BGH · III ZR 35/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
e Sache .wird zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten:der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen Die Klägerin betrieb in Osnabrück auf dem Grundstück J^pjppstraße 0 eine Eisengießerei und benutzte dabei später; einen Kupolofen, ohne die nach § 16 : GewO erforderliche Genehmigung zu besitzen, Auf Beanstandung der beklagten Stadt beantragte die Klägerin ü nachträglich die Genehmigung, Im Genehmigungsverfahren persägte der Bauaussehuß im Mai 1950 seine Zustimmung, ipeil die d^jj^pstraße nach der Bauordnung zu dem W;phngebiet;lge dem Inhaber der Kl^eri^deshalh-nahe, den Betrieb in Industrie-'■■gel^nde;;;:Zp verlegen. heit:, ein Grünästück an der Mindener Straße von einer ■Firma lip^p zu pachten«, die dort bis 1954 eine Maschinenfabrik betrieben hatte. Dieser Ortsbereich war; in den Bebauungsplänen der Stadt als Wohngebiet aus- . Dast/Banord-nungsamffden-B^ ;;aera:Klä^eriii auf ;ihre Anfrageunter /dem/f,, April i;955: mitfidaß das Grundstück ^in^einei Bau'geDisifliege(f':wea^die^fBrricDtung und Erweiterüng gewerblicher /Betfiebe. f daß /die/ beabsi;|hiigte/ Auf st eliungfder Öfen aber öf f ent A lichl bekannl^M^ffö und . Der zur Ent sc hei d ung üb er den Antrag beruf ene 3eschlußaussehuß der Stadt stellte die üblichen Er mi tt langen an und ve rhand eite in einem De rin in am ■; Durch Beschluß vom selben Tage wies der Ausschuß die Einwendungen der Anlieger zurück und erteilte die be- Einem Anfrag der Klägerin ent sprechend enthie.lt der /Beschluß-gemäß § 19 a GewO den Zusatz„ daß der Eiäge-rin "auf ihre Gefahrf unbeschadet des Rechtsmiitelver- die unverzügliche- Ausführung dieser Anlage gestattet" werde/ Die Klägerin begann alsbald :mit den Arbeiten für die Aufstellung der Öfen/ . Im August 1955 erhoben drei Anlieger Klage gegen die Stadt mit dem Antrag, den Beschluß aufzuheben» Bas ■'Landesverwaltungsgericht Hannover beteiligte die Klägerin an dem Verfahren als Beigeladene und gab der Stadt auf, die Ausnahmeerlaubnis der Bauaufsichtsbe- hörde sowie die Zustimmung des Regierungspräsidenten nachzureichen» Ber Regierungspräsident erklärte jedoch, daß er sich zur DispensentScheidung.nicht in der Lage sehe und den Ausgang aet gerichtlichen Verfahrens abwarten möchte» Burch Urteil vom 5» Januar 1956 hob darauf das Verwaitungsgericht den Beschluß vcm 30«Vdu-: ni 1955 als rechtswidrig laufweil die Errichtung des .Betriebes': in; einem Wohngebiet ohne Bispensertei- »i lung: verboteniund;:die rechtswirksame Erteilung eines Dispenses nicht nachgewiesen sei;» Kein Beteiligter leg- ;i Die Klägerin verlangt von der Stadt Ersatz des ihr 'entstandenen Schadens aus dem Gesichtspunkt der ilii Amtspflichtverletzung;und hat:dazu vorgetragen; Ber Beschlußausschuß .hätte; die Bauordnung 'beachten., sich : um die Erteilung des Dispenses sowie der Zustimmung des: Regierungspräsidenten bemühen müssen und ohneddiese Klärung ,die .Genehmigung nicht erteilen dürfen» Im Ge-genteil habe.die Beklagte wiederholt erklärt» daß gegen die Errichtung der Anlage keine Bedenken beständen» Bei ordnungsmäßiger Erteilung des Dispenses oder bei Ablehnung des Antrages wegen fehlenden Dispenses hattäv dib Klägerin die .jetzl entstandenen Kosten nicht gehabt» Slä macht mit der Klage zunächst einen leilbe-trag.:;/vcn'k>;;100 BIZ nebst Zinsen geltend, und zwar in erster hilfsweise sonstige 'vergebliche Aufwendungen Die Beklagte hat Abweisung der Klage heantragt^ Sie meint:, die etwa unrichtige Behandlung des Antrages habe keinen Schaden verursacht»: Ihre Organe ^hätten nicht schuldhaft gehandelt» Sie habe das Verhalten des