BGH · III ZR 15/50
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Hause oder unterhalb des Hauses K|Bi Strasse® vor einem Lastzug der angefahron und an linken Bein schwor verletzt« Der Lastzug war, aus Richtung Kleve auf das* Kitteltor?r,u£ahrend, auf der Schnee«’ und Bisdecke der K®®| Strasse nach links auf den Bürgersteig und Uber diesen bis an eine Mauer geraten und hatte hierbei den auf dem Bürgersteig befindlichen Schn des Klägers erfasst« Das jetzt zerstörte Haus KflBfe Strasse ®war Eigentum des im Jahre 1943 gefallenen Ehemanns und Taters der Br fordert yen.den Beklagten ein .angemessenes , Schmerzensgeld, die Zahlung von 93 EM, jetzt 9,30 DM für nach dem 1® Januar 1947 beschaffte Medikamente, die Befreiung ven der Verpflichtung zur Brstattung an die Fürsorgebehörde und die Feststellung der Verpflichtung zu dem Ersatz alles weiteren Schadens aus dem Unfall« Auf das Schmerzensgeld will er sich einen Betrag von 175,99 HU, jetzt 17,59 BL! Bie Erstbeklagte hat in einem zu dem Armen-reditsgesuch des Klägers namens ihres damals noch lebenden Ehemannes eingereichten Schriftsatz vcm 30« September 194-1 (Bl 4) in Zweifel gezogen, ob sich unter der Eis- und Schneedecke des Fahr-dammes Überhaupt ein ausgesprochenes loch gebildet hatte, oder ob nicht vielmehr der Kraftwagen vermöge seines Eigen- und Ladegewichts au$h ohne ein seiches Loch durch- und festgesackt war« Sie hat ein Verschulden und dessen Ursächlichkeit bestritten« Hach Bewilligung des Armenrechts (8« Oktober 1941, Bl 8) und Erhebung der Klage (8« August 1942, Bl 9) haben sich die Einwendungen der Beklagten im lendgerichtlichen Verfahren auf die Höhe der .Ansprüche beschränkt; der Grund ist nicht erörtert worden« I® Das Berufungsgericht prüft und bejaht die Zu-' lüssigkeit einer Nachprüfung des Grundes des .Anspruchs Darin, dass die Beklagten im ersten Rechtszug diesen Grund nicht ausdrücklich bestritten haben, sieht es kein die TTirkungen der §§288, 290 ZPO auslösendes. II® Bas Berufungsgericht folgt dem Kläger darin, dass es die in der Bisschicht entstandene Höhlung auf die Abwässer zurüokführt, die aus dem Hause des «Erblassers der Beklagten unter dem etwa 1,70 m breiten Bürgersteig hindurch in die Gcsse geflossen vieren und dort infolge der vor-handenen Vereisung keinen Abfluss fanden® Hs stellt fest, dass die Einbruchsteile eine Grösse von etwa 60 - 70 cm im Burchmesser gehabt und dass die Unter-Spülung zu einem beträchliclien 2eil in die Fahrbahn der Strasse hineingereicht habe® Obwohl der * Lastzug ganz links auf der Fahrbahn fahren musste, um die Einbruchstelle zu berühren, sieht das Berufungsgericht auch den adäquaten ursächlichen Zusammenhang zwischen der Unterspülung und dem Unfall als bewiesen an® Biese Barlegungen werden ven der Revision in verschiedenen Richtungen ange- . sonstigen unreinen Flüssigkeiten benutzt norden durften» Fs hat Zncifol, ob dieses Verbot der Ableitung yen unreinen Abwässern in die Strassenrinnen in Icons e*• quenter Weise überhaupt durchführbar vier, da eine Kanalisation in der Stadt Zanten fehlte und auch heute noch nicht vorhanden ist« Deshalb spricht es diesem Verbot keine allgemein durchführbare Verbindlichkeit zu« Fs stellt aber eine allgemeine und sich auch aus den ganzen Sinn der Polizeiverordnung ergebende Verkehrspflicht der Anlieger fest, die Abwässer nicht in einer Weise auf die 3trasse zu leiten, dass sie eine Gefährdung für den Verkehr auf der Strasse bedeuteten« Das habe namentlich bei Frostwotter und bei Schnee- und Fisbildung zu gelten, nenn durch die Ableitung von kalten oder viarmen Abwässern die Gefahr von Yfesserstauungen, Bildung von glatten Eisflächen durch Einfrieren dieses Wassers nie aber auch von 'Unterhöhl Ungen durch warmes, Fis und Schnee verzehrendes Wasser auf der Strasse hervorgerufen nurde« Das Berufungsgericht meint, bei Anwendung der gehörigen Sorgfalt habe dann der verstorbene Ehemann und Vater der Beklagten als verantwortlicher Eigentümer des Hauses erkennen müssen, dass bei weiterer Abführung insbesondere: warmer Abwässer auf die Strasse eine Unterhöhlung oder Aushöhlung der gleiche Höhe bringen müssen« Insoweit treffe ihn daher eine schuldhafte Ausserachtlaosung der gebotenen Verkehrspflicht und