BGH · III ZR 34/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Hechtssatzs Einem Antrag auf Einstellung der Zwangsvollstreckung hach § 719 Abs 2 ZPO, der damit begründet ist,, daß dem Vollstrek-kungsgläubiger in den Vorinstanzen das Armenrecht bewilligt worden sei, kann nicht stattgegeben werden, wenn der Vollstreckungsschuldner einen Antrag auf Abwendung der Zwangsvollstreckung aus § 715 Abs 2 ZP0 im Berufungsverfahren nicht gestellt hat«. Im Berufungsverfahren hat er den nach § 715 Abs 2 ZPO zulässigen Antrag, ihm nachzulassen, durch Sicherheitsleistung die Vollstreckung abzuwenden, •. Einem derartigen Nachteil konnte der Revisionskläger Vorbeugen, indem er den in § 713 Abs 2 ZPO vorgesehenen Antrag im Berufungsverfahren stellte» Denn wenn dem VollstreckungsSchuldner nachgelassen ist, die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung abzuwenden, dann kann zwar bis zur Leistung der Sicherheit vollstreckt werden; das gepfändete Geld oder der Erlös gepfändeter Gegenstände ist dann aber nach § 720 ZPO auch vor Leistung der Sicherheit zu hinterlegen (Stein-Jonas ZPO 17« Aufl Anm I). Die Gefahr, daß der Voll st reckungs gläubiger den durch die Vollstreckung erlangten Betrag verbraucht und der Voll st reckungs Schuldner nach Aufhebung des gegen ihn gerichteten vorläufig vollstreckbaren Urteils seinen Erstattungsanspruch aus § 717 Abs 3 ZPO nicht zu verwirklichen vermag, kann also bei rechtzeitigem Antrag aus § 713 Abs 2 ZPO nicht eintreten. Letzterer muß sich nähmlich zur,Leistung einer Sicherheit erbieten und er ist, selbst wenn er sie leistet, der Gefahr der Vollstreckung ausgesetzt, wenn der Gläubiger selbst nach § 713 Abs 2 letzter Halbsatz Sicherheit leistet» Denn dann ist § 720 ZPO nicht anwendbar (Stein-Jonas aaO). wenn man berücksichtigt, wie es zur Einführung des § 719 ZPO durch die Zivilprozeßnovelle von 1910 gekommen ist (vgl hierzu RGZ 83, 299)* Der mit der Novelle verfolgte Zweck, das Revisionsgericht zu entlasten, würde vereitelt werden, wenn man Anträgen aus § 719 Abs 2 ZPO unter den hier vorliegenden Umständen stattgeben wollte. Ob etwas anderes gilt, wenn es sich nicht um die • Vollstreckung von Geldforderungen handelt, oder wenn die Umstände, die die Gefahr eines nicht zu ersetzenden Nachteiles begründen, erst nach Beendigung des Berufungsverfahrens hervorgetreten sind, oder wenn schließlich andere Nachteile als der Verlust des Erstattungsanspruches aus § 717 Abs 3 ZPO, etwa die Leistung des Offenbarungseides, in Präge stehen, braucht hier nicht entschieden zu werden.