Regierungspräsidenten nicht zu vertreten» Die Klägerin hätte sich selbst um diese Zustimmung bemühen und■Berufung gegen das verwaltungsgerichtliche Urteil einlegen müssen» Die Klägerin -könne-: auch keinen Ersatz verlangen, da sie die Arbeiten auf eigene Gefahr vor Rec htskraft der Ent Scheidung begönnen habe-'Mindest ens schließet das mitwirkende Verschulden -der Klägerin alle 'Ansprüche : ans.. daß der Beschlußausschuß einen i rechtswidrigen Bescheid erlassen habe, weil er nach § 18 GewO bei Erteilung der Gewerbegenehmigung auch die ;; baupolizeilichen Vorschriften mit zu beachten hatte Der Beschluß habe gegen zwingende Bauverbote verstoßen,:i. weil es sich mindestens um eine Erweiterung gewerblicher ;■ Anlagen gehandelt habe; zwar sei ein Dispens möglich ge-wesen, : doch habe dazu die Zustimmung;des Regierungsprä-'v':: sidenten gefehlt» Die Zivilgerichte haben e in zwischen den Part e ien wi rksames recht skr af - 1 tigeer:w:erwalto Verwaltungsgericht einen wesentliehen Gesichtspunkt nicht beachtet, doch ändert das am Ergebnis nichts: Die ff Bestimmimg des § 18 GewO, wonach die für die Gewerbegenehmigung zuständige Behörde zugleich die baupolizeilichen. § 1 E BauVO); daraus ;hoig^uwh:i:ter, :|äß der (::Beschlu%üs- :f schuß auch die nach der Bauordnung erf crderliahen ;Di spen-se selbst zu erteilen hatte (PrOVG 37, 509? 3.) Me Gesetzes^erletzung war ferner für die Schaden u r s äo hl ich, Hät t e der Ausschuß die Bauverord- hung beachtet, d:ann galt folgehdesr Entweder hatte; der Regierungspräsident seine Zustimmung versagt,, \ dann hätte der Ausschuß den Antrag allebnen müssen und die Klägerin hätte mit dem Bau nicht begonnent Hätte dagegen der Regierungspräsident seine Zustimmung erteilt, dann wäre der Antrag der Klägerin genehmigt worden und der Bescheid rechtskräftig geworden^ wei^::;:t; davon ausgegangen werden "kann,- daß der Ausschuß Wierderum eine Gefährdung oder Belästigung der Hachbar-, schaft verneint hätte und keine anderen Versagungs- ; gründe Vorlagen, Auch gegen diese Würdigung hat die Revision Bedenken im einzelnen nicht vorgetragen, ) Das Berufungsgericht bejaht das Verschulden tu der' Beamten, weil sie die Bauordnung hätten kennen 'fit und beachten mussen, Bas Verschulden des Beschlußausschusses sei gering, weil er immerhin das Bauordnungs-amtt^ habe. een, daß mindestens eine Betriebserweiterung vorliege und dazu nach der Bauordnung für den Baudispens die l Zustimmung des Regierungsprä-sidenten notwendig sei- t Das Bauordnungsamt hätte vorher klären müssen, ob diese Zustimmung erteilt werden sollte, ktSt die Erteilung der Genehmigung kein" Rechts-mittei:'2ugestanden : und ein Rechtsmittel gegen das ■■ here walfungsgerichtliehe //Erteil,. s cKoh; de shalbf" weil .die/ Klägerin nicht/ die: Rechtskraft des ersten Bescheid des' abgewaftet,:habe;=.//.;;/'/ es,: gleich liege/:; ob die Klägerin einen Rechtobehelf gegen eine belastende /En,tScheidung versäumt oder die Rechtskraft pinde//^^ Verwaltungsaktes nicht äh|ewär|e::t'.. . der/ Drteiluhg einer gesetzwidrigen Genehmigung und nicht'in der Aufhebung durch das Verwaltungsgericht, Rechtsmittel im Sinne des § 839 Abs.3 BGB sind nur solche Rechtsbehelfe, die die benachteiligende Amtshandlung beseitigen und die Abwendung des dadurch entstandenen Schadens ermöglichen Rönnen. Dazu gehört nicht ■; die Versäumung eines^Rechtsmittels mit dem Ziel, den rechtswidrigen Verwaltungsakt dim Ergebnis aufrecht zu erhalten, weil er für den Betroffenen günstig ist, AueK däs:<:kannvhöchstensr unter deh;; Gesi chtspunkt eines mitwirkenden ■ Versehuldene'ngwert,e.