Sorgfalt« Für die Beweiswürdigung verwertet das Berufungsgericht den .Umstand, dass die Verantwortung als solche für den Unfall während der ganzen jahrelangen Prozessführung der ersten Instanz nicht mehr bestritten worden ist und die Versicherung der Beklagten sogar sehen Zahlungen geleistet hat« Bieses .Verhalten sei nicht recht verständlich, wenn nicht die Versicherung, der Beklagten nach Hassgabe der damals besser zu übersehenden und zu klärenden Sachund Hechts läge selbst der Auffassung gewesen sei, dass um eine Haftung gerichts entscheidend von der Berücksichtigung des Verhaltens der Versicherungsgesellschaft im Rechtsstreit getragen werden, weil die Feststellung des Verschuldens schon aus einem anderen Grunde den Angriffen der Revision nicht standhalten kann« Die auf die Person des verentwörtlichen Hauseigentümers abgestellten Erwägungen d des Berufungsgerichts lassen ausser acht, dass dieser zur Zeit des Unfalls nach der unbestrittenen Behauptung der Beklagten bereits zur Wehrmacht eingezogen wer, dass er sich also keinesfalls selbst um die Art der Ableitung der Abwässer kümmern konnte« Es hätte daher, wie die Revision mit Recht rügt, einer Feststellung darüber bedurft, wer von ihm mit der Durchführung dieser Aufgaben in seiner Abwesenheit beauftragt war und cb er für dessen etwa festgestellte Schadensstiftende Handlungen oder Unterlassungen nach § 831. haftbar gemacht werden kenn« Nach den Barlegungen der ßevisicn verwaltete die Era the klagte das Geschäft zur Unfallzeit; sie könnte daher gegebenenfalls für ein eigenes Verschulden und ohne Beschränkung auf den Nachlass haftbar sein, aber eine Haftung der minderjährigen Kinder liesse sich auf diesem 7fege nicht begründen« 2«) Eine Verletzung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt kann nur dann festgestollt werden, wenn klargestellt ist, was zur Erfüllung dieser Sorgfaltspflicht hätte geschehen sollen und können» Bass das entstandene Loch nicht, wie das Berufungsgericht es fordert, zugeschüttet und die Becke dadurch mit der übrigen Strassendecke auf die gleiche Höhe gebracht wurde, kann dem Eigentümer oder seinem Vertreter nicht als Verschulden angerechnet werden« Es ist vom Berufungsgericht nicht festgestellt, vcm Kläger auch nicht behauptet worden, dass der Eigentümer oder sein Vertreter die entstandene Unterhöhlung tatsächlich gesehen hat oder dass man der über der Unterkühlung verbliebenen Eisdecke ohne besondere Fachkenntnisse ihre geringere Stärke ansehen konnte« E3 bedarf daher keiner Prüfung, was unter Berücksichtigung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt hätte geschehen können oder müssen, um einer auf.diese YTeise erkennbaren Gefahr vorzubeugen« 3cheidet man aber diese Möglichkeit einer Erkennbarkeit der Gefahr aus, so bleibt zu prüfen, welche Schlüsse ein nicht physikalisch vcrgebildeter Haus eigen- doch häufig weiter abfliessen können, ohne dass sich an der Bisdecke Veränderungen zu zeigen brauchen« Diese Möglichkeit besteht umso mehr und umso länger, nenn eine vertiefte Rinne mit einigen Gefälle zur Verfügung steht, nie es an der bnfall3telle zutraf.Bine durch weiteres Einfrieren verursachte Verengung dieser Abflussmöglichkeit wird dadurch erkennbar, dass das Wasser nicht mehr abfliesst, sondern sich Zurücks taut, hier zunächst in den Abflusskanal unter dem Bürgersteig und dann bis an die Ausgußstelle» Hierdurch kann sich eine Aushöhlung der geschilderten Art nicht bilden« Sie mag dadurch entstanden sein, dass zu irgendeinem Zeitpunkt das zufliessende 7/asser zunächst keinen Abfluss fand, sondern sich vor dem Ausgang des unter dem Bürgersteig liegenden Kanals staute, aber nicht alsbald gefror, sondern nach einiger Zeit .doch den zunächst versperrten Abfluss fand. Schicht leiten würde« Bass dies hier geschehen wäre, ist aber weder festgestellt noch behauptet worden« Deshalb ist ein die Haftung begründendes Verschulden auch dann nicht zu erweisen, wenn mit dem Berufungsgericht davon ausgegangen wird, der Erblasser der Beklagten sei zur Zeit des Unfalls noch persönlich anwesend gewesen« Es bedarf danach auch keiner Prüfung, ob er für eine Unachtsamkeit seines etwa bestellten Vertreters hätte einstehen müssen oder ob er sich hätte entlasten können«