BGH · III ZR 25/62 vom 01.07.1963
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Die beklagte GeflflflJA werde daher den Teil der Hecke, der sich auf GeflBflBeigentum befände, demnächst entfernen« Anschließend werden die Kläger in der Anordnung aufgefordert, bis zu dem 31« Juli 1956 auch ihren Teil der Hecke zu entfernen, um das Auströcknen der Straße durch das Vorhandensein der fast 5 m hohen Hecke nicht zu behindern« Neben einer Hechtsmittelhelehrung ist in der Anordnung weiterhin die Androhung enthalten, nach Ablauf der Prist (31* Juli 1956} werde die GeflHH^ den Rest der Hecke auf Kosten der Kläger beseitigen lassen. Die Kläger sehen in dem Verhalten des BflHHHHHPs der beklagten GeHHB» <*as zur Entfernung der Hecke geführt hat, eine Amt spf licht Verletzung, für die sie die beklagte Geflppi verantwortlich machen«, Sie haben hierzu vo r get ragen: Di e ent f ernt e He cke , V habe ganz ube r wi egend auf ihrem Grund und Boden gestanden, so daß sich die beklagte GeflHHP einer Eigentumsverletzung schuldig gemacht habe* Der im Jahre 1941/42 gesetzte nordostwärtige Eckgrenz stein befinde sich nicht dort, wo er auf dem überreichten Lageplan vom-13* September 1954 eingezeichnet sei, sondern ein Stück westlich im Bereich des Wegegrundstückes* Weiterhin, so meinen die Kläger, sei die genannte Hecke eine Grenzeinrichtung zwischen ihrem Grundstück und dem Grundstück der beklagten GeflPPP gewesen, deren eigenmächtige Entfernung durch die beklagte GeflPH) auch aus diesem Grunde unrechtmäßig gewesen sei* Sie hat den Klageanspruch dem Grunde und der Höhe nach bestritten und hierzu vorgetragen, die von ihr abgeschlagene Hecke habe ausschließlich auf ihrem GedHPeigentum gestanden« Soweit einige Schößlinge auf das Grundstück der Kläger übergetreten seien, habe man diese mit peinlicher Sorgfalt stehen lassen« Im übrigen sei die Hecke offensichtlich rein wild gewachsen und nicht als Grenzeinrichtung zu betrachten» , Das Landgericht hat die Klage abgewiesen» Hit der Berufung haben die Kläger ihren Anspruch weiter verfolgt, diesen jedoch, soweit er den Holzwert der abgeschlagenen Hecke in Höhe von 40 DM betraf, fallen gelassen, .infolgedessen nur noch die Verurteilung zur Zahlung von 560 DM nebst Zinsen verlangt» . Das Berufungsgericht hat die Berufung der Kläger als unbegründet zurückgewiesen mit der Maßgabe, daß die Klage, soweit sie auf Amtspflicht Verletzung des der Beklagten gestützt wird, als unbegründet, im übrigen jedoch als unzulässig abgewiesen wird. Kläger befanden hätte, eine hoheitliche Maßnahme zu sehen gewesen* Dieser Ausgangspunkt ist im Zusammenhang mit der Anordnung der beklagten GeflHBfe vom 26« Juli 7 956 gerecht» fertigt« In der Anordnung wurde den Klägern in Form einer hoheitlichen Verfügung aufgegeben, den auf ihrem Grundstück befindlichen Teil der Hecke zu entfernen mit der Androhung, * daß die GeflBB^nach Ablauf der bis zu dem 31« Juli 1956 ge- ■ setzten Frist die Hecke auf Kosten der Kläger beseitigen lassen werde« Danach wäre aber in der Beseitigung der Hecke auf dem Grundstück der Kläger durch die beklagte GcflHBfc, wenn sie, wie behauptet, im Vollzug der Anordnung durchge- j; führt worden wäre, eine Durchführung der Anordnung im | 2») Das Landgericht hat einen Anspruch aus § 839 BGB in Verbindung mit Art« 