|. chen Bestimmung des § 19 a GewO hatte die Beklagte die 1 vorläufige Bauerlaubnis davon abhängig zu machen, daß der Unt e rne hm er " auf eigene Gefahr" handelte.. doch war dabei wesentlich nur, daß dieser Antrag "vor Schluß der Verhandlung" zu stellen war, damit die übrigen Beteiligten sich dazu äußern konnten. nichts daran, daß der Haftungsäus-Schluß sich aus dem Hoheitsakt und nicht aus. Und der gewerbepplizeiiichen Genehmigung' die Möglichkeit eröff- ; nen,; 'die Bauausführung vor Abschluß des; Genehmigungsverfahrens in Angriff zu nehmen und auf diese Weise anerkennenswerten Belangen des Unternehmers an-einer alsbaldigen Erstellung der Baulichkeiten Rechnung zu tragen. Dabei wurde die dem erstinstanzlichen Bescheid'vorangehende Erörterung aller gegen eine Genehmigung sprechenden Bedenken und Einwendungen Dritter als eine ausreichen denen; durch die weitere1 Hihaus s c hi e düng::: d.^r;; Baut eh.; dis .zu dem: Eintritt der Recht skraft;;;des... oDäraus dfhigtDer Ahiragsteilerodarf; grundsätzlich daher auS';geheh;/:s'::haß die" Behörde ihm nur dann die einstweilige BauäusführÜng gestattet:,;: wenn sie nach,; einer sorgfältigen Prüfung seines Antrags die endgültige Ge- ”" nehmigung des Objekts ohne wesentliche .Ähderung;des Bauplans erwartet., Die Behörde, die unt er Äußer ae hi; las sung der gebotenen "Sorgfalt dies nicht beachtet, verletzt schuldhaft eine ihr gegenüber dem Antragsteller obliegen- : de Amtspflicht (§ 839 BGB). Es geht zwar an sich auf seine Gefahr, daß die im Lauf ;des verwaltungs-; mäßigen oderVerwaltungsgerichtliehen Instanzenzüges mit der Sache; befaßten Stellen als;: eine Böige :'ldea'gegrenzt eh menschlichen Erkenntnisvermögens bei"der .sorgfältigen Anwendung des Gesetzes;; der genauen Abwägung; der widerstreitenden verschiedenen'''Interes.s''öh, bei dem sorgsamen'.Duf.chschfeiten'des ihnen eingeräumten Beur- ^Ergebnissen gelangen- können^;: Er braucht es aber nicht : auf sich "zu ne^ daß ihm die Genehmigungsbehörde 'eihe/feinstweilige Erlaubnis erteilt , ihn dabei; Jedoch nicht über die Zweifelhaftigkeit "der- Sach- ’und Rechtslaf ; ge’ belehrt und ihn ; derart> nu schädigenden baulichen Maßnahmen ermuntert und veranlaßt. In selchen Fällen wird das Schadensbild davon beherrscht, daß ein pflichtwidriges 7erhalten der Behörde* nicht Jedoch ein "eigenes Verhalt eil;” den; Int rags teller zu seinen schädlichen Mai3nahmen!:Tbesfimmtt: Dementspreohend;::hat dann die Behörde .'für : den'durch.Ehre'.: ' §: 19; a fdewQlgreiftJäiilbtn in einem Falle ein, in dem die schuldhafte Amtspflichtv erletzung der Geneh-m.1 gun g s b e h ö r d e darin (mit-) besteht, daß die Behörde den Antragsteller nicht über aas für ihn mit einer Bauausführung: bei Zweife 1 haftigkeit der Sachund Rechtslage verbundehe ungewöhnliche Risiko aufgeklärt: : j in; dem früher die Firma ihre; Fabrik betrieben hatte und auf derent.Grundbesitz jetzt die Klägerin ihren Betrieb unter Aufstellung von zwei Kupolöfen;stat tf bisher; einem Ofeh: aufnehmen / wollte, war nach der zwischenzeitlich von der Beklagten erlassenen neuen Bauverordnung die Errichtung und Erweiterung aller die Eigenart des als Wohngebiet ausgewiesenen Geländes störenden baulichen Anlagen und Betriebe, insbesondere gewerblicher Anlagen, unzulässig- gung des von der Klägerin gestellten Antrags nicht erwarten. Die 'Aufstellung von zwei Kupolöfen seitens der Klägerin als eine bloße Fortführung und unwesent- • liehe Veränderung' des früheren)Betriebs der Firma ansuseilen, war bei sachgemäßer (Beurteilung ein Ausweg, der Keinen Erfolg versprach. Die Frage, ob der Klägerin ein Dispens erteilt werden könne, war nicht geklärt. ■ Die Beklagte hiä^ nach dem oben Ausgeführten der Klägerin k'ei-heivöriäudfige Erlaubnis erteilen dürfen oder ( zu demindest die Klägerin entsprechend belehren müssen. Beklagte hatte)):awar) gegenüber; der Klägerin a.uf deren Anfrage in däm': Sehr ei ben ihr e s Baue rdnungsamt s vom 6, Apri 1- ui); 195b; zürn/Ausdruck(gebracht, daß dem Antrag/ der Klägerin gewisse (Bedenken und (Schwierigkeiten (entgegenständen. : im Einklang' mit der Regelung ..