BGH · III ZR 36/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 27«März 1948 errichtete die Mutter ein eigenhändiges Testament, in dem sie u.a* den Grundbesitz in Pattensen als ihr Vermögen gezeichnete und die Beklagte zu ihrer alleinigen Erbin einsetzte« teien erklärten sich über eine gegenseitige Verrechnung der Forderung einig und die Mutter bekannte, den Kaufpreis empfangen zu habena Die Beklagte ist auf Grund dieses Vertrages als Eigentumerin im Grundbuch eingetragen worden. Sie, die Beklagte, und ihr Ehemann seien auf Wunsch der Mutter nach dem fode des Vaters auf den Hof gekommen und hätten dort 24 Jahre leng bis zur Übergabe des Hofes gearbeitet. Die Berufung der Beklagten gegen das landgerichtliche Urteil ist erfolglos geblieben« Über die von der Klägerin im Berufungsverfahren eingelegte Anschlußberufung hat das Berufungsgericht noch nicht entschiedene Mit dieser Anschlußberufung hat die Klägerin die Grundbuchberichtigung noch weiterer im Grundbuch eingetragener Grundstücksflächen begehrt, die zwar nach dem Tode des Vaters aber mit Mitteln des Nachlasses erworben sein sollen* üpril 1920 kommt es zu dem Ergebnis, daß nach diesen* Testament die Mutter der Parteien zur Vorerbin und die drei Töchter des Erblassers zu Hach-erben eingesetzt worden seien (§ 2100 BGB), wobei die Mutter von den gesetzlichen Beschränkungen einer Vorerbschaft befreit gewesen sei, soweit § 2136 BGB hierfür die Möglichkeit gegeben habe. 2o) In seiner weiteren Prüfung, ob und inwieweit der zu Gunsten 1er Beklagten geschlossene Überlassungsvertrag vom 60 Mai 1952 eine unentgeltliche Verfügung der Mutter der Parteien als Vorerbin enthalte, ko mint das Berufungsgericht zu dem Ergebnis, daß der Beklagten ein iieinwert von 58»527 EM zugewendet worden sei, sie dagegen als Gegenleistung nur 100500 EM erbracht habe - und diesen Betrag auch nur, wenn man unterstelle, daß ihr und ihrem Ehemann eine Forderung aus erbrachten Dienstleistungen in dieser Höhe tatsächlich zugestanden habe-, also ein Entgelt gewährt habe, das sehr wesentlich hinter dem ihr übertragenen Wert zurückbleibe» Dieses Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung hat nach Meinung des Berufungsgerichts die Unwirksamkeit der Grundstücksübertrapc. gegenüber den Nacherben gemäß §§ 2113 Abs» 2,2136 BGB zur Folge o Das Berufungsgericht folgt hierbei dem in der Rechtsprechung ausgebildeten Grundsatz, daß eine unentgeltliche Verfügung im Sinne jener Vorschriften vorliegt, wenn der Vorerbc - objektiv betrachtet - ohne gleichwertige Gegenleistung ein Opfer aus der Erbmasse bringt und - subjektiv betrachtet - entweder weiß, daß diesem Opfer keine gleichwertige Leistung gegenübersteht, oder doch bei ordnungsmäßiger Verwaltung des Nachlasses unter Berücksichtigung der künftigen Pflicht, die Erbschaft an den Nacherben heraus zugeben, das Fehlen oder die Unzulänglichkeit der Gegenleistung hätte erkennen müssen (BGH2 5? Dem ist entgegenzuhalten: Zunächst erscheint es schon fraglich, ob dem vom Berufungsgericht '/festgestellten Verkehrswert überhaupt die Preisstopp-Vorschriften entgegenstehen konnten» So hat der Bundesgerichtshof (BGHZ 13, 40, 46 ff) für die Pflichtteilsberechnung ausgesprochen, daß der maßgebende Wert eines bebauten Grundstücks bei einem unter Geltung der Preisstopp-Vorschriften eingetretenen Erbfall nicht dex' durch den Stopppreis begrenzte Verkehrswert, son-dei'n der möglicherweise darüber hinausgehende wahre innere Wert sei» Es liegt zu demindest nahe, diesen Grundsatz auf einen Verkauf, wie er hier vorliegt, auch anzuwenden» Hierauf