34 GG nicht für begründet angesehen, weil nach dem Ergebnis seiner Beweisaufnahme die entfernte Hecke durchweg nicht auf dem Grund und Boden der Kläger gestanden, ihnen gegenüber eine behördliche Zwangsmaßnahme mithin überhaupt nicht Vorgelegen habe« Das Berufungsgericht führt hierzu aus: Die Kläger hielten unter dem Eindruck des Beweisergebnisses ihre ursprüngliche Behauptung, daß die von der beklagten GefH|0 entfernte Hecke auf ihrem - der Kläger - Grund und Boden gestanden habe, im wesentlichen nicht mehr aufrecht« Sie behaupteten dies vielmehr nur noch bezüglich einer ziemlich kurzen Grenzstrecke an der Nordosbecke ihres Grundstücks, wo der Grenzverlauf zwischen den Parteien streitig sei« Sofern die Grenze so verlaufe, wie sie im Jahre 1952 amtlich vermarkt und damals auch von den Klägern anerkannt worden sei, seien auch in der Nordostecke keine Teile Die Revision übersieht hierbei, daß man der Anordnung der beklagten eine solche Beweiskraft, wie die Revision es will, nicht beimessen kann« Aus ihr ergibt sich Über die Kenntnis des über den tatsächlichen Grenzverlauf überhaupt nichts« Gerade der Umstand, daß die Beseitigung des hier in Rede stehenden Teils der Hecke bereits am 28« Juli 1956 vorgenommen wurde, den Klägern aber für die Beseitigung der auf ihrem Grundstück befindlichen Hecke eine Frist bis zu dem 31o Juli 1956 gesetzt war, spricht dafür, daß man noch keine Zwangsmaßnahmen gegenüber den Klägern einleiten, sondern zunächst die Hecke nur insoweit beseitigen wollte, als sie sich auf dem Grund und Boden der beklagten GäflHB befand, wobei es sich dann entsprechend den Feststellungen des Berufungsgerichtes ergab, daß eine Heckehbeseitigung auf dem Grundstück der Kläger nicht mehr veranlaßt war« Die Anordnung vom 26« Juli 1956 besagt daher, selbst wenn der bei ihrem Erlaß noch von der Hotwendigkeit einer Heckenbeseitigung auch auf dem Grundstück der Kläger ausgegangen ist, nichts dafür, daß der bei den von ihm am 28« Juli 1956 veranlaßten Maßnahmen an der Richtigkeit der, wie das Berufungsgericht feststeilt, ordnungsmäßig vermarkten und auch von den Klägern anerkannten Grenze Zweifel gehabt hat oder zu demindest haben mußte« Der Anordnung kommt infolgedessen in dem hier interessierenden Zusammenhang eine entscheidungserhebliche Bedeutung nicht zu, so daß das Berufungsgericht der Anordnung für seine Entscheidung keine Bedeutung zu schenken brauchte. Ohne Rechtsirrtum kommt mithin das Berufungsgericht zu dem Ergebnis, daß auch ein versehentlicher Übergriff auf das Gelände der Kläger, falls man ihn unterstellen wollte, zu demindest nicht schuldhaft erfolgt ist. Io) Die Kläger haben ihren Anspruch auch darauf gestützt, daß die beklagte GeflfBBI schuldhaft rechtswidrig in ihr Eigentum eingegriffen habe, indem sie ohne Zustimmung der Kläger eine Grenzeinrichtung im Sinne der §§ 921, 922 BGB habe beseitigen lassen« Aus dem Klagevortrag der Kläger könnte entnommen werden, daß sie in dieser Maßnahme gleich« falls einen hoheitlichen Eingriff sehen und ihren Anspruch auch insoweit aus § 839 BGB in Verbindung mit Art* 34 GG herleiten wollen« Dem widerspricht jedoch die Erklärung des Prozeßvertreters der Kläger in der mündlichen Verhandlung vom 27« Januar 1959, die Klage werde in erster Linie auf § 839 BGB und hilfeweise