BGH · III ZR 33/51 vom 20.12.1951
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Der Ehemann der Klägerin zu l) und Vater der Kläger zu 2) bis 6), der am£» 1906 geborene Theodor TflHBk verunglückte am 15© November 1941 bei einem Verkehrsunfall im Strassenbahnbetrieb der Beklagten tödliche Durch rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Krefeld vom 20« September 1943 (2 0 1/42) ist festgestellt worden, dass die Beklagte im Rahmen des Reichshaftpflichtgesetzes der Klägerin zu l) allen Schaden zu ersetzen hat, der ihr infolge des Todes ihres Ehemannes entstanden ist und in Zukunft noch ent- Das Landgericht hat der Klage mit der Massgahe stattgegeben, dass die rückständigen Beträge zu Händen der Klägerin zu i) zu zahlen*und von diesen die auf Grund der einstweiligen Verfügung vom 7® September 1946 von der Beklagten gezahlten Summen in Abzug zu bringen seien«, Auf dieTBerufung der Beklagten und die Anschlussberufung der Kläger, mit der diese eine Erhöhung der zugesprochenen Beträge erstrebten, hat das Oberlandesgericht Düsseldorf durch Teilurteil unter Zurückweisung der Berufung im übrigen und Zurückweisung der An-schlussberufung, soweit sie sich auf die Erhöhung der bis zur Währungsreform den Klägern zuerkannten Beträge bezieht, das Urteil des Landgerichts abgeändert® Das Oberlandesgericht ist der Auffassung, dass TÄ-für die Klägerin zu 1) monatlich 120 DII und für die Kläger zu 2) bis 6) monatlich je 48 DM bis zur Vollendung ihres 18® Lebensjahres hätte aufwenden müssen und können® Von diesen Beträgen seien bei der Klägerin zu 1) monatlich 22,50 DM und bei den Klägern zu 2) bis 6) monatlich 13>50 DM Pachtanteil abzuziehen® Nach Erreichen des 180 Lebensjahres durch die Kläger zu 2) bis 6) seien die jeweils freiwerdenden Beträge auf die übrigen Kläger zu verteilen® Der Rentenanspruch der Klägerin zu l) ende am 31® Dezember 1978, da Tenhagen schätzungsweise ein Alter von 72 Lebensjahren erreicht haben würde® Da den Klägern der Unterhalt, den Tenhagen für sie auf gewandt hätte, ohne nochmalige Besteuerung zufliessen müsse, sei die Beklagte verpflichtet, entsprechend mehr zu leisten® Die Feststellung dieser Uehrleistungspflicht der Beklagten werde dem Schlussurteil Vorbehalten® Nach diesen Grundsätzen hat das 287 ZPO«, Sie meint, das Berufungsgericht habe für seine Schätzung nicht genügend schätzungsbegründende Tatsachen festge-stellt und das Parteivorbringen, das als Schätzungsgrundlage von Bedeutung sein könnte, nicht in vollem Umfang gewürdigt« Es habe das Gutachten des Sachverständigen BroPHl^P seiner Schätzung zugrunde gelegt, obwohl dessen Grundlagen nicht nachprüfbar seien« Die Geschäftsunterlagen des Pächters SchflH^ seien nicht berücksichtigt worden« Bei der Schätzung des Schadens habe das Berufungsgericht den ihm durch § 287 ZPO eingeräumten Ermessensspielraum überschritten und gegen allgemein anerkannte Erfahrungssätze verstossen« Die von dem Berufungsgericht angeordnete Begutachtung durch den Sachverständigen Dr,F^B^ unterlag der freien Bev/e is Würdigung des Berufungsgerichts gemäss §'286 ZPO« In der Revisionsinstanz kann nur geprüft werden, ob sich das Berufungsgericht bei der Würdigung des Gutachtens im: Rahmen des ihm durch § 286 ZPO eingeräumten Ermessens gehalten hat« Das Berufungsgericht hat das Gutachten zu würdigen; es darf das Ergebnis nicht ohne jede Prüfung übernehmen, sondern muss mit den ihm zur Verfügung stehenden Erkenntnismitteln die Sachkunde des Gutachters, wenn in dieser Hinsicht Zweifel auftauchen, und die Richtigkeit des Gutachtens prüfen, wobei es die von den Parteien vorgebrachten Einwendungen zu berücksichtigen hat (OGHBrZ Zöln in NJY/ 3.950, *08). Es bestand für das Berufungsgericht kein Anlass, sich über die Sachkunde des Gutachters DroE0Bl besonders zu vergewissern, nachdem beide Parteien vor Ernennung des Gutachters, der allgemein als Sachverständiger für wirtschaftliche Prägen bestellt ist, gehört waren und seine Sachkunde nicht bezweifelten« Die Beklagte hat auch nach Erstattung des Gutachtens keine Einwendungen gegen die Sachkunde des Gutachters erhoben, sondern nur die von dem Gutachter gezogenen Schlußfolgerungen beanstandet« Auf welche Art und Weise sich der Sachverständige seine Sachkunde verschafft hatte, brauchte vom Berufungsgericht nicht nachgeprüft zu werden (RGZ 151, 349 /?5§7)« Die Richtigkeit des von dem Sachverständigen erstatteten Gutachtens hat das Berufungsgericht im Rahmen der ihm zur Verfügung stehenden Erkenntnismittel, der Zeugenvernehmung und der eigenen Sachkunde, geprüft« Das Berufungsgericht hat sich nicht die Beurteilung des Sachverständigen ohne weitere Prüfung zu eigen gemacht, sondern ausweislich der Urteilsgründe nur einzelne Folgerungen des Sachverständigen