, daß die Birektion Hannover bei ihren Beförderungen willkürlich gehandelt oder ihr Ermessen mißbraucht habe? das ergebe sich auch nicht aus dem neuen Vortrag in der Berufungsinstanz = Bie insoweit in Bezug genommenen Gründe des landgerichtlichen Urteils führten aus, daß aus der Aufzählung einzelner bevorzugter Beförderungen und den Äußerungen des FfMBt noch nicht gefolgert werden könne, , daß für die Beklagte gerade bei der Bearbeitung der Angelegenheit des Klägers unsachliche Gründe maßgebend gewesen seien und daß sie dabei willkürlich und schikanös gehandelt habe, Bas Berufungsgericht hat sich diese Wür- -diguh^ des Landgerichts zu eigen gemacht und sie auch auf die Äußerungen des Präsidenten EWHBi ausgedehnte Bas ist eine dem Tatrichter überlassene Würdigung des klägerischen Vortrags, die aus Rechtsgründen nicht beanstandet werden kanne Benn es ist kein Verfaiirensver-stoß, wenn der Tatrichter von einer beantragten Beweiserhebung deshalb absieht, weil die unter Beweis gestellten Tatsachen nur Indizien für den schlüssig behaupteten, aber als solchen nicht unter Beweis gestellten klagbegründenden Sachverhalt sind und nach der Überzeugung des Tatrichterssaus diesen als wahr unterstellten Indizien ein sicherer Schluß auf die erhebliche Tatsache selbst nicht gezogen werden kann (BGH LM Nr 1 zu § 539 fort war ein Sachverhalt vorgetragen, daß eine Behörde fortgesetzt einer außenstehenden Stelle bestimmenden gesetzwidrigen Einfluß auch auf die den klagenden Beamten betreffenden Maßnahmen zugelassen habe; das hat der Senat als Pflichtverletzung angesehen, die zu dem Schadensersatz verpflichtet, wobei möglicherweise eine Nichtbeförderung bei der Berechnung des Schadens berücksichtigt werden könnte, Im vorliegenden fall ist ein solcher Sachverhalt, nämlich die gesetzwidrige Einwirkung eines Außenstehenden gerade auf die Verhältnisse des Klägers weder behauptet noch festgestellt, Das Reichsgericht hat zwar ausgeführt , daß die Pürsorgepflicht nur die Belange des Beamten aus seiner jeweiligen Amtssteilung betreffe und sich nicht auf Maßnahmen beziehe, die ein anderes Amt, insbesondere etwa eine Beförderung beträfen; die ordnungswidrige Behandlung einer Beförderungsangelegenheit enthalte deshalb keine Verletzung der Pürsorgepflicht (RGZ 146,369)-, Es kann dahingestellt bleiben, ob dieser Rechtsprechung zuzustimmen ist. Denn die bei Beförde rungsangelegenheiten zu treffenden Maßnahmen und die Auswahl der einzelnen Bewerber für eine Beförderung unterliegen wiederum nur dem pflichtmäßigen Ermessen des Dienstherrn, Wie schon oben ausgeführt, hat der Kläger keine Tatsachen dafür'vorgetragen,' daß gerade ihm gegenüber Fehler bei Ausübung dieses Ermessens vorgekommen seien.