kommt es aber nicht einmal an» Nach dem vom Berufungsgericht seiner Schätzung zugrunde gelegten Gutachten, das insoweit auch von der Revision nicht angegriffen wird, betrug allein der Wert des lebenden und toten Inventars schon 11»200,-DM, so daß dieses mit der von der Beklagten erbrachten Gegenleistung von 10»500,-DM nicht einmal abgedeckt wurde» Selbst wenn also der Verkaufswert der Grundstücke mit den auf ihnen befindlichen Gebäuden durch die Preisstopp-Vorschriften einer Beschränkung zu unterliegen hätte, so bliebe immer noch das von der Beklagten ge- währte Entgelt sehr wesentlich hinter dem ihr übertrage-nen Bert zurück, so daß auch in diesem lalle das vom Berufungsgericht angenommene Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung nicht entfiele» Es bleibt daher in Ergebnis unerheblich, ob bei der Ermittlung des Verkehrswertes der Grundstücke die Preisstopp-Vorschriften zu beachten gewesen wären oder nicht» b) Neben der Sache liegt die weitere Büge der Bevi-sion, das Berufungsgericht habe mit der Aufstellung des Erfahrungssatzes, in Kreisen landwirtschaftlicher Grundbesitzer sei schon im Jahre 1952 allgemein bekannt gewesen, daß der Verkehrswert landwirtschaftlicher Grundstücke nicht nur knapp um die Hälfte, sondern weit mehr über dem steuerlichen Einheitswert liege, den Anspruch'der Beklagten auf rechtliches Gehör verletzt» Hätte das Berufungsgericht, so führt die Revision aus, pflichtgemäß diese Präge vorher mit den Parteien erörtert, dann hätte die Beklagte sich auf Gutachten der Landwirtschaftskammer dafür’ bezogen, daß eine solche Kenntnis im Mai 1952, also erst vier Jahre nach Durchführung der Währungsreform, noch nicht bestanden habe, sondern daß damals in Grundbesitzerkreisen noch große Unsicherheit über die Bewertung landwirtschaftlichen Grundbesitzes geherrscht habe» Das Berufungsgericht erwägt hierzu: Das bestehende objektive Mißverhältnis zwischen Leistung und GegenleistuDi' hätte die Vorerbin, wenn sie es nicht erkannt hat, doch bei ordnungsmäßiger Verwaltung des Nachlasses erkennen müsse'* Daß der Verkehrswert gerade auch bei landwirtschaftlicher. schon im Jahre 1952 in Kreisen landwirtschaftlicher Grundbesitzer allgemein bekannt gewesen <> Wenn die Mutter der Parteien dies nicht gewußt haben sollte, dann hätte sie sich doch durch entsprechende Nachfragen bei erfahrenen Landwirten oder anderen auf diesem Gebiet erfahrenen Personen einen Anhalt lür die Höhe des Verkehrswertes verschaffen müssen und ohne Schwierigkeiten auch verschaffen können« Biese m sführungen zeigen, daß das Berufungsgericht seine Beurteilung sowohl auf den Tatbestand der "Kenntnis", als auch - gewissermaßen hilfsweise - auf den des "Kennen-müsseno" gestützt hat« Da es aber für eine Jnwirksamkeit der Verfügung im Sinne des § 2113 Abs« 2 BGB ausreicht, daß der Vorerbe das bestehende Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung habe erkennen müssen, wird die Beurteilung des Berufungsgerichts jedenfalls von seiner "Hilfsbegrün-dung" getragen, die ihrem Sinne nach besagen will: Die allgemeine Unsicherheit über die Bewertung landwirtschaftlichen Grundbesitzej sei damals so groß gewesen, daß die Vorerbin, falls sie den wirklichen Wert des Grundbesitzes nicht erkannt hätte, nicht hätte vom 1 l/2~fachen Einheitswert ausgehen dürfen, sondern sich hätte vorher an geeigneter Stelle erkundigen müssen« Auf die frage, ob seinerzeit in Kreisen landwirtschaftlicher Grundbesitzer schon allgemein bekannt gewesen sei, daß der Verkehrswert landwirtschaftlicher Grundstücke nicht nur knapp