übernommen und jm übrigen die Schätzung auf Grund der sich aus der Beweisaufnahme ergebenden schiitzungsbegründenden Tatsachen durchgeführt« Es hat sich bei der Schätzung des den Elägern entgangenen Unterhalts nur hinsichtlich der Einnahmen der Jahre 1942 bis 1947 und des Verhältnisses von Gewerbeertrag und Einnahmen zu dem Umsatz auf das Sachverständigengutachten bezogen« ^Dagegen hat es die von ihm angenommene Weiterentwicklung des Unternehmens des getöteten TflHHBlvor allem aus den Aussagen der Zeugen WflBh He^HP und SchflH^ entnommen« Die Per- sönlichkeit TflHHH^ hat es auf Grund der Aussage des Zeugen SchdBfc beurteilt® Die Angriffe der Revision gegen die Verwertung des Gutachtens dea Sachverständigen Dr® durch das Berufungsgericht erweisen sich daher schon deswegen als ungerechtfertigt, weil die Schätzung des Berufungsgerichts nur in einzelnen wenigen Punkten - von dem Sachverständigen aus den Akten entnommene Tatsachen und auf Grund seiner Sachkunde mitgeteilte Erfahrungssätze - auf dem Gutachten des Sachverständigen beruht« nochmalige Vernehmung des Zeugen Sch^H^ über die Umsätze unterrichtet* Es war nicht verpflichtet, die Geschäftsbücher des Pächters SchflHH^ zur Schadens-Schätzung heranzuziehen, da es in dem Gutachten des Sachverständigen und den Aussagen der Zeugen bereits ausreichende schätzüngsbegründende Tatsachen festgestellt hatte* Es brauchte auch zur Nichtberücksichtigung der Geschäftsbücher Schürholts im Urteil nicht Stellung zu nehmen, da ein Beweisantrag auf Verwertung dieser Urkunden von der Beklagten nicht gestellt worden war* nur zur Beurteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung im Fuhrgey/erbe herangezoge.no Die Revision meint weiter, das Berufungsgericht habe gegen Regeln der allgemeinen Lebenserfahrung verstossen, indem es bei der Beurteilung der Entwicklung des Fuhrunternehmens TfHHHP die vorübergehende Kriegs- und Hachkriegskonjunktur nicht berücksichtigt und angenommen habe, T^HBfc hätte noch bis zu seinem 68« Lebensjahr zu demindest den Betrieb leiten können und ein Alter von 72 Jahren erreicht« Ein Verstoss gegen die Regeln der allgemeinen Lebenserfahrung oder gegen Regeln einer besonderen Sachund Fachkunde, sogenannte Erfahrungssätze, unterliegt zwar der Hachprüfung des Revisionsgerichts, da derartige Sätze als Hormen der Beurteilung-von Tatsachen dienen (RGZ 99, 70 y7j7)° Doch gibt es die von der Revision behaupteten Erfahrüngssätze nicht«» Es ist zwar ein Erfahrungssatz, dass die wirtschaftliche Es gibt auch keinen allgemeinen Erfahrungssatz, dass jemand nicht über das 65» Lebensjahr hinaus einem Erwerb nachgehen könne (RGJI7 1931, 860$ OG-HBrZ Köln in IJJU 1949, 341 )o Auch für FuhrUnternehmer kann ein derartiger Satz nicht-aufgestellt werden® Fuhrleute sind keinem grösseren Verschleiss an Kraft und Gesundheit ausgesetzt als Angehörige vieler anderer Berufe® Ebensowenig gibt es eine allgemeine Regel, dass ein Kleinbetrieb einen Leiter, der nicht körperlich mitarbeitet, nicht tragen könne® Dies hangt vielmehr jeweils von den Umständen des einzelnen Palles ab® Hier ist zu berücksichtigen, dass der verstorbene T4BBIK vier Söhne hatte, so dass das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum annehmen konnte, der eine oder andere dieser Söhne wür~ de in dem Fuhrunternehmen mitgearbeitet und es dadurch ermöglicht haben, die Leitung des Betriebes ohne eigene körperliche Mitarbeit beizubehalten» Darüber-hinaus hat das Berufungsgericht festgestellt, dass der Betrieb wenn dieser nicht verunglückt wäre, sich wesentlich vergrössert haben würde» Es widerspricht nicht der Lebenserfahrung« dass T^BB^denBetrieb von seinem 65» bis zu seinem 68» Jahre ohne körperliche Mitarbeit hätte leiten könne» Auch die Annahme des Be-rungsgcrichts, SBBH^ hätte ein Alter von 72 Jahren 'rreicht, verstösst nicht gegen allgemeine Regeln der Lebenserfahrung» Ein solches Alter ist nichts Ungewöhnliches» Dass-auch dieses Alter erreicht haben könnte, hat das Berufungsgericht mit Tenhagens gesunder Lebensweise ausreichend begründet» IIo Auch die weitere Rüge der Revfe ion, das Berufungsgericht habe übersehen, bei Berechnung der der Klägerin zu 1) vom Io Januar 1975 bis 31 * Dezember 1978 zuerkannten Rentenansprüche den dieser aus der Verpachtung des Unternehmens zukommenden Pachtzins anzurechnen, ist ungerechtfertigt» Das Berufungsgericht hat ausgeführt (S 26 des Urteils), dass die Beklagte vom Io Januar 1975 an die Klägerin zu 1) 112,50 DM monatlich abzüglich 22,50 DU Pachtanteil zahlen müsaeo Die Revision unterstellt schliesslich die vom Berufungsgericht vorgenommene Anwendung und Auslegung des materiellen Rechts der ITachprüfung des Revisionsgerichts o Auch insoweit ist jedoch keine Rechtsverletzung ersichtlich«