(des §)19 a GewO) die (einstweilige Bauerlaubnis erteilte Das) Schadensbild wird;daher) ) von dem als schuldhaft ■ pflichtwidrig zu Wertenden Vor- .( } Die Revision meint schließlich:» die Klägerin müsse sich ein mitwirkendes Verschulden entgegenhalten lassen, Das Berufungsgericht hat; dazu: aus gefühlt 5; die Klägerin sei gegenüber der amtlichen Auskunft der zuständigen ".Behörde zu weiteren Nachforschungen nicht verpflichtet gewesen; Jedenfalls habe sie erst während des ver-waltungsge^ Verfahrens-Bedenken bekommen kön- dieser Auffassung: des Berufungsgerichts .nichts zustimmeno^'D mußte sich darüber klar sein» dal der BeschluiB über die Erteilung der Ce-nehrrhgung möglicherweise im';'Rechtsmittelverfahreh aufgehoben werden konnte und: daß sie, dann alle Kosten, die ml i; dem Bau der Ofen zusammenhingen» vergeblich auf gewendet hatte» Auf die Möglichkeit einer Anfechtungsklage gegen einen günstigen Bescheid war sie mehrfach hin-gewiesen- Sie hatte trotzdem in ihrem Antrag vom 25. Der , Bes chiuSi-hatt e dies elb&; Eins chränkung 'nochmals ;betohtV Die 'Klägerin hatte -aüs demiVerfähren uh.d Keinesfalls konnte" sie sich mit dem vorangegangenen Schreiben vom ötlpril 1955 beruhigen, wie das Berufungsgericht meint; im Gegenteil mußte dieses Schreiben sie zu besonderer Vor- \ sicht veranlassen, weil die Behörde vorschlug, _die AufStellung'der beiden Öfen auf dem neuen Betriebsgrundstück als ’Fortführung und unwesentliche Veränderung eines bestehenden Betriebs anzusehenDie- 'Zweifeihaifls'd,, tigkeit dieser'Begründung lag nicht fern; denn die Klä- : gerin .wollte ihre Betriebsstelle verlegen und die doppelte Anzahl v:::. Öfen auf st eilen, obwohl sie schon für den bis dahin betriebenen ersten Ofen keine Genehmigung bekommen hatte, Das alles mußte die Klägerin veranlassen, selbst die Rechtslage gründlich und möglichst durch : einen sachkundigen Berater überprüfen zu lassen, bevor : sie mit Arbeiten begann, die nach ihrer Erklärung fast 100 ,;0ÖÖ 'DMtfla step, verursachten. hach § 5 der Bau-, vererdnung durfte er die Zustimmung nicht deshalb verweigern, weil bereits ein Prozeß schwebte, sondern mußte er 'sie erteilen, wenn der Dispens mit dem öffentlicher. sn::'einerlöffen-bar nicht beabsichtigten Härte geführt hätte«:'Bei dem für:die Klägerin günstigen Ergebnis der Beweisaufnahme wor dem BeSchlußausschuß war diese Zustimmung möglicherweise ^erreichbar gewesen; doch muß da es das Berufungsgericht kläreno Dabei hat es festsusteilen, wie: bder -Regie-' iruhgspräs : oder das Ministerium :nach ihrer1 'allgemei- : hphilsich aus alle diese Maßnahmen hätte ergreifen können und müssen, nachdem sie die vorläufige Bauerlaubnis ev-11 |luhäf' die Klägerin mi t': ko s t -f ■ .weil' ldi|flAnllhge:r;|:zu#;::;El'ä'gör.Sa.buh Jf nichtb,1?.eiugt;ggwesen ■ seien•, Das ist unrichtig, weil der BeschluBausschul3: die :; Anlieger förmlich am Verfahren beteiligt- und der Bescheid ihre Einwendungen ausdrücklich surtickgewie sen. Jedenfalls müssen alle diese Umstände unter dem Gesicht spurn kt ;eine s mi twirkenden Ver schuidens ;■ der Kla- gerin gemäß § 254 BGB gewürdigt werden« Das Urteil muß deshalb ..aufgehoben und die Sache an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden; die Abwägung in derartigen Pallen ist Aufgabe des Patrichiers=