um die Hälfte, sondern weit mehr über dem steuerlichen Einheitswert - dieser betrug hier unstreitig 7»500 JM. c) Soweit das Berufungsgericht in weiteren Ausführungen darlegt, die Beklagte habe auch nicht hinreichend zu beweisen vermocht, daß ihr, allenfalls zusammen mit ihrem Ehemann, wegen der auf dem Grundbesitz geleisteten Arbeit ein Vergütungsanspruch von 10.500 DM zugestanden habe, können dies und auch die hiergegen erhobenen Rügen der Revision dahingestellt bleiben» Im Ergebnis spricht das Berufungsgericht nämlich aus, selbst < der Beklagtem der Vergütungsanspruch in Hohe von 10»500 ! e) Erfolglos bleibt schließlich auch die Büge der Bevisiorij wenn das Berufungsgericht annehme, es sei nicht ersichtlich, daß der Beklagten und ihrem Ehemann bis zur Übertragung des Grundbesitzes auf die Beklagte Bereicherungsansprüche gegen die Vorerbin erwachsen seien und daß es dahinotehen könne, ob solche Ansprüche gegen den Kaufpreis berechnet werden dürften, dann sei es verpflichtet gewesen, die Beklagte gemäß § 139 ZPO zu dem genauen Vortrag aufzuforderiio Die Beklagte hätte dann unter Beweisantritt das Bestehen solcher Ansprüche dargetan» Selbst wenn man das Bestehen von derartigen Bereicherungsarisprüchen unterstellen wollte, so hat jedenfalls die Beklagte niemals behauptet, daß etwa neben dem im notariell Veräußerungsvertrag genannten Kaufpreis von 10»500 DM noch weitere ihr gegenüber der Vorerbin zustehende Forderungen auf den Kaufpreis zur Verrechnung hätten kommen sollen.» Solche Forderungen wären dann bei der Veräußerung des Grundstücks unberücksichtigt geblieben» Sie ständen der Beklagten möglicherweise noch zu, könnten aber an der teilweisen unentgeltlichen Verfügung der Vorerbin nichts ändern Ohne Hecht sv er stoß hat daher das Berufungsgericht di<* Prü~ fung der Frage, ob solche Bereicherungsansprüche vorliegen, unterlassen» Es würde sich hierbei immer nur um selbständige Bereicherungsansprüche handeln, die gegenüber dem erhobenen Eigentumsanspruch nur mittels des Zurückbehaltungsrechts hätten geltend gemacht werden können» Die Geltendmachung des Zurückbehaltungsrechts besteht in der Erhebung der Einrede der Verweigerung der geschuldeten Leistungd Sie kann zwar auch durch schlüssige Handlung vorgebracht werden» Der § 273 BGB verlangt aber jedenfalls? Allge-meine Erklärungen, wie die Übertragung des Grundbesitzes sei nicht einmal ein hinreichendes Entgelt für die 24-jährL ge Mitarbeit der Beklagten und ihres Ehemannes auf dem Grundstück gewesen, es seien Schulden abzutragen und Kosten für umfangreiche Instand Setzungen aufzubringen gewesen, konnten hierzu nicht ausreichen, ganz abgesehen davon, daß die Beklagte zur Höhe dieser angeblichen Ansprüche überhaupt nichts vorgetragen hat® Die mit der Revision neu vorgetragenen Behauptungen über vorgenommene Aufwendungen der Beklagten und ihres Ehemannes können vom Revisionsgericht nicht berücksichtigt werden® Die Revision kann auch nicht rügen, das Berufungsgericht habe 5 139 BGB dadurch verletzt, daß es die Beklagte hierüber nicht befragt habe. Das Berufungsgericht konnte und mußte davon ausgehen, daß die anwaltschaftlich vertretene Beklagte sich dazu vollständig geäußert hatte» Der J 139 EDO hat nicht zu dem Inhalt, daß die Parteien von ihrer Pflicht, ihre Behauptungen genau zu substantiieren und unter Beweis zu stellen, entlastet werden sollen, sondern die Vorschrift soll nur im Interesse einer gerechten und sachgemäßen Entscheidung Vorsorge treffen, daß nicht ein blosses Versehen oder übersehen den Parteien zu dem Rachteil gereicht.