BGH · III ZR 34/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 3o Dezember 1964 wurde ein österreichischer Lastkraftwagen auf der Autobahn München-Nürnberg in der Nähe von Greding bei einem Zusammenstoß mit einem Lastkraftwagen der amerikanischen Streitkräfte schwer beschädigte Der Kläger fordert kraft übergegangenen Rechts Ersatz des Schadens« Das Amt für Verteidigungslasten Nürnberg lehnte den bei ihm angemeldeten Anspruch durch Bescheid vom 14« Dezember 1966 ab« Der Bescheid wurde den Vertretern des Klägers, den Rechtsanwälten Br« und Langscheid in Ingolstadt am 20« Dezember 1966 zugestellt« Der Prozeßbevollmächtigte des Klägers, Rechtsanwalt G^B~ in reichte am 18« Pebruar 1967 die Klage Nach Arte 12 Abs« 3 des Ausführungsgesetzes zu dem NATO-Truppenstatut (NTS-AG) vom 180 August 1961 (BGBl II 1183) muß die Klage, mit der ein durch ausländische Truppen auf dem Gebiete der Bundesrepublik Deutschland verursachter Schaden gemäß dem NATO-Truppenstatut und den ergänzenden Bestimmungen geltend gemacht werden soll, innerhalb von 2 Monaten erhoben werden, nachdem die zuständige deutsche Behörde den angemeldeten Anspruch abgelehnt hat» Nach § 261 b AbSo 3 ZPO genügt es zur Wahrung der Klagefrist, wenn die Klage innerhalb der Prist bei Gericht eingereicht und demnächst, sei es auch nach dem Ablauf der Frist, zugestellt wirdo Die Klagefrist ist durch die Zustellung des Bescheides des Amtes für Verteidigungslasten an die Rechtsanwälte Dr„ HöflHIHHH und LÜm am 20o Dezember 1966 in Lauf gesetzt worden und mit dem 200 Februar 1967 (Montag) abgelaufen0 Die Klage ist erst etwa 2 1/2 Monate später zugestellt wprdeno Entscheidend für ihre Zulässigkeit ist, ob die Zustellung noch als "demnächst” erfolgt angesehen werden kann» Das Berufungsgericht hat die Frage verneint mit der Begründung, eine schuldhafte Verzögerung bei der Einzahlung der Prozeßgebühr liege schon darin, daß der Prozeßbevollmächtigte des Klägers die Aufforderung des Gerichts zur Einzahlung der Gebühr vom 20„ Februar. Zwar kann die Präge, ob eine Klage demnächst nach der Einreichung zugestellt ist, nicht allein aufgrund des Zeitablaufs beantwortet werden, der zwischen der Einreichung und der Zustellung liegto Insoweit beruft sich die Revision mit Recht auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs* Indessen hat das Berufungsgericht diese Rechtsprechung nicht verkannto Der Zweck des § 26lb Abs0 3 ZK) ist es, einmal den Kläger vor der schädlichen Wirkung verzögernder Umstände zu schützen, huf die er keinen Einfluß hat, vor allem bei Verzögerungen der von Amts wegen zu bewirkenden Zustellung, andererseits aber auch die Unsicherheit der Rechtslage im Interesse der beklagten Partei baldigst zu beseitigen (BGH LH zu DBG § 143 Nr. 4 = NJW 1953, 620; BGH 25, 66, Dabei haftet die Partei für das Verschulden eines Vertreters nach § 232 Abs. 2 ZPO (BGHZ 31, 342)c Diese Vorschrift gehört zu den Bestimmungen, die gemäß Arte 6 Abs<> 3 NTS-AG auf die in Abs* 1 des Artikels geregelte 2-monatige Klagefrist anzuv/enden sind (Urteil vom 30. Der Rechtsnachteil, der im Verluste der Rückwirkung der Klageeinreichung liegt, tritt nicht nur bei grobem Verschulden ein (BGHZ 25, 66, 77; 31, 342, 346)„ Danach ist je nach den Umständen des Einzelfalles mitunter eine Zustellung, die monatelang nach der Einreichung der Klage vorgenommen wurde, noch als "demnächst” erfolgt anerkannt worden, so wenn die Zustellung von der rechtzeitig beantragten Bewilligung des Armenrechts abhing, in änderen Fällen? ZPO verneint wordeno Hier hat das Berufungsgericht dem Prozeßbevollmächtig-ten des Klägers ein die Rückwirkung der Zustellung verhinderndes Verschulden mit Recht deshalb angelastet, weil er nicht für eine frühere Zahlung der Prozeßgebühr gesorgt hat,, Auch wenn der Prozeßbevollmächtigte am 180 Februar 1967 den Rechts-anwälten Pr- HöBIHHB unö XJHHHB in Ingolstadt nicht nur die Einreichung der Klage mitgeteilt, sondern sie gleichzeitig um Überweisung der Prozeßgebühr gebeten hat? reichen hat * Lie Bestimmung des § 261h Abs» 3 entbindet ihn nicht von der Aufgabe., die Voraussetzungen für die fristwahrende Zustellung zu schaffen» Dazu gehörtP wenn nicht das Armenrecht bewilligt oder vorläufige Gebührenfreiheit nach § 111 Abso 4 GKG beantragt ist, die Zahlung der Prozeßgebuhro Mit der Verpflichtung, für deren unverzügliche Zahlung zu sorgen, war es unvereinbar, daß Rechts anwalt Gerngroß sich erst nach mehr als einem Monat seit Einreichung der Klage vvieder an seine Korrespondenzanwälte gewandt hat und trotz der Erfolglosigkeit seines Schreibon vom 21o März 1967 weiter untätig geblieben istD Hierin liegt ein nachlässiges Verhalten, das die Anwendung des § 26lb Abso 3 ZPO verhindert» Es hätte ebenso den Erfolg des Wiedereinsetzungsgesuchos verhindert, wenn dieses rechtzeitig gestellt wäre»