auf die §§ 921 ff BGB gestützt« Aus dieser Erklärung ergibt sich, daß der Hilfsanspruch nicht auf eine Amtspflichtverletzung oder zu demindest nicht nur auf eine AmtspflichtVerletzung in Ausübung hoheitlicher Gewalt gestützt wirdo Das landgerichtliche Urteil läßt nicht erkennen, ob das Landgericht den Anspruch der Kläger insoweit nur im Blick auf § 839 BGB oder auch auf die §§ 823 Abs« 2, 1004, 922 BGB (BGB RGRK, 11« Aufl«, § 1004 Annu 52) geprüft hat« Nähere Ausführungen hierzu erübrigten sich für das Landgericht, da es bereits das Vorliegen einer Grenzeinrichtung im Sinne des § 921 BGB verneint. Das Berufungsgericht führt in diesem Zusammenhänge aus: Unterstelle man eine Grenzeinrichtung im Sinne des § 921 BGB und hätte die beklagte Ge- Es handele sich vielmehr um einen gewöhnlichen nachbarlichen Verstoß, wie er ebenso zwischen privaten Grundstücksnachbarn hätte Platz greifen können<> Soweit die Kläger hieraus Schadensersatzansprüche herleiten wollten, sei eine Zuständigkeit des Landgerichts angesichts der Zuständigkeitsrüge der beklagten GeflH^ mit Rücksicht auf den geringen Streitwert nicht gegeben. Hieraus folgert das Berufungsgericht, daß das Landgericht für den aus dem Hachbarrecht hergeleiteten An- l spruch sachlich nicht zuständig gewesen sei und insoweit j in Ermangelung eines Verweisungsantrages der Kläger die Klage als unzulässig abzuweisen gehabt habe, und nimmt j eine dementsprechende Abänderung des landgerichtlichen I unbegründet zurückgewiesen und dabei lediglich eine seiner Ansicht nach erforderliche Richtigstellung des landgerichtlichen Urteils vorgenommen hat«, Eine Zulässig» keit der Revision ohne Rücksicht auf den Y/ert des Be-schwerd ege genstand es gemäß § 547 Abs«, 2 Ziff.1 ZPO ist daher nicht gegeben, soweit die Anspruchsgrundlage aus den nachbarrechtlichen Bestimmungen der §§ 921 ff BOB hergeleitet wird, mag auch, worauf die Revision hinweist, das Berufungsgex-icht die Vorschriften der §§ 10, 5T1 ZPO verletzt haben. Ohne Hechtsirrtum vertritt aber das Berufungsgericht die Ansicht, daß in der Entfernung der Heeke auf dem eigenen Grundstück der beklagten GeflHP unter einem mög-liehen Verstoß gegen § 922 Satz 3 BGB nicht ein hoheitliches Handeln zu sehen ist. § 922 Anm» 4)» Zwar wird man nach Lage der Verhältnisse davon auszugehen haben, daß der der beklagten GeflHB bei seinen auf die Beseitigung der Hecke gerichteten Maßnahmen als verfassungsmäßig berufener Vertreter der beklagten tätig geworden ist, also in Ausübung seiner Amtstätigkeit gehandelt hat«, Biese Amtstätigkeit hat jedoch im Rahmen der rein nachbarrechtlichen Beziehungen zwischen der beklagten GeflHB und den Klägern gelegen, sie hat sich mithin im Bereich des Privatrechtsverkehrs der beklagten GedHfc abgespielt. bevollmächtigten der Kläger in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat vertretenen Ansicht, eine Grenzeinrichtung i im Sinne des § 921 BGB stehe im Miteigentum der beiden benachbarten Grundstückseigentümer, so daß der Eingriff eines Grundstückseigentümers in die Grenzeinrichtung, auch soweit sie sich auf seinem Grundstück befinde, zugleich einen Ein- | griff in das Miteigentum des Nachbarn darstelle, dieser Eingriff in das Miteigentum aber auch unter dem Blickwinkel I einer hoheitlichen Maßnahme zu beurteilen sei.